Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5593
Themen:   96357
Momentan online:
142 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Gereimtes
In einer Fragestunde
Eingestellt am 09. 12. 2013 19:21


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 310
Kommentare: 2978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

In einer Fragestunde

Wo war dir deine Freistatt,
abgetrotzt der Moiren Weben,
wo rannen dir die Tr├Ąnen
nicht nur als Verrat
am Tag, am Traum ÔÇô und Sehnen

immer wieder nach dem Ort:
vielleicht ein Teich mit Schw├Ąnen,
eine Bank, du wirfst die Krumen
teichw├Ąrts, um dann dort
all die Speerstunden zu lehren

was Gl├╝ck bedeuten kann ÔÇô im Labyrinth
warst du der Stier oder der Faden,
in einer Welt aus Hand und Haben,
wo von den W├Ąnden Nessun Dorma klingt; -
wie war es dort, w├╝rd ich dich gern noch fragen.
__________________
RL

Version vom 09. 12. 2013 19:21

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


orlando
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Ralf,
ein so wunderbares Gedicht, dass mir fast die Tr├Ąnen kommen.

quote:
Wo war dir deine Freistatt,
abgetrotzt der Moiren Weben,
wo rannen dir die Tr├Ąnen
nicht nur als Verrat
am Tag, am Traum ÔÇô und Sehnen
Wie es schon anf├Ąngt! Mit den G├Âttinnen zu beginnen, noch dazu in der Doppeldeutigkeit zum geflammten Muster der Webarbeit (Moir├ę), finde ich mehr als nur gelungen. -
Die geistige Freistatt, als etwas dem Schicksal abgetrotztes, als Ort der Anr├╝hrung, als Ort der Kunst.
quote:
immer wieder nach dem Ort:
vielleicht ein Teich mit Schw├Ąnen,
eine Bank, du wirfst die Krumen
teichw├Ąrts, um dann dort
all den Speerstunden zu lehren
Ach, die Zuflucht, mit "meinen" Schw├Ąnen, der Sieg ├╝ber das Allt├Ągliche - und dieses stille Gl├╝ck. Das einzig M├Âgliche vielleicht (im Hintergrund sehe ich Herrn Nietzsche l├Ącheln).
quote:
was Gl├╝ck bedeuten kann ÔÇô im Labyrinth
warst du der Stier oder der Faden,
in einer Welt aus Hand und Haben,
wo von den W├Ąnden Nessun Dorma klingt; -

Die Suche - vielleicht ein Finden. Nessun Dorma:
quote:
Niemand schlafe! Niemand schlafe!
Auch du, Prinzessin,
in deinem kalten Zimmer
siehst die Sterne, die beben
vor Liebe und Hoffnung!
Aber mein Geheimnis ist verschlossen in mir,
niemand wird meinen Namen erfahren!
...

[Irgendwie wird das ein etwas tollpatschiger Kommentar. - Aber ich f├╝hle mich halt so pers├Ânlich angesprochen und betroffen. Entschuldige also.]

Von den Reimen und Halbreimen her wirkt dein Gedicht unbem├╝ht- spielerisch auf mich; ich glaube, dieser gef├Ąllige Eindruck ist dir hier zum ersten (gereimten) Mal gelungen.
F├╝r mich ein perfektes Teilchen, das ich nur bewundern kann.
Danke. Es erscheint genau im rechten Augenblick.
Liebe Gr├╝├če
orlando




Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 310
Kommentare: 2978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Orlando,

herzlichen Dank f├╝r die - wie ich finde - ├╝berhaupt nicht tolpatschige Auseinandersetzung mit meinem St├╝ck.

Ganz im Gegenteil: Wenn ich ehrlich sein darf,
es freut mich besonders, da├č du schreibst, die Reime und Halbreime weisen "leichtigkeit" auf.



Die Idee zu diesem St├╝ck und auch der Schaffensprozess liegen schon acht bis zw├Âlf Wochen zur├╝ck. Erst hatte ich eine reimlose Form gew├Ąhlt.Aber ich entschied mich dann doch davor dem Inhalt eine FORM zur Seite zu stellen, gedacht als Ger├╝st, da├č dem St├╝ck melodischen und metrischen Halt verleiht.

Ich sagte ja schon einmal an anderer Stelle, da├č ich mich hin auf dem Weg zur FORM befinde. Aber solange ich nur auf dem Weg bin, erscheint mir die FORm oft wie ein St├╝ck schweres Gep├Ąck,
das ich auch hier nicht zur G├Ąnze bew├Ąltigen konnte.

Um so mehr freut mich deine Aussage, zeigt es mir doch, das ich einen weiteren Schritt in die Richtung nahm, die ich mir auch vorgenommen hatte.

Der Nietzschianische Gedanke: Das einzig m├Âgliche "Vielleicht" gef├Ąllt mir sehr.

Dies St├╝ck enststand, wie so viele in letzter Zeit, aufgrund einer nachtr├Ąglichen Auseinandersetzung mit meinem verstorbenen Vater.
Dieser Generation Mensch, die sich immer in die Pflicht nahm.
Von der ich nicht wei├č, wie sie Mu├če, Kunst, Nachdenken etc ├╝berhaupt wahrnahmen.
Von hier aus entwickelte sich der Text in seine jetzige Gestalt.

lg
Ralf
__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 695
Kommentare: 10546
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Ralf,

einen kleinen grammatikalischen Fehler hast Du in diesem wunderbaren Text:

um die Speerstunden zu lehren muss es hei├čen.

Mir tut es Leid, dass das Lyri all diese Fragen stellen muss und das "Du" nicht besser kannte. (Jeder wird das anders lesen.)

Aber das, was es wusste, hast Du auch aus meiner Sicht anmutig transportiert.

Es muss ein starkes "Du" sein oder gewesen sein, wenn es f├Ąhig war, auch in schweren Stunden vom Gl├╝cklichsein zu sprechen. So empfinde ich jedenfalls diese Textstelle am Teich.

Mir gef├Ąllt auch das, worum es dem Autor laut ├ťberschrift am meisten ging, diese letzte Strophe mit all den Fragen, dem Wunsch mehr zu wissen ├╝ber diesen Menschen.

"Warst Du der Stier oder der Faden" eine zentrale Frage. Ich stelle mir einen Gobelin vor, auf dem auch ein Stier abgebildet ist. F├╝r mich bedeutet diese Frage: Hattest Du die Kraft, Dinge zu lenken oder hast Du Dich verstrickt und eingeengt gef├╝hlt.

Das "nessum dorma" unterstreicht f├╝r mein Empfinden, warum der Autor das Lyrdu f├╝r sein Empfinden zu wenig gekannt hat, denn das "Du" selbst wollte es nicht anders, es wollte sich niemals g├Ąnzlich preisgeben.

Soweit meine Interpretation zu diesem gelungenen lyrischen Text.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
Kommentare: 4081
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ENachtigall eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
in einer Welt aus Hand und Haben

Dieses ist mein Highlight in dem Gedicht, weil es die Kluft zwischen dem, der (nach-)fragt und dem, der nicht mehr ist, auf den Punkt bringt: in der Form, wie im zitierten Vers die Handhabung "Hand und Haben" begegnet.

Zudem bezeichnet das Gedicht den merkw├╝rdigen Umstand, dass Erwartung und Einf├╝hlung im Eltern/Kind Verh├Ąltnis - egal in welcher Richtung - weitaus schwieriger sind, als sonst zwischenmenschlich oder generationsversetzt (Kind/Gro├čeltern); weshalb f├╝r alle Seiten die Pflege dieser Kontakte f├╝r die emotionale Gesundheit zu Lebzeiten von unsagbarer Bedeutung ist.

Ein wirklich interessantes und sch├Ątzenswertes Gedicht.

Gr├╝├če von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 310
Kommentare: 2978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Vera Lena,

herzlichen Dank f├╝r deinen Kommentar zu meinem St├╝ck.

Ja lyrdu war eine starke Pers├Ânlichkeit. Respektsperson und Angstperson in einem, der "Erzeuger" eben.
Ein Mensch der aus seiner Gef├╝hlswelt immer ein Geheimnis machte.
In diesem Labyrinth des Lebens, ich wei├č nicht wie er es sah, das Grab gibt keine Antworten, ich hoffe er war auch Faden und hatte auf eine mir unbekannte Art Freude.

Das Nessun Dorma, "niemand darf schlafen" denke ich mir als eine Art Credo.

Lg
ralf

__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


12 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Gereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung


Leselupe-Bücher