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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Koma
Eingestellt am 14. 07. 2002 19:13


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Und jetzt?

Sie kniff die Augen zusammen, um in die Finsternis des Raumes zu starren, in der ihr Mann zwischen den wei├čen Krankenhauslaken noch immer im Koma den Tag verbrachte. Sie lie├č den Tag noch einmal Revue passieren an dem das Ungl├╝ck geschah: Es war der 11.Mai.
J├Ârg hatte gerade seine beiden S├Âhne vom Sport abgeholt und fuhr mit ihnen in den Hof ein, als ihn heftige Schmerzen packten und seinen K├Ârper zum Aufb├Ąumen brachte.

„Schnell, einen Krankenwagen!“ rief Benno in den Hausflur. Doch Ramona stand schon vor ihnen, riss die Wagent├╝r auf und fuhr J├Ârg in Windeseile zum Hospital. Er musste gleich in den OP. „Notoperation!“ Es war etwas mit seinem Darm, so richtig verstand Ramona das auch nicht, was mit ihrem Mann sein sollte.

Es ging ihr so einiges durch den Kopf: Sie hatte Gl├╝ck gehabt,noch rechtzeitig als die Kinder aus dem Gr├Âbsten heraus waren, fand sie wieder eine Anstellung bei der Beh├Ârde, bei der sie sich damals, gleich nach der Geburt ihres ersten Sohnes Benno beurlauben lie├č. Die neue

Aufgabe machte ihr Spa├č und da war auch J├╝rgen, ein sehr netter Kollege, der ihr behilflich war, wenn es mal mit dem PC nicht so recht klappte. Es machte ihm nichts aus, ihr, selbst nach Feierabend, Nachhilfeunterricht zu geben. J├╝rgen hatte es nicht eilig und sie verstanden sich blind. Es war so, als w├╝sste er schon vorher, was sie gerade dachte und t├Ąglich verbrachten sie mehr Zeit miteinander, wenn alle B├╝ros l├Ąngst geschlossen waren.

J├Ârg, der ihr immer ein lieber Ehemann war, mit dem es so gut wie nie Streit gab,blickte sie oft traurig an, doch Ramone fiel es nicht auf. Sie ging ganz in ihrem neuen Beruf auf und in ihrem Kopf steckte J├╝rgen, der ihr so hilfsbereit und charmant entgegen kam.
Von dem kleinen Abenteuer mit J├╝rgen musste J├Ârg nichts erfahren, doch jetzt war es zu Ende.
Ramona nahm J├Ârgs Hand in die ihre und seufzte. Ob er jemals wieder zu sich kommt? Drei Monate liegt er schon hier. Es werden immer mehr Zellen absterben, je l├Ąnger er im Koma bleibt und dann, was ist dann? Sie versank ins Tr├Ąumen und dachte an die hei├če Nacht mit J├╝rgen.


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Monfou
???
Registriert: Feb 2002

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komm ins koma

Liebe anemone,

ich staune oft ├╝ber die Zahl deiner Einf├Ąlle. Du hast, finde ich, viel Phantasie. Du hast meines Erachtens auch die F├Ąhigkeit, dich in andere Menschen und Wesen hineinzuversetzen. Irgendwie haben deine Tiergeschichten immer eine besondere Eigenart.

Was ich jedoch auch sehe: Die Zahl deiner Themen, juristische, tierische, moralische, medizinsiche, ist so umfassend, dass ein Mensch unm├Âglich sie auch nur einigerma├čen glaubw├╝rdig abhandeln kann.

Das Thema Koma ist sehr schwierig und komplex. Nat├╝rlich muss kein Schreiber jedes Detail kennen, aber da deine Geschichte sogar so hei├čt und der Hauptgedanke der des Komas ist, sollte schon eine st├Ąrkere Recherche stattfinden. Oder es w├Ąre der Gedanke da: Ist es ├╝berhaupt ein Thema, das ich pers├Ânlich behandeln kann?

├ťbrigens wacht man aus dem Koma im Allgemeinen nicht wie aus einem Schlaf auf. Der Prozess des Erwachens aus dem Koma ist viel komplexer und langwieriger als ein Erwachen mit Augen aufschlagen und sogleich (wenn auch nur Unverst├Ąndliches) Sprechen k├Ânnen.

Aus dem Koma erwacht man in vielen Phasen, von einem tieferen zu einer flacheren Koma, gar nach so vielen Monaten. Es beginnt mit kleinsten Reaktionen, sp├╝rbaren Widerst├Ąnden, und meist gelingt es nur mit gezielten Rehama├čnahmen von Seiten spezialisierter ├ärzte. Die geschilderte Situation gibt es also in der heutigen medizinischen Praxis nicht.

Ich schreibe dies nicht, um dich zu korrigieren, sondern nur, um dir eine Ahnung von der Komplexit├Ąt des Themas zu geben, das du abhandelst.

Deine rein fantastischen Geschichten haben dieses Problem nicht. Da du genug Ideen hast, wirst du keine Schwierigkeiten haben, neue Themengebiete zu erschlie├čen.

Liebe Gr├╝├če
Monfou

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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hallo Monfou,

da hast du mich erwischt, tats├Ąchlich liegt bei dieser
authentischen Geschichte, der Protagonist noch immer im Koma, am Schluss ging dann meine Fantasie mit mir durch.
Zum Gl├╝ck besitze ich keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet und will sie auch nicht kennen lernen. Frage: ├ändere ich jetzt die ├ťberschrift oder den Schluss? Muss eine Geschichte
medizinisches Wissen voraussetzen?

fragende Gr├╝├če
anemone

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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liebe Monfou,

ich m├Âchte dir noch einmal herzlich danken,
du bist eine der wenigen Menschen, die meinem sturen Sch├Ądel
Einsicht vermitteln konnte und daf├╝r umarm ich dich herzlich

mit lieben Gr├╝├čen
anemone

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