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Leselupe.de > Horror und Psycho
Flurschatten
Eingestellt am 31. 10. 2016 11:52


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SahroFuchs
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2016

Werke: 4
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Du kleine, miese Ratte. Habe ich dich letzten Endes, doch noch erwischt. Dabei hattest du es fast geschafft. Der Ausgang liegt direkt vor dir.
Hast du wirklich geglaubt, dass es ein Entkommen gibt? Du einfach gehen könntest? Ja natĂŒrlich, hast du das. So, wie alle vor dir. Niemand schleicht, schlendert oder rennt ungestraft durch meine Flure, mein Reich! Schon gar Keiner wie du, mit deinen winzigen FĂŒĂŸchen. „Tack, tack, tack, tack“, tapsten sie auf meinem Boden. Einem Menschen wĂ€rst du vielleicht sogar durch die Lappen gegangen, aber; entschuldige, dass ich lachen musste; ich bin ja keiner. Nein, nun wirklich nicht oder zumindest nicht mehr.
Du wusstest es, von Anfang an, nicht wahr? Meine kleine Scharade hat dir hoffentlich trotzdem gefallen. Die verzweifelten Rufe: „Hilfe, Hilfe, hört mich jemand?“. Oh, wie MĂ€use seid ihr zum vergifteten Speck gerannt, immer tiefer durch die GĂ€nge. Wie hat es sich angefĂŒhlt, als du merktest, dass alles gleich aussieht, hinter jeder, der dutzenden TĂŒren, nur weitere, endlose Korridore liegen? Was hast du empfunden, als dir klar wurde, dass du in diesem Labyrinth verloren warst? Tut mir leid, das habe ich nicht verstanden. Lass mich etwas nĂ€herkommen. So, was sagtest du? Solch eine Ausdrucksweise! Ich sollte dir deine schĂ€ndliche Zunge rausreißen! Aber nein, nein, was wĂ€ren die leeren Hallen ohne die Melodien der Agonie? Nichts weiter, als kalter, gefĂŒhlloser Stein. Hörst du sie? Komm, streng dich ein wenig an! Ja, das sind sie. Hunderte, Tausende, die meine Pforte durchquerten. Neugierige Äugelein und naive Geister, genau wie du. Auch sie kannten die Gefahren und dennoch wollte jeder mein Heiligtum, mit den dreckigen Sohlen, besudeln. Das ist alles, was von ihnen ĂŒbrigblieb. Ein SĂ€useln in den WĂ€nden. Ganz ruhig, du erstickst mir noch! Lass mich deine Qualen, wenigstens etwas lĂ€nger genießen. Geht es wieder? Gut!

Weißt du, ich war frĂŒher einmal genau wie sie. Ich steckte meine Nase immer in Sachen, die mich nichts angingen. Übermut und die schiere Gier nach dem Unbekannten, zogen meine Seele. Es durfte nichts verborgen bleiben. Keine TĂŒr sollte je meine Blicke aussperren, bis ich die Falsche öffnete. Kannst du mir noch folgen? Na, na, wer wird denn hier gleich einschlafen?
Tat das weh? Nichts ist belebender, als glĂŒhende Kohle auf der Haut, nicht wahr? Jetzt wo du wieder wach bist, kann ich ja weitermachen. Stell dir vor- da war dieser Fettsack, irgendein Politiker oder so. Jedenfalls besorgte er es einer, die sicher nicht seine Frau war, wenn es ĂŒberhaupt eine war. Lass dir eines gesagt sein: „Es gibt, selbst fĂŒr den Wissbegierigsten, Anblicke, die er nicht sehen will.“. Das war einer davon. Die aufgedunsene, gelblich verfĂ€rbte Haut, sich krĂ€uselnde Haare auf Brust und RĂŒcken, vom Schweiß glĂ€nzend, wie ein Aal. Er keuchte vor Lust und Erschöpfung. Seine ZĂ€hne, oh diese ZĂ€hne, stinkend verfault, blau und schwarz alle samt. Ein widerlicher Schleim, tropfte von seinen schmierigen Fahrradschlauchlippen. Wie er mich anstarrte, aus den zugequollenen Sichtschlitzen.
Von der Glatze her, rollte ein Tropfen herab, an der geknautschten Nase entlang, ĂŒber die Wulste des Halses, dann durch den Urwald aus dunkelgrauen Locken, nur um sich von der HĂ€ngebrust, in die Tiefe zu stĂŒrzen und anschließend, auf dem schrumpeligen Wanst, zu zerspringen. Den kleineren BruchstĂŒcken folgte ich nicht, in die finsteren AbgrĂŒnde, unterhalb des Beckens. Wahrscheinlich wollte nicht einmal die hellste Sonne diesen Ort bescheinen, selbst wenn er einmal entblĂ¶ĂŸt war. Der fetten Qualle jedenfalls, hatte auch ich die Nacht versaut. Er streckte eine Hand mit Wurstfingern nach mir, versuchte zu rufen, aber mehr als ein aufgebrachtes Stöhnen, quĂ€lte sich nicht aus seinem Rachen. Ich bin gleich losgewetzt. Naja, noch eine Sekunde lĂ€nger und ich hĂ€tte ihm in die speckige Visage gekotzt.

Bist du noch da? Na siehst du, bist doch ein tapferer Junge. Das mit den rostigen NĂ€geln, ist nur so eine Angewohnheit von mir. Du wirst es kaum glauben, aber Anfangs habe ich sie echt in Herz und Lunge getrieben, dabei ist der Körper doch so groß. Der Spaß muss nicht so schnell enden.

Wie dem auch sei. Es brauchte keine zwei Tage, da hatten mich die Speichellecker von dem Typen gefunden. Wenn ich mich recht entsinne, waren es vier MĂ€nner. Sie haben mich nicht einfach umgelegt, wie das Profis so machen. Ihr Geist war angetrieben von Fantasien und vulgĂ€ren GelĂŒsten. Stundenlang hetzten sie mich, bis ich zusammenbrach. Du weißt ja, wie es sich anfĂŒhlt; das Adrenalin, die Verzweiflung. Noch einmal weckten sie mich, aus meiner Ohnmacht. Nur damit ich ihre Folter spĂŒren konnte, wĂ€hrend mich ihre Werkzeuge, bis in die Unkenntlichkeit, verstĂŒmmelten. Damals habe ich so einiges gelernt, findest du nicht auch?

Nun, jeder Andere, jede Seele, hĂ€tte nichts mehr gewollt, als einfach, in Ruhe und Frieden, zu vergehen. Doch ich war anders. Selbst die Fröhlichkeit, hinter den Himmelstoren, konnte mich nicht locken. Es gab noch so viel zu entdecken und zu untersuchen. Man kann gar nicht begreifen, wie es ist, sich vollkommen frei bewegen zu können. Einen solchen Tausch, wĂŒrde ich immer wieder machen. Meine folgende Reise war lang und ausgedehnt, doch dann traf ich erneut auf ihn. Diese fette Made und sein stinkendes Gefolge. Jeder Augenblick bereitete mir die gesamten Schmerzen meines Ablebens, immer und immer wieder.

Hör auf zu zappeln! Was willst du machen, he? Auf deine gebrochenen Beine springen und losrennen? Das ich nicht lache. Halt jetzt, verdammt... noch. mal... still!


Verzeih mir. Das mit deinen HĂ€nden, war so nicht geplant. Manchmal bin ich aber auch impulsiv. Wenigstens, kannst du jetzt nicht mehr davonkriechen. Nun komm, roll dich nicht zusammen, wie ein Engerling. Das bringt doch nichts. So ist es brav.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, jetzt weiß ich es wieder! Ich traf also Mister „Fett und Reich“. In dem Moment verĂ€nderte sich mein Wesen abrupt. Von dem einstigen Wunsch nach Erkundung, blieb nichts mehr. Der Neue hieß: „Rache“! Dem kitzelnd warmen Sonnenlicht, wand ich den RĂŒcken zu, zog in die kalten Schatten und irgendwann, wurde ich zu einem von ihnen. Mein Drang wurde so stark, dass er mir einen Körper gebar. Von da an, war ich nicht mehr nur der stille Beobachter; nein. Ich wurde die Krönung der Finsternis, der Sohn und die Tochter, aller Schrecken. MĂ€chtiger, als die Ahnen selbst. NatĂŒrlich hatte es auch seine Kehrseite. Niemand wendet sich von dem Licht ab und kann dann noch erwarten darunter zu wanden, aber das war nur ein kleiner Preis, im Vergleich. Ich habe sie mir alle geholt. Einen nach dem Anderen. Und ich habe mir Zeit mit ihnen genommen, unendlich viel Zeit. Nicht so hastig, wie bei dir. Du bist mir wahrscheinlich nicht böse deswegen. Irgendwie vermisse ich ihre Schreie. Sie waren so klangvoll, fast schon aphrodisierend. Den Fettsack hob ich bis zum Schluss auf. Er sollte eine Weile, in Angst dahinvegetieren. Am Ende winselte er nicht um sein Leben, sondern um eine schnelle Erlösung.

Ach, da fĂ€llt mir ein: Magst du meine Schere? HĂ€tte ich auch nicht erwartet, dabei ist sie so nĂŒtzlich. Finger, Zehen, Nase, Ohren. Egal, das GerĂ€usch Ă€ndert sich nie. Den Anderen hat sie auch nicht zugesagt. Naja, man kann nicht alle glĂŒcklich machen, stimmtÂŽs? Wenn ich meine Spielsachen auspacke, starrt fast jeder sofort auf die große SĂ€ge, eine wahre Diva. Wie sehr wĂŒnschte ich, du könntest sie sehen. Vielleicht war ich etwas voreilig, als ich dir die Augen nahm. Auch ich mache, hin und wieder, Fehler. Warte kurz, spĂŒrst du ihre scharfen ZĂ€hne? Herrlich lang, nicht wahr? Aber sie stiehlt den Übrigen, das Rampenlicht. Es sind doch gerade die kleinen Dinge, die, wohl portioniert, ewigen Spaß bereiten. Nicht so, wie Madame „SĂ€gezahn“. Ein paar hastiger Bewegungen, die rasche Explosion der Freude und schon ist es vorbei. Ich bin nicht unbedingt ein Freund davon. Mir liegen gerade die Winzlinge am Herzen. Die Überraschung, in den Gesichtern, ist immer so lustig, dass ich mich herumkugeln könnte. Pass auf, das ist eine mickrige Stecknadel. Auch dein Anblick ist wahrlich, zum Totlachen. Gib mir eine Sekunde. Puh, ich bin ganz außer Atem. Ist schon eine Weile her, dass ich mich so amĂŒsieren konnte.

Weißt du eigentlich, warum ich dir all das erzĂ€hle und mir das letzte Bisschen KreativitĂ€t aus dem Leib ziehe, nur fĂŒr dich? Ach komm schon, noch nicht verkrampfen. Du willst doch bestimmt noch den Grund hören. Ruhig einatmen, ausatmen, einatmen. Alles wieder in Ordnung? Ja, ich denke das sollte gehen. Warum ich gerade deine Wenigkeit auserwĂ€hlt habe, um zu spielen, liegt sprichwörtlich auf der Hand. Ich weiß, ich weiß, nicht mehr deiner. Nochmal Entschuldigung dafĂŒr.

Lass mich ein letztes Mal ausholen. HĂ€ltst du noch so lange durch, ja? Dann mach ich es so kurz wie möglich, zumindest versuche ich es. Nach dem rĂ€udigen Schwabbel, konnte ich einfach nicht aufhören. Die ganze Sache war zu
 Wie sagt man gleich, verlockend, verfĂŒhrerisch? Wie eine Droge halt. Keinen Tag konnte ich vergehen lassen, ohne die kreischende Symphonie, meiner angeborenen Instrumente. Was fĂŒr eine schöne Zeit. Da waren so Viele, die mir Freuden bereiteten, von denen du nur trĂ€umen kannst. Unvorsichtige Passanten, die unter kaputten Lampen liefen. Eltern, die in den dunklen SchrĂ€nken ihrer Kinder, nach dem Monster suchten. Ein paar Leute, die ihren Mut in der Finsternis einer Höhle beweisen wollten. Sie alle zog ich erbarmungslos, in meine Schattenwelt und flugs begannen die Festspiele. Du kannst dir sicher vorstellen, wer am Meisten lachte. Und dann kam sie, diese Hexe.

Nun, ich will ehrlich zu dir sein. Es ist ja nicht so, dass du es jemals, irgendwem, erzĂ€hlen könntest. Sie war nicht wirklich eine Dienerin der schwarzen KĂŒnste. Ganz im Gegenteil. Ihre Heiligkeit folgte den Lehren des AllmĂ€chtigen, des Lichtes. Ich hĂ€tte nie gedacht, dass mich je ein Mensch, im Schutze des Schattens, sehen wĂŒrde, doch sie tat es. Mit purer Gewalt riss sie sich das Silberkreuz vom Kragen, hielt es zu mir herĂŒber und brabbelte irgend so ein Kauderwelsch. Kurz flackerte das Licht und dann war ich hier. Es ist ein Ebenbild meines letzten Jagdgrundes. Die mattgelben WĂ€nde, die weiße Decke mit den Leuchtstoffröhren, der grau gekachelte Boden mit seinem Zufallsmuster und die dunkelbraunen TĂŒren. Du hast es ja zur GenĂŒge gesehen. Sei froh, dass du es nicht so lange ertragen musstest, wie ich. Was aber wirklich verstörend war, blieb die Tatsache, dass ich im Licht stand, mittig im Gang. Ich konnte mich sogar frei bewegen und musste nicht, von Schatten zu Schatten huschen, wie sonst. Es gab ja auch Keine. Vielleicht ist dir das aufgefallen. Nein, ich glaube kaum. Niemand hat die Gegebenheit, in seiner wahnwitzigen Panik, je erfasst. Also mach dir nichts draus. Nicht nur, dass ich von da an keine Bögen mehr laufen musste, auch mein Körper hatte sich verĂ€ndert. Ich blickte an mir herunter und sah dieses mickrige, menschliche Etwas, in das sie mich verwandelte. Da waren keine Klauen mehr, keine schwarz pulsierende Haut und auch die FĂŒĂŸe, hatten ihre geliebten Krallen verloren. Meine vergötterten Werkzeuge, schliefen nicht mehr, eingebettet in meinen Innereien. Ich war nackt und hilflos. Die Zeit ließ mich ziellos umherwandern, wie ein Raubtier in seinem Gehege. Du glaubst kaum, welches GlĂŒck ich empfand, als sich eine Reißzwecke in meine Sohle bohrte. Jemand hatte es gut mit mir gemeint. Das wurde mir sofort klar. Wo eines der Spielzeuge versteckt war, da gab es auch noch mehr. Es begann eine ewige Suche und wie du schon weißt, hatte ich Erfolg dabei. Danach folgte aber, ein gefĂŒhltes Millennium des Nichts.

Wieder war es eine Kraft von außen, die mir wohl gesonnen war. Ich nenne die Ankömmlinge gern „Besucher“. Leute, wie dich und deine einstigen Freunde. Jeden ihrer Schritte konnte ich spĂŒren, als wĂŒrden sie in meinen Eingeweiden herumtrampeln. Ihre Spur, aus Dreck und Schlamm, brannte wie Feuer.

Ooch, du brauchst kein Mitleid haben
 . War ja einen Versuch wert.

Es war ein ĂŒberaus erregendes GefĂŒhl, kein Schmerz im eigentlichen Sinne. Wie aneinandergereihten Kerzen konnte ich dem folgen, bis ich die Besucher fand. Sie brachten nicht nur lodernde Flammen
 Ich muss schon wieder lachen. Ihr wirkliches Geschenk, waren die Schatten, welche unter ihnen wanderten. Kaum berĂŒhrte ich den Ersten, bekam ich das zurĂŒck, was mir gestohlen wurde. Meine Euphorie kannte keine Grenzen. Ich war wieder ich und die furcht-gezeichneten Gesichter wurden, in einem Ausbruch schierer Überheblichkeit, verschlungen. Mich zu zĂŒgeln, musste meine Wenigkeit erst lernen. Das Feuerwerk verpuffte im Nichts und als es still wurde, mein Körper seine nichtsnutzige Form annahm, hörte ich sie zum aller ersten Mal. Ganz leise, wie ein Wispern im Wind. Die Besucher waren noch da. Die besĂ€nftigenden Schreie, ihrer bezaubernden Wehleiden, drangen aus den WĂ€nden. Jeder von ihnen, war ein Teil meines Reiches geworden. Dir wird dasselbe Schicksal zu Teil werden, so viel sei dir mal versprochen. Aber bitte, noch nicht jetzt.
Du sollst noch wissen, warum ich dich mag, sehr sogar.

Schau; oh falsches Wort; lass dir erklĂ€ren, dass meine GĂ€ste mir damals einen Weg zeigten, den ich noch nicht kannte. Ihre FĂ€hrte brachte mich an diese TĂŒr dort, gleich vor deiner Nase. Schon wieder eine so eine dumm, gewĂ€hlte Redensart. Wo habe ich doch bloß meine Gedanken? Die Schere, hatten wir doch schon. Also, gleich vor dir. Sie ist die Einzige, die ich einfach nicht öffnen kann. Eine gut verschlossene Verbindung zur Außenwelt. Nur Menschen können sie bewegen, weißt du? Ich habe mich maßlos zurĂŒckgehalten, als ich Einigen gestattete zu flĂŒchten, um das herauszubekommen. Jetzt kommst du ins Spiel. Kannst du dich noch, an deine ersten Worte hier drin erinnern? Nein? Ich schon! Du hattest gleich Angst, zu Recht, und entgegen der Meinung deiner Freunde, hast du gestritten. Ich danke dir, auf meine Weise, dass du sie hintergingst und meine Reichspforte, meine ZellentĂŒr, diesen winzigen Spalt geöffnet liest. Noch Niemand, hat mir solch eine Wohltat, zu Teil werden lassen, Keiner! Verstehst du das? Weißt du, was das fĂŒr mich bedeutet?

Wahrscheinlich, begreifst du nicht einmal meine Worte, in deinem Zustand. Aus reiner Dankbarkeit, mache ich dir dieses Geschenk und lasse dich deine letzten AtemzĂŒge in Frieden genießen.


Lebewohl, mein tapferer, kleiner Retter.


In einem Hochhaus, im Zentrum einer gewaltigen Metropole, fand man sechs Teenager, drei Burschen und ebenso viele MĂ€dchen. Ihre Herzen hatten einfach aufgehört zu schlagen. Keiner wies Anzeichen eines Gewaltverbrechens oder Spuren von Giften auf. Sie waren alle kerngesund und in der BlĂŒte ihres Lebens gewesen. Einzig, die panisch aufgerissenen Augen, sowie MĂŒnder, vernichtete die Vermutung, nach einem Zufall. Unter ihnen, gab es dennoch eine Ausnahme. Einer der Jungen sah so aus, als wĂŒrde er nur schlafen, vollkommen entspannt und ruhig. Beamte, aus anderen Regionen, hĂ€tten ihn der Tat verdĂ€chtigt, doch auch wenn Keiner wagte es auszusprechen, die Einheimischen erkannten das Ritual. Das enthauptete Huhn, die Schale mit dem frischen Blut, in dessen Mitte der Kopf schwamm, die fĂŒnf Kerzen ringsum, verbunden mit Strichen zu einem Stern. Es war nicht der erste solcher FĂ€lle. Wen oder was sie suchten und warum, blieb ungeklĂ€rt. Sicher war aber, dass alle etwas fanden, den Tod.


Heute ist selbiges GebĂ€ude verlassen und verfallen. Kaum begreift ein Außenstehender, wie das sein kann. Mittig in solch einer, mit Menschen ĂŒberfluteten, Stadt. Dort, wo der Wohnraum so knapp ist, dass BĂŒrger sich beinahe stapeln und die Mieten unbezahlbar sind. Aberglaube, hat in unserer hochentwickelten Zeit keine Bedeutung mehr und doch verschwanden dutzende Zweifler, auf unerklĂ€rliche Weise. Wenn man genau hinhört, den LĂ€rm der Straßen ausblendet, dann kann man sie noch hören, die Schreie der Vermissten. Dieses eine Mahnmal, der Beweis verdrĂ€ngter und verachteter RealitĂ€ten, ist bei Weitem kein Einzelfall. Überall, auf unserer geliebten Erde, vielleicht sogar ganz in Ihrer NĂ€he, stehen zu Recht verwaiste HĂ€userzeilen, deren Leerstand nicht mit rationellen Denkweisen zu erklĂ€ren ist.
Wir alle kennen doch diesen einen Schatten, diesen schwarzen Flecken; vielleicht im Keller, möglicherweise im Hausflur oder der Garage, bei dem sich uns instinktiv die Nackenhaare aufstellen und ein Schauer den RĂŒcken herunterlĂ€uft. Dieses eine Örtchen Finsternis, in dem sich nicht einmal, die Tiere verstecken. Egal, wie schutzbedĂŒrftig sie sind. Hören Sie auf ihre innere Stimme, seinen Sie nicht neugierig oder naiv. Es könnte sein, dass sonst auch Sie demnĂ€chst, aus dem Mauerwerk jammern.

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