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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Hot Pants
Eingestellt am 13. 11. 2016 13:17


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Bursch
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"Der Flurfunk war ja deutlich genug letzte Woche", ├Ąu├čert Finanzvorstand Justus grinsend beim lockeren abendlchen Beisammensein w├Ąhrend unseres letzten Abteilungsleiter-Meetings. Und setzt in Richtung unseres Verkaufsleiters Frenzen nach: "Genaues wei├č ich nicht. Aber wollte da ein junger Kollege die Welt vor Unmoral bewahren? Beziehungsweise wenigstens die Fachwelt?"
"So ungef├Ąhr", best├Ątigt Frenzen kleinlaut.
"Ich frage mich", wirft Personalleiter Kremer ein, "was halbnackte Gogo-Girls auf einer reinen Fachmesse zu suchen haben?"
"Na", kontert Justus, "dann waren Sie wohl noch nie auf einer Cebit? Da gibt es Tabledance, so gut wie nackt, Herr Kollege. Selbst erlebt."
"Auf einer Publikums-Krawallveranstaltung, okay. Aber auf einer Fachmesse f├╝r Elektronik und Software, ich bitt' Sie. Ausschlie├člich Ingenieure, Techniker, Betriebswirte."
"Ach! Sind die nicht aus Fleisch und Blut? Aber vielleicht erz├Ąhlt unser Verkaufsleiter mal, was wirklich passiert ist? Sie waren ja wohl nicht nur dabei, Kollege, sondern regelrecht beteiligt am Geschehen. Hei├čt es."
"War ich. Ja. Es ist so: dieser sogenannte Software-Dienstleister stand in den vergangenen Jahren in einer anderen Halle. Nicht, dass seine Methoden nicht allgemein aufgefallen w├Ąren. Das ist ja auch seine Absicht, sich richtig dick in Szene zu setzen. Ich gehe andererseits Wetten ein, wenn man die Besucher fragte, an was sie sich denn erinnerten bezogen auf seinen Stand, welche Produkte er denn anbiete, h├Ątten acht von zehn ein Problem."
Allgemeines Gel├Ąchter im Kreis der Abteilungsleiter.
"Alles Amerikanerinnen?" will Justus wissen. "Wei├če und farbige?"
"Ja. Vier an der Zahl. Der Stand diesmal uns direkt gegen├╝ber, jenseits des Gangs. Gute zehn Meter lang, d├╝rre Ausstattung, ein paar Plakate. Unerheblich. Die Show waren die vier in den Hot Pants."
"Schlicht auf Sex gebrasselt, das Ganze", mokiert sich Kremer. "Gehe ich von aus. Reine Provokation. So gut wie nackt, oder?"
"Sagen wir mal, so eng und drall wie m├Âglich. Den ganzen Messetag vor ihrem Stand auf- und abwandelnd, die Besucher animierend, scherzend, lachend, Prospekte verteilend. Knappste Tops zu den H├Âschen, die weibliche Anatomie en detail. Au├čerdem beugten sie sich immer wieder bewusst tief hinab zu ihren Prospektstapeln, drehten den Besuchern das Hinterteil zu, es war dreist."
"Man sp├╝rt Ihnen die Erregung noch an", l├Ąstert Justus.
"Ach, du sagst dir, zwei Stunden Gew├Âhnung, dann siehst du das alles nicht mehr. Galt leider nur f├╝r mich selbst. Meine drei j├╝ngeren Mitarbeiter waren da anders."
"Verst├Ąndlich", ├Ąu├čert Justus. "Schade."
"Was?"
"Dass man's nicht an sich selbst testen konnte."
"Danke sehr", gibt Frenzen zur├╝ck. "Aber im Ernst. Ich habe nat├╝rlich beim Veranstalter gefragt, ob wir jetzt jedes Jahr damit rechnen m├╝ssten ...? Antwort: erstmal nur im laufenden. N├Ąchstes Jahr sehe man weiter. Die Methode des Mitbewerbers sei schlie├člich nicht verboten. Etc."
"Leider wahr", sagt Kremer. "Wie verhielten sich denn Ihre jungen Kollegen?"
"Die zwei Mittzwanziger hatten ihre helle Freude. Machten ansonsten ihre Arbeit. Anders Thomas. Sch├Ątze ihn sehr, ausgezeichneter Berater, 32 Jahre jung, vor kurzem zum zweiten Mal Vater geworden. Ja, zugegeben, ein Strenger. Der fand das alles abscheulich. War die ersten beiden Tage auch kaum bei der Sache, kannte ich gar nicht an ihm. Abends beim Essen verzog er keine Miene, wenn die J├╝ngeren scherzten und alberten und den Akzent der vier Damen ebenso imitierten wie ihre aufreizenden Gesten. Ich machte mir Sorgen um meinen Thomas."
"Offenbar zu Recht", ├╝berlegt Justus.
"Ja. Am dritten Messetag kommt er mit einem besonders blassen Gesicht auf den Stand. Es herrschte bereits reichlich Andrang, ich steckte in einem ersten Beratungsgespr├Ąch, Thomas dito. Da sehe ich im Augenwinkel, wie er seinen Kunden mitten in der Beratung verl├Ąsst und sich wie ferngesteuert langsam auf die Damen gegen├╝ber zubewegt. Eine von ihnen b├╝ckte sich gerade wieder einmal provozierend tief hinab zu ihren Prospekten, da steht Thomas auch schon hinter ihr und holt in aller Ruhe mit seiner Rechten so weit aus, dass alles auf eine cool durchgezogene Attacke hindeutete. Ich wei├č gar nicht, wie ich es geschafft habe, in Gedankenschnelle hinter ihm zu stehen und seinen Arm mitten im Zuschlagen zu fassen. Seine kraftvolle Bewegung riss mich zur Seite, ich prallte gegen eine der farbigen Gogos."
"Tat's weh?" wollte Justus, nach wie vor zynisch gestimmt, wissen.
"Nein, Herr Kollege, ihre Br├╝ste waren weich wie Schaumstoff. Weniger sch├Ân war der Aufschrei, der folgte. Hysterisch, die Girls, aggressiv. Auch ihr Chef war umgehend zur Stelle. Ob wir verr├╝ckt geworden seien? Das werde ein Nachspiel haben, das sei ja wohl klar. Etc."
"Hatte es?" fragt Kremer.
"Bislang nicht. Unter anderem, weil ich Thomas auf der Stelle und lautstark zur Rede stellte. Ihm klar machte, dass er seinen Koffer zu packen und umgehend abzureisen habe. Ein Vorgehen, das die Herrschaften gegen├╝ber f├╝r's ertse ruhig stellte."
"Immerhin", lobt Kremer.
"War nur ein halber Erfolg, Kollegen. Die vier in den Hot Pants machten sich f├╝r die verbleibenden anderthalb Tage einen besonderen Spa├č daraus, nun erst recht loszulegen mit ihren Talenten. Mehrmals tauchten sie direkt auf unserem Stand auf und zogen oben blank. Im Wettbewerb quasi. Was sollten wir machen? Oder sie lockten Besucher von unserem Stand weg zu ihrem. Vern├╝nftiges Arbeiten war kaum noch m├Âglich."
"Unversch├Ąmt!" entf├Ąhrt es unserem Personalchef. "Gesch├Ąftssch├Ądigend. Abscheulich alles. Einfach sittenwidrig."
"Nun lassen Sie mal die Sitte, Herr Kollege", will der Finanzvorstand Recht behalten. Machen Sie sich nichts vor, auch Ihre reine Fachwelt l├Ąsst sich packen mit solchen Methoden. Vielleicht sollten wir unsererseits auch mal in dieser Weise...?"
"Prost, Kollegen!" w├╝nscht Frenzen allseits. "Bin f├╝r Themenwechsel."

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