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Leselupe.de > Science Fiction
Kampf gegen das System
Eingestellt am 20. 07. 2009 17:00


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Jason-Potter
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2007

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Kampf gegen das System


„Der hier besitzt das perfekte Genmaterial. Hat dieses Kind Eltern, sie wissen schon was ich meine.“ Der Arzt wirkte angespannt. Er zögerte die Antwort heraus. Schließlich nickte er. „Es ist der Sohn von Christopher Rook.“ „Sollte mir der Name Rook irgendetwas sagen?“ Der Arzt nickte ein zweites Mal. „Christopher Rook ist Professor der Physik an der Obama University in Manhattan”,ließ er mit gewissem Stolz verlauten, schwenkte aber wieder in den nĂŒchternen Tonfall hinein. “SelbstverstĂ€ndlich kommt er fĂŒr sie nicht in Frage.”, sagte er so, als könnte er die Gedanken seines GegenĂŒbers einsehen und lenkte seine Schritte zur nĂ€chsten Wiege in der SĂ€uglingstation. Wie wĂ€re es mit diesem Kind hier, es hat auch eine sehr interessante Genstruktur.“
„Nein, meine Wahl steht fest. Die Regierung braucht ihn, James.“, antwortete ihm der Mann im schwarzen Ledermantel dessen Gesicht sich hinter einer ĂŒbergroßen, silber getönten Sonnenbrille verbarg.
Die Art und die SelbstverstĂ€ndlichkeit, wie er den Arzt ihn mit dem Vornamen anredete ließen diesen innerlich erschaudern.

Seit 1990 arbeitete James Carpenter nun schon im Zentralkrankenhaus von Manhattan. Als einfacher Arzt hatte er hier vor dreißig Jahren seinen Dienst angetreten und sich ĂŒber die Jahre hochgearbeit. Und nun seit fĂŒnf Jahren war er endlich da, wo er immer hingewollt hatte. Er war Oberarzt und Leitender der Entbindungsstation. Sein Beruf hatte ihn immer mit Stolz erfĂŒllt, aber von Stolz alleine konnte man sich keine Existenz aufbauen, das hatte er ĂŒber die Jahre gelernt. Die Bezahlung im Krankenhaus war schlecht, er empfand sie zumindest als solche, erlaubte sie ihm keine allzugroßen LuftsprĂŒnge zu machen. Er war auf Nebenverdienste angewiesen, selbst wenn die es manchmal erforderten etwaige Moralvorstellungen ĂŒber Bord werfen zu mĂŒssen.

Das Angebot des Regierungsbeamten kam ihm im Prinzip schon recht und wĂ€re die Wahl auf ein weniger prominentes Kind gefallen, hĂ€tte er vermutlich nicht lange gezögert darauf einzugehen. Doch in diesem Fall war ihm das damit verbundene Risiko zu hoch. So hoch, dass er nicht bereit war es einzugehen. Wenn die Sache an die Öffentlichkeit geriet, wĂŒrde das so große Kreise ziehen, dass die Spur unweigerlich zu ihm fĂŒhren musste. Und auf die Hilfe der Regierung brauchte er im Fall eines Skandals nicht zu zĂ€hlen. Sie wĂŒrde sich im Mantel des Schweigens hĂŒllen und jede Beteiligung an der Sache abstreiten.
„Nein, ich kann ihnen dabei unmöglich entgegenkommen“, antwortet er.
Der Regierungsbeamte wirkte von der Antwort unbeeindruckt. “Steht ihre Meinung endgĂŒltig fest James?”
Dabei lÀchelte er und zog eine Akte aus einer Ledermappe hevor, die er die ganze Zeit unauffÀllig unter seinem Arm getragen hatte. .
“Ich denke sie werden es tun James.” Die kĂŒhle Art und die stĂ€ndige Wiederholung seines Vornamens zeigten bei James Carpenter erste Wirkung, er wurde nervös und begann zu zittern.
“Was ist das?”, fragte er verunsichert nach.
“Wonach sieht es denn aus? Ich denke, sie wissen ganz genau was das ist und was dort drin steht. Stellen sie sich vor, das hier wĂŒrde an die Öffentlichkeit gelangen. Haben sie wirklich geglaubt ihrer Fehltritte blieben unbemerkt. Die Regierung ist ĂŒber jeden ihrer Schritte unterrichtet. Wir wissen mit wem und was sie fĂŒr GeschĂ€fte unter der Hand tĂ€tigen. Es liegt nur an ihnen, ob das auch andere erfahren sollen.”
“Das ist Erpressung!”, reagierte der Oberarzt empört auf die Drohung.
“Erpressung? Niemand hat sie jemals gezwungen den Pfad der Tugend zu verlassen. Warum wollen sie es ausgerechnet jetzt. Sie erhalten fĂŒr diesen einfachen Job schließlich gutes Geld und wir sind genauso daran interessiert, das nichts davon an die Öffentlichkeit dringt, wie sie. Außerdem glauben sie das Kind stört es, wenn wir ihm ein paar Stammzellen entnehmen?”
“Und unter welchem Vorwand soll ich die Entnahme durchfĂŒhren lassen?”
“Tun sie nicht so, als wĂ€ren sie auf den Kopf gefallen. Sie sind Oberarzt und halten das Ruder dieser Abteilung in der Hand. Niemand außer uns schaut ihnen auf die Finger und was sie in ihren Akten verbuchen ist mir egal, nur halten sie den Namen der Regierung da raus.”
James Carpenter, wusste dass man ihm keine Wahl lassen wĂŒrde und so nickte er schließlich und bereitete alles Notwendige fĂŒr seinen Auftrag vor..



Heute blicke ich zurĂŒck und bin stolz, dass es mir damals gelungen ist, mich von meinen Fesseln zu befreien. Ich habe die Wandlung vom Saulus zum Paulus hinter mir, auch wenn mich niemand jemals als Heiligen anbeten wird.
Einen Sid Rook wie er spĂ€ter durch die Schlagzeilen der Weltpresse geistern sollte, gab es damals noch nicht, er war nicht existent. Doch fĂŒr ihn gab es einen anderen Sid Rook. Und auch wenn ich diesen Sid Rook nicht mehr verstehe, verachte ich nicht sein Denken. Er spielte einfach nur auf der falschen Seite.
Ich bin Sid Rook.
Wie die meisten Menschen war ich Gefangener eines Systems, das einst von unseren VĂ€tern zur SelbstzĂ€hmung erschaffen, die Kontrolle ĂŒber unsere Moral ĂŒbernommen hat, ohne dass jemand die Moral dieses Systems in Frage stellt.
Ich fĂŒhlte mich nie zu irgendetwas berufen, aber meinen Job als Manager der Sicherheitsabteilung fĂŒr den Bezirk New York, nahm ich sehr ernst. Damals stellte ich nichts in Frage, ich funktionierte. Über Dinge wie Schuld und Unschuld macht man sich keine Gedanken, wenn man Scheuklappen trĂ€gt. Und wenn sich das Gewissen doch einmal meldete, ließ die gute Bezahlung es einen schnell wieder vergessen. Ich besaß eigentlich alles um glĂŒcklich hĂ€tte werden zu mĂŒssen, genĂŒgend Geld, hohes gesellschaftliches Ansehen, eine hĂŒbsche kleine Villa am Rande der Stadt, eine Ă€ußerst attraktive und dazu noch intelligente Frau und zwei Kinder, die mich ĂŒber alles liebten und verehrten. Und doch war so etwas wie GlĂŒck mir fremd. Ich denke es war fĂŒr mich nur ein abstrakter Begriff, den ich nicht wirklich zuzuordnen wusste.
Doch dann kam dieser verrĂŒckte Tag, an dem mein Leben eine Kehrtwende machen sollte.

Es war der 30 MĂ€rz 2040. Gods-End war nun seit drei Monaten in Betrieb und bereits zu diesem Zeitpunkt war abzusehen, dass damit das Ende des Zeitalters der KriminalitĂ€t anbrechen wĂŒrde.
Mittlerweile war die Gedankenstruktur jedes US-BĂŒrgers im System erfasst und konnte bei Bedarf aufgerufen, aufgezeichnet und abgelesen werden. Ich war gebannt von den neuen, unglaublichen Möglichkeiten, die Gods-End uns in der AufklĂ€rung von Verbrechen bot und als Chef der staatlichen Sicherheitsabteilung fĂŒr den Bezirk New York, ließ ich es mir natĂŒrlich auch nicht nehmen die Gedanken sĂ€mtlicher Unterweltbosse New Yorks höchstpersönlich zu ĂŒberwachen, um sie endlich hinter Schloss und Riegel zu bringen. Sie taten mir schon fast leid so hilflos waren sie gegen die Überwachung. Es ist verlockend sich in die Gedankenwelt eines anderen Menschen einzuklinken, seine Geheimnisse und SehnsĂŒchte zu kennen, vor allem, wenn man einer der wenigen ist, die die Befugnis dazu haben. Manchmal kann es aber auch sehr ermĂŒdend sein, vor allem wenn man von geistigem Abfall, der einem fast die Galle hochkommen lĂ€sst, ĂŒberflutet wird.
Unter den primitiven Kriminillen ist das nicht selten der Fall. Irgendwann ĂŒberkam mich zwangslĂ€ufig die Lust auf etwas anderes, und da ich als Leiter des Bezirks der einzige war, der die Berechtigunng dazu besaß sich ohne Verlaufsaufzeichnungen durch das System zu bewegen, nutzte ich diese Tatsache aus um mir auch Zutritt zu den Gedanken normaler BĂŒrger zu verschaffen. Selbst die Gedanken meiner engsten Vertrauten und meiner Familie waren von nun ab nicht mehr vor mir sicher. Ich wollte wissen was sie ĂŒber mich denken und ich erfuhr es. Das und noch viel mehr. Mir blieb nichts verborgen und schließlich sah ich sie fast ĂŒberall, die charmanten Gauner mit den weißen Westen, ließ mir aber nichts davon anmerken. In meiner Freizeit wurde ich jedoch vorsichtiger im Umgang mit Menschen und zog mich mehr und mehr zurĂŒck, was nicht verwunderlich ist, wenn man unter anderem erfĂ€hrt mit wem die eigene Frau schon alles ein VerhĂ€ltnis hatte.

FĂŒr heute hatte ich genug und entschied kurzer Hand mich aus dem System auszuklinken, um Feierabend zu machen.


Version vom 20. 07. 2009 17:00
Version vom 20. 07. 2009 20:10
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Version vom 21. 07. 2009 16:45
Version vom 21. 07. 2009 17:39

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