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Leselupe.de > Kurzprosa
Herbstgeflüster
Eingestellt am 22. 01. 2017 14:39


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annagreta
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Selbstvergessen steht sie am Fenster, sieht die regennassen Dächer und den feuchten Asphalt.
Ohne sich umzudrehen, ruft sie ihm zu:
«Der Regen hat nachgelassen, es hellt auf, sicherlich wird gleich die Sonne scheinen»!
Sie erzählt noch, dass der Sommer nun zu Ende gehen würde, die Wildgänse bereits ziehen, fragt, ob er auch den Ruf hören kann. Sie erwartet keine Antwort.
«Ich gehe jetzt»,
ruft sie noch hängt die graue Strickjacke über, verlässt zur üblichen Zeit das Haus.
«Zieh Dir was Warmes an»,
rief er ihr nach. Sie hörte es nicht, war schon gegangen.
Draußen lösen sich leichte Nebelschwaden auf, verlieren sich im Nichts, hinterlassen einen feucht moosigen Duft. Alle Tage treibt es sie in den Park am See entlang bis hin zur Anhöhe. Seit eh und je steht die Holzbank dort, lädt zum Verweilen ein. Von jenem geruhsamen Platz reicht der Blick über eingezäunte Wiesen hinweg bis zur grünen Waldung. Genau dieses Panorama ist eine Augenweide mit stattlichen Pferden, weidenden Rindern letztendlich die verlassenen Wiesen, die sich als Nächstes erholen müssen. Jener besinnliche Moment lässt Hektik, nagende Angst und jedweden Kummer vergessen.
Die Sonne ist noch nicht da, währenddessen das Naturkonzert hoch droben unaufhaltbar ist. Sie hebt den Kopf, erkennt die Anmut der Kraniche hört den vertrauten trompetenden Ruf. Die Zugvögel wecken Erinnerungen, Heimatgefühle an längst vergangene Zeiten, an das Leben in einem beschaulichen Ort im brandenburgischen Havelland.
Irgendwann einmal zog sie aus Liebe zu ihm hierher.
Damals erlebte sie Jahr für Jahr das Schauspiel, wie Abertausend Kraniche mit Zwischenstopp auf den Sammelplätzen landeten, bevor sie gemeinsam Richtung Süden weiterzogen. Jene beeindruckenden Ereignisse wie auch das imposante Spektakel sind nachhaltig. Ein kurzer Rückblick in die längst vergangene Lebensgeschichte holt sie ein. Ein bisschen Wehmut ist immer dabei.
Der frische Herbstwind rüttelt sie wach. Sie fröstelt, schlüpft schnell in die Ärmel der Wolljacke, hält mit gekreuzten Händen die Wärme auf ihrer Brust.
Energisch dreht sie sich um, geht mit raschem Schritt den Weg nach Hause.
Mitten im Park sorgt der Weiher für ein tägliches Intermezzo. Zwischen den Zweigen der mächtigen Bäume blinzeln endlich die ersten Sonnenstrahlen, reflektieren malerisch Licht und Schatten auf der Wasseroberfläche. Einige Enten schwimmen gelassen im Wasser, andere watscheln vertrauensselig an Land, schnattern, schütteln das Gefieder suchen am Wiesenrand Würmer und Schnecken. An manchen Tagen ignoriert sie das weiße Hinweisschild mit der Schwarz-roten Markierung «Füttern verboten» auch, weil kein Spaziergänger in der Nähe ist. Großherzig streut sie dann harte Brotkrumen aus, die so oft nach den Mahlzeiten übrig blieben.
Sie sieht den Herbst mit seiner Naturkraft. Gelbrotbrauner Blätterregen setzt allmählich ein, das erste Laub tänzelt durch die Luft, bevor es sacht auf den Boden niedergeht. Bald wird der Herbst mit ungestümer Kraft durch die Baumkronen ziehen. Dann treibt er sein raues Spiel mit dem prachtvollen Blätterschmuck, komponiert eine rauschende Melodie.
Jetzt wird es nicht mehr lange dauern, denkt sie und der triste Winter wird sich durchsetzen. Zuvor jedoch werden die Zweige noch einmal im spätherbstlichen Sturm rasseln, wollen auf das restliche Laub aufmerksam machen. Eichenbäume werden sich energisch von den Baumfrüchten trennen schicken sie unkontrolliert mit kurzem Knall auf die Wege. Mit jener Attacke auf Zweibeiner und Autos wird sich die farbenfrohe Saison endgültig verabschieden. Alsdann regiert die vierte Jahreszeit.
Gott sei Dank ist es noch nicht so weit beruhigt sie sich, fühlt, wie der Herbstblues schleichend ihre Seele berührt.
Sie beschleunigt den Schritt. Gleich wird sie wieder bei ihm sein. Nur wenige Meter und der lieb gewordene Rundgang endet, greift nahtlos ins Tägliche über.
Wie immer ruft sie beim Öffnen der Haustür «bin wieder da», geht ins Zimmer und setzt sich zu ihm.
«Das ist gut», erwidert er. Ein warmes Lächeln huscht über sein Gesicht.
Die kraftlose Männerhand umschließt sie mit beiden Händen erzählt ihm liebevoll, was der Herbstwind geflüstert hat.




















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Hi, ob der Text gelungen ist? Ich mag die Frage noch nicht beantworten.

quote:
Traumverloren sah sie zum Fenster hinaus, sah auf eine regennasse Straße.
«Es hat aufgehört zu regnen, da hinten hellt es auf, gleich kommt die Sonne raus»,
Was dem Text helfen würde: Streichen aller Adjektive. Oder zumindest jedes einzelne auf den Prüfstand holen.

Grüße von wipfel

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aligaga
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quote:
Traumverloren sah sie aus dem Fenster auf eine regennasse Straße hinaus. «Es hat aufgehört zu regnen, da hinten hellt es auf, gleich kommt die Sonne heraus!», rief sie ihm über die Schulter zu, erzählt, und dass der Sommer wohl zu Ende ginge, da die Wildgänse nun zögen. "Hörst du sie nicht rufen?"

Sie erwartete keine Antwort Komma legte die graue Strickjacke über ihre schmalen Schultern und verließ zur gewohnten Zeit das Haus.

«Zieh Dir was Warmes an», rief er ihr nach. Aber sie konnte ihn nicht mehr hören. war schon gegangen, hatte die Tür hinter sich zugezogen.
Umständliche, unbeholfene Formulierungen sind der Tod jeder Erzählung. Sie wären allenfalls als Stilmittel anwendbar (z. B. in der wörtlichen Rede). Entweder Präsens oder Vergangenheit - time warping ginge nur in Fantasy und in der Rocky Horror Show. In der indirekten Rede Konjunktiv I, bei indirekten Annahmen Konjunktiv II: Das diente dem Verständnis und der Sprachschönheit.

Die Logik nicht vernachlässigen (man kann das Haus doch nicht zweimal verlassen!) und sich allen Quark sparen, der nicht unbedingt aufs Brot muss. Wen interessierte die Farbe der Strickjacke oder die Zeitplanung der Omi?

TTip: Den ganzen Text in diesem Sinne durcharbeiten - da wäre noch pfundweis' Überflüssiges wie Plattes herauszukehren. @Ali hat keine Lust dazu, denn er ist ja, wie anderer Stelle bereits gesagt, keine LeererIn.

Wirst sehen - beim dritten Anlauf klappt's dann, wenn du dir Mühe gibst.

Heiter, sehr sehr heiter

aligaga

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