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Leselupe.de > Horror und Psycho
Erntezeit
Eingestellt am 30. 01. 2013 14:55


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Steewee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2013

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Erntezeit

Die Mittagssonne brannte unerbittlich auf seiner Haut. Schwei├č rann ihm in Str├Âmen ├╝ber den K├Ârper. Sein Hemd hatte er ausgezogen und zusammengeknotet. Er w├╝rde es noch brauchen. Nie zuvor ist ihm etwas schwerer gefallen, als das, was jetzt vor ihm lag. Aber es musste sein. Er musste es tun. Keiner konnte ihm diese B├╝rde abnehmen. Jeder w├╝rde ihn verstehen, nur er verstand es noch nicht. Er hatte alles um sich herum aus- geblendet und konzentrierte sich auf den Weg, der vor ihm lag. Eine breite Schneise. Mitten in der Natur. Unendlich lang. Z├Âgerlich setzte er sich in Gang und vorsichtig einen Fuss vor den anderen. Langsam, sehr langsam. Der Boden knisterte unter seinen Schritten. Er wollte, durfte nichts ├╝bersehen. Schon nach wenigen Metern hielt er inne und schluckte. Als Kind hatte er mit den Z├Ąhnen geknirscht, was er mit einer Aufbi├čschiene besiegte. Jetzt war es das Einzigste, was er neben dem Pochen des Blutes in seinem Kopf von sich h├Âren konnte. Die Anspannung drohte ihn zu zerreissen.
Er atmete tief ein, b├╝ckte sich und hob etwas vom Boden auf. Den Blick abgewandt packte er es hastig in das verknotete Hemd. Immer noch atmete er keuchend. Nach einer langen Pause ging er mit weichen Knien weiter und wusste nicht, wo er als n├Ąchstes ankommen w├╝rde. Ob er ankommen w├╝rde.
Wieder sah er ein Teil in der Sonne gl├Ąnzen. Mit einem verzweifeltem Versuch, das Denken abzuschalten und nur noch zu funktionieren, legte er das Fundst├╝ck zu dem anderen. Seine Hand zitterte und das Hemd fiel zu Boden. Ihm wurde schwarz vor Augen. Z├Ąhne knirschten. Rei├č Dich zusammen.
Als er das Hemd aufhob, wog es gef├╝hlt wie Blei, obwohl es nicht ann├Ąhrend gef├╝llt war. Noch nicht.
Die Sonne wandelte seinen Weg in ein glei├čendes Inferno voller Licht, Hitze und Schmerzen. Abwesend trat er in etwas Weiches. Ein Schlag durchfuhr seine Nervenbahnen vom Fuss bis in den Sch├Ądel und drohte, ihn in eine Ohnmacht zu reissen.
Nein. Ich schaff das. Ich bin nicht stark, aber ich schaff das. Ich schulde mir nichts, aber ich schaff das.
Er hob den Fuss und sah nach unten. Was hatte er erwartet zu sehen? Was hatte er nur erwartet? Er begann leise in sich hineinzulachen. Ein verzweifeltes Lachen, das langsam anschwoll und die zirpende Umgebung zum Schweigen brachte. Er sah auf eine tote Ratte und lachte. Als sein Lachen zum Wimmern erstarb, war die Sonne ├╝ber ihrem Zenit und die Schatten wurden langsam l├Ąnger. Er hatte nicht mehr viel Zeit. Trotzdem ging er den Weg, der noch vor ihm lag, wie im Delirium. Wieder und wieder fand er etwas, dass St├╝ck f├╝r St├╝ck das Hemd f├╝llte und ihn von seinem Verstand entfernte.
Pl├Âtzlich war Stille da. Er suchte nach dem Klang des Lebens, aber er h├Ârte nichts. Er wollte einen Schritt machen, was unm├Âglich war. Er wollte schreien, doch alles war gel├Ąhmt. Stille. Er konnte nur sehen. Etwas Blaues. Etwas Blaues, dass er kannte, gut kannte. Nein, das konnte er nicht. Er w├╝rde es jetzt und hier beenden. Und sich selbst nie wieder in die Augen sehen k├Ânnen. Keinen Frieden finden. Stillstand. Stille. F├╝r immer.
Zitternd krampften sich seine H├Ąnde in das feuchte Hemd. Sein K├Ârper schien ihm nicht mehr zu gehorchen. Fast l├Âste sich sein Geist von dieser schwachen, schwitzenden Masse. Er sah durch seinen Sch├Ądel hindurch auf etwas Blaues. Schatten glitten dar├╝ber. Ein Schrei holte ihn zur├╝ck. Sein Schrei. Hoch ├╝ber ihm kreisten messerscharfe Blicke und Krallen. Nein. Nicht jetzt. Nicht hier.
Keuchend, knirschend kam er dem Blau n├Ąher. Er brauchte beide H├Ąnde, um es in das Hemd zu bekommen. Sein Atem kollabierte und er suchte japsend Halt. Das B├╝ndel an sich gepresst st├╝rzte er vorn ├╝ber. Er fiel weich und ├ťbelkeit entriss ihm das Bewu├čtsein.
Er wusste nicht, was ihn wieder zur├╝ckbrachte. Aber was auch immer es war, es gestattete ihm f├╝r einen kurzen Moment das, was er sich zu jedem Zeitpunkt seines Handelns herbeigesehnt hatte. Er funktionierte. Sein Verstand schwieg und er funktionierte. Mechanisch griff er sich das Hemd und pfl├╝ckte auf dem Weg zum Abschlu├č seiner Qualen alles vom Boden, was er noch in seinem D├Ąmmerzustand erfassen konnte. Ersch├Âpft st├╝tzte er sich gegen das kalte Metall, dass das Ende der Schneise markierte. Im Schatten der riesigen Maschine lauschte er dem Rauschen des Weizens, das mit dem seiner Venen gleichklang. Wie oft hatte er das Schneidwerk seines M├Ąhdreschers durch diese goldene Einsamkeit gelenkt? Wie oft ...? Wie oft hatte er seinem Sohn gesagt, er solle w├Ąhrend der Erntezeit nicht im Kornfeld spielen ...

Version vom 30. 01. 2013 14:55
Version vom 12. 02. 2013 14:27
Version vom 26. 02. 2013 13:17

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lapismont
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Hallo Steewee,

Willkommen in der Lupe!

Der Text ist bedr├╝ckend, fast manisch erz├Ąhlt und h├Ąlt bei der Stange bis zum heftigen Twist am Ende.

Einige Typos sind noch drin aber alles in allem ein sch├Âner Einstand!

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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