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Leselupe.de > Kindergeschichten
Erwachsen werden
Eingestellt am 11. 09. 2004 14:55


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

Werke: 36
Kommentare: 13
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Der Fund

Diese TagebĂŒcher, die alten verstaubten Dinger, habe ich auf dem Dachboden in einer Kiste gefunden. Meine Mutter habe ich gefragt, woher die Kiste kommt, von einer Kusine oder vielleicht gehört sie ja sogar ihr. Doch sie hat nur gemeint, sie wisse beim besten Willen nicht, woher dieses alte Ding stamme. Von meinem Vater kam eine genauso unbefriedigende Antwort. Wahrscheinlich gehörte sie wirklich einer Verwandten höheren Grades, die ich nie kennen gelernt habe und meine Eltern sind durch Zufall an diese Kiste geraten.
Ich gebe zu, ich bin ein neugieriger Mensch und ich konnte nicht umhin die einzelnen BĂŒcher einmal durchzublĂ€ttern und zu ĂŒberfliegen. Die BĂŒcher waren doch nicht so alt, wie ich vorerst vermutet hatte, die BlĂ€tter wirkten nicht so abgegriffen und fleckig, wie ich es schon bei vielen alten BĂŒchern gesehen habe. Damit kenne ich mich ein bisschen aus, BĂŒcher sind meine Leidenschaft, ob nun alt, oder neu. Meine Mutter hat gerufen, ich solle doch vom Dachboden kommen, es ziehe kalt nach unten und sie wolle nicht die ganze WĂ€rme an den Dachboden verlieren. Ich packe also die Kiste. Sie ist schwer es sind einige BĂŒcher, ich habe sie vorher alle gezĂ€hlt und herausgenommen. Sie sind nicht einheitlich groß, dick und schwer, und die Holzkiste wiegt auch einiges.
Ich stelle die Kiste in mein Zimmer. Meine Mutter kommt kurz zur TĂŒr herein, um zu sehen, was ich mir nun wieder ins Zimmer geschleppt habe. Sie mag es nicht gerne, wenn ich mein kleines Zimmer, welches ohnehin schon zum Bersten vollgestopft ist, und das hauptsĂ€chlich mit BĂŒchern, mit weiterem unnĂŒtzen Zeug, wie sie es nennt, zustelle. Sie sieht mich auf dem Boden sitzen, vor mir die Kiste. Sie zieht eine Augenbraue hoch und ich mache mich schon darauf gefasst, dass sie schimpft und sagt, dass ich die Kiste wieder auf den Dachboden stellen soll, doch sie seufzt nur und die Augenbraue senkt sich wieder.
„Staub das alte Ding wenigstens ab, du weißt doch, der Staub ist nicht gut wegen deinem Asthma.“
Sie schließt die TĂŒr hinter mir und ich bin etwas erstaunt. Sie hat mich nicht geschimpft. Aber Eltern kann man sowieso nicht einschĂ€tzen, sie verhalten sich nur selten so, wie man es von ihnen erwartet. Sie sind einfach unberechenbar. Mein Blick wandert zur Kiste und ich werde dem Auftrag meiner Mutter nachkommen. Auf dem Deckel der Kiste liegt wirklich eine Zentimeter dicke Staubschicht. Ich kann dem Drang nicht wiederstehen und male ein grinsendes Gesicht in den Staub, dann raffe ich mich auf, um einen Staublappen zu holen.

Ich sitze vor der geöffneten Kiste. FeinsĂ€uberlich habe ich sie abgestaubt und die BĂŒcher um mich herum aufgestapelt. Sie sind geordnet, angefangen beim Ă€ltesten Datum bis hin zum jĂŒngsten. Die GrĂ¶ĂŸe der BĂŒcher variiert sehr. Ich habe eines, das Ă€lteste Buch, das ist kleiner als ein normales DinA5 Heft, aus der Schule. Ein anderes wiederum hat das Format DinA4. Das kleinste Buch ist auch das schönste. Es ist mir schon auf dem Dachboden aufgefallen und es liegt auch schön in der Hand. Es ist mit einem bestickten Stoff ĂŒberzogen. Darauf ist ein chinesischer Garten zu sehen. Mit vielen Blumen, wenigen Menschen und Booten. Die Ecken sind mit Leder eingefasst und ebenso der BuchrĂŒcken. In ein solches Tagebuch hĂ€tte ich auch immer gerne geschrieben. Aber ich bin keine eifrige Schreiberin und letztendlich hĂ€tte ich es nur angefangen und nie voll geschrieben. Als ich es aufschlage entdecke ich ein kleines gelbes Lesezeichen, es liegt vor den letzten zwei Seiten. Alles ist dicht beschrieben, selbst als ich es nur durchblĂ€ttere, erkenne ich, dass sich die Schrift oftmals Ă€ndert, kleiner und grĂ¶ĂŸer, breiter und schmaler, gerader und kursiver wird. Ich gebe meiner Neugierde nach, klettere mit dem Buch in meiner Hand in mein Bett, hĂŒlle mich in meine Decke ein. WĂ€hrend es draußen zu schneien beginnt, mache ich eine Reise in die Vergangenheit einer Unbekannten.



Erstes Buch

17.8.
Ja die Natur!
Der Baum mein Freund.
Die Elster bereut.
Die Luft trÀgt den Duft.
Die Quelle entspringt,
und prÀgt sich in den Stein
geschwind.
Dieser wird an Land gespĂŒlt.
Ja vielleicht gehört er sogar dir.

18.8.
Wir sind heute in Norwegen angekommen.
Hier hat man viel Platz. Wir haben sogar ein eigenes Boot.
Der See hat Inseln aber ich glaube, die sind alle versumpft.
Hoffentlich fangen wir dieses Jahr Fische.

27.8.
Neben mir habe ich eine Steinsammlung liegen.
Da gibt es Steine, die wunderschön glitzern. Andere sind ganz flach und haben keine scharfen Kanten. Viele sind mit kleinen glitzernden Adern durchzogen. Hoffentlich bleiben sie auch so schön.

3.9.
Mein Vater kann nichts anderes als meckern.
Immer und ĂŒberall hat er etwas auszusetzen. Aber nur manchmal.

5.9.
Mein Bruder ist ein Depp.
Leider ein so großer, dass ich immer angemeckert werde und er nicht.

6.9.
Heute ist noch nichts passiert.
Hoffentlich bleibt es so.

Das Huhn Margarete lebte auf einem Bauernhof bei der Elbe. Sie war wunderschön, dass alle anderen HĂŒhner sie beneideten. Einmal sagte Margarete zum Bauern: „Fahre bitte mit mir in die Stadt, ich möchte mir einen Schminktisch kaufen.“
Der Bauer war damit einverstanden und sie gingen am selben Tag noch in die Stadt. Margarete wollte eigentlich Model werden, doch man wies sie ĂŒberall ab.
Denn wer nahm schon ein Huhn als Model in Vertrag?
Doch Margarete war so versessen darauf, ein Model zu werden, dass sich eines Tages eine Modeagentur bei ihr meldete und sie einstellte.

Ich schaue kurz auf und denke ĂŒber die wenigen bisher gelesenen SĂ€tze nach. Ich kann nicht verstehen, wie es ist, wenn man auf Geschwister wĂŒtend ist. Meine Mutter konnte nach mir keine Kinder mehr bekommen und so friste ich mein Dasein als Einzelkind. Der letzte Eintrag kommt mir seltsam vor. Warum schreibt jemand eine kurze Geschichte ĂŒber ein Huhn, das Model werden will? Noch dazu ist die Geschichte echt schlecht. Ein Talent zum Schreiben war da wirklich nicht vorhanden. Egal, vielleicht wird der Sinn dieser Geschichte spĂ€ter noch erklĂ€rt, ich werde wohl weiter lesen mĂŒssen.

25.11.
Ich habe heute mal wieder viel in der Schule gelernt.
Mathe ist jetzt gar nicht mehr so schlimm. Eigentlich ist es doch ganz einfach zu verstehen. Nur Erdkunde ist noch sehr blöd. Die Lehrerin ist streng und irgendwie seltsam.

15.12.
Bald ist Weihnachten.
Was ich von wem bekomme, ist mir egal.
Ich habe Paul einen Brief geschrieben. Ich bin immer noch in ihn verliebt. Aber ich weiß nicht, ob ich den Brief abschicken soll.

4.2.
Wir hatten eine Ratte. Sie hieß Goliath.
Goliath geb. ? - gest. 28.1.1998
Lieber Gott, nimm diese Ratte gut bei dir auf.

Da war jetzt aber ein großer Sprung und sehr aussagekrĂ€ftig sind die EintrĂ€ge auch nicht wirklich. Sie scheint an dieser Ratte gehangen zu haben. Wie ich an meinem Kater Paul, der letzten Sommer von einem Auto ĂŒberfahren wurde. Ich merke, wie mir die TrĂ€nen in die Augen steigen, als ich daran denke und lese lieber weiter, um die Erinnerung zu verdrĂ€ngen.

8.2.
Wir waren heute in einer Tropfsteinhöhle.
Dort war es wirklich schön. Aber ein bisschen kalt und nass.
Nachdem wir meiner Mutter einen Geburtstagsbesuch abgestattet hatten, gingen wir dorthin.

Was wohl mit ihrer Mutter war, dass sie sie an ihrem Geburtstag besuchen mussten? Vielleicht war sie im Krankenhaus oder auf einer Fortbildung. Ich hasse KrankenhĂ€user, wahrscheinlich, weil ich jede Woche dort hinein muss. Immer wieder die gleichen Tests, ob sich mein Asthma verschlimmert hat, oder nicht. Zumindest hat es meine Mutter mir so erklĂ€rt und ich habe lieber nicht weiter nachgefragt. Sonst hĂ€tte ich wieder einen langen medizinischen Vortrag ĂŒber mich ergehen lassen mĂŒssen. Aber eines weiß ich mit Sicherheit, ich hasse meine Krankheit.

25.4.
Endlich ist der FrĂŒhling da.
Das ist doch ganz wunderbar.
Endlich kann man draußen spielen
ohne nur den Mut zu verlieren.
Endlich kommen die Feste
und eh man sich versieht
hat man einen Freund gekriegt.

29.4.
Morgen schreiben wir eine Schulaufgabe in Englisch.
Hoffentlich geht das nur gut.
Außerdem hat Karla morgen Geburtstag.
Ich muss jetzt lernen.

7.11.
Seit September haben wir die Monatsbusfahrkarte fĂŒr den September gesucht.
Nun im November haben wir sie endlich gefunden.
Als mir meine Mutter heute die Jacke, die ich an dem Tag, als ich die Busfahrkarte geholt habe, zum Anprobieren gegeben hat. Damals hat es sehr stark geregnet, deswegen habe ich sie angezogen. Jetzt haben wir den Geldbeutel gefunden, in dem die Busfahrkarte drin war.

Ärgerlich klappe ich das Buch zusammen und schaue aus dem Fenster. Wenn es schon Tagebuch heißt, kann sie dann nicht jeden Tag hineinschreiben? Draußen hat es mittlerweile schon etliche Zentimeter geschneit und als ich den Fuß unter meiner Bettdecke hervorstrecke, merke ich, wie kalt es in meinem Zimmer ist. Ich werfe einen Blick auf meine Heizung und sehe, dass der Regler noch auf diesem Frostzeichen steht. Das war bestimmt meine Mutter, die gelĂŒftet hat, als ich in der Schule war. Wie immer vergisst sie es, meine Heizung wieder anzustellen. Ich befreie mich aus meiner Decke, husche frierend zur Heizung hinĂŒber und stelle sie auf die höchste Stufe. Dann bin ich auch schon wieder unter meiner Bettdecke und nehme das Buch wieder zur Hand. Vielleicht schreibt sie jetzt regelmĂ€ĂŸiger.

22.2.
Heute sind wir vom Betriebswochenende zurĂŒckgekommen.
Schade, dass es nun aus ist. Leider habe ich dadurch einen Tag Schule geschwÀnzt.

Den Menschen kann man nicht mit einem Baum vergleichen. BĂ€ume sind nicht ĂŒberheblich, sie sind gutmĂŒtig und wenn du still bist, kannst du hören, wie sie dir Geschichten erzĂ€hlen. Bei Menschen aber muss du sie bitten, dass sie dir etwas erzĂ€hlen. Menschen sind auch nicht immer gutmĂŒtig.
Also du siehst, man kann uns nicht mit BĂ€umen vergleichen, also lassen wir es lieber. Dazu sind wir zu verschieden.

22.4.
Heute war wieder einer der lĂ€ngsten Tage der Woche, da wir sieben Stunden Schule und danach noch Judo hatten, kam ich erst um ca. 18:15 Uhr nach Hause. In der Schule ist heute nur passiert, dass ich Karla aus Versehen stark gezwickt habe. Das war aber nicht absichtlich, denn wie es manchmal so ist, haben wir in der Pause Fangen gespielt und ich wollte sie festhalten und habe sie arg am Arm gezwickt, so dass es geblutet hat. Ich habe mich sofort bei ihr entschuldigt und Karla meinte, es sei ihr nichts passiert. Da fĂŒhlte ich mich erleichtert, denn ich kenne das GefĂŒhl gut genug, wenn man etwas Schlechtes getan hat. Ansonsten, dass ich in der Deutschschulaufgabe eine vier habe ist nichts. Oder doch, morgen schreiben wir Englischschulaufgabe. DafĂŒr habe ich sogar diesmal mehr gelernt, da ich nach den zwei Vierern, in Mathe und in Deutsch meine schulischen Leistungen verbessern muss. Es ist schon spĂ€t, ich höre lieber auf zu schreiben.

22.5.
Heute war Samstag.
Heute hatte ich Judo. Ich glaube ich werde langsam, aber sicher, besser. Das freut mich sehr. Danach haben wir erst einmal zu Mittag gegessen. Es gab Reis und Pilze. Lecker!! Danach ist Dorothea gekommen, um mir ihre Deutschschulaufgabe zu bringen. Denn nach den Pfingstferien ist sie nicht da und deswegen soll ich sie fĂŒr sie abgeben. NatĂŒrlich blieb Dorothea bis ungefĂ€hr 17:30 Uhr. WĂ€hrend dieser Zeit spielten wir ein Computerspiel und haben danach mit Window-Color gemalt. Das sind verschiedenste flĂŒssige Farben in kleinen FlĂ€schchen. Wenn man auf sie drauf drĂŒckt, kommt logischerweise Farbe heraus. Damit kann man dann alles mögliche malen. Aber leider muss man ungefĂ€hr einen Tag warten, bis es getrocknet ist. Dann kann man es an alle glatten Stellen kleben.
Nach der Malaktion haben wir ferngesehen. Es war der Video „Caspar“. Leider musste Doro dann nach Hause. Mein Vater, meine kleine Schwester und ich sind dann mit dem Auto zur BĂŒcherei gefahren. Dort habe ich mir zwei BĂŒcher ausgeliehen. Zu hause haben wir uns noch einen Film bis 22:00Uhr angesehen.

23.5.
Heute war Pfingstsonntag. Wir sind heute schon um 8:00Uhr in die Kirche gegangen, fĂŒr mich etwas ganz besonderes, denn normalerweise schlafe ich um diese Zeit noch. Ich hatte GlĂŒck den stinklangweiligen und staubtrockenen Gottesdienst vom Pfarrer Reinheld zu ĂŒberleben. Obwohl ich ausgeschlafen war, musste ich mich ein paar mal zusammenreißen, um nicht einzuschlafen. Gegessen haben wir heute bei meiner Oma. Es gab Schnitzel, Kartoffelsalat, Pommes und Spargel. Als Nachtisch gab es dann Eis. Nach dem Essen sind wir wieder heim gegangen. Dort haben wir uns gelangweilt bis zum Abend. jetzt bin ich mĂŒde.

24.5.
Heute war Pfingstmontag. Ich habe bis 11:25Uhr geschlafen. Nach dem Mittagessen, das es gleich nach meinem Aufstehen gegeben hat, sind wir zum Schwimmen gefahren. Wir sind eine Stunde im Schwimmbad geblieben. Von da aus sind wir zu einer Konditorei gefahren, wo mein Vater uns ein KuchenstĂŒck spendiert hat. Daheim haben wir den Kuchen dann gegessen. Dann habe ich mich zurĂŒckgezogen und das Buch von Tabea „Hexenfeuer“ fertig zu lesen. Danach gab es Abendessen und dann haben wir den Film „Der Dschungel muss verrĂŒckt sein“ angeschaut. Gute Nacht!

25.5.
Um 7:00Uhr war ich heute schon wach. Deshalb bin ich total mĂŒde. Mein Bus in die Stadt ist um 8:17Uhr gefahren. Um 9:30Uhr hatte ich Klarinette. Dann ist um 11:00Uhr mein Bus heim gefahren. Meine Mutter ist um 15Uhr von der Arbeit gekommen. Good night!
26.5.
Heute kann ich ein bisschen ausfĂŒhrlicher schreiben, als gestern. Wir sind heute in die Stadt gefahren. Wir, das sind meine Mama, meine kleine Schwester und ich. Als wir dort angekommen sind, haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Ich und Mareike bildeten eine Gruppe und meine Mama die zweite. Mareike und ich gingen in die Buchhandlung und in die Eisdiele. Was meine Mutter gemacht hat, weiß ich nur teilweise. Sie war beim Optiker und bei einem SchuhgeschĂ€ft, weiter weiß ich nichts. In der Buchhandlung habe ich mir ein Buch gekauft. Bei der Eisdiele habe ich Mareike ein Eis gekauft. Daheim haben wir WĂ€sche aufgehĂ€ngt und sind gleich danach ins Schwimmbad gefahren. Dort waren wir eine Stunde. Daheim bin ich zum Garten meiner Oma und zum Grab meines Opas. Die soll ich nĂ€mlich pflegen, da meine Oma erst am Samstag zurĂŒckkommt. Zu Hause habe ich dann bis zu diesem Eintrag gelesen. Ich habe noch etwas zu berichten. Ich habe manchmal so komische Gedanken. Ich male mir zum Beispiel meine Zukunft aus. Aber nicht so normal, mit Kindern und Ehemann, sondern ich lebe als KrĂ€uterfrau im Wald, umgeben von Tieren und von niemandem abhĂ€ngig. so etwas wird sich aber nie im Leben erfĂŒllen. Manchmal habe ich das GefĂŒhl in der falschen Zeit und am falschen Ort geboren worden zu sein. Meine Gedanken sollen nur fĂŒr die Tiere und meine BĂŒcher da sein. Ich möchte nicht großartig mit Fernseher, Computer, KĂŒchengerĂ€ten etc. auskommen. Ich möchte einfach mit der Weisheit der Natur, also mit Tieren und Pflanzen aufwachsen. Ich möchte frei sein, ĂŒber alles und jeden nachdenken und erfahren, warum die Dinge so sind, wie sie sind und nicht anders. Ich wĂŒnschte es gĂ€be eine Welt ohne Krieg, Armut, UnterdrĂŒckung und Waffen. Ich wĂŒnschte ich lebte nicht auf dieser Welt unter diesen Bedingungen. Ich wĂ€re reich genug, wenn ich Tiere verstehen und Heilpflanzen nutzen könnte. Ich bin mir sicher, die Menschen der Steinzeit bis hin zur Eisenzeit kannten sich besser mit Tieren und Pflanzen aus, als wir im 20.Jahrundert. Je Ă€lter die Menschheit wird, desto dĂŒmmer wird sie.
Meine Gedanken kann ich nicht richtig in Worte fassen. Sie sind zu schwer, denn ich begreife sie ja selber nicht!!!!

Das gibt es ja nicht, sie kann ja doch regelmĂ€ĂŸig ins Tagebuch schreiben. Aber das sind schon seltsame Vorstellungen, KrĂ€uterfrau im Wald, keine Armut und Frieden auf Erden. Da baut sich jemand aber Luftschlösser. Ich frage mich, ob man es ihr angemerkt hat, dass sie solche Gedanken hatte, oder ob sie sonst ganz normal war. Sie erzĂ€hlt sonst auch von ganz alltĂ€glichen Dingen, aber dann kommt so etwas wie der Vergleich eines Baums mit einem Menschen. Es interessiert mich, wie alt sie wohl war, als sie das geschrieben hat. Aber wahrscheinlich jĂŒnger als ich jetzt, denn obwohl ich immer noch sehr unvernĂŒnftig fĂŒr meine sechzehn Jahre bin, habe ich nie solche Gedanken. Ich erinnere mich auch nicht daran, je solche gehabt zu haben. Hat sie noch hĂ€ufiger solche Gedanken?

27.5.
Ich war heute den ganzen Tag bei Doro. Dort haben wir die ganze Zeit etwas mit Wasser gemacht. Eine Wasserschlacht und wir sind durch den Rasensprenger gerannt.
Ich möchte eigentlich meine Gedanken nun aufschreiben.
Ich wĂŒnschte, ich wĂ€re ein Tier im Wald, ich möchte lieber ein Tier sein und von einem anderen gefressen werden, als als Mensch zu leben. Es ist das ganze Wesen des Menschen, das mich um den Verstand bringen könnte. Ich weiß ja nicht, wie ich in ein oder zwei Jahren darĂŒber denken mag, aber das ist mir eigentlich scheiß egal.
Ich könnte mir gut vorstellen in einem kleinen Haus im Wald abgeschieden von der Menschheit und ihrem scheußlichen Krieg zu leben. Ich möchte mein Leben mit Ruhe und Gelassenheit angehen. Ich will nicht von irgendjemand eingeengt oder behindert werden.
Es gibt ja viel Gerede um die Religionen, ob es jetzt einen Gott gibt oder ob Jesus nur ein Prophet ist, oder der Heiland und Retter (so ein Schwachsinn!). Manche glauben eben an dieses andere an jenes. Ich wĂŒrde gern mehr ĂŒber die Götter der Germanen wissen. Doch mein Wissen reicht nur ĂŒber zwei dieser Götter. Ich bin mĂŒde!

Ich glaube sie wird nicht vernĂŒnftiger. Das war zwar jetzt nur ein einziger Eintrag, aber dieser wirre Gedankengang. Wie kann man nur von einem Thema, das so alltĂ€glich ist, sofort auf ein anderes ĂŒbergehen, ohne eine Überleitung. Springen ihre Gedanken von einem Thema zum nĂ€chsten und hinterlassen gar keine Spuren? Aber mittlerweile schreibt sie wenigstens regelmĂ€ĂŸig, also darf ich nicht allzu hart urteilen.

29.5.
Wir fahren fĂŒr einige Tage fort.

31.5.
Heute war ein schöner Tag. Am Morgen sind wir zum Chiemsee gefahren. Dort haben wir die Frauen- und Herreninsel besucht. Auf der Fraueninsel steht eine Kirche und darin befinden sich die Überreste der heiligen Irmgard. Auf der Herreninsel ist ein Schloss von einem bayrischen König. Der Tag war recht heiß. Nach dem ganzen Inselzeug sind wir noch in ein Schwimmbad mit Wasser aus dem Gebirge gegangen. Das Wasser war zwar recht kalt, aber es war trotzdem schön. Ganz ohne Chlor, wie sonst immer.
Jetzt gewittert es gerade, was verstÀndlich ist, nach dem Sonnenschein und der Hitze. Ich freue mich schon auf zu Hause!!!

3.6.
Ich habe bis zum Abend an einem Flugzeug gebastelt. Danach gab es Abendessen und dann habe ich noch gelesen. Es war schon die ganze Zeit stĂŒrmisch draußen und als ich gerade bei einer spannenden Stelle meines Buches war, fiel der Strom aus und ich konnte nichts mehr sehen. Morgen fahren wir wieder heim.

5.6.
Heute sind meine Eltern nach Budapest geflogen. Um 7:00Uhr sind sie losgefahren. Ich habe nur noch „TschĂŒĂŸ!“ zu ihnen gesagt, da ich so lange geschlafen habe. Danach habe ich gefrĂŒhstĂŒckt. Mein großer Bruder und Mareike haben mit meinen Eltern zusammen gefrĂŒhstĂŒckt. Meine Oma ist um 10:30Uhr gekommen. Dann bin ich ins Dorf gegangen und habe 10 Brötchen, 1kg Pommes und meine Busfahrkarte fĂŒr diesen Monat geholt. Nach dem Mittagessen ist dann meine Nachbarin gekommen. Zusammen haben wir unsere HĂŒtte ein bisschen repariert. Danach sind wir rein gegangen und haben Monopoly gespielt. Dann sind wir zu meiner Nachbarin gegangen und haben noch ein anderes Spiel gespielt. Aber der Name des Spiels fĂ€llt mir nicht mehr ein. Um 18:00Uhr musste ich dann heim. Eigentlich habe ich jetzt nur noch geglotzt.

5.6.
Heute war Samstag. Übermorgen fĂ€ngt die Schule wieder an. Dann dauert es wieder zwei Monate bis zu den Sommerferien. Ich hoffe ich komme ĂŒberhaupt in die 7.Klasse. Morgen kommen auch meine Eltern aus Budapest zurĂŒck. Ich freue mich schon auf ihr Kommen. Gute Nacht!

An einem Tag gleich zwei EintrĂ€ge und nichts ist von ihren GedankensprĂŒngen zu lesen. Sie kommt also in die siebte Klasse, also muss sie jetzt zwölf oder dreizehn Jahre alt sein. Ein bisschen beneide ich sie. Sie hat Freunde, mit denen sie HĂŒtten bauen konnte und sie geht so oft mit ihren Geschwistern weg. Wir wohnen in einer Gegend mit vielen schönen HĂ€usern, die sehr alt sind und so sind es auch leider die meisten Bewohner. Als ich dreizehn war, hatte ich niemanden zum Spielen, habe mich dafĂŒr gerne mit unserer alten Nachbarin unterhalten. Mit der konnte ich aber nie ins Schwimmbad oder HĂŒtten bauen. Jetzt habe ich Freundinnen in der Schule, aber die besuchen mich nicht oft, da sie am anderen Ende der Stadt wohnen und die Busverbindungen in unser Viertel sehr spĂ€rlich sind. Mal schauen, wann ihre Eltern wieder zurĂŒckkommen.

6.6.
Heute sind meine Eltern wieder gekommen. Sie haben mir eine Kette und den passenden Ohrring dazu mitgebracht. Es ist ein blauer Stein, leider weiß ich den Namen nicht, der nach oben hin immer heller wird. Morgen fĂ€ngt die Schule wieder an, deshalb höre ich jetzt auf zu schreiben. Gute Nacht!!!

10.6.
In der Schule hatten wir heute kein Englisch. Herr Bauman ist krank. Ich musste auch nicht in der Schule bleiben, da Sport ausfiel. Heute hatte ich das erste Mal nach den Ferien Judo. heute hat es besonders Spaß gemacht.

18.6.
In Französisch haben wir heute eine Ex geschrieben und in Mathe haben wir eine rausbekommen. Ich habe eine zwei geschrieben (Hurra!!!). Am Nachmittag ist nichts passiert, da ich morgen frĂŒh Judo habe, mache ich jetzt Schluss!

30.6.
Heute habe ich wieder etwas lĂ€nger Zeit, was zu schreiben. Es ist schon lange her, dass ich hier etwas hineingeschrieben habe. Aber jeden Abend war ich entweder zu mĂŒde, etwas zu schreiben, oder ich wusste nicht was ich schreiben sollte. Gestern hatte mein Papa 40.Geburtstag. Da bin ich auch erst um 22:30Uhr ins Bett. Ich habe meinem Vater ein Bild von einer alten römischen BrĂŒcke geschenkt.
Wir haben in Englisch endlich das zweite Buch angefangen. Am 22.6. und am 23.6. haben wir Schulaufgabe geschrieben. Deutsch und Mathe. Das waren die letzten Schulaufgaben dieses Jahres in diesen FĂ€chern. Wir mĂŒssen jetzt nur noch Englisch schreiben. Vor einer Woche war der englische AustauschschĂŒler von Klaus da. Er heißt Brian. Ich war froh, als er wieder weg war. Heute haben wir in Bio die Noten der Ex vorgelesen bekommen. Ich habe eine drei. meine Mutter hat mich zum GlĂŒck nicht wieder mit Tabea verglichen. Das macht sie nĂ€mlich öfter. Aber das hĂ€tte ihr sowieso nicht viel gebracht, denn sie hat eine vier. Nicht, dass ich mich darĂŒber freue, doch ich bin es Leid, immer mit Tabea verglichen zu werden. Immer heißt es: „Na, was hat denn Tabea in der Schulaufgabe (Ex, Abfrage, Zeugnis)? Ah, sie ist besser, dann musst du das nĂ€chste Mal ein bisschen mehr lernen.“
Blablabla! Na und wenn sie besser ist. Wenn meine Mutter eine Tabea will, soll sie sich eine anschaffen. Ich bin auf jeden Fall keine und sie soll mich doch so akzeptieren, wie ich bin. Ich höre jetzt auf. Gute Nacht!

Meine Mutter vergleicht mich nie mit meinen Freundinnen, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie sie nicht kennt. Die wenigen Male, die meine Freundinnen mich besucht haben, war meine Mutter in der Praxis und ist erst am spĂ€ten Abend wieder heim gekommen, so dass sie Klara und Renate verpasst hat. Mein Vater hat die beiden kennen gelernt, aber nicht gut genug, um sie mit mir zu vergleichen. Das hĂ€tte auch gar keinen Sinn, denn ich bin sehr gut in der Schule, außer in Sport. Eigentlich dĂŒrfte ich gar nicht mitmachen, aber solange meine Eltern nicht wissen, dass ich zum Sportunterricht gehe, unternehmen sie nichts. Das Ă€ndert sich immer zum Zeugnis, da dann meine Sportnote dort steht. Aber ich glaube sogar, dass sie es mittlerweile aufgegeben haben, mich davon abzuhalten. Vielleicht sollte ich auch mit Judo anfangen, sie scheint Spaß daran zu haben.

1.7.
Heute ist bei uns Geschichte in der sechsten Stunde ausgefallen. DarĂŒber habe ich mich ganz besonders gefreut. In Englisch konnte ich mich auch öfter melden. Deutsch war nicht das Gelbe vom Ei, aber ich habe es hinter mich gebracht und ĂŒberlebt. Morgen könnte es sein, dass Mathe ausfĂ€llt. Das hoffe ich zumindest. Mathe ist zwar ein ganz schönes Fach, aber manchmal hĂ€ngt es mir einfach zum Hals raus. Meistens auch dann, wenn ich nichts verstehe. Heute hatte ich Cello, diesmal hat mein Lehrer mich nicht angemeckert. Klarinette habe ich bis zum 14.8. nicht mehr, weil meine Lehrerin operiert wird. Irgendwie ist das schon gut, aber auch wieder schlimm. An meiner Geschichte habe ich auch wieder weitergeschrieben. sie ist zwar erst in der Anfangsphase, aber ich glaube oder hoffe, sie bis Weihnachten fertig zu schreiben. Dann schenke ich sie nĂ€mlich jemandem aus meiner Familie.
Meine Gedanken aufzuschreiben bringt nicht viel, denke ich, denn es gibt darin immer zu viele WidersprĂŒche. Aber ein bisschen werde ich doch aufschreiben.
Manchmal denke ich, das Leben, das ich lebe, wird von einem Schriftsteller geschrieben. Alle Menschen und deren Schicksal (falls es so etwas gibt), werden von jemanden gelenkt und niedergeschrieben. Das sind zwar recht blöde Gedanken, aber auch ein bisschen genial. Ich meine, stellen wir uns mal vor, mein Leben wĂŒrde von einem Schriftsteller ausgedacht und niedergeschrieben. Jede Einzelheit wĂŒrde darin vorkommen und er wĂŒrde auch schreiben, dass ich gerade schreibe, was meine Gedanken sind, obwohl sich das verrĂŒckt anhört, wĂ€re dies doch eigentlich möglich. Genauso wĂ€re es möglich, dass ich gar nicht ich bin, sondern mir nur einbilde ich zu sein. Vielleicht kann ich gar nicht selbststĂ€ndig denken und alles besteht nur aus winzigen elektromagnetischen Feldern, die das ganzen Leben und Denken der Menschen kontrollieren.
Es gibt auch so viel, wovon uns die Bibel erzĂ€hlt, aber ob das alles richtig ist? Ob es stimmt, dass Jesus der Messias war? Ob Gott ĂŒberhaupt weiß, dass unsere Welt und wir Menschen existieren?
Meine Gedanken wĂ€ren meiner Oma wieder gar nicht recht. Sie und ihre fromme, katholische Christlichkeit. Wer weiß warum es Jesus gegeben hat und ob er ĂŒberhaupt gelebt hat. Vielleicht glauben wir nur an einen Götzen. Germanische und Ă€gyptische Götter sind vielleicht auch nicht das Ideale. Der Gott der Christen hat sich einfach herausgenommen zu den anderen Religionen, die ihr Götter abbilden, zu sagen: „Sie sind schlecht, weil sie nicht an mich (Jahwe, Allah...) glauben.“
Sie hatten eben eine andere Vorstellung von den himmlischen Herrschern.
Gute Nacht!

Es ist sinnlos mit ihr, aber diesmal hat sie sich wenigstens bemĂŒht, einen Übergang zu schaffen, auch wenn der nicht sonderlich elegant war. Die Idee an sich ist aber wirklich genial. Ein Schriftsteller schreibt unser Leben. Es klingt toll und man kommt sich dabei wichtig vor, weil man die Hauptperson einer Geschichte ist, auch wenn man im wahren Leben immer nur eine Nebenrolle spielen wird. Sie versucht ja wirklich philosophisch zu werden, die Kleine. Seltsam, dass ich sie jetzt so nenne, aber irgendwie ist sie niedlich. Mich interessiert, was sie fĂŒr eine Geschichte schreibt. Aber hoffentlich nicht eine Fortsetzung ihrer Geschichte des Huhns Margarete. Vielleicht schreibt sie spĂ€ter noch mehr dazu.

3.7.
Heute haben Tabea und ich Geburtstag gefeiert. Wir hatten eingeladen: Dorothea, Karla und ihre englische Austauschpartnerin, Sabine, Miriam, Stefanie und Christa.
Zuerst waren wir im Schwimmbad und dann haben wir Kuchen gegessen. Dann sind wir von Tabeas Haus zu mir gegangen. Bei mir haben wir gebastelt, alle außer Sabine, die musste nĂ€mlich zum Geburtstag ihrer Uroma. Danach hat es Essen gegeben. Wir sind in mein Zimmer gegangen und haben ĂŒber ein paar sexuelle Fragen geredet. Wer schon seine Regel hat, ob schon jemand mit einem Jungen geschlafen hat...
Ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin, die ihre Tage schon hat, denn Stefanie, Christa und Doro haben sie auch schon.
Ich bin jetzt mĂŒde! Gute Nacht!

12.7.
Die ganze Zeit habe ich keine Zeit gefunden, ins Tagebuch zu schreiben. Ich weiß, das klingt unglaubwĂŒrdig, aber ein herzloser, kurzer Eintrag hĂ€tte auch nichts gebracht.
Ich fange am bestem beim Freitag mit ErzÀhlen an.
Wir haben am Freitag Englisch geschrieben und ich habe ein ganz gutes GefĂŒhl dabei. Dann bin ich so gegen 15:30Uhr zu Tabea gegangen, da meine Familie zum Betriebsessen gegangen ist, und ich unbedingt zur Feier von Stefanie und Sabine wollte. Deshalb habe ich bei Tabea ĂŒbernachtet und am Samstag gemeinsam zur Feier gefahren. Wir waren genau (zumindest nach meiner Uhr) um 13:05Uhr bei Stefanie. Vor uns war Tobias schon da. Als dann alle da waren bauten wir die Zelte auf und blödelten ein bisschen rum. Als es dann ungefĂ€hr 23:00Uhr war haben wir getanzt (was ich ĂŒberhaupt nicht kann!).
Ich glaube ich erzÀhl morgen weiter.

13.7.
Heute kann ich meine ErzĂ€hlung wieder fortsetzen. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, nach dem Tanzen haben wir Chips und GummibĂ€rchen gefuttert. Mir war dann aber kalt und ich bin ins Zelt gegangen und habe gepennt. Stefanie hat mich um 4:00Uhr morgens wieder geweckt. Thorsten, Christa und Tabea waren noch wach und haben gequatscht, ĂŒber was, weiß ich gar nicht mehr, also kann es gar nichts Wichtiges gewesen sein. Um 11:00Uhr sind wir dann wieder abgeholt worden und ich war endlich bei meiner Familie. Ich legte mich gleich schlafen und schlief von Sonntag 12:00Uhr bis Montagmorgen um 6:00Uhr. Als mein Wecker am Montag klingelte konnte ich gar nicht wahrhaben, dass es Montag war. Aber so schlimm war das dann auch wieder nicht, denn wir sind mit der Schule zur MĂŒllverbrennungsanlage gefahren. Dort hat es fĂŒrchterlich gestunken. Danach sind wir (Karla, Tabea, die Englischaustauschpartnerin von Klara und ich) ins Freibad gefahren. Dort waren wir dann bis ungefĂ€hr 16:00Uhr. Ich war um 18:00Uhr wieder daheim.
Heute hatten wir wieder ganz normal Unterricht. In der ersten Stunden hatten wir Bio und bekamen die Ex, von der wir die Noten schon wussten, endlich zu sehen. Herr Kreuzer hat auch die Notengrenzen vorgelesen. Ich hatte 21 Âœ Punkte und mit 21 Punkten bekam man eine zwei. Also ging ich vor zu ihm und sagte (grob wiedergegeben), dass ich eine zwei haben möchte, die ich dann auch bekam.
Heute haben wir die Englischschulaufgabe bekommen. Ich habe eine zwei und bin (zwar nur um eine paar Punkte, aber immerhin), besser als Tabea. Das hat mich heute super gefreut. Sonst war eigentlich nichts.
Heute möchte ich noch ein paar meiner doofen Gedanken aufschreiben.
Wir Menschen gehen mit unserer Welt um, als sei sie Dreck und man könnte jeder Zeit auf einen anderen Planeten wechseln, um zu ĂŒberleben, um neuen Streit und Krieg anzufangen und um alles wieder von neuem zu zerstören. Wir sollten diesen kleinen Augenblick, den wir als Leben bezeichnen, ausnutzen um fĂŒr unsere Nachfahren ein wĂŒrdevolles und gesichertes Dasein als Menschen zu schaffen. Ich weiß, das sind jetzt kleine Gedanken, von einem kleinen, dummen und unbedeutendem Kind, aber irgendwann wird man sie noch zu schĂ€tzen wissen (zumindest hoffe ich das!). Noch ist auf der Erde alles in Ordnung, oder na ja, was heißt das schon „in Ordnung“, wenn man die ganzen Kriege, unschuldigen Toten und Umweltverschmutzung nicht dazu rechnet. Dann kann man wirklich sagen, es ist alles „in Ordnung“, so sollten wir doch aufpassen, dass nicht bald die große „Unordnung“ ĂŒber uns hereinbricht.
Ich höre auf!

Irgendwie ist sie schon erwachsen, auf eine verquere Art und Weise. Zwar springt sie von AlltĂ€glichem zu ihren verworrenen Gedanken. Sie denkt voraus, das habe ich in ihrem Alter nicht getan und ich glaube auch, dass es die wenigsten meiner Altersgenossen getan haben. Trotzdem bleibt sie ein Wunderling, diese kleine Unbekannte. Außerdem ist ihre Sprache so geschraubt und kĂŒnstlich, wenn sie ihre Sorgen ĂŒber die Zukunft schreibt. Als schlĂŒpfe sie in ein anderes Ich. Aber in ihrem Wunschdenken bleibt sie immer noch ein Kind, das zwar weiß, dass VerĂ€nderungen nur sehr langsam vorangehen, aber am liebsten möchte, dass nur auf ihr Zeichen gewartet wird und sich dann alles Ă€ndert.
Ich muss aufstehen, meine FĂŒĂŸe sind eingeschlafen und ich habe unglaubliche Kopfschmerzen. Wahrscheinlich sollte ich etwas Trinken und meine Medizin nehmen. Wenn ich jetzt aber in die KĂŒche gehe, zwingt mir meine Mutter sicherlich wieder ein GesprĂ€ch auf. Sie hat heute ihren freien Tag und es ist wirklich unglaublich, dass sie mir so viel vorzuwerfen hat, obwohl sie gar nicht weiß, wie ein normaler Tag fĂŒr mich aussieht, wenn sie nicht da ist. Eltern soll jemand verstehen. Aber scheinbar sind ihre Eltern auch nicht unfehlbar, auch wenn sie schon lange nichts mehr von ihnen erzĂ€hlt hat. Aber wahrscheinlich ist ihr das gar nicht so wichtig, solange sie ihre Traumgespinste aus Weltrettungsaktionen und Mahnungen an die Nachwelt, darstellen kann.

14.7.
In der Schule ist es heute alles gut gelaufen. In der ersten Stunde hatten wir Mathe. Da habe ich so einigermaßen alles kapiert. In der zweiten Stunde hĂ€tten wir Deutsch gehabt, doch Frau Frieß, meine Geschichtslehrerin, hat in der letzten Woche zweimal ihre Stunde ausfallen lassen – warum weiß ich auch nicht – auf jeden Fall wollte sie diese jetzt in der zweiten Stunde nachholen (so was Blödes aber auch!) und deswegen hatten wir Geschichte. Das Thema der Stunde war fĂŒr mich ein heikles Thema, da ich am liebsten stundenlang darĂŒber diskutieren wĂŒrde: Die Christen! (WĂŒrg!)
Das ist so doof. Kaiser Domitian war ja nicht ganz dicht, aber Kaiser Konstantin hatte dann auch noch eine Vision, in der er sah, dass er unter dem Zeichen Christi in den Krieg ziehen solle. So ein Idiot, wĂ€re er doch nur bei der Religion der vielen Götter geblieben, aber nein, er konnte es ja nicht lassen. Deshalb wurde der christliche Glaube langsam aber sicher Staatsreligion. Wenn die römischen Götter eine lĂ€ngere Zeit geblieben wĂ€ren, dann wĂ€re vielleicht mehr ĂŒber sie aufgeschrieben worden und man wĂŒsste mehr ĂŒber sie. Aber ich habe auf dieser Welt ja nichts zu sagen und kann ohnehin Vergangenes nicht mehr Ă€ndern. Aber nun mal wieder weg von diesem Thema.
Die dritte Stunde war langweilig. Wir hatten Erdkunde. So einen langweiligen Unterricht habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Dann war endlich Pause! Die lang ersehnte Pause!
Doch danach das Grauen, eine Stunde Musik und eine Englisch. Schlimmer konnte es ja ĂŒberhaupt nicht kommen.
Mehr erzĂ€hle ich nicht, ich bin schrecklich mĂŒde! Gute Nacht!

Woher kommt denn diese unglaubliche Abneigung gegen das Christentum? Vor beinahe fast einem Jahr bittet sie noch Gott, sich um ihre Ratte zu kĂŒmmern und nun diese Abscheu. Ist wieder etwas passiert, was sie nicht aufgeschrieben hat? Was sie einfach unter den Tisch hat fallen lassen, da sie es nicht fĂŒr wichtig erachtet hat? Aus ihr wird man nicht schlau. Aber vielleicht erklĂ€rt sie sich spĂ€ter oder in einem der anderen BĂŒcher.

15.7.
Heute war mal wieder der lÀngste Tag der Woche: Donnerstag. Nach sieben Stunden Schule und Judo, sind wir auch noch in die Wirtschaft, weil meine Oma heute 77Jahre alt geworden ist. Also keine ruhige Minute.
In der Stadt habe ich mir heute Kaubonbons gekauft, die richtig sauer sind, wenn man sie lutscht, beim Kauen werden sie sĂŒĂŸ. Klaus hat mir gleich den Auftrag gegeben 10-20 solcher Bonbons fĂŒr ihn mitzubringen. Er kommt nicht oft in die Stadt.
Nachgedacht habe ich heute natĂŒrlich auch. Es ist zwar nichts wichtiges dabei herausgekommen, aber egal.
Warum sind wir auf dieser Welt? Wir machen sie doch nur kaputt und beuten sie aus, wir zerstören LebensrÀume, nicht nur die der Tiere und Pflanzen, sondern auch unsere eigenen. Wir vernichten uns selbst und merken es nicht. Nach und nach wird alles zu Grunde gehen, eine neue Rasse, egal ob Mensch oder Tier, wird sich auf unserem Planeten breit machen, wenn wir nicht mehr existieren. Ich sage das alles mit solcher Gewissheit, doch nichts ist gewiss, kein Leben, nicht einmal unser Universum.
Aber nun zu einem anderen Thema. Die Frau!
Wir wurden schon immer unterdrĂŒckt, im Mittelalter, aber auch heute noch, werden Frauen als Ware und nicht als Menschen betrachtet. FrĂŒher wurden MĂ€dchen und Frauen einfach als Ware verkauft und es war eine Schande nur Töchter zu haben. MĂ€nner haben viel mehr Rechte und können einmal den Besitz leiten und verwalten, sie werden die Eltern versorgen und eine nicht so kluge Frau heiraten, damit sie Kinder gebiert ...
Aber auch heute, bei der Arbeitssuche oder bei der Ausbildung werden MĂ€dchen benachteiligt. Aber nun genug der Gedanken. Gute Nacht!

Eine kleine Feministin wÀchst heran, oder wie habe ich diesen Eintrag zu verstehen? Zuerst Alltag, dann mal wieder ihr typischer Gedankengang, die Weltuntergangstheorie. Und jetzt etwas Neues, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, auch wenn sie es mit dem Deckmantel des Mittelalter zu kaschieren versucht. Irgendwie glaube ich, dass sie ein neues Steckenpferd gefunden hat, auf dem sie noch lange herumreiten wird. Mal sehen, ob ich Recht behalte.

23.7.
Heute ist endlich wieder Freitag. Ist schon lange her, dass ich etwas ins Buch geschrieben habe. Von Mittwoch bis Donnerstag war ich auf Chorfreizeit. Da wollten sie mich mit JĂŒrgen verkuppeln. Nicht mit JĂŒrgen aus meiner Klasse, sondern mit JĂŒrgen aus dem Chor. Er ist eigentlich ganz nett, aber das kann ich eigentlich von jedem Jungen sagen. Ich kann ja nichts dafĂŒr, aber ich verstehe mich mit Jungen eigentlich recht gut.
Wir haben mit dem Chor eine Stadtrallye gemacht. Eine musikalische Stadtrallye! Als wir dann zum Bus um 13:15Uhr gelaufen sind, haben wir Stefan und Richard getroffen.
Ich höre auf!

3.8.
Heute sind wir in Italien angekommen. Endlich! Wir sind ans Meer gefahren, dort habe ich Steine gesucht, und den Schönsten, habe ich leider gleich wieder verloren.
Ich bin am Meer entlang gelaufen, und habe darĂŒber nachgedacht. Das Meer sieht aus, wie ein gutmĂŒtiges, großes Tier. Die weißen, schaumigen Wellen, wenn sie gegen den Strand schlagen und die Steine schön rund schleifen, dies lĂ€sst mich alles wieder an die Zeit vor den Menschen denken. alles steht im Einklang mit der Natur!
Leider bin ich von der Reise noch sehr mĂŒde!

Kleine, frag mal die Opfer der Tsunami - Katastrophe, wie die jetzt ĂŒber das Meer denken. Aber sie sieht das Meer mit anderen Augen, als ich es sehen könnte. FĂŒr mich ist und bleibt das Meer etwas Bedrohliches. Wenn ich ihm zu nahe komme, dann wird es mich verschlingen und nie wieder frei geben. Vielleicht bin ich ein bisschen zu theatralisch, aber als ich mit vier Jahren beinahe im Meer ertrunken wĂ€re, weil ich plötzlich einen Asthmaanfall hatte, kann ich dem Meer nichts Schönes mehr abgewinnen. Aber immerhin bleibt sie ihrer Liebe zur Natur treu.

20.8.
Gestern ist Mareike zehn geworden. Es war ein langweiliger Geburtstag. Zuerst sind wir in ein Schwimmbad gegangen. Dort war es widerwĂ€rtig laut und es stank nach Pisse und das Wasser nach Schweiß. Ich war nur einmal kurz im Wasser, dann bin ich gleich wieder raus, weil es so eklig war. Nach dem Schwimmbad sind wir zum Haus zurĂŒck gefahren und haben ein Spiel gespielt. Danach sind wir schlafen gegangen.
In der Nacht bin ich dann doch wieder aufgewacht, da ich arge Bauchschmerzen hatte. Ich habe es aber trotzdem geschafft, wieder einzuschlafen.
Eine kleine Geschichte:
Auf einem fremden Planeten, irgendwo im Universum, gibt es einen Planeten, der dem unseren gleicht. Dort lebte einmal ein Königspaar mit ihren drei Töchtern.
Die erste Tochter hieß Amanda, sie liebte den Haushalt, die NĂ€harbeiten und das Kochen.
Die zweite Tochter, Ulinia, liebte alles, was mit Krieg und Verteidigung des Reiches zu tun hatte.
Die jĂŒngste Tochter jedoch verkroch sich Tag fĂŒr Tag in der großen SchlossbĂŒcherei. Sie hieß Ililia, von ihren Schwestern wurde sie jedoch nur Leseratte genannt.
Eines Tages, der achtzehnte Geburtstag Amandas rĂŒckte nĂ€her, beschloss ein junger Prinz sich auf die Suche nach einer Frau zu machen. Er reiste durch LĂ€nder und besuchte dort die Herrscher und deren Töchter, um nach einer geeigneten Frau zu suchen. Doch keine gefiel dem Prinzen, die eine sah wunderschön aus, hatte jedoch keinerlei Bildung, die andere war klug, doch hĂ€sslich wie ein altes Pferd. Schließlich, der Prinz war am Verzweifeln, erreichte er das Schloss in welchem die drei Prinzessinnen und ihre Eltern lebten.
Er wurde sehr herzlich empfangen und da Amanda ja bald im heiratsfĂ€higen Alter sei wĂŒrde, beschloss das Königspaar sie dem Prinzen vorzustellen.
Ililia, Ulinia und Amanda kamen zur TĂŒr herein. Dem Prinzen stockte der Atem, als die drei bezauberndsten Frauen vor ihm standen, die er sich hatte vorstellen können.
Zuerst betrachtete er Amanda. Ihre goldenen Locken waren zu einer prachtvollen Frisur aufgetĂŒrmt. Ihr Kleid, es war ein rotes Samtkleid, hob ihre blauen Augen hervor. Ihr Collier strahlte mit der GĂŒte ihres Gesichts um die Wette.
Der Blick des Prinzen glitt zu Ulinia. Auch sie hatte sich heute hĂŒbsch gemacht. Sie trug ein nachtblaues Abendkleid, welches gut zu ihrem rabenschwarzen Haar passte. Diese waren in einem silbernen Haarnetz zu einem perfekten Dutt zusammengeschlossen.
Am erstauntesten war der Prinz jedoch, als er Ililia erblickte. Ihre braunen Haare fielen lose ĂŒber ihre Schultern, die grĂŒnen Augen in dem perfekten Gesicht, funkelten wie kleine Sterne und das waldgrĂŒne, schlichte Kleid, wirkte an ihr, wie das teuerste Ballkleid. Der Prinz dachte sich, dass es niemanden auf der Welt gab, der schöner sei, als diese Prinzessin.
Dann kam auch das Herrscherpaar hinzu und sie setzten sich an die gedeckte Tafel.
Als das Essen fortgeschritten war, unterhielt sich der Prinz angeregt mit Ulinia ĂŒber die Kriegskunst, als der König wĂŒrdevoll sprach: „Wir haben heute einen besonderen Gast bei uns, deshalb bitte ich meine jĂŒngste Tochter eine Geschichte erzĂ€hlen, wie es bei jedem festlichen Anlass ihre Aufgabe ist!“
Alle Anwesenden am Tisch klatschten und Ililia errötete, fing dann jedoch an zu erzÀhlen.
„Im fernen Osten herrschte einmal ein grausamer Kaiser. Alle Leute fĂŒrchteten sich vor seinem Zorn und so machten sie alles, was er ihnen befahl, egal wie grausam es auch sein mochte. Eines Tages machte sich eine Prinzessin auf den Weg, ihre wahre Liebe zu finden. Bei ihrer Familie wĂ€re sie mit dem erstbesten Prinzen verheiratet worden, wie ihre Schwestern. Diesem Schicksal wollte sie entgehen.
Als sie an die Grenze des Reiches kam, erzÀhlte ihr ein Mann von dem grausamen und mÀchtigem Kaiser, der hinter dem Reich der Prinzessin herrschte. Er suche nach einer Gemahlin, wolle jedoch nur die, welche freiwillig zu ihm kam. Das reizte die Prinzessin und sie beschloss zu diesem Kaiser zu gehen.
Als sie vor seinem Palast stand, spĂŒrte sie die Grausamkeit und Angst, die von diesen dicken, schwarzen Mauern ausging. Beinahe verließ sie der Mut, doch dann dachte sie zurĂŒck an ihre Familie und ihr Leben im goldenen KĂ€fig und schritt vorbei an den Wachen, durch das Tor.
Sie gelangte in einen Garten, der wunderschön aussah. Von Außen hĂ€tte man nicht erwartet, dass in diesem Schloss etwas so wundervolles existieren konnte. Plötzlich legte sich eine Hand auf die Schulter der Prinzessin. Als sie sich herumdrehte, erblickte sie einen wunderschönen Mann, dessen Augen so tief waren, dass sie sich darin fast verloren hĂ€tte.
„Seid Ihr der Kaiser?“, fragte sie mit bebender Stimme.
Er nickte, bewegte die Lippen ohne dass ein Laut aus ihnen kam. Sanft berĂŒhrte die Prinzessin diese und sie vernahm die Stimme des Kaisers. Sie sahen sich in die Augen und Worte waren nicht mehr nötig, denn es war klar, dass sie fĂŒreinander bestimmt waren.“
Ililia beendete ihre Geschichte und alle Anwesenden klatschten Beifall. Der Prinz belohnte Ililias Geschichte mit einem warmen LĂ€cheln.
„Da Prinz Erinjan auf Brautschau ist, möchte ich ihm meine Tochter Amanda vorstellen. Sie ist beinahe achtzehn Jahre alt, somit im besten Alter und hat die Erziehung genossen, die einer Königin wĂŒrdig ist. Meine zweite Tochter ist nicht minder gut erzogen, ihr Name ist Ulinia, dazu ist sie noch eine besonders tapfere Kriegerin. Sie ist siebzehn Jahre alt und kommt fĂŒr eine vorzeitige Verlobung in Frage.“, sagte der König voller Stolz.
„Was ist denn mit Prinzessin Ililia?“, fragte der Prinz vorsichtig.
Der König zog eine Augenbraue hoch, antwortete jedoch: „Sie ist zwar noch nicht im heiratsfĂ€higen Alter, doch Ihr habt natĂŒrlich recht. Ililia ist mit sechzehn Jahren meine jĂŒngste Tochter. Jedoch ist sie mit keinem Talent gesegnet, so wie ihre beiden Schwestern. Sie verbringt Tag um Tag in der Bibliothek. Sie kommt auf keinen Fall in Frage, außer sie möchte die Familie in Verruf bringen.“
Er funkelte Ililia böse an, die erregt aufsprang, als ihr Vater geendet hatte. Ihr hĂŒbsches Gesicht war rot vor Zorn und DemĂŒtigung.
„Ihr verhandelt ĂŒber uns, wie ĂŒber Ware. Meine Schwestern und ich sind Menschen! Hat denn die Geschichte, die ich erzĂ€hlt habe gar keine Wirkung auf euch? Es ist wahr, dass ich mich in der Bibliothek verkrieche, wĂ€hrend meine beiden Schwestern versuchen anstĂ€ndige Prinzessinnen zu sein. Doch ich wollte all diesem Verhandeln und Verkaufen aus dem Weg gehen. Prinz Erinjan soll sich seine Frau suchen, ich wĂŒnsche Euch viel GlĂŒck dabei. Sollte es eine meiner Schwestern sein, wĂŒnsche ich Euch viel Spaß beim Verhandeln.“
Sie holte noch einmal tief Luft und rannte dann aus dem Festsaal, ohne die erstaunten und peinlich berĂŒhrten Blicke zu bemerken, die sie verfolgten.
Sie schloss sich in ihrem Zimmer ein und ließ ihren TrĂ€nen freien Lauf. Dann, langsam formte sich eine Idee in ihrem Kopf und nach einigem Überlegen beschloss sie, diese Idee in die Tat umzusetzen.
Am nÀchsten Morgen kamen das Königspaar, die beiden Schwestern und der Prinz ins Zimmer der Prinzessin. Doch sie fanden es leer vor. Nur ein kleiner Zettel lag auf ihrem Bett. Auf ihn war nur ein einziges Wort, mit der feinen Handschrift der Prinzessin geschrieben: FREIHEIT
Die Prinzessin ward nie wieder gesehen. Prinz Erinjan hatte sich jedoch am Abend so sehr in Prinzessin Ililia verliebt, dass er sein ganzes Leben damit verbrachte, nach seiner einzigen Liebe zu suchen. Die Suche jedoch blieb erfolglos.

So schreibt sie also ihre Geschichten. Na ja, das kann man vielleicht noch als sehr schlechtes MĂ€rchen durchgehen lassen. Aber man merkt, wie sie ihre feministische Ader in diese Geschichte hat hineinfließen lassen. Also bleibt sie dabei, dass die patriarchalische Einstellung unserer Gesellschaft zu dominant ist. Aber vielleicht interpretiere ich auch einfach zu viel in diese Schreiberei hinein. Vielleicht wollte sie wirklich einfach nur eine Geschichte schreiben und es scheint leicht zu sein, dies erst einmal im Stil eines MĂ€rchens zu probieren. Ob sie wie Prinzessin Ililia war? Wahrscheinlich nicht. Es war vielleicht ihr Traum so zu sein, wie die Prinzessin, stolz und selbstbewusst.

5.11.
Ich habe mir ein StĂŒckchen Himmel geholt. Dieses StĂŒckchen ist die Erinnerung an eine bessere Welt. Ohne Krieg, Hass, Rassismus, Gewalt und Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Betrug und Egoismus. dies ist die Welt der Freiheit, der Freude und Freundschaft. In dieser Welt glauben die Menschen noch an das Gute. Aber in dieser Welt gibt es, wie in jeder Welt, das Böse. Doch es ist sehr klein, fast ist es weg, aber es bleibt. Das Böse ist ein Samen, der nur darauf wartet, gesĂ€t zu werden und auf fruchtbaren Boden zu fallen. Dort wird er dann keimen und aus dem kleinen Schössling wird schnell eine alte Eiche und es braucht einen starken HolzfĂ€ller, der die Eiche schlĂ€gt und sie vernichtet.
Damit will ich nicht sagen, dass die Eichen ein Baum des Bösen ist. Nein, jeder von uns trÀgt einen Teil des Bösen in sich und es liegt an uns, ob er sich entfalten kann, oder eingeht.
Aber auch wenn er eingegangen ist, lebt er weiter. Wir können nichts dagegen tun, aber wir können verhindern, dass der Samen aufgeht.

Sie ist jetzt gĂ€nzlich in ihrer Fantasiewelt gefangen, dabei ist sie doch so jung und sollte sich sorglos ihrem alltĂ€glichen Leben widmen. Warum erzĂ€hlt sie nicht einfach wieder von ihrem normalen Tag, was sie so gemacht hat? Ich möchte sie am liebsten schĂŒtteln und ihr zeigen, dass ihre TraumtĂ€nzerei nichts bringt. Aber was rege ich mich eigentlich so auf? Es geht mich eigentlich nichts an und Ă€ndern kann ich sie ohnehin nicht. Aber redet sie mit irgendjemand ĂŒber ihre Gedanken, oder schreibt sie alles nur in dieses Buch?

6.11.
Ich habe mir auch einen Stern vom Himmel geholt. Dieser ist das Symbol fĂŒr Freiheit, UnberĂŒhrbarkeit, Weisheit und Glauben. Auf diesem Stern ist alles aufeinander abgestimmt. Es gibt auch kein Böses, denn der Stern ist ein Symbol des unsterblichen Guten. Wer dort geboren wird oder lebt, ist ein Tel des Guten. In ihm lebt auch nichts Böses, denn ihre Seele kennt nur das einzig Gute, nĂ€mlich den alten Glauben. Auf meinem Stern ist man noch immer so mit der Natur verbunden, wie in vergangenen Zeiten. Dort liebt jeder jeden und es gibt keinen Streit. Aber wenn einer dieser Bewohner auf unsere Erde kommt, wird er maßlos erschrecken, denn wir vernichten uns und unsere Welt. Aber der Bewohner ist vor der Liebe nicht ausgenommen und wenn er sich in einen von uns verliebt, wird er auf ewig bei uns bleiben mĂŒssen. Die Kinder der Verbindung Erde-Stern werden auch einen Teil des Bösen besitzen, doch dieser Teil wird nie aufgehen, da um ihn herum nur Gutes besteht.

11.11.
Der Baum des Lebens. Seine Wurzeln reichen tief in die Erde, um jeden von uns zu erreichen. Seine Rinde besteht aus den alten Leuten. Die BlĂ€tter und das GeĂ€st ist fĂŒr Erwachsene und Kinder bestimmt.
Aber Kinder (Jugendliche, SĂ€uglinge) haben noch einen Platz. Die Krone des Baumes!
Dor gedeihen TrĂ€ume und WĂŒnsche, aber auch MĂ€rchen, Geschichten und Sagen. Die Kinder strecken ihre HĂ€nde aus, um das Unfassbare und Einzigartige zu erreichen. Sie haben noch nicht verlernt zu trĂ€umen.
Die Erwachsenen haben sich aus der Krone des Baumes zurĂŒckgezogen. Sie trĂ€umen nicht mehr so viel, wie Kinder, manche haben es ganz aufgegeben.
Die Alten sehen nur noch die vergangenen Tage und warten auf den Tod.
Aber es gibt Ausnahmen. Manchmal sieht man, hier und da, Alte oder Erwachsene in der Krone des Baumes. Sie haben das TrÀumen noch nicht verlernt.
Traurigerweise gibt es auch vor, dass man ein Kind im unteren GeĂ€st oder in der Rinde wiederfindet. Ihnen wurden zu frĂŒh die TrĂ€ume entzogen, sie sehen keine Zukunft.

Sie mag diese bildhaften Vergleiche. Vielleicht auch nur, weil sie sich dann ihre eigenen verworrenen GedankengÀnge besser vorstellen kann. Aber sie bleibt sich wenigstens treu. Unerreichbare TrÀume von Weltfrieden und einem besseren Leben. Dabei geht es ihr doch gar nicht so schlecht. Sie hat eine Familie, die sie liebt und Freunde die sie mögen. Ich bin auch nicht immer zufrieden mit dem, was ich habe, aber sie driftet in eine völlig andere Welt ab. Vielleicht, weil sie sich einredet, dass sie ohnehin niemand verstehen wird?


29.11.
Wenn der Himmel sich rot fĂ€rbt. Wenn die Sonne untergeht. Wenn die ersten Sterne leuchten und der Mond langsam sichtbar wird, erhebt sich das Wahre, welches die Erde beherrscht und schĂŒtzt.
Wir, die Schlafenden, spĂŒren es nicht, aber es ist immer da. Es wird immer da sein, auch wenn wir lĂ€ngst vergangen sind.
Diese Gedanken sind dumm, das weiß ich selbst. Aber es sind eben die Gedanken eines Teenagers. Genauso wie dieses Buch, diese Person, die es geschrieben hat, immer unbedeutend bleiben wird, werden auch meine Gedanken verschwinden. Ungelesen. Vergessen.
Wenn ich einmal heirate und Kinder bekomme (was ich fĂŒr unwahrscheinlich halte!), soll meine Tochter dieses Buch bekommen. Sie soll sehen, was ich in meiner Jugend gedacht und gefĂŒhlt habe. So dass sie mich besser verstehen kann.
Es hört sich an, wie ein Traum. Wahrscheinlich wird es auch einer bleiben. Dieses Buch ist nun voll. Ich werde mir ein neues suchen mĂŒssen.

Das ist also das Ende des ersten Buchs. Ich könnte sie beruhigen, ihre Gedanken wurden gelesen und ich versuche mir den Menschen hinter diesem Buch vorzustellen, aber ich kann nicht einmal einen Schatten heraufbeschwören. Sie bleibt im Dunkel, aber vergessen ist sie nicht.

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flammarion
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hallo,

das ist ja alles recht interessant, aber liest sie das wirklich alles so zack-zack runter? reflektiert sie nicht ein wenig darĂŒber? und in welchem jahrhundert findet sie die tagebĂŒcher? wann sie geschrieben wurden, ist ja klar. und wie geht die sache aus? du lĂ€sst deine leser ganz schön hĂ€ngen, isa!
lg
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Isa
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danke fĂŒr deinen kommentar. es ist eher ein experiment geworden, da ich das mit dem tagebuch schreiben noch nie ausprobiert habe. rein theoretisch gibt es auch noch eine fortsetzung, so dass das ganze nicht so in der luft schebt.
wenn dir klar ist, wann die bĂŒcher geschrieben wurden, dann rechne einfach dreißig bis vierzig jahre drauf und du findest dich in der zeit wieder, in der "Ich" die briefe liest.
ich selbst hatte mir schon ĂŒberlegt, sie ab und zu inne halten zu lassen, doch wie gesagt, bin ich noch am ausprobieren. vielleicht wird es beim nĂ€chsten mal besser. danke fĂŒr die kritik, wird mir hoffentlich was bringen.
isa

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Gabriele
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Hallo Isa,
Mir gefÀllt Dein Text gut, allerdings finde ich auch, dass er noch sehr ausbaufÀhig ist.
Es wĂ€re sicher gut, die Kommentare und Gedanken der Protagonistin zu den TagebucheintrĂ€gen einfließen zu lassen. Sonst ermĂŒdet man/frau beim Lesen der EintrĂ€ge rasch und neigt mit der Zeit dazu, sie nur noch zu ĂŒberfliegen. Dabei drĂŒcken sie zum Teil wirklich gut das Innenleben der Schreiberin, ihr Wechseln zwischen oberflĂ€chlichen und tiefgehenden Gedanken aus. (deshalb auch Note 7 )
Ja, und irgendie hört dein Werk mittendrin auf...
Mach noch mehr draus, es lohnt sich!
LG Gabriele

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