Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5498
Themen:   93865
Momentan online:
307 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
Gerhard Phantom, der Opa
Eingestellt am 02. 02. 2018 10:29


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Janosch
???
Registriert: Feb 2005

Werke: 153
Kommentare: 292
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Janosch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es lebte einst ein Mann, Gerhard „Phantom, der Opa“.
Zumindest nannte man ihn so - ob seiner krÀnklichen Gestalt,
dem buckeligen Gang, der Falten und dem lichten, grauen Haar.
Was half's ihm da, dass er erst Ende zwanzig war:
Er galt als stets genau so alt, wie's Kind ihn auf der Straße schalt.

Und nicht nur das - sein Spiegelbild fand Àhnlich klaren Ton:
„O schau dich an: Was bist du eingebrochen 
, Dieb im eig'nen Leibe!
Der Alkohol als Brechstange, nimmst du, im Dienst der Depression,
dich völlig aus, verfÀllst du dem Verfall, dem Eigenhohn,
als Reaktion auf den Verlust von Liebe, Job und Bleibe.“

O Gott ist ein Sarkast, denn großes GlĂŒck erzeugt oft böses Blut.
Die Romy war's, des FĂ€hrmanns Kind, die Gerhard einst berĂŒhrte,
was so sehr bei ihm Wellen schlug, dass er wie eine wilde Flut
- anstatt bei ihr zu stranden, - ihren Strand, ihr Land umspĂŒlte, was akut
sie unter Wasser setzte, die alsbald schon nichts mehr spĂŒrte.

Und's kam, wie's kommen musste: Romy fiel
dem allernĂ€chsten JĂŒngling um den Hals, hielt sich dort fest
und hob die Beinchen an, dass drunten Gerhards Wellenspiel
nicht mehr an ihre Waden schlug, und im GefĂŒhl
des RĂŒckgangs, sinnlos schĂ€umte nur - wie zum Protest.

Und der versiegte nicht: Er rief sie an, er schlief vor ihrer TĂŒr,
er schrieb ihr Briefe und erfand sich immer wieder neu,
um immer neue Worte, Wege, Weisen anzufĂŒhr'n, die ihr
beweisen sollten: „Du. Ich liebe dich. Im Jetzt und hier
und ewiglich. Und ob du fort bist oder nicht: Ich bleib' dir treu.“

Und zwischen seiner Gesten Flut lag er, ganz Ebbe, brach im Bett
und trank und brach ins Bett und brachte and'res nicht hervor
als Rotz, Gebroch'nes, Herz und Schweiß; er trank und aß, er wurde fett,
warf ĂŒble Schatten an die Wand, zog Furchen im Gesicht. Als hĂ€tt'
der Zahn der Zeit ihn angenagt, als klopfte er ans Himmelstor.

So wurd' er alt und Àlter, wÀhrend Wochen nur vergingen:
Die dunklen Stunden haben auf dem Zeitstrahl mehr Gewicht.
Denn Stillstand ist die Spanne zwischen dir und schönen Dingen.
Und wenn das Schönste schwindet, hören deine Zeiger auf zu schwingen -
zwar zieht dann Zeit nach außen schnell voran, nach innen nicht.

So nahm man Gerhard, wenn man ihn mal sah, als alten Opa wahr,
der so wie ein Phantom vorĂŒberzog, um dann und wann besoffen
vor Romys TĂŒr zu steh'n, die lange ausgezogen war,
und dort, vernebelten GemĂŒts und dennoch völlig rein und klar,
zu klopfen und zu hoffen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Janosch
???
Registriert: Feb 2005

Werke: 153
Kommentare: 292
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Janosch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Tula,
kein Problem. Der Text ist in erster Instanz zum Vortragen auf der BĂŒhne entstanden und bedurfte daher einer gewissen MindestlĂ€nge. Der Stil ist natĂŒrlich nicht jedermanns Sache - danke dennoch fĂŒr Deinen Kommentar!
Gruß Jan

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Gereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung