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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Maite Sinclairs drittes Leben (2)
Eingestellt am 27. 07. 2017 11:19


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pierremontagnard
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2017

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Maite Sinclairs drittes Leben (Teil 2)
© Pierre Montagnard

Vor der Abendvorstellung blieb keine Zeit mehr, um Vater Alojz Sloboda für ein Gespräch zu bekommen. Es herrschten eifrige Vorbereitungen für das anstehende Abendprogramm. Maite erhielt von Jacob einen Logenplatz zugewiesen. Noch nie war sie in einem Zirkus. Sie staunte und hielt den Atem an, als ihr Prinz Jacob mit seinem Bruder Laszlo hoch oben unter der Zeltspitze am Trapez umher schwang und durch die Luft wirbelte. Aufschreie der Zuschauer, als Jacob aus seinem Trapez hechtete und durch die Luft fliegend von seinem Bruder am andern Trapez schwingend, aufgefangen wurde. Maite zitterte vor Angst, er könnte herunterfallen. Dann war ihr Auftritt vorbei. Beide Brüder verbeugten sich vor dem Publikum, welches ihnen tosenden Beifall zollte.
Gleich danach erschienen drei Clowns. Bestimmt einstudiert, damit sich die angespannten Nerven der Zuschauer wieder beruhigen konnten. Maite hatte ganz feuchte Hände vor Aufregung. Sie schaute zwar den Clowns zu, aber ihre Gedanken waren bei Jacob. Ich möchte für immer bei ihm bleiben, er ist ein wahrer Prinz. Ich werde für ihn die Schuhe putzen, die Wäsche waschen, ihm die besten Pfannkuchen zubereiten, alles was er von mir wünscht, werde ich tun, waren ihre Gedanken.
Sie fühlte eine Hand auf ihrer linken Schulter, drehte sich um und sah in das Gesicht eines Zirkusmädchens das sie liebevoll anguckte und sagte; „Sie sind Maite, nicht wahr?” „Ja!”
„Ich bin Milena Sloboda, die Tochter des Zirkusdirektors und die Schwester von Jacob. Mein Vater möchte gerne mit Ihnen sprechen, bitte kommen Sie, er ist nun in seinem Büro.”
„Ja, gerne,” sagte Maite hoffnungsvoll und erhob sich. Milena lächelte sie freundlich an, nahm sie bei der Hand und führte sie durch den Artistenausgang aus dem großen Zelt.

***

Ottilie wurde unruhig als kurz nach sechs Uhr abends Maite noch nicht aufgetaucht war. Sie fragte Volker, aber der murrte nur etwas Unverständliches vor sich hin. Doch Ottilie insistierte und hakte nach; „Du warst doch die ganze Zeit hier, sie setzte sich draußen hin, als ich wegging, du musst sie doch gesehen, oder gehört haben!”
„Ich weiß nicht, wo sie ist!” Ottilie ging runter auf die Straße, wollte nachsehen ob Maite auf ihrem Mauervorsprung saß. Vergeblich. Doch als sie wieder ins Haus wollte wurde sie von der Nachbarin, Frau Semmel, angesprochen; „Na Frau Grau, ist Maite von ihrer Rundfahrt mit dem Zirkusauto wieder zurück?” „Rundfahrt? Zirkusauto? Wovon sprechen Sie denn?” „Es kam ein Zirkusauto vorbei voller Musik, hier direkt vor Ihrem Eingang ist es stehengeblieben, ein Junge stieg aus, klebte hier dieses Plakat an die Hausmauer, sprach mit Maite worauf sie beide ins Auto stiegen und wegfuhren. Ich habe es genau gesehen, am Steuer des Fahrzeuges saß ein Clown.”
„Um Gottes willen! Vielleicht hat man sie entführt!” entfuhr es Ottilie. „Ach, wieso denn? Das glaube ich nicht, der Junge machte einen ganz netten Eindruck, war sehr schön gekleidet, er hat sie bestimmt nur auf eine Spritztour eingeladen, das machen die vom Zirkus manchmal, sie gestatten Kindern einmal in einem Zirkusauto mitzufahren. Das sind bestimmt sehr anständige Leute. Ich glaube nicht, dass Sie sich sorgen müssen darüber.”
„Wir haben ihr immer und immer wieder eingetrichtert, dass sie unter gar keinen Umständen in ein fremdes Fahrzeug steigt. Und jetzt dies!” „Aber Frau Grau, sie können doch nicht gleich alle Menschen als schlecht taxieren. Ein Zirkusauto ist doch nichts Anonymes. Maite wird bestimmt bald zurück sein und sich freuen über das Erlebnis. Sie ist ja kein kleines Mädchen mehr!”
„Ich hoffe, Sie haben recht, Frau Semmel, ich muss nach oben, danke für Ihre Mitteilung.”
Als Maite kurz vor acht Uhr abends noch immer nicht zu Hause war, rief Ottilie die Polizei an. Teilte ihr die Information von ihrer Nachbarin mit und machte gleichzeitig eine Vermisstenanzeige.
Da vor etwa einem Jahr in der Gegend ein Mädchen verschwunden war, welches nie wieder auftauchte und sich die lokale Polizei danach von der Bevölkerung Trägheit – als noch anständiges Verdikt – gefallen lassen musste, wurde sie diesmal sofort aktiv. Denn schon eine halbe Stunde später bekamen die Graus Besuch von zwei zivilen Polizeibeamten. Ottilie und Volker wurden von ihnen fast zwanzig Minuten interviewt, fragten nach einem Foto von Maite und verabschiedeten sich danach wieder.
„Wieso machst du einen solchen Wirbel und holst die Polizei? Jetzt wird man über uns plappern in der ganzen Gegend.” ereiferte sich Volker. „Ich mache mir Sorgen um sie. Sie ist unser Kind. Wir sind für sie verantwortlich. Vielleicht ist sie sogar weggelaufen wegen irgendetwas wovon ich nichts weiß Volker. Ich sträube mich dagegen eine Vermutung zu äußern, die mir richtig Angst macht.”
„Worauf willst du hinaus Ottie, sag es schon!” „Seit sie in der Pubertät ist, schaust du sie mit ganz andern Augen an Volker, das ist mir mehrmals aufgefallen. Du gibst dich mit ihr nicht mehr so ab wie früher, du betrachtest sie auf eine lüsterne Art, die mir gar nicht gefällt. Du begingst diesbezüglich schon einmal einen Fehltritt an deinem früheren Arbeitsplatz vor Jahren, weißt du noch?”
Volker begehrte auf; „nichts ist, hör bloß auf damit, wäre ja noch schöner, wenn wir wegen dieser Göre Streit kriegten!”
„Sie ist keine Göre Volker, sie ist ein liebes Mädchen, warum nennst du sie so? Hast du ein schlechtes Gewissen, ist etwas vorgefallen, wovon ich nichts weiß?”
„Jetzt ist aber Schluss, ich will nichts mehr hören!” brüllte Volker.
Ottilie stand auf und zog sich in die Küche zurück. Jetzt war sie sich sicher, dass da etwas vorgefallen war. Sie bekam es mit der Angst zu tun.

***

Alojz Sloboda stand auf als Milena und Maite in sein Zirkuswagenbüro eintraten. Jacob und Laszlo waren auch zugegen. Er begrüßte Maite sehr freundlich und wies sie an, sich auf einem Zweisitzsofa zu setzen.
„Also Maite, mein Sohn Jacob hat mir von deinen Problemen bereits erzählt. Ich möchte mit dir nun ein paar Minuten alleine sprechen.”
Das war offenbar das Kommando für seine Kinder sein Büro zu verlassen. Sie erhoben sich alle und begaben sich zur Tür. Im vorbeigehen legte ihr Jacob kurz und sanft seine Hand auf die Schulter. Dann war Maite mit dem 1.88 Meter großen und stark gebauten Mann, alleine.
„Ich sage dir gleich zu Beginn Maite, dass es sehr schwierig sein wird, dass wir dir helfen können aber wir werden es versuchen. Erzähle mir nochmals aus deiner Sicht, wie dein Leben verlief, seit du bei deinen Ersatzeltern lebst, wenn du etwas nicht sagen möchtest, weil es dich bedrückt dann lässt du es einfach weg. Wir müssen davon aus gehen, dass wir bald von der Polizei Besuch erhalten werden, da dort wo du wohnst, bestimmt jemand gesehen hat, dass du mit einem Zirkusauto davongefahren bist. Deine Mutter wird eine Vermisstenanzeige aufgeben, denn du bist nun schon seit über zehn Stunden von zu Hause weg.”
Maite guckte erschrocken, begann aber mit ihrer Erzählung. Sie wurde von Alojz Sloboda nie unterbrochen. Er war überrascht, wie gut Maite imstande war, die Geschehnisse der vergangenen Jahre zu schildern. Insbesondere gefiel ihm, dass sie auch einiges Positives vor allem Ottilie betreffend erwähnte. Selbst Volker schilderte sie nicht als Monster, jedoch hätte sie nun panische Angst vor ihm, weil sie spürte, dass er wie ein Besessener auf ihren Körper aus war und keine Scheu an den Tag legte sie nackt sehen zu wollen, um sie hemmungslos überall anzufassen. „Wenn er es nochmals tut, werde ich mich umbringen!”
Mit diesen schon verzweifelt und schluchzend hervorgebrachten Worten war Maite am Ende ihrer Erzählung. Sie sank auf dem Sofa in sich zusammen und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.
Alojz Sloboda blieb ruhig, sagte vorerst nichts. Zornesadern traten auf seiner Stirn hervor.
Nach einer Weile stand er auf, nahm eine Wolldecke aus einem Schiebefach, ging damit zum Sofa und sagte mit milder Stimme; „Gut Maite, ich danke dir für deine Schilderung. Leg dich hier hin, deck dich schön zu und ruhe dich aus. Hier wird dich niemand belästigen, ich bin bald wieder zurück!” damit verließ er sein Büro.

***

„Pa! Da sind zwei Polizeibeamte am Eingang und wollen mit Dir sprechen. Sie sind in Zivilkleidung.” sagte Jacob als sein Vater in ihren Wohnwagen gestiegen kam.
„Gut, führe sie zu mir und bleibe bei dem Gespräch gleich dabei.”
Ein Kriminalinspektor und sein Assistent betraten wenig später den Wohnwagen, stellten sich vor als Braun und Gebhardt, wiesen sich aus und Alojz gebot ihnen sich zu setzen.
Inspektor Braun eröffnete das Gespräch; „Wir haben den Hinweis erhalten und obendrein noch eine Vermisstenanzeige betreffend eines zwölfjährigen Mädchens namens Maite Sinclair, welches gemäß Zeugenaussagen gegen 10:20 Uhr heute Vormittag in der Gerberstraße in eines Ihrer Zirkusfahrzeuge stieg und seither nicht wieder zu Hause eingetroffen ist. Können Sie uns darüber etwas sagen Herr Sloboda?” dabei legte der Inspektor ein Foto von Maite auf den Tisch.
Alojz Sloboda, in Bratislava aufgewachsen, Sohn eines Artisten aus der Slowakei, hatte früh gelernt, sein Leben in eigene Hände zu nehmen. Er verlor seinen Vater, der bei einem Sturz vom Trapez das Genick brach. Alojz war damals 17 Jahre alt. Er führte zusammen mit seinem Bruder den Artistenzirkus weiter. Mit 25 heiratete er Stefanie, die bei der Geburt Jacobs ihr Leben verlor. Er war oder ist noch immer alleinerziehender Vater. Er erzog seine Kinder Laszlo, Milena und Jacob streng, gerecht und mit viel Einfühlsamkeit. Er hat sie lieb und ist glücklich, dass sie alle wohlgeraten und gesund sind. Er würde sein Leben für sie hergeben. Dies ging ihm in wenigen Augenblicken durch den Kopf, bevor er das Foto, danach den Inspektor anschaute und antwortete;
„Das Mädchen wurde von meinem Sohn Jacob,” dabei stellte er Jacob den beiden Polizisten vor und fuhr fort; „heute eingeladen ihm beim Plakate verteilen zu helfen. Außerdem lud er es danach ein, als Dank eine Nacht in einem Zirkuswagen zu schlafen. Am besten ist es, wenn Jacob ihnen selber erzählt, wie er das Mädchen traf und was genau abgelaufen ist, bitte Jacob!”
Die Polizisten guckten nun gespannt zu Jacob, der mit klarer und sicherer Stimme den Ablauf erzählte. Er schloss mit den Worten; „Maite war ganz blass, hatte total verweinte Augen und sagte am Ende, dass sie lieber sterben möchte, als wieder zu ihren Pflegeeltern zurückzukehren. Ich sagte ihr, dass wir mit meinem Vater darüber sprechen werden, um nach einer Lösung zu suchen. Er kam eben aus seinem Büro zurück von einem Gespräch mit ihr, als Sie meine Herren ankamen.”
„Wo ist das Mädchen jetzt?” Fragte der Inspektor. Alojz antwortete; „Es liegt in meinem Büro auf einem Sofa und ruht sich aus, es war total erschöpft nach dem Gespräch mit mir. Ich habe es darauf aufmerksam gemacht, dass wahrscheinlich die Polizei vorbeikommen wird und nach ihr sucht. Ich wollte eben Frau Grau anrufen und ihr mitteilen, wo ihr Kind ist, aber es ist mir nun lieber, wenn ich zuerst mit Ihnen sprechen kann, denn das Mädchen darf mit diesem Unhold nicht mehr zusammenkommen, das könnte böse Folgen haben.”
„Wir müssen das Mädchen zurückbringen Herr Sloboda, es ist ausgerissen, es liegt außerdem eine Vermisstenanzeige vor wir können das nicht einfach ignorieren.”
„Es liegt etwas viel Schlimmeres vor als ausreißen Herr Inspektor, das Mädchen ist psychisch am Ende. Ich kann Ihnen nicht gestatten, dass Sie das Mädchen mitnehmen, es ist in meiner Obhut und ich stehe dafür gerade.”
Der Inspektor schaute einen Moment mit sehr ernstem Gesicht in dasjenige von Alojz Sloboda, ehe er sagte; „Bei allem Verständnis für Ihre Gefühle Herr Sloboda, wir müssen das Mädchen mitnehmen!”
„Das werden wir Ihnen nicht gestatten!” rief überraschend Jacob in die Runde. „Maite bleibt bei uns bis wir eine annehmbare Lösung gefunden haben!” fügte er hinzu.
Der Inspektor erwartete vergebens, dass Jacob von seinem Vater zurechtgewiesen würde aber nichts dergleichen geschah, stattdessen sagte dieser nun; „Um meine Gefühle geht es nicht Herr Inspektor, es geht möglicherweise um ein junges, heranwachsendes Menschenleben. Werden Sie Ihre Mitschuld eingestehen, wenn dem Mädchen noch schlimmeres zustößt?”
„Es geht auch nicht um meine Gefühle, Herr Sloboda, ich bin Polizist, ich habe ein Pflichtenheft, wenn Sie die Herausgabe des Mädchens verhindern machen Sie sich strafbar. Im schlimmsten Falle kann Ihnen das sogar als Kindesentführung ausgelegt werden, das möchte ich Ihnen ersparen denn ich persönlich werfe Ihnen gar nichts vor.”
Eine Weile trat Stille ein ehe Alojz das Wort wieder aufnahm; „Ich mache Ihnen einen Vorschlag Herr Inspektor, kommen Sie uns einen Schritt entgegen und ich mache auch einen in Ihre Richtung. Lassen Sie uns Frau Grau anrufen, jetzt, am besten machen Sie das. Sie sagen ihr diesbezüglich die Wahrheit, dass Maite heute dem Zirkus geholfen hat Plakate zu verteilen und sie dafür die Nacht in einem Zirkuswagen verbringen darf. Sie würde morgen gegen Mittag wieder zu Hause sein. Das war immerhin die ehrliche Abmachung zwischen meinem Sohn und dem Mädchen. Von den Gräueltaten des Volker Grau erwähnen Sie gar nichts. Was sagen Sie dazu?”
Jacob schaute verunsichert in das Gesicht seines Vaters, blieb aber stumm. Er las in seinem Gesicht, dass er etwas im Schilde führte.
Inspektor Braun sagte lange nichts, doch dann; „Ich kann diesen Anruf machen, wenn die Frau einwilligt, soll es so geschehen, wenn sie es jedoch nicht erlaubt muss ich mich ihrer elterlichen Gewalt beugen und das Mädchen mitnehmen, sehen Sie das ein?”
Alojz Sloboda überlegte nicht lange denn er wusste, dass es die einzige Chance war für den Moment noch etwas Zeit zu gewinnen. So antwortete er; „Ich bin einverstanden, Sie sind bestimmt ein guter Psychologe Herr Inspektor, sagen Sie es ihr so, dass sie ihr Einverständnis gibt, es wäre damit allen gedient insbesondere dem Mädchen.” damit schob er den Telefonapparat der auf dem Tisch stand zu Inspektor Braun hinüber und legte einen Zettel mit der Rufnummer daneben.
„Möchten Sie den Anruf ungestört führen Herr Inspektor? Wir können so lange draußen warten!”
„Nein nein, bleiben Sie nur hier ich mache das kurz und schmerzlos.” schon nahm er den Hörer ab und wählte die Nummer. Nach zweimal klingeln nahm Ottilie Grau bereits ab und meldete sich.
„Hier spricht Inspektor Braun Frau Grau. Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass Ihr Kind wohlauf ist und sich hier im Zirkus Sandokan befindet. Es schläft bereits in einem der Zirkuswagen, es hat mitgeholfen Plakate zu verteilen und wurde vom Zirkusdirektor und seinen Kindern eingeladen, als Dank eine Nacht im Zirkus zu verbringen. Ich schlage Ihnen vor ihr das zu bewilligen. Ich sitze hier beim Direktor, es sind sehr nette Leute. Maite wird morgen vor Mittag wieder bei Ihnen abgeliefert. Können wir so verbleiben Frau Grau?” irgendetwas sagte Ottilie noch, doch schlussendlich sagte der Inspektor; „Gut, danke Frau Grau, wünsche Ihnen eine gute Nacht.” damit hängte er ein. Er bekam das Aufatmen von Jacob und Alojz nicht mit und fügte hinzu; „Ich verlasse mich dann also auf Ihr Wort, Herr Sloboda, dass Sie persönlich dafür Sorge tragen, das Mädchen morgen vor zwölf Uhr mittags wieder zu Hause abzuliefern. Kann ich mich darauf verlassen?” „Ja, Herr Inspektor, wir bedanken uns bei Ihnen, doch wie geht es dann weiter?”
„Solange keine Klage vorliegt wegen sexuellen Übergriffen an dem Mädchen, können wir, die Polizei, gar nichts tun. Es muss eine Klage vorliegen, entweder von einem sozialen Amt, oder einer mündigen Person, einem Arzt, oder einem Psychiater oder Psychologen.”
„Und das Mädchen selbst? Wenn es Skrupel hat, gegen seine Pflegeeltern auszusagen? Denn in ihrem Falle ist es so, dass sie mit der Frau gar keine Probleme hat, sie sogar davor schützen möchte, dass die Untaten ihres Mannes ans Tageslicht gelangen. Können Sie sich die Verzweiflung des Kindes vorstellen Herr Inspektor?”
„Wahrscheinlich nicht, ich habe keine Kinder!” sagte Braun.
„Was schlagen Sie mir vor Herr Inspektor? Ich werde nicht tatenlos zugucken wie dieses hilflose Kind zugrunde gerichtet wird!”
Braun schaute Alojz Sloboda lange in die Augen und sagte dann ganz ruhig; „Als Polizist Braun kann ich Ihnen nichts vorschlagen, als Jochen Braun sage ich Ihnen, lassen Sie sich etwas einfallen!” damit nahm er seinen Hut und deutete seinem Assistenten Gebhardt ihren Aufbruch an.
Als beide gegangen waren, fragte Jacob erregt; „Was machen wir nun Pa? Wir können Maite doch morgen nicht wieder diesem Unhold ausliefern! Oder?”
„Ich habe dem Inspektor mein Wort gegeben Jacob und ich werde mein Wort nicht brechen!”
„Aber Pa, was wird aus Maite?” fragte Jacob verzweifelt. „Ich, ich habe sie von der ersten Sekunde als ich sie sah in mein Herz geschlossen. Ich möchte sie nicht mehr hergeben, es darf ihr nichts Böses mehr zustoßen ich könnte es nicht ertragen!”
Vater Alojz legte seinem Sohn, der fast schon so groß war wie er selber die Hand auf die Schulter und sagte mit milder Stimme; „Du wirst sie morgen gemeinsam mit Laszlo zu Hause abliefern, sie wird aber oben in ihrer Wohnung nie ankommen! Wie sagte doch der Inspektor zum Schluss zu mir? Er könne mir keinen Rat geben. Aber Jochen Braun sagte zu mir, ich soll mir etwas einfallen lassen. Also lassen wir uns etwas einfallen!”
Jacob umarmte seinen Vater. Er hatte feuchte Augen, aber er lächelte zufrieden und flüsterte Vater ins Ohr; „Auf dich ist immer Verlass Pa, sagst du mir, was du im Schilde führst?”
„Morgen, wenn wir alle gemeinsam frühstücken, werde ich euch meinen Plan vorstellen denn ich brauche euch alle dazu. Der Ablauf muss so perfekt sein wie eure Trapeznummer. Lass uns zu Maite gehen, um zu sehen, wie es ihr geht!”



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Pierre Montagnard
en vino veritas!

Version vom 27. 07. 2017 11:19

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