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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lass mich! Ich muss mich da jetzt reinsteigern!
Eingestellt am 15. 03. 2016 10:40


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Betzebub
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2016

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Sebastian schmeißt sich wĂŒtend auf sein Bett. Seinen Kopf presst er dabei so fest wie möglich in sein Kopfkissen. ‚Musste diese blöde Kuh unbedingt fremdgehen? Und warum musste ich das ganze durch ihre Schwester erfahren? Naja, sie hatte ja noch nie den Arsch in der Hose, Fehler von sich einzugestehen. Aber warum tut sie gerade mir das an? Ich habe ja alles fĂŒr sie getan. Am Sex kann’s nicht liegen. Vielleicht hĂ€tte ich doch etwas mehr auf sie eingehen mĂŒssen. Aber sie hat mir gegenĂŒber nie gesagt, ob sie etwas stört und was das ist‘
Er drĂŒckt seinen Kopf noch fester ins Kissen. ‚Diese dĂ€mliche Schlampe. Sie war meine große und einzige Liebe. Und so dankt sie es mir.‘
Sebastian kĂ€mpft mit dem Gedanken, seiner Ex-Freundin eine E-Mail oder SMS zu schreiben. Eine, die sich gewaschen hat. Er wĂ€lzt sich auf den RĂŒcken und erst jetzt nimmt er den salzigen Geschmack auf der Zunge war.
Er fingert sein Handy aus der Hosentasche und entsperrt den Bildschirm. ‚Hexe‘ ist sein Passwort. So nannte er sie damals immer. Aber das ist ja jetzt vorbei. „Ich hoffe, du bist glĂŒcklich!“, tippt er ein. Er zögert kurz. ‚Reicht das? Oder soll ich noch was dran hĂ€ngen? Nee, das reicht fĂŒrs Erste. Ich warte erstmal eine Antwort ab‘, denkt er und tippt auf „Senden“.
Sein Herz pocht. Tausende Gedanken schwirren in seinem Kopf herum. Wie hypnotisiert starrt er auf das Display. Immer wieder berĂŒhrt er das Glas, damit der Bildschirm nicht schwarz wird.
Plötzlich ein „Pling“ des Handys.
„Ja, bin ich. Danke der Nachfrage. Laura und ich sind sehr glĂŒcklich. Mach’s gut.“
Dieses Detail hatte ihre Schwester verschwiegen. Oder sie wusste es selber nicht.
Sebastian steht auf und geht ins Badezimmer. Er zieht die Schublade auf und holt eine, in weißes Wachspapier verpackte, Rasierklinge heraus. ZurĂŒck in seinem Zimmer setzt er sich an seinen Schreibtisch und faltet das winzige PĂ€ckchen auseinander. Er spielt mit dem scharfen Messer. vorsichtig und konzentriert. Sebastian reißt sich die Brille von der Nase und schleudert sie achtlos gegen die SchranktĂŒr.
Sein Herz rast. Eiskalter Schweiß lĂ€uft seine Stirn hinunter und brennt in seinen roten, vom Weinen geschwollenen und Blut unterlaufenen Augen. Worauf er genau wĂŒtend sein soll, weiß er nicht. Seine Ex-Freundin, diese Laura, die er nicht kennt – geschweige denn kennen will – oder auf sich selbst.
Fassungslos starrt er auf die verschwommene Rasierklinge zwischen Daumen und Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand. Ein Freund hatte ihm mal erzĂ€hlt, dass er sich ab und zu ‚ritzt‘. Zum Stressabbau, wenn er traurig oder wĂŒtend ist oder wenn er einfach nur Langeweile hat. Er hatte ihn auch gewarnt, dass er keine Ader anritzen darf. Sein Freund wĂ€re dadurch fast verreckt. Darum macht er es nur noch am Oberschenkel. „Da sieht’s keiner“, sagte sein Freund.
Sebastian lĂ€sst die Klinge zwischen seinen Finger tanzen. Immer wieder dreht er sie mit dem Zeigefinger ein StĂŒckchen weiter. Er sieht sich die Klinge von allen Seiten an.
Bevor er es ĂŒberhaupt gespĂŒrt hatte, sieht er ein dĂŒnnes Rinnsal, der an seinem rechten Zeigefinger hinab lĂ€uft und dessen Quelle unaufhörlich weiteren Lebenssaft zu Tage fördert. Diese rote FlĂŒssigkeit, die in seiner rechten Hand einen kleinen See bildet.
Rot, wie die Liebe. Die, die sich vor wenigen Minuten in blanken Hass verwandelt hat.
Er widersteht dem BedĂŒrfnis, den Finger in den Mund zu stecken.
Er fĂ€ngt an, dieses GefĂŒhl zu lieben. Mehr zu lieben, als er seine Ex-Freundin je geliebt hatte.
Er schĂŒttelt seinen Kopf. ‚Nein. So darf es nicht enden. Und so soll es nicht enden. Dann gewinnt sie. Und das hat sie nicht verdient. Nicht nach dem, was sie mir angetan hat.‘ Sebastian rennt wieder ins Bad und holt die Verbandstasche heraus. Seine linke Hand sucht die Mullbinden und Pflaster. Er wickelt seinen rechten Zeigefinger großzĂŒgig mit den VerbĂ€nden ein und klebt den Verband mit mehreren Pflastern fest.
Verschwommen entziffert er die Nummer seines Freundes und wĂ€hlt. „Hey, Alter. Lass heute Abend ausgehen. Meine Alte hat mich abserviert.“

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Wer ainen RĂ€chtschraifehla finded, darf iin behallten.

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