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Leselupe.de > Horror und Psycho
Hinter mir
Eingestellt am 12. 09. 2010 23:44


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anbas
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Hinter mir

Er steht immer hinter mir. Immer! Ich sp├╝re seine N├Ąhe, wei├č, dass er da ist. Darum muss ich auch st├Ąndig gehen, darf nicht stehen bleiben, sonst ist er sofort da. Wenn ich gehe, folgt er mir. Doch er folgt mir in einem gr├Â├čeren Abstand. Dann sp├╝re ich ihn nicht mehr. Sobald ich aber stehen bleibe, ist er da. Nie spricht er mit mir, fasst mich auch nie an, steht einfach nur so da, hinter mir, starrt mich an. Ich sp├╝re, wie sich seine Blicke in meinen Nacken bohren. Darum muss ich immer in Bewegung bleiben, esse im Gehen, telefoniere im Gehen, unterhalte mich im Gehen. Was auch immer im Gehen m├Âglich ist, mache ich auch im Gehen. Ich muss mich nicht unbedingt schnell bewegen, es reicht v├Âllig aus, dass ich ├╝berhaupt in Bewegung bleibe. Doch oft gehe ich schnell, bin ein Verfolgter, f├╝hle mich gehetzt. Die Momente, in denen ich stehen bleiben muss, versuche ich so kurz wie m├Âglich zu halten. Ein wenig Erholung finde ich nur vor dem Spiegel. In ihm ist er nicht zu sehen. Noch nie sah ich ein Spiegelbild von ihm. Deshalb suche ich mir gerne einen Spiegel, wenn ich ersch├Âpft bin, nicht mehr gehen kann, eine Pause brauche. Doch ich wei├č, dass er da ist und auf mich wartet. Auch, wenn ich schlafe ist er da. Dann steht er neben meinem Bett, starrt mich an, wartet, dass ich wieder aufstehe. Darum m├Âchte ich manchmal einfach liegenbleiben. Doch er starrt mich an, und ich kann seine Blicke sp├╝ren. Sie sind nicht zu ertragen. Ich schaue niemals zu ihm hin, wenn ich im Bett liege; lege mich immer mit dem Gesicht zur Wand, steige r├╝ckw├Ąrts aus dem Bett, blo├č, um ihn nicht anschauen zu m├╝ssen. Ich wei├č, dass er da ist ÔÇô auch, wenn ich ihn nicht sehe. Ein einziges Mal habe ich ihn gesehen, und das reicht mir f├╝r den Rest meines Lebens. Nie wieder werde ich mich ├╝berraschend umdrehen. Nicht so wie damals, als alles begann. Ich stand vor einem Restaurant und las mir die Speisekarte durch, die in einem dieser kleinen K├Ąstchen neben der Eingangst├╝r hing. Es war bereits dunkel. Die kleine Gasse war menschenleer und nur sp├Ąrlich beleuchtet. Pl├Âtzlich habe ich ihn gesp├╝rt. Er stand hinter mir. Nach einem ersten Z├Âgern drehte ich mich blitzartig um, und da war er: Keine 30 cm von mir entfernt. Aus seinem hageren, blassen Gesicht starrte er mich mit glasigen, toten Augen an. Sagte kein Wort, r├╝hrte sich nicht, hatte keine Mimik. Ich schrie auf und fiel in Ohnmacht. Als ich wieder zu mir kam, lag ich noch immer in der Gasse. Niemand hatte mich geh├Ârt oder gefunden. Nur er war da. Das sp├╝rte ich genau. Brauchte nicht nachzusehen, wollte das auch nicht. Seitdem gehe ich. Den ganzen Tag ├╝ber gehe ich. Nur nicht stehen bleiben und erst recht nicht pl├Âtzlich und ├╝berraschend umdrehen. Ich habe keine Ahnung, warum er das tut, welches Ziel er damit verfolgt. Doch ich werde ihn auch nicht fragen. Denn wenn ich mit ihm reden will, m├╝sste ich mich umdrehen und ihn ansehen. Aber das kann ich nicht. Sein Anblick damals in der dunklen GasseÔÇŽ Nein, ich kann das wirklich nicht! Also werde ich weiter gehen, so wenig wie m├Âglich stehen bleiben und mich auf gar keinen Fall ├╝berraschend umdrehen.
Ich wei├č, du kannst ihn nicht sehen ÔÇô behauptest du zumindest. Doch sag, wann hast du dich das letzte Mal ├╝berraschend umgedreht?

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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