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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebesgeheimnisse
Eingestellt am 03. 04. 2018 22:02


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LUPESIWA
Festzeitungsschreiber
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Aus meiner Reihe "Geschichten ĂĽber Senioren fĂĽr Senioren"

Liebesgeheimnisse

Der Januar ist fast vorbei, doch von schönem Winterwetter ist nichts zu merken. Rauer Westwind treibt nasskalte Schnee- und Regenschauer um die Häuser und die Strassen sind menschenleer.
Umso reger geht es in der „Residenz am Park“ zu. Viele Bewohner nahmen heute den monatlichen Kinonachmittag wahr und schauten sich gemeinsam den Film „Sabrina“, einen Liebesfilm aus den 50er Jahren mit Humphrey Bogart und Audrey Hepburn, an.
In der Cafeteria wird es wieder hell und Albert Stein rollt hurtig als Erster zur TĂĽr. Hans MĂĽckeberger kommt kaum hinterher.
„Warum rennst Du denn so. Warte doch mal!“, ruft er kopfschüttelnd.
„Na warum wohl, ich will mir doch nicht von den Damen das verträumte Gesäusel und die Schwärmerei für den alten Schinken im engen Fahrstuhl anhören.“
„ Der Film war doch nicht schlecht, oder?“, lockt Mücke mit breitem Grinsen.
„Ging so, ein Western wäre mir lieber gewesen“, kontert Einstein und schiebt sich durch die Fahrstuhltür.
Immer weiter lästernd folgt ihm Hans Mückeberger und lässt Platz für Gustav Häberlein, der sich in letzter Sekunde auch noch reinquetscht.
„Was sagst Du, Gustav? Ein Western hätte Dir auch besser gefallen, gib es zu“, nimmt ihn Einstein gleich aufs Korn.
„Das will ich nicht sagen“, antwortet der und schaut mit verklärtem Blick zur Decke. „Bei mir kamen Erinnerungen hoch aus längst vergangenen Zeiten“, sinniert er lächelnd.
„Nee, das glaub ich jetzt nicht, unser Häberlein. Erzähl mal, was ging Dir denn durch Dein zahlenbepacktes Hirn, Herr Professor? Vielleicht die erste Liebe?“
„Mir hast Du mal erzählt, dass Du mit Mädchen nie etwas anfangen konntest“, mischt sich Mücke neugierig ein.
„Nun ja, die Mädels mochten mich schon – wenn ich ihre Mathehausaufgaben erledigte, aber sonst….“, redet sich Häberlein raus und nimmt mit gekonnt wehleidiger Miene in der Sitzecke Platz, froh darüber, dass einige Mitbewohnerinnen laut schnatternd und diskutierend herankamen.
„Nun lasst doch mal die Liebesschnulze in Ruhe“, unterbricht sie Einstein lautstark. „Unser Gustav war auch schon mal verliebt und gerade hatten wir ihn so weit, dass er uns davon erzählen will“, behauptet Einstein mit einem frechen Lachen und plötzlich schauen alle auf Häberlein.
„Davon war nicht die Rede“, wehrt der sich, „ich werde nicht…“.
„Doch Gustav, Du wirst“, schneidet Isolde Gruber ihm einfach das Wort ab, „Du bist doch kein Frosch der nur quakt“.
„Meinetwegen!“, gibt er sich geschlagen und offenbart sein Geheimnis. „Ihr Name war Marlene. Sie zog in unsere Gemeinde und arbeitete im Gemeindeamt, auch in der Bibliothek. So viele Bücher hatte ich in kurzer Zeit noch nie gelesen. Was heißt gelesen, meine Augen hingen ja nur an ihr. Sie war schlank, wohl geformt und die goldblonden Haare hatte sie stets straff nach hinten zu einem Kranz gesteckt. Und die Augen erst; blau und unergründlich wie ein stiller See. Immer wenn sie mich anschaute, blieb mir fast die Luft weg und ich fing an zu stottern. In meinen Träumen zogen mich wilde Strudel in die Tiefe“.
Leises Gekicher breitet sich in der Runde aus und irritiert hört Gustav auf zu sprechen.
„Und wie ging es weiter“, schubst ihn Agathe Brunner erneut an.
„Weiter? Ach so, was daraus geworden ist“, nickt er verstehend. „ Eines Sonntags lud sie mich zum Kaffee ein und stellte mir ihren Mann und die beiden Söhne vor.“
Keiner wagt zu witzeln, nicht mal Einstein oder Frau Eberlein.
Da hebt Gustav Häberlein theatralisch die Arme und ruft lachend, „Ich habe es überlebt!“
Bis zur Abendmahlzeit schwirren nun voller Heiterkeit alte Erinnerungen durch den Raum.



__________________
Die Träume sind frei

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Etma
???
Registriert: Jan 2016

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Hallo LUPESIWA

Bei diesem Text ging es mir ähnlich wie beim letzten ("Jugendsünde"). Ich kann mir die Grundatmosphäre gut in einem Buch vorstellen, diese kleine Gemeinschaft ...

Ist es nun "Albert Stein" oder "Einstein"?

Leider reizt mich der Inhalt nicht wirklich. Das liegt aber wohl daran, dass ich wiedermal kein Senior bin.

quote:
Da hebt Gustav Häberlein theatralisch die Arme und ruft lachend, „Ich habe es überlebt!“
Das fand ich komisch, wie in einer billigen Sitcom ... ich weiĂź nicht wieso aber das ist irgendwie kitschig und peinlich ... vielleicht passiert sowas in einem Altenheim, vielleicht sind die Leute dort so verwachsen, vielleicht sehe ich es wieder zu eng, wie du es sagst.

quote:
„Doch Gustav, Du wirst“, schneidet Isolde Gruber ihm einfach das Wort ab, „Du bist doch kein Frosch der nur quakt“.
Wieder etwas komisch und unangenehm, aber hier deutlich weniger ...

Der Umgang der Figuren miteinander ist ein wenig gestellt, finde ich.
Aber ich sollte mein Maul nicht zu weit aufreißen - ich könnte es auch nicht besser ...

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