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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Es gibt sie doch!
Eingestellt am 25. 05. 2002 19:13


Autor
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Kalle
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2002

Werke: 19
Kommentare: 20
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Es war an der Zeit, wieder einen Nebenjob anzunehmen. Nicht etwa, weil Werner und Kalle klamm w├Ąren, ganz im Gegenteil. Nebenjobs bringen eine gewisse Horizonterweiterung mit sich, man lernt neue Menschen kennen und kommt ein wenig aus dem Alltagstrott raus.

Horst kellnert ab und an, macht den Nachtportier im Puff nebenan und sonst noch was so anf├Ąllt.

Die Jobs kennt er nun recht gut. Weil Werner auch eine neue Nebenbesch├Ąftigung sucht, entschlie├čen sich die beiden gemeinsam zu arbeiten.

Sie sitzen, wie so oft, an der Theke der Kneipe, wo sie damals von Schrottie und co. zur Rettung des Tittenplaneten aufgegabelt worden sind. Tittie ist auch noch oft hier.

Sie sitzen nach mehreren Kaltgetr├Ąnken stumm nebeneinander auf den Barhockern, die sie mal selbst mitgebracht haben, als der Laden brechend voll war. Sie konnten die St├╝hle nach mehreren Stunden Wein, Weib und Gesang nicht mehr mitnehmen. Seit dem stehen sie hier, sie sind immer frei f├╝r Horst und Werner, da traut sich keiner drauf.

Horst r├╝lpst und der Barkeeper nickt zustimmend. Alles in allem, scheint sich ein entspannender Abend anzuk├╝ndigen, die Jobsuche wird erstmal verschobem.

Auf einmal scheint die Sonne zu scheinen, eine unheimliche Aura verbreitet sich im gesamten sonst nicht so wohligem Raum.

"Hey, Werner, hast Du in die Hose geschissen?"

"Schnickschnack, dreh Dich mal um"

Horst dreht ein wenig den Kopf, nur ein bi├čchen ├╝ber die linke Schulter. Entlang der verklebten, mit Bierr├Ąndern verzierten Theke, dann Richtung T├╝r.

"Scheisse, was ist das?" Horst greift nach seiner Flasche Bier und nimmt einen kr├Ąftigen Schluck

"Was soll das sein? So was wie'n Engel. Oder der schwarze Ritter als Engel verkleidet"

"Is grad Fasching"

"Nee, scheint ernst zu sein"

"Oh je"

In der T├╝r steht ein blonder Engel, umgeben von einem unglaublich hellem, weissblauen Licht. Der Engel tr├Ągt weisse Cowboystiefel, hat ein weisses Playboy Kost├╝m mit B├╝schel am Hintern an, hat Titten wie sie Engel eigentlich nicht haben, eine goldene Krone im silbernen Haar und ein L├Ącheln, da├č einem warm wird ums Herz.

"Mal sehn was sie will" Horst hat keine Lust auf Abfuhren und dreht sich wieder r├╝lpsend zum Barkeeper. Der Rest der G├Ąste steht mit offenen M├╝ndern ungl├Ąubig im Raum. Es macht sich eine Stimmung zwischen Angst, Science Fiction, Religion und Puff Atmosph├Ąre breit.

Der Engel schwebt in Richtung Theke. Horst kann das Geschehen im Spiegel verfolgen, zeigt aber keine Angst als der Engel auf ihn zu schwebt. Horst war w├Ąhrend seiner Armeezeit bei der Eloka, deren Aufgabe es war, die verschissenen Ostler (die heute noch Soli kassieren) und die Russen abzuh├Âren und zu t├Ąuschen. Beides war leicht, aber man wird furchtlos, wenn man es l├Ąnger als ein Jahr t├Ąglich mit Ostlern zu tun hat, auch, wenn es nur ├╝ber Funk war, furchtlos, da mu├č schon einiges passieren.

Der Engel bleibt hinter Horst stehen, z├╝ckt einen Zauberstab und klopft mit jenem g├╝ldenen Werkzeug auf Horst's Haupt, so da├č ein Nebel an gold-silbernen Schneeflocken entstand.

"Hey, was soll der Zauberschei├č? Der bescheuerte Staub macht mir die Lungen platt, au├čerdem kannst Du mir gleich nen neues Bier ausgeben"

"Horst, Du bist doch der wundersame Horst?"

"Logomat, Dreck, was willst Du?"

"Ich bin Dein Dir zugewiesener Engel, der auf Dich aufpasst, Dich durchs Leben f├╝hrt und Dich besch├╝tzt"

"Bist Du durchgeknallt?" Obwohl, es macht Horst schon zu schaffen, da├č der Engel nicht wie jeder normale Mensch neben ihm steht oder vor ihm kniet. Nein, er schwebt wirklich. Der schwebt da rum. Werner hat sich schon d├╝nn gemacht, wahrscheinlich Hilfe holen, der Gute.

"Warum stellst Du Dich nicht auf Deine F├╝├če? Was soll die schwule Schweberei?"

"Engel schweben"

"Wenn Du meinst". Die Diskussion bekam keiner der G├Ąste mehr mit. Alle standen wie eingefroren in der Unendlichkeit im Raum herum.

"Was mu├č ich jetzt Deiner Meinung nach tun? Dich anhimmeln? Winseln? Um mein Leben ringen? Leck mich, kommt nicht in Frage. Ich bins, Horst der Ingenieur, mir macht keiner so leicht was vor"

"Beruhige Dich, Du hast Recht. Ich will Dich nur begleiten, durch Dein zuk├╝nftiges Leben. Du kannst mit Deinem Wissen die Menschheit weiter entwickeln, Kriege verhindern, Krankheiten eind├Ąmmen..."

"Klar kann ich, wenn ich will! Bin ich bei der Caritas? Steht Heilsarmee auf meiner Stirn? Daf├╝r hab ich keine Zeit. Und keine Lust, die Welt ist voller Nullhirnen, Ostlern, ├ľsterreichern und artgleichen Schwachmaten, es ist ein Kampf gegen Windm├╝hlen"

"Geh in die Politik.."

"Mit Deppen verbring ich nicht meine Zeit. Au├čerdem sind Politiker meisten bl├Âde Sportlehrer, mit denen kann ich ziemlich schlecht"

"Horst, ich glaube, es hat keinen Zweck mit Dir"

"Genau"

"Fickst Du mich wenigstens?"

"Klar, so ne Luftnummer taugt bestimmt"

Es war die Beste Nummer in der Stammkneipe, nein, die Beste seit Menschen- und Engelgedenken.

Der Engel war fertig und schwebte auf halb acht. Horst kriegte auch kaum noch Luft. Die Zeit stand nach wie vor still.

"Horst, darf ich Dich begleiten? Ich passe auch nur auf Dich auf, Du mu├čt keine Gegenleistung erbringen"

"Klar, ich hab so ein warmes, angenehmes Gef├╝hl, wenn Du in meiner N├Ąhe bist".



Es begann ein wundersame, einmalige Beziehung zwischen zwei au├čergew├Âhnlichen Kreaturen. Eine Beziehung, die hielt, durch das unwegsame Gel├Ąnde der Zeit, bis in die Unendlichkeit. Seit dieser Begegnung entwickelte Horst eine einmalige, selbstsichere (Ok, noch selbstsicherere) Pers├Ânlichkeit, der man nichts anhaben konnte.



Und manchmal, streift Werner Sternenstaub von Horsts Schulter
.
Ende dieser wunderbaren Geschichte
__________________
Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

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soleil
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 5
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Hallo Kalle,

direkt, unverbl├╝mt, politisch unkorrekt - diese Geschichte hat was.

Eine lachende
Soleil

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

ich hab echt gelacht! *g*
Find ich gut..
Manche Schreiberlinge m├╝ssen f├╝r so was stoned sein..
und dann noch etwas lyrisches..STERNENSTAUB..

lG
Sanne

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Annett
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2002

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Engel und so...

Hallo Kalle, kann es sein dass du dir Bukowski zu deinem Vorbild in Sachen Kurzgeschichten genommen hast????
Dann fehlt deiner Story aber der zynische Schluss! Ansonsten: Ganz originelle Erz├Ąhlung, nur zu viele Anspielungen auf Ostler, ├ľsterreicher, etc. f├╝r meinen Geschmack. Muss doch nicht sein, oder? Gerade zur Zeit sollten wir alle mal ├╝ber solche Sachen nachdenken, bevor wir sie schreiben. ├ťbrigens: es gibt auch total bl├Âde Westler! Nichts f├╝r ungut, bis dann.

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Wolfsbane
???
Registriert: Aug 2002

Werke: 9
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100 %

Eine geniale Story. Sie lebt von ihren Gegens├Ątzen. Ich finde sie besser als die meisten Stories von Charles Bukowski. Wenn er dein Vorbild ist, hast Du ihn IMHO ├╝bertroffen. Vor allem der Schlu├č hat mich umgehauen.
Hoffentlich gibt es noch mehr solcher Horst-Abenteuer zu lesen.



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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Ich lache jetzt noch
Und auch ich finde: der Mangel an political correctness ist besonders sch├Ân.
Ist es eigentlich Absicht, da├č auf S├Ątze in w├Ârtlicher Rede meistens kein Punkt folgt? Die schweben fast alle auch so auf halb acht.. genau wie der Engel.
lG, Zef

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