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Leselupe.de > Humor und Satire
Helden von morgen
Eingestellt am 10. 08. 2018 13:30


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reborn
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Registriert: Sep 2017

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Mein Wagen ist bis morgen in der jĂ€hrlichen Durchsicht. Mehr wird da im wahrsten Sinne des Wortes auch nicht gemacht, was mich aber wieder eine Stange Geld kosten wird. Aus diesem Grund muss ich heute mit der S-Bahn fahren. Berliner Berufsverkehr, in der S-Bahn gelebt, fördert ungemein ein GemeinschaftsgefĂŒhl, auf das viele Pendler lieber verzichten wĂŒrden.

An der Ebermannstraße spuckt mich die S-Bahn mit ein paar Dutzend anderen WerktĂ€tigen aus. Alle sind noch ĂŒber ein paar Sekunden schlanker als vor der Fahrt, bis nach dem ersten tiefen Atemzug unsere Körper wieder ihre Ausgangsform annehmen.
Ich versuche die ungewollt aufgenommenen Aromen der vielen Mitfahrer abzuschĂŒtteln. Die Duftmischung aus Broilern, ParfĂŒm und Schuhen lĂ€sst mich meinen Hunger vergessen.

Am mittlerweile achtzehnten Tag in Folge mit mehr als dreißig Grad im Schatten, tut jede kleine Verschnaufpause gut. Bevor ich den restlichen Fußmarsch beginne, setzte ich mich also erst einmal in den Schatten eines freien Baumes, trinke den Rest meines Wassers und schließe die Augen.

WĂ€hrend ich so meinen TagtrĂ€umen von einem Haus am Meer nachhĂ€nge, ertönt eine resolute Stimme in der NĂ€he: „Tiberius, komm jetzt endlich.“
Schon reitet ein römischer Kaiser an meinem Strand entlang und richtet sein in der Sonne funkelndes Schwert auf einen imaginÀren Feind.
„Tiberius, du sollst doch da kein Pippi machen!“
Der römische Kaiser samt stattlichem Ross zerplatzt wie eine Seifenblase und wird durch eine große Phantasiedogge ersetzt, die im Sand sitzt und ihr GeschĂ€ft verrichtet. Plötzlich muss ich an Raumschiff Enterprise denken und frage mich, wo KapitĂ€n James Tiberius Kirk eigentlich sein GeschĂ€ft erledigt. Nie habe ich auf der Enterprise ein Hinweisschild fĂŒr die Toilette gesehen.

Als ich die Augen dann doch öffne, sehe ich weit und breit keine Dogge. Im Sandkasten sitzt ein vielleicht zweijĂ€hriger Junge, in einer kleinen PfĂŒtze und mit einem sehr entspannten LĂ€cheln im Gesicht. FĂŒr Tiberius ist die Welt in Ordnung. Ich finde allerdings, dass er mit seinen vielen schwarzen Locken eher wie die Legoausgabe von Cleopatra aussieht.

Gar nicht in Ordnung ist die Situation fĂŒr einige MĂŒtter, der mit Tiberius spielenden Kinder. Völlig aufgelöst stehen sie am Rand des Sandkastens und rufen ihre Zöglinge: “Rudolf, geh sofort weg von dem Kind.“
“Horst-Sigurd, nein, nicht den Sand in den Mund nehmen.“

Ich beschließe nach Hause zu gehen und heute noch im gekĂŒhlten Schlafzimmer einen Nachkommen zu zeugen. Einen Jungen werden wir Maximus oder Obelix nennen, ein MĂ€dchen Lorelei oder Krimhild.
Dann wissen sie von Anfang an wo es lang geht im Leben. Nix mit niedlich. Pippi wird gefÀlligst auf dem Klo gemacht.
Ich merke wie mir die Blase drĂŒckt und wĂŒnschte ich wĂ€re auch noch mal so klein.


Version vom 10. 08. 2018 13:30
Version vom 13. 08. 2018 17:31
Version vom 17. 08. 2018 12:18

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anbas
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2006

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Hallo reborn,

eine Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Gut gefÀllt mir auch die LÀnge des Spannungsbogens, wer oder was Tiberius ist.
Dass die S-Bahn die Leute "ausspuckt" ist dagegen eine recht abgegriffene Formulierung. Vielleicht fÀllt Dir da noch was Originelleres ein.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen.
(anbas)

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

Werke: 71
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Helden von Morgen

Hallo reborn,

witzig, die Beschreibung in der Berliner S-Bahn!

Aber die FahrgÀste könnten zufrieden sein, wenn sie an die VerhÀltnisse in Japan dÀchten. Wo auf jedem Bahnsteig mehrere
"Einschieber" stehen und wo die Kunden zwei Minuten nach dem Aussteigen wieder ihre Einstiegsfigur haben, gleichzeitig aber
sÀmtliche Knöpfe fehlen.

'Die S-Bahn 'spuckt' mich und die anderen FahrgÀste aus.
Bei so vielen dicht gedrÀngten Menschen muss sie denn allerdings viel Speichel haben! - Ich hÀtte hier ein eigenes Verb verwendet.

Weil der Hund 'Tiberius' heißt, darf er offenbar auf den Spielplatz und dann auch noch in die Sandkiste pinkeln.
Obwohl da ĂŒberall Schilder angebracht sind, dass das Betreten mit Hunden nicht erlaubt ist.
Der Hund kann ja nichts dafĂŒr, die Schuld liegt beim Halter!
Aber wer seinen Hund so nennt, ist wohl Analphabet!

Einige MĂŒtter sind so borniert, dass sie die Pisse dieses
niedlichen, schwarzgelockten Hundes nicht stört.
Aber von dem ZweijÀhrigen, der seine Notdurft in der Sandkiste
nicht zurĂŒckhalten kann, sollen sich ihre Kinder fernhalten.

Gute Satire!

Kollegiale GrĂŒĂŸe
Maribu

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