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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschichten aus Himmelriss: Der Kristallkrieger
Eingestellt am 03. 05. 2016 17:26


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SpookyScarySkeleton
Möchtegern-Schreiber
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Kais Lippen verzogen sich, als er das Grollen des Donners aus der Entfernung vernahm. Bald würde es wieder zu regnen anfangen und noch immer lag das Ziel des jungen Mannes in weiter Ferne. Leise knurrend zog er sich die Kapuze seines verdreckten Umhangs über den Kopf, ehe er sich umblickte.
Schon seit Stunden folgte er dem Trampelpfad durch die Landschaft, ohne auch nur auf eine andere Seele zu treffen. Zwar bevorzugte er es, alleine zu reisen, doch bereute er dies häufig in den ländlichen Gegenden von Himmelriss. Hier war es sogar noch schlimmer: Wo sonst riesige Felder für Kartoffeln, Möhren und Kräuter angebaut wurden, fand Kai hier nur Unkräuter und Gras, soweit das Auge reicht. Einzig eine kleine Siedlung mit einer Handvoll Häuser stach aus der dunkelgrünen Umgebung hervor.
Ein Blitz erhellte den dunklen Himmel. Seufzend blickte Kai zum Himmel hinauf, als die ersten Regentropfen sein Gesicht berührten.
„Scheint, als müsste ich einen Umweg machen“, sprach er leise zu sich selbst, während er ein kleines Fläschchen von seinem Gürtel nahm und sich einen Schluck gönnte. Die klare Flüssigkeit schmeckte äußerst bitter und einen Moment rang er damit, sie nicht einfach auf den Boden zu spucken. Mit geschlossenen Augen schaffte er es schließlich, das Gesöff herunterzuwürgen, wobei es spürbar seinem Hals hinunterrannte. Es brannte schrecklich, doch zumindest stillte es seine Dämonen für den Moment.

Wie aus Strömen regnete es, als Kai das zerbrochene Ortsschild des Dorfes erreicht hatte. Ein weiterer Blitz erhellte die Umgebung lang genug, um die Schrift lesbar zu machen: Gramsheim. Doch irgendetwas störte Kai daran, wie das Schild zerbrach. Ein Blitzeinschlag hätte es gänzlich zerstört, während ein Windstoß wohl eher das gesamte Schild mitgerissen hätte als nur den Namen. Ein ungutes Gefühl machte sich in seinem Magen breit, als er sich den Häusern näherte.
Durch den Regen konnte er kaum verstehen, was gerade in der Taverne vor sich ging, doch was er im Fenster sah, verhieß nichts Gutes. Immer wieder huschten dunkle Schatten im Kerzenschein vorbei, dumpfes Klopfen brachte eine Laterne an der Wand zum Wackeln. Fast war Kai überzeugt davon, dass er die Rufe einer Frau vernahm, bevor ein lautes Donnergrollen seine Ohren betäubte.
„Eigentlich wollte ich Stress vermeiden“, flüsterte Kai leise zu sich selbst, nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche und klopfte schließlich an der Haustür an.

Keine Reaktion.

Selbst, als er zwei weitere Male lauter klopfte, öffnete sich die Tür nicht. Seine Hand reichte zum Knauf und drehte an diesem. Ein leises Knacken ließ ihn aufseufzen.
„Verschlossen.“
Kais Augen suchten die Umgebung ab. Die Fenster waren zu klein, um ins Haus zu gelangen. Die Holzwände waren solide gebaut, ohne morsche Stellen oder Löcher. Einen Ersatzschlüssel fand er nicht einmal unter der Fußmatte, auch wenn diese als Geheimplatz eindeutig schon mehrere Male genutzt wurde.
Bleibt nur der Türriegel auf der anderen Seite.
Leicht nahm Kai Anlauf und drückte seine Schulter gegen die Tür. Das Knacken auf der anderen Seite der Tür war lauter als zuvor.
„Holzriegel also“, flüsterte Kai sich selbst zu, während er sich die Schulter rieb und einige Meter von der Tür Abstand nahm. „Wenn ich also genug Anlauf nehme-.“

Er hatte nicht einmal seine Idee ganz ausgesprochen, da brach ein älterer Mann durch die Tür und blieb vor Kais Füßen liegen. Die einfache Kleidung des ergrauten Mannes war durchlöchert, Blut floss aus schmalen Wunden am Bauch und an der Brust. Seine Augen waren fest verschlossen, sein Atem schwach und flach.
„Hey!“ Kai beugte sich zu dem Mann hinab und fühlte seine Taschen nach irgendeiner Bandage ab. „Könnt Ihr mich hören? Was ist passiert?“
Der ältere Mann keuchte, Blut tropfte aus seinem Mund. „Meine... Tochter...“
Verwirrt runzelte Kai die Stirn. „Hä?“
„Tochter...“ Schwach deutete der Mann ins Innere der Taverne, aus welcher hämisches Gelächter ertönte. „Räuber... Überfall... Ich-.“
„Redet nicht weiter.“ Mit ernster Miene erhob sich Kai wieder und ballte seine Faust. „Versucht, am Leben zu bleiben. Ich habe hier etwas zu erledigen.“
Die grauen Augen des Mannes öffneten sich nur leicht leicht. „N-Nein... ruft... Wachen...“
„Schon in Ordnung“, meinte Kai, ehe er in die Taverne eintrat. „Ich habe alles im Griff.“

„Na los, Süße! Mach endlich!“
Rings um einen großen Holztisch hatten sich einige Männer versammelt. Sie lachten und feierten, während ihre Fäuste immer wieder auf den schweren Tisch schlugen. Alle waren bis auf die Zähne mit Klingen und Dolchen bewaffnet, welche sie nur notdürftig instand hielten. Auch ihre einfachen Kleider aus Stoff und Leder waren nur soweit geflickt, das sie nicht vom Körper fielen. Sie alle blickten in die gleiche Ecke, ihre Rufe wurden immer lauter und lauter.
Eine junge Dame, kaum zwei Jahrzehnte alt, saß zusammengekauert in der Ecke des Raumes und hielt die Hände verschränkt an ihren Schultern. Ihr langes, einfaches Kleid war am Oberkörper gerissen und durchnässt, ihre langen, blonden Haare hingen ihr ins Gesicht und verdeckten ihre Augen. Dennoch konnte man einige Tränen sehen, welche im Schein der Kerzen glitzernd ihre Wangen herunterliefen. Immer wieder schniefte sie unkontrolliert auf, ihre Finger krallten sich in den Stoff des Kleids.
„Nun mach schon!“ Ein großgewachsener Mann hämmerte seine Faust auf den Tisch. Schlecht verheilte Narben schmückten sein Gesicht, einige Zähne fehlten in seinem Mund. Laut brüllte er: „Zieh dich endlich aus!“
Die Männer lachten, sie alle riefen im Chor: „Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen!“
Die junge Dame hingegen machte sich noch kleiner. „Lasst uns bitte in Ruhe“, rief sie verzweifelt. „Was haben wir euch getan?“
Kaltes Metall streifte ihre Wange, sie zuckte auf. Die Haare flogen aus ihrem Gesicht, wodurch ihre durch Tränen geröteten blauen Augen zum Vorschein kamen. Als es an der Wange auf einmal heiß wurde, folgte ihr Blick dem Schmerz – ein Dolch hatte sich nur einen Hauch von ihrem Kopf entfernt in die Holzwand gedrückt. Blut floss von ihrer Wange, vermischte sich mit ihren Tränen und benetzte den Boden. Ihre Pupillen schrumpften zu winzigen Punkten und ihr Körper begann heftig zu zittern.
„Steh endlich auf!“, brüllte der riesige Mann, während er einen weiteren Dolch aus einer Hemdtasche zog. „Das nächste Mal verfehle ich nicht!“
Der Hals der jungen Frau schnürte sich zu. Ihr Herz raste, schnell zog sie Luft in ihre Lunge und schnaubte diese wieder aus. Ein Fleck an ihrem Schoß wurde sichtbar, als sie sich langsam erhob. „B-Bitte...“
Kurz kehrte Ruhe in die Taverne ein, bevor die Männer lauthals loslachten. Sie alle deuteten abwertend auf den Fleck am Schoß.
„Schaut, sie hat sich vor Angst eingepinkelt!“
„Was für ein erbärmliches Gör!“
„Jetzt zieh dich endlich aus!“
Panik machte sich im Körper der jungen Dame breit. Sie konnte keinen einzigen Gedanken fassen, ihr Körper wollte ihr nicht gehorchen. Wie von Geisterhand geführt schoben ihre Finger langsam die Träger über ihre Schultern. Schluchzend flehte sie erneut: „Bitte...“
„Mach endlich!“
Ihre Augen schlossen sich fest, ehe sie...

„Was geht hier vor?“
Die Frau stockte, als sie eine neue Stimme vernahm. Ihre Augen öffneten sich, ihre winzigen Pupillen begannen zu zittern. Auch die Männer drehten sich um und musterten den Mann, dessen Gesicht unter der durchnässten Kapuze verdeckt war.
„Was willst du, Arschloch?“, fragte einer der Männer gereizt nach.
Ein leises Seufzen verließ Kais Lippen, als er seine Kapuze abnahm. Seine kurzgeschorenen, schwarzen Haare waren trotz der Kapuze etwas durchnässt, weshalb er mit der Hand kurz über seinen Kopf fuhr und die Tropfen zu Boden warf. „Für ein bisschen Gerechtigkeit sorgen.“
Nun waren es die Männer, die die Augen weiteten. Wortlos blickten sie sich untereinander an, bevor erneut Gelächter ausbrach. Bedrohlich baute sich der Riese vor Kai auf. „Du bist wohl neu in dieser Gegend, oder, kleiner?“
Kai blickte zu dem Riesen hinauf. Der großgewachsene Mann war gut einen Kopf größer als er selbst. Trotzdem blieb Kai erstaunlich ruhig. „Sollte ich euch etwa kennen?“
„Das solltest du, Kleiner“, sprach der Riese, wobei bei jedem Wort Speichel in Kais Gesicht fiel. „Immerhin hast du es mit den tollwütigen Bluthunden zu tun!“
„Tollwütige... Bluthunde...?“ Kai hob leicht eine Augenbraue – der Speichel in seinem Gesicht schien ihm nicht einmal zu interessieren. „Was soll das denn sein?“
Nun wurde die Miene des Riesen ernster. „Bist du wirklich so planlos?“
„Was auch immer“, meine Kai schließlich desinteressiert und drückte sich an dem großgewachsenen Mann vorbei. „Ihr werdet jetzt diese Frau in Ruhe lassen. Haben wir uns verstanden?“
Sofort schoss ein anderer Mann vom Tisch auf und hielt ihm bedrohlich einen Dolch an die Kehle. „Sag mal, hat man dir in den Kopf geschissen, du Bastard? Weißt du, mit wem du dich gerade anlegst?“
Finster blickten Kais Augen auf den Mann vor sich hinab. „Legt den Dolch weg.“
Der Mann zischte. „Erst, wenn du dich bei unserem Anführer, Richard der Bluthund, entschuldigst!“

„Na gut.“ Wie ein Blitz schoss Kais Arm nach oben, seine Handfläche presste gegen den Arm des Mannes. Dieser schaute erst überrascht, bevor ein stechender Schmerz seinen Arm durchfuhr. Er konnte nicht einmal genau sehen, was geschah, als plötzlich der Unterarm von seinem Ellenbogen abgetrennt wurde. Kreischend sank er zu Boden, während er panisch versuchte, mit seiner anderen Hand die Blutung zu stoppen.
Gelassen schüttelte Kai seine Hand aus, wobei kleine, durchsichtige Splitter zu Boden fielen. Sie wirkten wie Glas, doch waren stabil genug, um Kais auftretendem Stiefel standzuhalten. „Könnt ihr jetzt gehen? Draußen verblutet gerade ein Mann, um den ich mich kümmern muss.“
Du verblutest gleich!“ Ein weiterer Mann stürmte von hinten an und rammte seinen Dolch in Kais rechte Niere – oder zumindest war dies sein Versuch. Die Klinge des Dolches zerbrach, bevor sie überhaupt in das Fleisch schneiden konnte und flog im hohen Bogen durch den Raum.
Überrascht schaute der Mann auf den klingenlosen Griff in seiner Hand. „Was im Namen der Götter-?“
Bevor er überhaupt realisierte, was geschah, drehte sich Kai um und stieß aus der Drehung mit seiner Hand zu. Wie aus Zauberhand formte sich eine lange, durchsichtige Klinge, welche sich klirrend in den Schädel des Mannes drückte. Sie kam jedoch nicht am anderen Ende des Kopfes heraus – stattdessen brach die klare Klinge in tausende von kleinen Splittern, welche ihn von innen heraus durchlöcherten. Einer Puppe gleich fiel er zu Boden und zuckte einige Male, bevor sein Körper total zur Ruhe kam.
Neben dem Riesen waren es nur noch drei weitere tollwütige Bluthunde, die sich Kai in dem Weg stellten. Richard blieb trotz den Schweißperlen auf seiner Stirn ruhig, die anderen Männer hingegen konnten ihren Augen kaum trauen. Einer schrie plötzlich auf: „Was ist das für ein Typ?“

Langsam wandte sich Kai von den Männern ab und ließ seinen Umhang zu Boden sinken. Ein einfaches Hemd, eine langbeinige Hose aus Leder sowie schwarz gefärbte Lederstiefel, welche unter der braunen Hose nahezu verschwanden... selbst der dunkle Ledergürtel mit den Fläschchen wirkte normal. Jedoch erweckte jene Stelle Aufmerksamkeit, welche durch den Dolchstich ins Hemd freigelegt wurde.
Eine klare, durchsichtige Schicht in Größe einer ausgestreckten Hand ersetzte auf Nierenhöhe die Haut. Sie war leicht gerissen, fügte sich jedoch vor den Augen der Männer glatt wieder zusammen und ermöglichte ihnen die Sicht in das Innere von Kai. Einer konnte sich bei dem Anblick nicht zurückhalten und spie angewidert auf dem Boden.
„W-was bist du?!“
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen drehte sich Kai wieder zu den Männern um. „Ein Meister.“

Für einen Augenblick erstarrte alles Leben im Raum, als hätte Kai ein verbotenes Wort ausgesprochen. Nur das Flackern der Kerzen und die Blitze außerhalb der Taverne deuteten darauf, dass die Zeit weiterlief.

Schließlich schrie die Frau auf. „NEIN! Ein Meister! Bleibt weg! Hilfe!“
„Das war nicht geplant, man!“ Der spuckende Mann nahm sofort Reißaus und stürmte zur Haustür. „Mir hat niemand gesagt, das-!“
Blindlinks rannte der Mann gegen die massive Brust Richards, welcher sich wie eine solide Mauer vor ihm aufgerichtet hatte. Richtend schaute der Riese hinab und grummelte tief: „Wo willst du denn hin?“
„Das ist ein Meister, verdammt!“, rief der Mann flehend hinauf. „Du weißt doch, was man erzählt! Magisch begabte Typen und Weiber, welche Körperteile an Dämonen opferten, um über eine Form der Magie zu herrschen! Der Grund, warum der Götterfluch existiert!“
Richard verschränkte seine Arme. „Und weiter?“
„Komm schon, man!“ Verzweifelt versuchte der Mann, sich an Richard vorbeizudrücken, jedoch ohne Erfolg. „Lass uns einfach verschwinden, bevor die Orikalkum-Garde kommt und-!“
Seine Worte wurden mit einem Dolchstich direkt in den Hals abgewürgt. Seine schrumpfenden Pupillen blickten zu Richard hinauf, welcher kalt herabschaute und den Dolch durch die Kehle des Mannes zog. Leblos fiel er auf den Tisch, seine Hände versuchten, mit einigen letzten Zuckungen die Blutung am Hals zu stoppen, bis er schließlich aufgab.
„B-Boss...!“ Entgeistert starrten die letzten beiden Männer auf ihren toten Kameraden. „Was machst du da?“
„Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen“, knurrte Richard erzürnt. „Wenn wir den Meister erlegen, werden wir als Helden gefeiert! Alle Frauen und Schätze von Himmelriss werden uns gehören!
„A-aber-.“
„Seid Ihr tollwütige Bluthunde oder Versager?“, brüllte der Riese seine beiden Untertanen an.
„Bluthunde!“, brüllten die beiden zurück.
„Und was werden wir niemals?“
„Zurückweichen!“
„Ich kann euch nicht hören!“
„ZURÜCKWEICHEN!“
Schon wandten sich die beiden Männer wieder zu Kai um, sich den getrockneten Speichel von dem Gesicht wischte. Die beiden Bluthunde zogen zögerlich jeweils zwei Dolche, schauten sich kurz an und nickten.

„Angriff!“ Einer der Männer warf einen Dolch in Kais Richtung, gleichzeitig rannte der andere im Bogen um Kai herum und versuchte, ihn von hinten zu erreichen.
Kai hob nur seine Hand, woraufhin die Handfläche in einer dichten Schicht aus Kristallen gehüllt wurde. Die Klinge des Dolches brach entzwei, Kristallscherben flogen durch den Raum.
„Noch einer!“, brüllte der Bluthund, welcher sich Kais Rücken nun mit gehobenen Dolchen näherte. Seine Augen fixierten sich direkt auf den Nacken Kais – zwei Stiche sollten mehr als genug sein, um ihn auszuschalten. Sein Kamerad folgte sofort dem Ruf und schleuderte den zweiten Dolch auf Kai zu, nur um kurz darauf zwei weitere aus seinen Taschen zu ziehen.
Doch das einzige, womit Kai konterte, war ein Schritt zur Seite. Der Dolch verfehlte den Mann mit den Kristallkräften nicht nur, sondern flog direkt zwischen die Augen des anstürmenden Bluthundes und drückte sich tief in den Schädel hinein. Nicht einmal ein Schrei verließ seine Lippen, als er zu Boden fiel.
„Ah... Nein!“ Verstört blickte der letzte tollwütige Bluthund auf seine eigenen Hände. Instinktiv ließ er seine Waffen fallen und hob seine Hände in Kais Richtung. „B-bitte! Töte mich nicht!“

Kai hatte gerade einmal seine Lippen geöffnet, als Richard erbarmungslos mit einem goldenen Kurzschwert die Kehle seines letzten Mitglieds durchtrennte. Wütend spuckte der Anführer auf den leblosen Leib des Mannes. „Umgeben von Idioten...“
Einen Moment lang starrte Kai ungläubig auf die Leiche vor Richards Füßen, bevor er seinen rechten Arm zur Seite ausstreckte. Eine lange Klinge aus Kristall formte sich über die Hand und streckte sich bis zu einem halben Meter aus. „Du machst deinem Namen alle Ehre. Ich werde mit Vergnügen dich erledigen.“
„Mach dein Maul mal nicht zu weit auf, Junge“, meinte Richard grinsend und hielt die goldene Klinge direkt vor Kais Augen. „Du solltest am besten Wissen, was das hier ist, nicht?“
Kalter Schweiß rannte über Kais Nacken, als sich seine Augen auf die Spitze des Schwertes fixierten. Unwillkürlich machte er einen Schritt zurück, während er leise hauchte: „Orikalkum...“
„Genau, Orikalkum“, wiederholte Richard grinsend. „Das Zeug, welches Magie aufhebt. Scharf wie Stahl, aber für Meister tödlich wie das Gift einer Kliposs-Spinne. Mit einem einzigen Stich könnte ich dein Leben beenden, du Bastard.“
Nun war es Kai, der seine Hände langsam hob. „Ganz ruhig...“
„Ruhig?“ Mit einem schnellen Schlag zog Richard das Orikalkumschwert durch die Kristallklinge Kais. Kein einziger Splitter flog durch die Luft – die goldene Klinge schnitt durch den Kristall wie ein heißes Messer durch Butter. „Ich soll ruhig bleiben, nachdem du meine Männer getötet hast?“
Kais Blick wanderte zu dem restlichen Kristallklumpen, der sich um seine Hand befand. Nur ein bisschen weiter und seine Hand hätte auch daran glauben müssen. Schließlich wandte er sich wieder mit mehr Entschlossenheit Richard zu. „Du hast genauso deine Männer getötet...“
„Halt deine Schnauze“, zischte der Riese bedrohlich und hielt die goldene Klinge an Kais Kehle. Selbst die bloße Nähe des goldenen Metalls war unangenehm für Kai, sodass er immer wieder seinen Hals zurückzog. „Ohne deine Magie bist du nicht mehr als ein dummes Gör! Du kannst sie ja nicht einmal jetzt ben-!“

Richard stockte. Er wollte einen Schritt zu Kai machen, doch etwas hielt ihn zu Boden. Erst, als auch beim nächsten Versuch sein Fuß sich nicht rührte, wanderte sein Blick hinab.
Ein großer Kristall hatte Richards Bein verschlungen. Er streckte sich von einer langen Linie bis hin zu seinem Ursprungsort – direkt unter Kais rechter Stiefelsohle.
„Du verdammter-!“

Kai stampfte mit dem rechten Stiefel auf den Boden. Explosionsartig schoss ein riesiger Kristall unter Richard hervor und drückte seinen Körper durch die Holzdecke. Einzig sein eingeschlossenes Bein, nun abgetrennt von seinem restlichen Leib, befand sich noch auf den Boden. Das goldene Orikalkum-Schwert fiel klirrend zu Boden und kam erst wenige Zentimeter vor Kai zur Ruhe.
Schließlich seufzte Kai leise auf. „Grauenhafte Verteidigung für jemanden seiner Statur.“
Mit der Rückhand klopfte Kai gegen den massiven Kristall, woraufhin dieser in tausende Stücke zerbrach und Richards plattgedrückten Körper wieder zu Boden beförderte. Kein einziges Lebenszeichen ging von dem Riesen – oder irgendeinem anderen tollwütigen Bluthund – aus. Ein Blick durch das geschaffene Loch im Dach zauberte ein leichtes Lächeln auf Kais Lippen: Der Regen hatte geendet, auch wenn die Wolken weiterhin bedrohlich dunkel waren. Langsam wandte er sich zu der jungen Frau in der Ecke um. „Hey, äh...“

„GEH WEG!“ Völlig verstört wandte sich die Dame von Kai ab. „Lass mich leben! Bitte!“
„Das habe ich vor“, meinte Kai erstaunlich gelassen, während er zur Haustür der Taverne deutete. „Allerdings möchte ich, dass du so laut wie möglich schreist. Draußen liegt dein Vater und ich habe keine Ahnung, wie man ihn verarztet.“
„NEIN“, brüllte die Frau hysterisch. „LASS UNS EINFACH IN RUHE! Bitte! Was haben wir denn getan, dass die Götter uns nur so hassen?“
Das Geschrei klingelte kurzzeitig in Kais Ohren, weshalb er eine Hand an sein rechtes Ohr fuhr. Dann jedoch grinste er leicht. „Ich denke, das war laut genug.“

Ohne weitere Worte an die Dame zu richten wandte er sich ab, wobei er ein letztes Mal ihr zuwinkte, bevor er die Taverne verließ. Selbst den noch immer blutenden älteren Mann winkte er unbesonnen zu, ehe er sich seines Weges machte.
Einen weiteren Blick warf er zum Himmel hinauf, als das Dorf nur noch ein ferner Punkt am Horizont war. Blitze schossen durch die Wolken, Donner brüllte laut über die Ebene. Seufzend zückte er eine kleine Flasche und nahm einen Schluck der bitteren Flüssigkeit.
Wahrscheinlich würde es bald wieder regnen.

Und noch immer war sein Ziel in weiter Ferne.

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