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Leselupe.de > Kindergeschichten
Kathis zauberhafte Welt
Eingestellt am 10. 12. 2006 10:43


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Märchentante
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Kathis zauberhafte Welt

Kathi erwachte, als die Uhr vom Schlossturm genau Zwölf schlug – Geisterstunde! Ihre Augen starrten durch das vom Mondlicht erhellte Zimmer auf ihr Fenster, an dem sich die Vorhänge hin und her bewegten, obwohl es draußen windstill war. Wispernde Stimmen drangen durch den Raum. Sie schienen von überall her zu kommen, selbst aus dem Schrank. Das Kind zog die Decke bis an die Nase hoch. Oh, wie unheimlich. Da sie aber von Natur aus nicht besonders ängstlich war, rief sie kurzerhand mit dünner Stimme: „Sind hier etwa Gespenster?“ Nun war es plötzlich mucksmäuschenstill. Kathi setzte sich auf und schaute sich in ihrem Zimmer um. Nichts zu sehen. Ihr rabenschwarzer Kater Mohrle lag zusammengerollt am Fußende ihres Bettes und sah sie an. „Bestimmt habe ich nur geträumt“, dachte die Kleine. Gerade wollte sie sich wieder in ihr Bett kuscheln, als im Zimmer der Bär los war.

Kathi hielt die Luft an und biss vor Schreck in ihre Bettdecke. Was war denn hier los? Kleine Gespenster turnten und tobten heulend durch ihr Zimmer. Sie wollte schreien, doch ein Kloß im Hals verhinderte es.
„Hab keine Angst“, hörte sie plötzlich eine tiefe Stimme vom Fußende her, „die Rasselbande tut dir nichts.“
Das Kind stierte den Kater an. „Du kannst sprechen? Tiere können nicht sprechen und Gespenster gibt es auch nicht.“ Sie sah dem Toben der kleinen Geister fassungslos zu. „So, und nun schlafe ich schnell weiter, denn dies ist ja nur ein Traum.“
Mohrle lachte: „Aber Kathi, du bist doch sonst auch nicht so begriffsstutzig. Du siehst doch, dass ich spreche, verrate es aber nicht gleich jedem. Die kleinen Spukgestalten sind sicher hergekommen, um mit dir zu spielen. Für gewöhnlich amüsieren sie sich nämlich nachts im Park.“

„Der Kater hat Recht“, wisperte es im Raum, „jede Nacht von zwölf bis ein Uhr sind wir da draußen. Für eine einzige Stunde ist der Park verzaubert. Dann können alle Lebewesen sprechen, die Tiere, die Fische im Schlossteich und auch die Vögel in den Bäumen. Mit unseren Freunden denken wir uns immer neue Spiele aus. Manchmal erschrecken wir auch nur so zum Spaß die Menschen.“ Kichernd schwebten die Geistgestalten um das das Bett des Mädchens.
„Und wer sind eure Freunde?“ Kathi hatte sich mittlerweile beruhigt, nun siegte ihre Neugier.
„Die Elfen“, raunte es. Elfen? Die Kleine schluckte. Die gab es doch nur in ihrem Märchenbuch! „Oh, die möchte ich auch mal sehen“, rief sie dennoch begeistert und versuchte eines dieser durchsichtigen Wesen anzufassen.
„Hihi“, kicherte es daraufhin, „das kitzelt aber schön.“
„Wieso?“, staunte Kathi, „du bist doch ein Gespenst.“
„Kitzelt aber trotzdem“, lachte es, „wenn du magst, kannst du in der nächsten Nacht auch zum Spielen in den Park kommen.“

„Würde ich ja gerne, doch die Schlosstür ist nachts stets verschlossen und leider können Mohrle und ich nicht fliegen wie ihr“, bemerkte Kathi enttäuscht. Aufgeregt düsten die kleinen Geister durchs Zimmer: „Stimmt, das hatten wir gar nicht bedacht. Aber weißt du was? Wir fragen Hexmex um Rat. Er ist ein großer Zauberer, bisher ist ihm noch immer etwas eingefallen. Bis morgen Nacht Kathi, punkt zwölf“, lachten sie. Ehe das Mädchen sich versah, war der Spuk vorbei.
„Nette Wesen, nicht?“, fragte der Kater. „Ja“, hauchte sie fassungslos und starrte ihr sprechendes Haustier an.

Den nächsten Tag über war Kathi ungewöhnlich still. So ruhig und nachdenklich sah man die Kleine selten. Wenn sie in den Ferien bei ihren Großeltern weilte, tobte der kleine Wildfang sonst den ganzen Tag durchs Schloss und ihr Plappermäulchen stand nie still. Schweigsam saß sie jetzt aber gegen Abend in der Schlossküche bei der dicken Köchin Gertrud, ein Schüsselchen Schokoladenpudding vor sich.
„Du isst ja gar nicht, Kind“, stellte die Köchin erstaunt fest, denn es war die allerliebste Lieblingsspeise der Kleinen. Das Mädchen starrte sie mit aufgerissenen Augen an: „Es spukt!“
„Bitte was?“, fragte Gertrud perplex und lachte dann. „Wie kommst du denn darauf? So etwas gibt es doch nur in Geschichten. Ich bin schon sehr lange hier auf dem Schloss, ein Gespenst ist mir aber noch nie begegnet.“
„Wenn ich es doch sage“, beharrte das Mädchen und wiederholte flüsternd, „es spuhukt!“
„Na, jetzt hör aber auf, dir solche Sachen einzureden, du kannst sonst heute Nacht nicht schlafen“, meinte Köchin Gertrud.
„Kann ich sowieso nicht, weil ich dann nämlich unterwegs bin“, wisperte Kathi ganz wichtig, ihre Augen funkelten. Gertrud schluckte.
„Du meine Güte“, dachte sie, „die Großeltern sind gerade für ein paar Tage aus dem Schloss, und schon stimmt was nicht mit dem Kind. Sie wird doch wohl nicht heimlich das Haus verlassen während alles schläft? Ich muss mit dem Butler sprechen, dass er abends alle Türen überprüft. Nicht auszudenken, wenn dem Kind etwas passiert.“ Laut aber sagte sie: „Ja, was unternimmst du denn zu nachtschlafender Zeit? Du und deine Albernheiten. Iß deinen Pudding und gib Mohrle seine Milch.“

„Der Kater ist verzaubert, er gehört auch zu ihnen“, sagte Kathi geheimnisvoll. Die Köchin schüttelte den Kopf und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.
„Aber Kathi, du solltest doch nichts von alledem verraten“, war plötzlich eine Stimme in der Küche zu hören.
Gertrud fuhr herum, doch außer Kathi, die ihre Puddingschüssel nun leerte und dem Kater der gerade um die Ecke kam, war niemand zu sehen.
„Aber Kind, eine alte Frau so zu erschrecken, wirklich, das ist nicht nett.“ Kathi grinste und schüttelte das Köpfchen, ihr dunkler Pferdeschwanz wippte lustig hin und her.
„Das war Mohrle, er kann nämlich sprechen wenn er will, weißt du.“ Die Köchin schnappte nach Luft. Ehe sie wütend antworten konnte, war diese Stimme wieder im Raum.
„Na siehst du, Kathi, sie glaubt es dir sowieso nicht.“ Mit offenem Mund starrte Gertrud den Kater an, der mit einem Satz auf den Küchentisch sprang. „Runter hier“, rief sie entgeistert, „Katzen gehören nicht auf den Tisch!“
„Ach, hab dich nicht so, Trudchen, was ist schon dabei, es sieht ja keiner“, antwortete Mohrle.
„Sie hat Recht“, rief Kathi, „es ist wegen der Hygiene, setz dich doch zu mir.“
„Gerne“, schnurrte der Kater erfreut, „auf deinem Schoß ist es so schön kuschelig.“

Die Schlossköchin zweifelte an ihrem Verstand. Schwer atmend ließ sie sich mit ihrer kugeligen Figur auf einem der Stühle plumpsen. Gertrud starrte die beiden an. „Sag, seid wann reden Katzen?“, fragte sie das Kind.
„Aber das können sie ja gar nicht, kein Tier kann das, jedenfalls normalerweise nicht, das weiß doch wohl jeder Mensch“, antwortete Kathi.
„Und was ist das hier?“, die gute alte Köchin schrie fast. „Bin ich denn übergeschnappt? Ich habe mit meinen eigenen Ohren gehört, wie dieses unheimliche Vieh gesprochen hat.“
„Das Schimpfwort habe ich jetzt nicht gehört“, meinte der Kater beleidigt.
„Er kann es tatsächlich“, redete Kathi weiter, „Mohrle ist eben eine Ausnahme, er und die anderen auch.“
„Welche anderen?“ Gertrud war fassungslos. „Das wird ja immer verrückter.“
„Weißt du was, Gertrud, komm doch einfach mit. Heute Nacht geht es zum Spielen in den Park“, sagte das Kind amüsiert.
„Oh, nein, vielen Dank“, wehrte die Köchin entschieden ab, „auf keinen Fall.“
Als das Mädchen mit ihrem Kater die Küche verlassen hatte, blieb sie noch eine ganze Weile nachdenklich auf ihrem Stuhl sitzen. Gertrud war nicht mehr die Jüngste und hatte in ihrem Leben auch schon viel erlebt, aber das hier…! Nervös zupfte sie an ihrem Häubchen und legte die Hand an ihre Stirn. Fühlte die sich nicht ein wenig heiß an? Vielleicht war sie krank und das soeben Erlebte entsprang ihrer fiebrigen Phantasie? Sie beschloss auf der Stelle, ins Bett zu gehen. Morgen würde alles anders aussehen.

Kathi und Mohrle waren unterdessen im Kinderzimmer angekommen, es befand sich oben in einem der hübschen Türme, die das Schloss zierten.
„Mensch Kathi“, maunzte das Tier, „die arme Gertrud ist ja völlig am Ende. Du hättest ihr das Geheimnis nicht verraten sollen.“
„Ich musste es einfach tun“, rief das Mädchen bestimmt, „sie wird das schon verkraften.“ Mohrle räkelte sich auf dem Bett: „Wenn du meinst. Sag mal, wollen wir jetzt nicht ein wenig ruhen? In ein paar Stunden ist es zwölf, du weißt schon.“
„Du hast Recht, ich freu mich ganz doll auf die anderen“, erwiderte das Mädchen. Kurz vor Mitternacht erwachten beide, und pünktlich, nach dem zwölften Schlag der Turmuhr, begann es.

All die kleinen Geister aus der Nacht vorher bevölkerten wieder das Kinderzimmer.
„Hallo Kathi“, wisperten sie, „wie ist es, wollen wir in den Park hinunter? Du weißt, wir haben nur eine Stunde Zeit, also komm.“
„Aber ich kann doch nicht…“ Lachend wurde sie unterbrochen: „Schau mal aus dem Fenster, der Zauberer hat sich etwas wirklich nettes für dich einfallen lassen.“
Das Kind sah hinaus und traute seinen Augen kaum. Vom Fenstersims aus führte eine riesige goldene Rutsche bis in den Park hinunter, der von tausenden Glühwürmchen erhellt wurde. Sie schwenkten ihr Laternchen, sodass es aussah, als läge glitzernder Sternenstaub über den Bäumen und Sträuchern. Kathi sagte nur: Oh, oh.“
„Schnapp dir deinen schwarzen Freund“, riefen die kleinen Spukgestalten, „und schwing dich auf die Rutsche, die anderen warten schon.“
„Mit Freund bin ich gemeint“, meinte Mohrle geschmeichelt. Kathi nahm ihn auf den Arm und machte dann die schönste Rutschpartie ihres Lebens. In null Komma nix waren sie unten angelangt.

Wie staunte das Mädchen, als es die winzigen Elfen sah, die sie neugierig umringten. Die zarten Wesen plapperten aufgeregt durcheinander und zogen sie mit sich fort. „Lass uns dort am Teich spielen“, riefen sie und lachten silberhell, „das Wasser ist heute besonders angenehm. Mohrle machte einen Buckel. „Brrr“, dachte er, „wie kann man Wasser nur angenehm finden. Ich werde mich ein wenig abseits legen.“ Am Ufer des Gewässers erwartete der Magier die lustige Gesellschaft.
„Na, Kleine“, begrüßte er Kathi, „wie hab ich das mit der Rutsche hingekriegt?“
„Oh, ganz toll“, antwortete sie und betrachtete die hohe Gestalt mit den tiefschwarzen Augen. Das dunkle Haar unter seinem spitzen Hut hing ihm wirr in die Stirn und stolz fuchtelte er mit seinem glitzernden Zauberstab in der Luft herum. „Ja, das müssen mir meine Kollegen erstmal nachmachen.“
Das Mädchen verbrachte eine unvergessliche Stunde im Park. Mit Spielen und Toben verging die Zeit viel zu schnell bei ihren neuen Freunden. Schon mahnten die kleinen Gespenster zum Aufbruch: „Mach schnell Kathi“, riefen sie, „die Zeit ist fast um.“
„Meine Güte“, flüsterte das Kind entsetzt, „wie komme ich denn nur wieder zurück in mein Zimmer? Das haben wir leider nicht bedacht.“ Verzweifelt rang sie ihre Hände.
„Mach dir keine Sorgen“, beruhigte sie Hexmex, „setze dich mit deinem Kater nur unten auf die Rutsche und du wirst schon sehen. Ein Magier denkt an alles, gute Nacht, bis zum nächsten Mal.“
„Ja, bis zum nächsten Mal“, rief es ihr von überallher zu. Die Kleine eilte mit dem Tier zur Rutsche, die im Mondlicht glitzerte. Hurtig setzten sie sich und ehe sie sich versahen, flogen beide hoch durchs Fenster und plumpsten mitten auf Kathis Bett.
„Na, so bin ich aber auch noch nie gerutscht, so verkehrt herum“, stellte sie verdattert fest. „Mit vor Müdigkeit schon halbgeschlossenen Augen flüsterte Kathi: „Wie ich mich auf morgen freue“, und schon war sie unterwegs ins Land der Träume.

Am nächsten Morgen hatte das Kind es sehr eilig, denn sie verspürte einen Mordsappetit. Schnell ging es zum Waschen und Anziehen ins Bad.
„So flott warst du ja noch nie fertig“, staunte Mohrle.
„Ja, das nennt man Katzenwäsche“, lachte die Kleine munter, „ich hatte auch selten mal solch einen Hunger.“ Schon raste sie mit ihm hinunter in die Schlossküche. Dort roch es köstlich nach Kakao und frischen Brötchen. Dem Kater lief das Wasser im Mäulchen zusammen. „Würdest du mir netterweise ein wenig von deinem Frühstück zukommen lassen?“, fragte er. Schnurrend drückte er sich an ihre Beine. „Du weißt, wie gern ich Leberwurstbrötchen mag.“
„Klar“, kicherte sie, „wir müssen nur aufpassen, dass die gute Gertrud nichts merkt.“

Die war gerade damit beschäftigt, den Kakao in Kathis Lieblingsbecher mit den hübschen bunten Blumen zu gießen.
„Guten Morgen, meine Kleine“, sagte sie und drückte das Kind an ihren weichen, molligen Körper. „Geht es dir wieder besser? Du hast gestern ziemlich wirres Zeug geredet.“ Lauernd betrachtete sie den Kater, der genüsslich seine Morgenmahlzeit schleckte. „Hatte mir sogar schon eingebildet, dein Mohrle hätte sich mit mir unterhalten, unglaublich.“ Sie grinste breit.
Der Kater putzte sich die Barthaare, schnippte lässig ein paar Krümel aus seinem schwarzen Fell und meinte: „Aber Trudchen, ich bin erstaunt. Glaubst du es denn immer noch nicht?“

Der Köchin fiel das Brötchenmesser aus den Händen, scheppernd fiel es zu Boden. „Sag nicht immer Trudchen zu mir“, fuhr sie ihn an und zu Kathi gewand: „Und ward ihr wirklich im Park letzte Nacht, ihr zwei? Wie wollt ihr das angestellt haben, alle Türen waren fest verschlossen.“
„Natürlich waren wir dort“, erzählte das Mädchen eifrig, ihr Pferdeschwanz wippte hin und her und die dicke Schleife mit der er stets zusammengebunden war, hing halb losgelöst herunter. „Du solltest wirklich einmal mitkommen, wir haben alle viel Spaß miteinander. Mit einer goldenen Rutsche geht es hinunter in den Park und wieder zurück ins Zimmer. Es dauert eh nur eine Stunde, dann ist die Zauberstunde vorbei.“
Gertrud begann mit ihrer Hausarbeit, sie zog es vor zu schweigen. Hoffentlich kamen die Herrschaften bald zurück, das Kind und sein verrückter Kater machten sie nervlich fertig.

Jede Nacht war Kathi mit ihren lustigen Freunden zusammen, allerdings erzählte sie der Köchin nichts mehr davon. Eines Nachts wartete sie jedoch vergebens auf die lustigen Geister. Um halb eins regte sich immer noch nichts. Still und dunkel war es in ihrem Zimmer, denn selbst der Mond versteckte sich heute hinter dicken Wolken. Enttäuscht wollte sie in die Federn kriechen, als Mohrle sich am Fußende regte.
„Da sind sie ja“, gähnte er. Ungewohnt leise schwebten die Gespenster in den Raum.
„Ihr seid aber spät dran“, meinte Kathi vorwurfsvoll, „es bleibt kaum Zeit zum Spielen. Und warum ist alles noch so dunkel?“
„Ach, Mädel“, seufzten sie und belagerten das Bett, „es ist etwas Schlimmes passiert.“ Das Kind riss die Augen auf: „Schnell, erzählt schon.“

„Ja weißt du, die nächtlichen Ausflüge sind vorbei. Hexmex verlor das Rezept von seiner Lieblingsspeise. Sein Rabe zerfetzte das wertvolle Stück Papier, nun sind nur noch kleine Fitzelchen davon übrig. Hexmex Urgroßmutter vermachte ihm einst die sehr alte Rezeptur. Er hat versucht, den Pudding aus dem Gedächtnis zu kochen, doch eine Zutat fehlt immer. Alle im Park sind traurig, die Glühwürmchen wollen nicht mehr leuchten und die Elfen sitzen bekümmert unter den Bäumen am See. Niemand weiß, wie es weitergehen soll. Es ist schrecklich, denn ohne seinen Schokoladenpudding fällt dem großen Magier nichts ein.
Kathi lachte: „Na so was, wenn es nur am Pudding liegt. Unsere Köchin macht den besten der Welt, das könnt ihr mir glauben, er ist nämlich auch meine Lieblingsspeise. Ich werde sie gleich morgen bitten, einen großen Topf davon zu kochen.“
Aufgeregt wisperten die kleinen Geister durcheinander: „Das wäre ja wundervoll, dennoch gibt es ein kleines Problem. Die Süßspeise darf nur in dem alten Topf der Urgroßmutter gekocht werden.“
„Oh je“, meinte Kathi, „dann holt ihn schnell her, noch ist die Geisterstunde nicht vorbei, und vergesst auch nicht den zerrissenen Zettel mit dem Rezept.“
Blitzschnell flogen ihre Geisterfreunde zum Fenster hinaus und kamen kurz darauf mit den Zettelresten und einem völlig zerbeulten, alten Topf zurück. Das Kind starrte ihn an: „Der wird Gertrud nicht gefallen, das kann ich euch jetzt schon sagen.“
„Aber der Pudding darf nur in diesem Gefäß gekocht werden, sonst funktioniert es nicht“, meinten die Gespenster wichtig. „Jetzt müssen wir aber fort, es ist fast eins.“
„Ich frage sie gleich beim Frühstück“, versprach Kathi, „bis morgen Nacht.“

Als das Mädchen mit dem ramponierten Topf und den Papierschnipseln in der Küche erschien, blieb der alten Köchin der Mund offen stehen. Behutsam fragte Kathi: „Sag, liebe Gertrud, würdest du uns hier drin einen Schokoladenpudding kochen? Am besten randvoll, hier ist das Rezept“, sie legte die Schnipsel auf den Küchentisch. Mohrle legte sich vorsichtshalber die Pfoten über die Ohren.
„Wie bitte?“, schrie Gertrud entsetzt auf, „in so was kocht man nicht und außerdem habe ich mein Leben lang auch ohne Anleitung die feinsten Süßspeisen hergestellt.“
Kathi erzählte ihr nun möglichst schonend von dem Unglück des Zauberers.
„Ja, und weißt du“, endete sie, „gerade die Stelle im Rezept mit der besonderen Zutat, auf die es ankommt fehlt, aber du wirst das schon hinbekommen.“
„Dein Vertrauen ehrt mich, Kind“, seufzte Gertrud, „ich werde es versuchen.“ Allmählich glaubte sie den Erzählungen der Kleinen. So schwer konnte es ja wohl nicht sein, einen Schokopudding für einen Magier zu kochen. Auf alle Fälle wollte sie sich in der kommenden Nacht mit eigenen Augen von den Vorkommnissen oben im Kinderzimmer und im Park überzeugen. Die Köchin setzte sich an den Tisch und fügte geduldig das zerfledderte Stück Papier zusammen. Staunend las sie, was dort geschrieben stand:

Koche, du mein Topf, mit Liebe und behände,
Schokoladenpudding ohne Ende,
dunkel muss er sein, süß und fein,
soll er des Zauberers Denkerspeise sein.
Mit Zucker, Schokolade, Milch und Sahne,
wird er köstlich, keine Frage.
Soll besonders lecker er gelingen,
denke dran, vor allen Dingen,
nie die Prise……vergessen,
darauf ist er ganz versessen.

Mit spitzen Fingern stellte Gertrud den alten Topf widerwillig auf den Herd und begann mit dem Kochen. Grübelnd rührte sie die süße Speise. Welche Zutat war es wohl, auf die der Zauberer Hexmex so versessen war? Sie kochte und kochte den ganzen Tag lang, doch in diesem Topf wollte es ihr einfach nicht gelingen. Entweder wurde zu süß, oder es bildeten sich lauter Klümpchen. Bald roch das ganze Schloss nach dieser Süßspeise. „Komisch“, dachte sie bei sich, da gehört doch nichts anderes rein, als Schokolade, Milch und Zucker. Na, ich nehme mal noch eine Prise von dem hier.“ Bedächtig probierte die Köchin alles an Gewürzen aus, was sich in ihren Schränken befand. Schaudernd warf sie sogar Kümmel hinein, doch der Pudding wollte nicht gelingen. Gegen Abend rief sie verzweifelt: „Potzblitz, du alter Zaubertopf, jetzt reicht es aber, nun habe ich nur noch den Zimt, wenn es das auch nicht ist, schmeiße ich dich in hohem Bogen in den Park.“
Als sie das Gewürz in die Speise gab, stutzte sie. Tatsächlich glättete sich der Pudding, wurde sahnig und das Aroma von Zimt breitete sich in der Küche aus. Sie kostete. „Ungewöhnlich“, rief Gertrud zufrieden aus, „aber lecker, das war es also. Darauf muss man erstmal kommen.“

Kathi und Mohrle liefen herbei und sahen die Köchin erwartungsvoll an. „Ja, kommt nur ihr Beiden, ich habe das Geheimnis um die letzte Zutat herausgefunden, der Pudding ist endlich gelungen“, meinte Gertrud stolz. „Stellt euch vor, es war eine Prise Zimt, die fehlte. Aber ich bestehe darauf, den Topf höchst persönlich eurem Zauberer zu übergeben. Ich will jetzt endgültig wissen, was an alledem dran ist, basta.“
Wenn sie so bestimmt sprach, war es besser, zu schweigen. Mit blitzenden Augen, die Hände in die runden Hüften gestemmt, stand die Gute mitten in ihrem Reich. Die lange Schürze war über und über mit Puddingflecken übersät. Das Mädchen und der schwarze Kater atmeten erleichtert auf. Wie schön, die nächtlichen Ausflüge in den Park konnten weitergehen. Verschwitzt, das sonst so korrekt sitzende Häubchen verrutscht, fragte Gertrud: „Na, was sagt ihr dazu?“
„Aber klar darfst du ihm den Pudding bringen, schließlich hast du ihn ja auch gekocht“, beeilte sich Kathi zu sagen. Komm kurz vor Mitternacht mit dem Topf in mein Zimmer.“

Es war gerade erst viertel vor zwölf, als Gertrud, angetan mit ihrem besten Sonntagskleid, das Kinderzimmer betrat. „Ich konnte es da unten vor lauter Aufregung nicht länger aushalten“, japste sie aufgeregt und setzte sich mit hochroten Wangen zu Kathi und Mohrle. Sie löschten das Licht. Kurz darauf begann die Turmuhr zu schlagen, bim bam, bim bam.
Vor Schreck hätte die Köchin fast den bis oben hin gefüllten, verbeulten Topf fallenlassen, als sie sah, wie die Geisterchen eines nach dem anderen den Raum bevölkerten.
„Du bist sicher Gertrud, die den besten Schokoladenpudding der Welt zubereiten soll“, stellten sie wispernd fest, „ist es dir gelungen die Lieblingsspeise des großen Magiers Hexmex zu kochen?“ Die Gespenster sausten kreuz und quer durchs Zimmer, dass Gertrud sich nur so wunderte.
„Ja, ich glaube schon“, antwortete sie überwältigt, doch ich möchte ihm die Speise selbst übergeben, wenn es gestattet ist.
„Sehr gerne“, erwiderten die putzmunteren Gestalten, „aber gib uns ein Schälchen davon zum Kosten mit, denn sonst wird es schwierig.“ Sie lachten: „Wie willst du zu ihm gelangen ohne die goldene Rutsche? Du kannst sicher nicht fliegen.“
Das leuchtete der alten Köchin ein. Sie leerte ein mit Knabberkram gefülltes Schälchen, das auf Kathis Tisch stand, und füllte mit der großen Kelle vorsichtig ein wenig von der süßen Köstlichkeit hinein. Eine der Spukgestalten nahm es entgegen und wusch, weg waren sie. Die dunkle Nacht verschluckte die Geisterchen, als sie blitzschnell zum Fenster hinaus flogen.
„Jetzt wollen wir nur noch hoffen, dass dem Zauberer der Pudding auch schmeckt“, meldete sich der Kater.
„Och, ich glaube schon“, meinte Kathi unbekümmert, „einen besseren gibt es doch nicht.“ Mit einem liebevollen Blick sah Gertrud zu dem Kind hinüber.

Schon nach kurzer Zeit schimmerte draußen ein glitzerndes Licht. „Na, toll“, räusperte sich Mohrle.
„Oh ja“, jubelte Kathi, „schau mal Gertrud, es ist wieder alles da, die goldene Rutschbahn, die Glühwürmchen leuchten mit ihren Laternen und die Elfen warten bereits auf uns. Das haben wir nur deinem Schokoladenpudding zu verdanken. Jetzt aber schnell, komm mit.“
Mohrle gab ein zufriedenes Miau von sich und sprang erwartungsvoll vom Bett. Die Köchin sagte gar nichts. Sie war geblendet von der Pracht dieses außergewöhnlichen Lifts und dem Park, indem es nur so funkelte und glitzerte. „Darauf soll ich wirklich nach unten rutschen?“, fragte sie zweifelnd, doch die Neugierde siegte. “Das glaubt mir kein Mensch“, dachte sie noch, als sie sich, den Kochtopf fest in beiden Händen haltend, neben Kathi und Mohrle setzte. Und hui, sausten sie hinab, so schnell, dass ihr das Häubchen fast vom Kopf flog.
„Du meine Güte“, sagte Gertrud nur, als sie im Park ankamen.

Hoch aufgereckt stand der Magier mit seinem reichbestickten, dunkelblauen Umhang neben dieser Wunderrutsche, umringt von den kleinen Geistern. Die Elfen hatten alle ihre schönsten Blütenkleider angelegt. Die durchschimmernden Flügelchen waren mit Sternenstaub gepudert, dies taten sie nur zu ganz besonderen Anlässen.
„Na so was, na so was“, stammelte Gertrud immerzu. Der Zauberer gefiel ihr am Besten, wie er da mit seiner hohen Gestalt vor ihr stand und ihr galant beim Aufstehen half.
„Willkommen, Gertrud, meine Liebe“, sagte er charmant. Mit einer Verbeugung reichte er ihr seine Hand, wobei der spitze Hut fast an ihre Nase stieß.
„Dir allein habe ich es zu verdanken, dass mir wieder die tollsten Zaubereien einfallen. Ich muss schon sagen, dieser Pudding ist wahrhaft der köstlichste, den ich je gegessen habe. Nie hat mir meine Leibspeise so gut geschmeckt, selbst meine Urgroßmutter hätte sie nicht besser kochen können.“
„Folgt mir, seid unsere Gäste“, sagte er dann feierlich, „wir haben schon alles für ein rauschendes Fest hergerichtet.
Gertrud errötete und nestelte verlegen an einer Falte ihres langen Rockes herum. „Oh, danke schön“, hauchte sie überwältigt und überreichte dem Magier ein zusammengerolltes Stück Papier. Es war mit einer hübschen Seidenschleife zusammen gebunden. „Ich habe dir das Rezept neu aufgeschrieben, damit du deine Leibspeise jederzeit nachkochen kannst.“
Gerührt nahm Hexmex das Röllchen entgegen. „Nun wird es aber Zeit“, drängelten die anderen, „kommt schon.“

Am Schlossteich hatte der große Magier unter den alten Bäumen einen großen Tisch mit erlesenen Leckereien hingezaubert, geschmückt mit den schönsten Teichrosen. „Seht mal, auch an mich haben sie gedacht“, meinte Mohrle erfreut, „die Leberwurstbrötchen und der dicke Fisch dort sind sicher für mich.“ Begleitet von dem Orchester der Grillen, sangen die Elfen mit ihren silberhellen Stimmchen ein wunderschönes Lied. Die ganze Gesellschaft lachte und tanzte und Hexmex gab so manche lustige Zauberei zum Besten. Wie im Fluge verging die Zeit. Bedauernd mussten Gertrud, Kathi und Mohrle nun Abschied nehmen.
„Ach, liebe Freunde“, sagte Kathi leise, „leider sind meine Ferien zu Ende und meine Eltern holen mich morgen ab. Ich wäre noch so gerne hier geblieben, aber nein, ich muss ja in diese Schule.“ Dicke Tränen kullerten über ihre Wangen, denn sie hatte alle sehr lieb gewonnen. Gertrud nahm ihren Schützling in die Arme und die Freunde bildeten einen Kreis um sie. „Weine nicht, kleine Kathi“, sagten sie liebevoll, „in den nächsten Ferien kommst du doch zurück, und dann besuchst du uns wieder im Park.“ „Genau“, meinte der große Magier, „und bis dahin fallen mir sicher ein paar tolle neue Zaubereien für dich ein.“

Das kleine Mädchen war übrigens ich, und wenn ihr brav und artig seid, erzähle ich euch beim nächsten Mal, was wir im darauf folgenden Jahr noch alles erlebt haben.

Märchentante


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maerchenhexe
???
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knuffige Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Aber das Ende wäre vielleicht auch so möglich gewesen:... Kathis Kullertränen verschwanden wie von Zauberhand, und wenn ihr brav... Ich meine, dass macht neugierig auf mehr und du verlässt nicht die Position als Märchentante. Aber wie immer: der Autor hat das letzte Wort.

ganz lieber Gruß

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flammarion
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eine so reizende Geschichte sollte möglichst fehlerfrei daher kommen.

Kathis zauberhafte Welt
Veröffentlicht von Märchentante am 10. 12. 2006 10:43
Kathi erwachte, als die Uhr vom Schlossturm genau Zwölf schlug – Geisterstunde! Ihre Augen starrten durch das vom Mondlicht erhellte Zimmer auf ihr Fenster, an dem sich die Vorhänge hin und her bewegten, obwohl es draußen windstill war. Wispernde Stimmen drangen durch den Raum. Sie schienen von überall her zu kommen, selbst aus dem Schrank. Das Kind zog die Decke bis an die Nase hoch. Oh, wie unheimlich. Da sie aber von Natur aus nicht besonders ängstlich war, rief sie kurzerhand mit dünner Stimme: „Sind hier etwa Gespenster?“ Nun war es plötzlich mucksmäuschenstill. Kathi setzte sich auf und schaute sich in ihrem Zimmer um. Nichts zu sehen. Ihr rabenschwarzer Kater Mohrle lag zusammengerollt am Fußende ihres Bettes und sah sie an. „Bestimmt habe ich nur geträumt“, dachte die Kleine. Gerade wollte sie sich wieder in ihr Bett kuscheln, als im Zimmer der Bär los war.

Kathi hielt die Luft an und biss vor Schreck in ihre Bettdecke. Was war denn hier los? Kleine Gespenster turnten und tobten heulend durch ihr Zimmer. Sie wollte schreien, doch ein Kloß im Hals verhinderte es.
„Hab keine Angst“, hörte sie plötzlich eine tiefe Stimme vom Fußende her, „die Rasselbande tut dir nichts.“
Das Kind stierte den Kater an. „Du kannst sprechen? Tiere können nicht sprechen und Gespenster gibt es auch nicht.“ Sie sah dem Toben der kleinen Geister fassungslos zu. „So, und nun schlafe ich schnell weiter, denn dies ist ja nur ein Traum.“
Mohrle lachte: „Aber Kathi, du bist doch sonst auch nicht so begriffsstutzig. Du siehst doch, dass ich spreche, verrate es aber nicht gleich jedem. Die kleinen Spukgestalten sind sicher hergekommen, um mit dir zu spielen. Für gewöhnlich amüsieren sie sich nämlich nachts im Park.“

„Der Kater hat Recht“, wisperte es im Raum, „jede Nacht von zwölf bis ein Uhr sind wir da draußen. Für eine einzige Stunde ist der Park verzaubert. Dann können alle Lebewesen sprechen, die Tiere (überflüssig), die Fische im Schlossteich und auch die Vögel in den Bäumen. Mit unseren Freunden denken wir uns immer neue Spiele aus. Manchmal erschrecken wir auch nur so zum Spaß die Menschen.“ Kichernd schwebten die Geistgestalten um das das (doppelt) Bett des Mädchens.
„Und wer sind eure Freunde?“ Kathi hatte sich mittlerweile beruhigt, nun siegte ihre Neugier.
„Die Elfen“, raunte es. Elfen? Die Kleine schluckte. Die gab es doch nur in ihrem Märchenbuch! „Oh, die möchte ich auch mal sehen“, rief sie dennoch begeistert und versuchte eines dieser durchsichtigen Wesen anzufassen.
„Hihi“, kicherte es daraufhin, „das kitzelt aber schön.“
„Wieso?“, staunte Kathi,(besser Punkt, denn du hast die wörtliche Rede mit m Fragezeichen beendet. Dann groß weiter) „du bist doch ein Gespenst.“
„Kitzelt aber trotzdem“, lachte es, „wenn du magst, kannst du in der nächsten Nacht auch zum Spielen in den Park kommen.“

„Würde ich ja gerne, doch die Schlosstür ist nachts stets verschlossen und leider können Mohrle und ich nicht fliegen wie ihr“, bemerkte Kathi enttäuscht. Aufgeregt düsten die kleinen Geister durchs Zimmer: „Stimmt, das hatten wir gar nicht bedacht. Aber weißt du was? Wir fragen Hexmex um Rat. Er ist ein großer Zauberer, bisher ist ihm noch immer etwas eingefallen. Bis morgen Nacht(Komma) Kathi, punkt zwölf“, lachten sie. Ehe das Mädchen sich versah, war der Spuk vorbei.
„Nette Wesen, nicht?“, fragte der Kater. „Ja“, hauchte sie fassungslos und starrte ihr sprechendes Haustier an.

Den nächsten Tag über war Kathi ungewöhnlich still. So ruhig und nachdenklich sah man die Kleine selten. Wenn sie in den Ferien bei ihren Großeltern weilte, tobte der kleine Wildfang sonst den ganzen Tag durchs Schloss und ihr Plappermäulchen stand nie still. Schweigsam saß sie jetzt aber gegen Abend in der Schlossküche bei der dicken Köchin Gertrud, ein Schüsselchen Schokoladenpudding vor sich.
„Du isst ja gar nicht, Kind“, stellte die Köchin erstaunt fest, denn es war die allerliebste Lieblingsspeise der Kleinen. Das Mädchen starrte sie mit aufgerissenen Augen an: „Es spukt!“
„Bitte was?“, fragte Gertrud perplex und lachte dann. „Wie kommst du denn darauf? So etwas gibt es doch nur in Geschichten. Ich bin schon sehr lange hier auf dem Schloss, ein Gespenst ist mir aber noch nie begegnet.“
„Wenn ich es doch sage“, beharrte das Mädchen und wiederholte flüsternd, „es spuhukt!“
„Na, jetzt hör aber auf, dir solche Sachen einzureden, du kannst sonst heute Nacht nicht schlafen“, meinte Köchin Gertrud.
„Kann ich sowieso nicht, weil ich dann nämlich unterwegs bin“, wisperte Kathi ganz wichtig, ihre Augen funkelten. Gertrud schluckte.
„Du meine Güte“, dachte sie, „die Großeltern sind gerade für ein paar Tage aus dem Schloss, und schon stimmt was nicht mit dem Kind. Sie wird doch wohl nicht heimlich das Haus verlassen(Komma) während alles schläft? Ich muss mit dem Butler sprechen, dass er abends alle Türen überprüft. Nicht auszudenken, wenn dem Kind etwas passiert.“ Laut aber sagte sie: „Ja, was unternimmst du denn zu nachtschlafender Zeit? Du und deine Albernheiten. Iß deinen Pudding und gib Mohrle seine Milch.“

„Der Kater ist verzaubert, er gehört auch zu ihnen“, sagte Kathi geheimnisvoll. Die Köchin schüttelte den Kopf und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.
„Aber Kathi, du solltest doch nichts von alledem verraten“, war plötzlich eine Stimme in der Küche zu hören.
Gertrud fuhr herum, doch außer Kathi, die ihre Puddingschüssel nun leerte und dem Kater der gerade um die Ecke kam, war niemand zu sehen.
„Aber Kind, eine alte Frau so zu erschrecken, wirklich, das ist nicht nett.“ Kathi grinste und schüttelte das Köpfchen, ihr dunkler Pferdeschwanz wippte lustig hin und her.
„Das war Mohrle, er kann nämlich sprechen(Komma) wenn er will, weißt du.“ Die Köchin schnappte nach Luft. Ehe sie wütend antworten konnte, war diese Stimme wieder im Raum.
„Na siehst du, Kathi, sie glaubt es dir sowieso nicht.“ Mit offenem Mund starrte Gertrud den Kater an, der mit einem Satz auf den Küchentisch sprang. „Runter hier“, rief sie entgeistert, „Katzen gehören nicht auf den Tisch!“
„Ach, hab dich nicht so, Trudchen, was ist schon dabei, es sieht ja keiner“, antwortete Mohrle.
„Sie hat Recht“, rief Kathi, „es ist wegen der Hygiene, setz dich doch zu mir.“
„Gerne“, schnurrte der Kater erfreut, „auf deinem Schoß ist es so schön kuschelig.“

Die Schlossköchin zweifelte an ihrem Verstand. Schwer atmend ließ sie sich mit ihrer kugeligen Figur auf einem der Stühle plumpsen. Gertrud starrte die beiden an. „Sag, seid (seit) wann reden Katzen?“, fragte sie das Kind.
„Aber das können sie ja gar nicht, kein Tier kann das, jedenfalls normalerweise nicht, das weiß doch wohl jeder Mensch“, antwortete Kathi.
„Und was ist das hier?“,(kein Komma und groß weiter) die gute alte Köchin schrie fast. „Bin ich denn übergeschnappt? Ich habe mit meinen eigenen Ohren gehört, wie dieses unheimliche Vieh gesprochen hat.“
„Das Schimpfwort habe ich jetzt nicht gehört“, meinte der Kater beleidigt.
„Er kann es tatsächlich“, redete Kathi weiter, „Mohrle ist eben eine Ausnahme, er und die anderen auch.“
„Welche anderen?“ Gertrud war fassungslos. „Das wird ja immer verrückter.“
„Weißt du was, Gertrud, komm doch einfach mit. Heute Nacht geht es zum Spielen in den Park“, sagte das Kind amüsiert.
„Oh, nein, vielen Dank“, wehrte die Köchin entschieden ab, „auf keinen Fall.“
Als das Mädchen mit ihrem Kater die Küche verlassen hatte, blieb sie noch eine ganze Weile nachdenklich auf ihrem Stuhl sitzen. Gertrud war nicht mehr die Jüngste und hatte in ihrem Leben auch schon viel erlebt, aber das hier…! Nervös zupfte sie an ihrem Häubchen und legte die Hand an ihre Stirn. Fühlte die sich nicht ein wenig heiß an? Vielleicht war sie krank und das soeben Erlebte entsprang ihrer fiebrigen Phantasie? Sie beschloss auf der Stelle, ins Bett zu gehen. Morgen würde alles anders aussehen.

Kathi und Mohrle waren unterdessen im Kinderzimmer angekommen, es befand sich oben in einem der hübschen Türme, die das Schloss zierten.
„Mensch Kathi“, maunzte das Tier, „die arme Gertrud ist ja völlig am Ende. Du hättest ihr das Geheimnis nicht verraten (es liest sich aber so, dass Gertrud den Kater ebenfalls reden hört)sollen.“
„Ich musste es einfach tun“, rief das Mädchen bestimmt, „sie wird das schon verkraften.“ Mohrle räkelte sich auf dem Bett: „Wenn du meinst. Sag mal, wollen wir jetzt nicht ein wenig ruhen? In ein paar Stunden ist es zwölf, du weißt schon.“
„Du hast Recht, ich freu mich ganz doll auf die anderen“, erwiderte das Mädchen. Kurz vor Mitternacht erwachten beide, und pünktlich, nach dem zwölften Schlag der Turmuhr, begann es.

All die kleinen Geister aus der Nacht vorher bevölkerten wieder das Kinderzimmer.
„Hallo Kathi“, wisperten sie, „wie ist es, wollen wir in den Park hinunter? Du weißt, wir haben nur eine Stunde Zeit, also komm.“
„Aber ich kann doch nicht…“ Lachend wurde sie unterbrochen: „Schau mal aus dem Fenster, der Zauberer hat sich etwas wirklich nettes (Nettes) für dich einfallen lassen.“
Das Kind sah hinaus und traute seinen Augen kaum. Vom Fenstersims aus führte eine riesige goldene Rutsche bis in den Park hinunter, der von tausenden Glühwürmchen erhellt wurde. Sie schwenkten ihr Laternchen, sodass es aussah, als läge glitzernder Sternenstaub über den Bäumen und Sträuchern. Kathi sagte nur: (Anführungszeichen)Oh, oh.“
„Schnapp dir deinen schwarzen Freund“, riefen die kleinen Spukgestalten, „und schwing dich auf die Rutsche, die anderen warten schon.“
„Mit Freund bin ich gemeint“, meinte Mohrle geschmeichelt. Kathi nahm ihn auf den Arm und machte dann die schönste Rutschpartie ihres Lebens. In null Komma nix waren sie unten angelangt.

Wie staunte das Mädchen, als es die winzigen Elfen sah, die sie neugierig umringten. Die zarten Wesen plapperten aufgeregt durcheinander und zogen sie mit sich fort. „Lass uns dort am Teich spielen“, riefen sie und lachten silberhell, „das Wasser ist heute besonders angenehm. Mohrle machte einen Buckel. „Brrr“, dachte er, „wie kann man Wasser nur angenehm finden. Ich werde mich ein wenig abseits legen.“ Am Ufer des Gewässers erwartete der Magier die lustige Gesellschaft.
„Na, Kleine“, begrüßte er Kathi, „wie hab ich das mit der Rutsche hingekriegt?“
„Oh, ganz toll“, antwortete sie und betrachtete die hohe Gestalt mit den tiefschwarzen Augen. Das dunkle Haar unter seinem spitzen Hut hing ihm wirr in die Stirn und stolz fuchtelte er mit seinem glitzernden Zauberstab in der Luft herum. „Ja, das müssen mir meine Kollegen erstmal nachmachen.“
Das Mädchen verbrachte eine unvergessliche Stunde im Park. Mit Spielen und Toben verging die Zeit viel zu schnell bei ihren neuen Freunden. Schon mahnten die kleinen Gespenster zum Aufbruch: „Mach schnell(Komma) Kathi“, riefen sie, „die Zeit ist fast um.“
„Meine Güte“, flüsterte das Kind entsetzt, „wie komme ich denn nur wieder zurück in mein Zimmer? Das haben wir leider nicht bedacht.“ Verzweifelt rang sie ihre Hände.
„Mach dir keine Sorgen“, beruhigte sie Hexmex, „setze dich mit deinem Kater nur unten auf die Rutsche und du wirst schon sehen. Ein Magier denkt an alles, gute Nacht, bis zum nächsten Mal.“
„Ja, bis zum nächsten Mal“, rief es ihr von überallher zu. Die Kleine eilte mit dem Tier zur Rutsche, die im Mondlicht glitzerte. Hurtig setzten sie sich und ehe sie sich versahen, flogen beide hoch durchs Fenster und plumpsten mitten auf Kathis Bett.
„Na, so bin ich aber auch noch nie gerutscht, so verkehrt herum“, stellte sie verdattert fest. „(kein Anführungszeichen)Mit vor Müdigkeit schon halbgeschlossenen Augen flüsterte Kathi: „Wie ich mich auf morgen freue“, und schon war sie unterwegs ins Land der Träume.

Am nächsten Morgen hatte das Kind es sehr eilig, denn sie verspürte einen Mordsappetit. Schnell ging es zum Waschen und Anziehen ins Bad.
„So flott warst du ja noch nie fertig“, staunte Mohrle.
„Ja, das nennt man Katzenwäsche“, lachte die Kleine munter, „ich hatte auch selten mal solch einen Hunger.“ Schon raste sie mit ihm hinunter in die Schlossküche. Dort roch es köstlich nach Kakao und frischen Brötchen. Dem Kater lief das Wasser im Mäulchen zusammen. „Würdest du mir netterweise ein wenig von deinem Frühstück zukommen lassen?“, fragte er. Schnurrend drückte er sich an ihre Beine. „Du weißt, wie gern ich Leberwurstbrötchen mag.“
„Klar“, kicherte sie, „wir müssen nur aufpassen, dass die gute Gertrud nichts merkt.“

Die war gerade damit beschäftigt, den Kakao in Kathis Lieblingsbecher mit den hübschen bunten Blumen zu gießen.
„Guten Morgen, meine Kleine“, sagte sie und drückte das Kind an ihren weichen, molligen Körper. „Geht es dir wieder besser? Du hast gestern ziemlich wirres Zeug geredet.“ Lauernd betrachtete sie den Kater, der genüsslich seine Morgenmahlzeit schleckte. „Hatte mir sogar schon eingebildet, dein Mohrle hätte sich mit mir unterhalten, unglaublich.“ Sie grinste breit.
Der Kater putzte sich die Barthaare, schnippte lässig ein paar Krümel aus seinem schwarzen Fell und meinte: „Aber Trudchen, ich bin erstaunt. Glaubst du es denn immer noch nicht?“

Der Köchin fiel das Brötchenmesser aus den Händen, scheppernd fiel es zu Boden. „Sag nicht immer Trudchen zu mir“, fuhr sie ihn an und zu Kathi gewand: „Und ward (wart) ihr wirklich im Park letzte Nacht, ihr zwei? Wie wollt ihr das angestellt haben, alle Türen waren fest verschlossen.“
„Natürlich waren wir dort“, erzählte das Mädchen eifrig, ihr Pferdeschwanz wippte hin und her und die dicke Schleife(Komma) mit der er stets zusammengebunden war, hing halb losgelöst herunter. „Du solltest wirklich einmal mitkommen, wir haben alle viel Spaß miteinander. Mit einer goldenen Rutsche geht es hinunter in den Park und wieder zurück ins Zimmer. Es dauert eh nur eine Stunde, dann ist die Zauberstunde (der Zauber) vorbei.“
Gertrud begann mit ihrer Hausarbeit, sie zog es vor(Komma) zu schweigen. Hoffentlich kamen die Herrschaften bald zurück, das Kind und sein verrückter Kater machten sie nervlich fertig.

Jede Nacht war Kathi mit ihren lustigen Freunden zusammen, allerdings erzählte sie der Köchin nichts mehr davon. Eines Nachts wartete sie jedoch vergebens auf die lustigen Geister. Um halb eins regte sich immer noch nichts. Still und dunkel war es in ihrem Zimmer, denn selbst der Mond versteckte sich heute hinter dicken Wolken. Enttäuscht wollte sie in die Federn kriechen, als Mohrle sich am Fußende regte.
„Da sind sie ja“, gähnte er. Ungewohnt leise schwebten die Gespenster in den Raum.
„Ihr seid aber spät dran“, meinte Kathi vorwurfsvoll, „es bleibt kaum Zeit zum Spielen. Und warum ist alles noch so dunkel?“
„Ach, Mädel“, seufzten sie und belagerten das Bett, „es ist etwas Schlimmes passiert.“ Das Kind riss die Augen auf: „Schnell, erzählt schon.“

„Ja weißt du, die nächtlichen Ausflüge sind vorbei. Hexmex verlor das Rezept von seiner Lieblingsspeise. Sein Rabe zerfetzte das wertvolle Stück Papier, nun sind nur noch kleine Fitzelchen davon übrig. Hexmex Urgroßmutter vermachte ihm einst die sehr alte Rezeptur. Er hat versucht, den Pudding aus dem Gedächtnis zu kochen, doch eine Zutat fehlt immer. Alle im Park sind traurig, die Glühwürmchen wollen nicht mehr leuchten und die Elfen sitzen bekümmert unter den Bäumen am See. Niemand weiß, wie es weitergehen soll. Es ist schrecklich, denn ohne seinen Schokoladenpudding fällt dem großen Magier nichts ein(Anführungszeichen).
Kathi lachte: „Na so was, wenn es nur am Pudding liegt. Unsere Köchin macht den besten der Welt, das könnt ihr mir glauben, er ist nämlich auch meine Lieblingsspeise. Ich werde sie gleich morgen bitten, einen großen Topf davon zu kochen.“
Aufgeregt wisperten die kleinen Geister durcheinander: „Das wäre ja wundervoll, dennoch gibt es ein kleines Problem. Die Süßspeise darf nur in dem alten Topf der Urgroßmutter gekocht werden.“
„Oh je“, meinte Kathi, „dann holt ihn schnell her, noch ist die Geisterstunde nicht vorbei, und vergesst auch nicht den zerrissenen Zettel mit dem Rezept.“
Blitzschnell flogen ihre Geisterfreunde zum Fenster hinaus und kamen kurz darauf mit den Zettelresten und einem völlig zerbeulten, alten Topf zurück. Das Kind starrte ihn an: „Der wird Gertrud nicht gefallen, das kann ich euch jetzt schon sagen.“
„Aber der Pudding darf nur in diesem Gefäß gekocht werden, sonst funktioniert es nicht“, meinten die Gespenster wichtig. „Jetzt müssen wir aber fort, es ist fast eins.“
„Ich frage sie gleich beim Frühstück“, versprach Kathi, „bis morgen Nacht.“

Als das Mädchen mit dem ramponierten Topf und den Papierschnipseln in der Küche erschien, blieb der alten Köchin der Mund offen stehen. Behutsam fragte Kathi: „Sag, liebe Gertrud, würdest du uns hier drin einen Schokoladenpudding kochen? Am besten randvoll, hier ist das Rezept“, sie legte die Schnipsel auf den Küchentisch. Mohrle legte sich vorsichtshalber die Pfoten über die Ohren.
„Wie bitte?“, schrie Gertrud entsetzt auf,(besser Punkt und groß weiter) „in so was kocht man nicht und außerdem habe ich mein Leben lang auch ohne Anleitung die feinsten Süßspeisen hergestellt.“
Kathi erzählte ihr nun möglichst schonend von dem Unglück des Zauberers.
„Ja, und weißt du“, endete sie, „gerade die Stelle im Rezept mit der besonderen Zutat, auf die es ankommt(Komma) fehlt, aber du wirst das schon hinbekommen.“
„Dein Vertrauen ehrt mich, Kind“, seufzte Gertrud, „ich werde es versuchen.“ Allmählich glaubte sie den Erzählungen der Kleinen. So schwer konnte es ja wohl nicht sein, einen Schokopudding für einen Magier zu kochen. Auf alle Fälle wollte sie sich in der kommenden Nacht mit eigenen Augen von den Vorkommnissen oben im Kinderzimmer und im Park überzeugen. Die Köchin setzte sich an den Tisch und fügte geduldig das zerfledderte Stück Papier zusammen. Staunend las sie, was dort geschrieben stand:

Koche, du mein Topf, mit Liebe und behände,
Schokoladenpudding ohne Ende,
dunkel muss er sein, süß und fein,
soll er des Zauberers Denkerspeise sein.
Mit Zucker, Schokolade, Milch und Sahne,
wird er köstlich, keine Frage.
Soll besonders lecker er gelingen,
denke dran, vor allen Dingen,
nie die Prise……vergessen,
darauf ist er ganz versessen.

Mit spitzen Fingern stellte Gertrud den alten Topf widerwillig auf den Herd und begann mit dem Kochen. Grübelnd rührte sie die süße Speise. Welche Zutat war es wohl, auf die der Zauberer Hexmex so versessen war? Sie kochte und kochte den ganzen Tag lang, doch in diesem Topf wollte es ihr einfach nicht gelingen. Entweder wurde (es) zu süß, oder es bildeten sich lauter Klümpchen. Bald roch das ganze Schloss nach dieser Süßspeise. „Komisch“, dachte sie bei sich, (Anführungszeichen)da gehört doch nichts anderes rein, als Schokolade, Milch und Zucker. Na, ich nehme mal noch eine Prise von dem hier.“ Bedächtig probierte die Köchin alles an Gewürzen aus, was sich in ihren Schränken befand. Schaudernd warf sie sogar Kümmel hinein, doch der Pudding wollte nicht gelingen. Gegen Abend rief sie verzweifelt: „Potzblitz, du alter Zaubertopf, jetzt reicht es aber, nun habe ich nur noch den Zimt, wenn es das auch nicht ist, schmeiße ich dich in hohem Bogen in den Park.“
Als sie das Gewürz in die Speise gab, stutzte sie. Tatsächlich glättete sich der Pudding, wurde sahnig und das Aroma von Zimt breitete sich in der Küche aus. Sie kostete. „Ungewöhnlich“, rief Gertrud zufrieden aus, „aber lecker, das war es also. Darauf muss man erstmal kommen.“

Kathi und Mohrle liefen herbei und sahen die Köchin erwartungsvoll an. „Ja, kommt nur(Komma) ihr Beiden (beiden) , ich habe das Geheimnis um die letzte Zutat herausgefunden, der Pudding ist endlich gelungen“, meinte Gertrud stolz. „Stellt euch vor, es war eine Prise Zimt, die fehlte. Aber ich bestehe darauf, den Topf höchst persönlich eurem Zauberer zu übergeben. Ich will jetzt endgültig wissen, was an alledem dran ist, basta.“
Wenn sie so bestimmt sprach, war es besser, zu schweigen. Mit blitzenden Augen, die Hände in die runden Hüften gestemmt, stand die Gute mitten in ihrem Reich. Die lange Schürze war über und über mit Puddingflecken übersät (Pudding bekleckert). Das Mädchen und der schwarze Kater atmeten erleichtert auf. Wie schön, die nächtlichen Ausflüge in den Park konnten weitergehen. Verschwitzt, das sonst so korrekt sitzende Häubchen verrutscht, fragte Gertrud: „Na, was sagt ihr dazu?“
„Aber klar darfst du ihm den Pudding bringen, schließlich hast du ihn ja auch gekocht“, beeilte sich Kathi zu sagen. (Anführungszeichen)Komm kurz vor Mitternacht mit dem Topf in mein Zimmer.“

Es war gerade erst viertel vor zwölf, als Gertrud, angetan mit ihrem besten Sonntagskleid, das Kinderzimmer betrat. „Ich konnte es da unten vor lauter Aufregung nicht länger aushalten“, japste sie aufgeregt und setzte sich mit hochroten Wangen zu Kathi und Mohrle. Sie löschten das Licht. Kurz darauf begann die Turmuhr zu schlagen, bim bam, bim bam.
Vor Schreck hätte die Köchin fast den bis oben hin gefüllten, verbeulten Topf fallenlassen, als sie sah, wie die Geisterchen eines nach dem anderen den Raum bevölkerten.
„Du bist sicher Gertrud, die den besten Schokoladenpudding der Welt zubereiten soll“, stellten sie wispernd fest, „ist es dir gelungen(Komma) die Lieblingsspeise des großen Magiers Hexmex zu kochen?“ Die Gespenster sausten kreuz und quer durchs Zimmer, dass Gertrud sich nur so wunderte.
„Ja, ich glaube schon“, antwortete sie überwältigt, (Anführungszeichen)doch ich möchte ihm die Speise selbst übergeben, wenn es gestattet ist.
„Sehr gerne“, erwiderten die putzmunteren Gestalten, „aber gib uns ein Schälchen davon zum Kosten mit, denn sonst wird es schwierig.“ Sie lachten: „Wie willst du zu ihm gelangen ohne die goldene Rutsche? Du kannst sicher nicht fliegen.“
Das leuchtete der alten Köchin ein. Sie leerte ein mit Knabberkram gefülltes Schälchen, das auf Kathis Tisch stand, und füllte mit der großen Kelle vorsichtig ein wenig von der süßen Köstlichkeit hinein. Eine der Spukgestalten nahm es entgegen und wusch, weg waren sie. Die dunkle Nacht verschluckte die Geisterchen, als sie blitzschnell zum Fenster hinaus flogen.
„Jetzt wollen wir nur noch hoffen, dass dem Zauberer der Pudding auch schmeckt“, meldete sich der Kater.
„Och, ich glaube schon“, meinte Kathi unbekümmert, „einen besseren gibt es doch nicht.“ Mit einem liebevollen Blick sah Gertrud zu dem Kind hinüber.

Schon nach kurzer Zeit schimmerte draußen ein glitzerndes Licht. „Na, toll“, räusperte sich Mohrle.
„Oh ja“, jubelte Kathi, „schau mal(Komma) Gertrud, es ist wieder alles da, die goldene Rutschbahn, die Glühwürmchen leuchten mit ihren Laternen und die Elfen warten bereits auf uns. Das haben wir nur deinem Schokoladenpudding zu verdanken. Jetzt aber schnell, komm mit.“
Mohrle gab ein zufriedenes Miau von sich und sprang erwartungsvoll vom Bett. Die Köchin sagte gar nichts. Sie war geblendet von der Pracht dieses außergewöhnlichen Lifts und dem Park, indem es nur so funkelte und glitzerte. „Darauf soll ich wirklich nach unten rutschen?“, fragte sie zweifelnd, doch die Neugierde siegte. “Das glaubt mir kein Mensch“, dachte sie noch, als sie sich, den Kochtopf fest in beiden Händen haltend, neben Kathi und Mohrle setzte. Und hui, sausten sie hinab, so schnell, dass ihr das Häubchen fast vom Kopf flog.
„Du meine Güte“, sagte Gertrud nur, als sie im Park ankamen.

Hoch aufgereckt stand der Magier mit seinem reich(getrennt)bestickten, dunkelblauen Umhang neben dieser Wunderrutsche, umringt von den kleinen Geistern. Die Elfen hatten alle ihre schönsten Blütenkleider angelegt. Die durchschimmernden Flügelchen waren mit Sternenstaub gepudert, dies taten sie nur zu ganz besonderen Anlässen.
„Na so was, na so was“, stammelte Gertrud immerzu. Der Zauberer gefiel ihr am Besten (besten) , wie er da mit seiner hohen Gestalt vor ihr stand und ihr galant beim Aufstehen half.
„Willkommen, Gertrud, meine Liebe“, sagte er charmant. Mit einer Verbeugung reichte er ihr seine Hand, wobei der spitze Hut fast an ihre Nase stieß.
„Dir allein habe ich es zu verdanken, dass mir wieder die tollsten Zaubereien einfallen. Ich muss schon sagen, dieser Pudding ist wahrhaft der köstlichste, den ich je gegessen habe. Nie hat mir meine Leibspeise so gut geschmeckt, selbst meine Urgroßmutter hätte sie nicht besser kochen können.“
„Folgt mir, seid unsere Gäste“, sagte er dann feierlich, „wir haben schon alles für ein rauschendes Fest hergerichtet(Anführungszeichen).
Gertrud errötete und nestelte verlegen an einer Falte ihres langen Rockes herum. „Oh, danke schön“, hauchte sie überwältigt und überreichte dem Magier ein zusammengerolltes Stück Papier. Es war mit einer hübschen Seidenschleife zusammen gebunden. „Ich habe dir das Rezept neu aufgeschrieben, damit du deine Leibspeise jederzeit nachkochen kannst.“
Gerührt nahm Hexmex das Röllchen entgegen. „Nun wird es aber Zeit“, drängelten die anderen, „kommt schon.“

Am Schlossteich hatte der große Magier unter den alten Bäumen einen großen Tisch mit erlesenen Leckereien hingezaubert, geschmückt mit den schönsten Teichrosen. „Seht mal, auch an mich haben sie gedacht“, meinte Mohrle erfreut, „die Leberwurstbrötchen und der dicke Fisch dort sind sicher für mich.“ (Absatz)Begleitet von dem Orchester der Grillen, sangen die Elfen mit ihren silberhellen Stimmchen ein wunderschönes Lied. Die ganze Gesellschaft lachte und tanzte und Hexmex gab so manche lustige Zauberei zum Besten. Wie im Fluge verging die Zeit. Bedauernd mussten Gertrud, Kathi und Mohrle nun Abschied nehmen.
„Ach, liebe Freunde“, sagte Kathi leise, „leider sind meine Ferien zu Ende und meine Eltern holen mich morgen ab. Ich wäre noch so gerne hier geblieben, aber nein, ich muss ja in diese Schule.“ Dicke Tränen kullerten über ihre Wangen, denn sie hatte alle sehr lieb gewonnen. Gertrud nahm ihren Schützling in die Arme und die Freunde bildeten einen Kreis um sie. „Weine nicht, kleine Kathi“, sagten sie liebevoll, „in den nächsten Ferien kommst du doch zurück, und dann besuchst du uns wieder im Park.“ „Genau“, meinte der große Magier, „und bis dahin fallen mir sicher ein paar tolle neue Zaubereien für dich ein.“

Das kleine Mädchen war übrigens ich, und wenn ihr brav und artig seid, erzähle ich euch beim nächsten Mal, was wir im darauf folgenden Jahr noch alles erlebt haben.

Märchentante

Oh ja! Glaub mir, ich bin so was von artig, mindestens mir musst du mehr erzählen!
lg

__________________
Old Icke

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