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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Maite Sinclairs drittes Leben (5)
Eingestellt am 04. 08. 2017 11:47


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pierremontagnard
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2017

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Maite Sinclairs drittes Leben (Teil 5)
© Pierre Montagnard

Ottilie nahm sich vor, ihren Mann Volker zu stellen. Sie fing damit aber erst nach dem Abendessen an. „Volker!” begann sie, so höflich wie möglich, „sage mir ehrlich, hast du mit Maite irgendetwas angestellt?”
Volker begehrte sofort auf und sagte laut; „warum fĂ€ngst du wieder damit an, es ist nichts vorgefallen, gar nichts!” Ottilie spĂŒrte, dass er log, aber sie spĂŒrte ebenso, dass sie nicht weiterkam, er wĂŒrde es nie zugeben. Sie stand auf, sagte nichts mehr, ging in die KĂŒche und ließ ihn alleine zurĂŒck. Ihre Angst, dass sie vielleicht schon morgen mit einer schlimmen Nachricht von der Polizei konfrontiert wĂŒrde, stieg ins Unermessliche. Ich muss etwas tun, ich muss mit jemandem sprechen können, ich muss jemanden ins Vertrauen ziehen, ich halte dieses GefĂŒhl alleine nicht mehr aus, waren ihre Gedanken. Vielleicht hat Volker Maite sogar sexuell missbraucht. Ihr fiel wieder das verstörte Gesicht von Maite ein, als sie heute aus dem Auto stieg. Ihr Gesicht vermittelte Panik, dachte Ottilie weiter. Nur den Drang zu haben, Pipi machen zu mĂŒssen verursacht nicht ein solches Gesicht. Sie wollte gar nicht zurĂŒckkommen und ging auch nicht nach oben, schlussfolgerte Ottilie. Sie ist vor etwas, das ihr furchtbar Angst machte geflĂŒchtet. Sie ist durch die HintertĂŒr und durch den Garten weggerannt. Mein Gott, das arme Kind, sie hat nichts bei sich, keine Kleider, kein Geld, nichts. Ottilie war mit ihren Nerven am Ende und begann zu weinen.

***

Inspektor Braun legte den Telefonhörer gerade auf die Gabel. Gebhardt hatte ihm soeben mitgeteilt, dass er keine Karten mehr fĂŒr die Abendvorstellung im Zirkus erstehen konnte. Ausverkauft. Auch die LogenplĂ€tze. Doch wartete er mit einer Überraschung fĂŒr Braun auf, indem er ihn informierte, dass er – in eigener Regie – polizeiliche Nachforschungen, die Person Volker Grau betreffend, angestellt hĂ€tte und dabei fĂŒndig wurde. Volker wurde, gemĂ€ĂŸ der Strafakte, vor sieben Jahren, damals angestellt als Lagerverwalter bei der Firma Blau & Simmel, fristlos entlassen. Grund dafĂŒr war eine Strafanzeige wegen sexuellen Übergriffen an einer minderjĂ€hrigen Lehrtochter, welche von deren Eltern erhoben wurde. Nach dieser Nachricht forderte Braun Gebhardt auf, sofort ins Auto zu steigen, ihn, Braun, abzuholen, um danach den Graus einen unangemeldeten Besuch abzustatten.
Als sie an der Gerberstraße ankamen, parkten sie das Auto etwa fĂŒnfzig Meter weg vom Haus der Graus und gingen den Rest zu Fuß. Braun wies Gebhardt an, wenn sie da ankommen, nicht die Klingel an der HaustĂŒre zu benutzen, sondern gleich in den 2. Stock zu gehen und da an die WohnungstĂŒr zu klopfen, um einen möglichst großen Überraschungseffekt zu erreichen.
Als Ottilie Grau die WohnungstĂŒre öffnete, das Gesicht von Inspektor Braun erkannte, wurde sie inert weniger Sekunden aschfahl im Gesicht. Doch Braun sagte mit ruhiger Stimme; „Entschuldigen Sie den spĂ€ten Besuch Frau Grau, es ist nichts passiert, aber wir wĂŒrden gerne mit Ihnen reden, dĂŒrfen wir fĂŒr einen Moment hereinkommen?” mit halb erstickter Stimme sagte Ottilie; „Ja, bitte, kommen Sie herein. Als die Polizisten sich gerade setzen wollten, trat Volker in das Wohnzimmer. Er guckte erschrocken und sein fragender Blick erreichte Ottilie. Braun trat zwei Schritte auf Volker zu, streckte ihm seine Hand entgegen und sagte; „guten Abend Herr Grau, gut, dass Sie auch da sind, wir haben Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen!”
„Ja, guten Abend, worum geht es denn?” stotterte Volker hervor. Braun setzte gleich zu seiner fest vorgenommen Taktik an, nahm einen Pfeil aus seinem Köcher und jagte diesen Volker verbal ins Gesicht; „Sie werden beschuldigt, dass Sie sich sexuell an Ihrem Pflegekind, Maite Sinclair vergreifen, es nötigen, unsittlich betatschen und zu Dingen zwingen, welche das MĂ€dchen in panische Angst versetzen. Es hat aus Angst vor Ihnen, die Flucht ergriffen und niemand weiß bis zur Stunde, wo es sich aufhĂ€lt.”
Ottilie guckte schockiert, Volker lachte hysterisch und sagte ĂŒberlaut; „Das ist doch nicht zu fassen, davon ist kein Wort wahr, Sie haben auch nicht den geringsten Beweis fĂŒr Ihre Anschuldigungen, das höre ich mir auch gar nicht lĂ€nger an, verlassen Sie augenblicklich meine Wohnung!”
„Nein, bleiben Sie!” rief Ottilie ebenso laut. Doch Braun griff nach seinem Hut. Die unmissverstĂ€ndliche Geste an Gebhardt, dass der Auftritt beendet war. Im stehen wandte sich Braun nochmals an Volker, funkelte ihm böse in die Augen und sagte; „Der Beweis sind Sie selber, Herr Grau. Das MĂ€dchen hatte sich jemandem anvertraut. Es hatte Skrupel, Ihre Frau damit zu behelligen, weil sie sie davor bewahren wollte, dass Ihre GrĂ€ueltaten aufgedeckt werden. Maite hat mehr RĂŒckgrat und Anstand, als Sie jemals erahnen können. Denken Sie einmal darĂŒber nach, denn Sie hatten vor sieben Jahren schon einmal ein minderjĂ€hriges MĂ€dchen traumatisiert. Damals erhielten Sie mildernde UmstĂ€nde, eine bedingte Freiheitsstrafe, eine Busse und als Zugabe verloren Sie Ihren Arbeitsplatz. Wollen Sie so weitermachen?” und zu Ottilie gerichtet; „Kommen Sie, Frau Grau, ich möchte unten noch unter vier Augen mit Ihnen sprechen. Guten Abend Herr Grau.”
Sie verließen die Wohnung zu dritt, ließen einen blassen und starr vor sich hin blickenden Volker zurĂŒck.
Ottilie schluchzte, als sie bei der HaustĂŒre angelangt waren. Braun fasste sanft an Ottilies Arm und sagte; „es tut mir sehr leid Frau Grau, aber es musste sein, wir können die Wahrheit nicht ewig vertuschen. Was ich Ihnen jetzt sage, muss unter uns bleiben, geben Sie mir Ihr Wort drauf?”
„Ich gebe Ihnen mein Wort Herr Inspektor, wissen Sie denn wo Maite ist und wie es ihr geht?” „Offen gestanden, nein, aber mein BauchgefĂŒhl sagt mir, dass sie in guten HĂ€nden ist. Ich kann Ihnen das nicht beweisen. Sie mĂŒssen sich darauf einstellen Frau Grau, dass Maite nie mehr zurĂŒckkommt. Ich schlage Ihnen vor, dass Sie die Leiterin des Kinderheimes aufsuchen, ihr die anstehenden Probleme schildern und sie fragen, welche Institution zu konsultieren sei, fĂŒr Maite einen Vormund zu stellen, da Sie nicht mehr in der Lage wĂ€ren, weiter die elterliche Obhut innezuhaben.”
Ottilie weinte herzzerreißend. „Mein liebes MĂ€dchen!” stotterte sie. „Wir können froh sein Frau Grau, dass es sich möglicherweise so verhĂ€lt, wie ich vermute, das wĂŒrde immerhin ausschließen, dass ich Sie demnĂ€chst mit einer viel schlimmeren Nachricht erschrecken mĂŒsste. Rufen Sie mich bitte jederzeit an, wenn Sie Neuigkeiten erfahren. Ebenso werde ich Sie auf dem Laufenden halten, sollten mir mitteilungswĂŒrdige Informationen zufließen. Ich wĂŒnsche Ihnen trotz allem eine gute Nacht, auf Wiedersehen Frau Grau.”
Ottilie schleppte sich bleiern schwer nach oben. Ihr ganzes Inneres war zermĂŒrbt. Kraftlos und ohne eine Spur von Hoffnung betrat sie ihre Wohnung. Das Wohnzimmer war leer. Aus dem Nebenzimmer, das als Bibliothek und Fernsehzimmer diente, drangen Gewehr- oder PistolenschĂŒsse an ihre Ohren. Er guckt Glotze. Nicht zu fassen. Als wĂ€re das, was sie gerade durchlebten, ein billiges TheaterstĂŒck, dessen Kulissen man beliebig umbauen und die Szenen nach momentanem GutdĂŒnken abĂ€ndern konnte. Mit was fĂŒr einem psychisch kaputten Menschen lebe ich eigentlich zusammen? fragte sie sich. Wenn ich Maite verliere, werde ich mich auch von ihm trennen, schwor sie. Immerhin beruhigten sie die Worte des Inspektors, dass Maite in guten HĂ€nden zu sein scheint. Vielleicht weiß er mehr, als er mir gesagt hat. Er weiß bestimmt was er sagt und was er tut, beendete Ottilie ihre GedankengĂ€nge. Sie ging ins Badezimmer und zog sich danach in Maites Schlafzimmer zurĂŒck. Sie ertrug die NĂ€he Volkers nicht mehr.

***

Um zehn Uhr am nĂ€chsten Tag sprach Braun im Zirkus Sandokan vor. Er wurde unverzĂŒglich ins BĂŒro von Alojz Sloboda gefĂŒhrt. Sie waren beide allein. Braun stellte sich vor, dass sein GegenĂŒber zugĂ€nglicher fĂŒr ein persönliches GesprĂ€ch sein wĂŒrde, wenn er ohne Assistenten aufkreuzte. Und so war es auch. „Sind Sie dienstlich gekommen, Herr Inspektor?” begann Alojz das GesprĂ€ch. „Ich bin zwar im Dienst, aber mein Besuch bei Ihnen ist eher persönlicher Natur, ich hoffe dabei, dass Sie mir vielleicht aus einer Sackgasse heraushelfen können, in der ich stecke.” „Wenn ich das kann, gerne, worum geht es denn?”
„Herr Sloboda, lassen Sie uns das Katz- und Maus spielen gleich von Beginn an ausklammern. Sie haben sich gestern etwas einfallen lassen und Maite Sinclair zur Flucht verholfen!”
„Haben Sie dafĂŒr irgend einen Beweis, Herr Inspektor?” „Nein, habe ich nicht, aber Sie haben ein Motiv, Sie sagten gestern zu mir, und dabei sahen Sie mich sehr entschlossen an, dass Sie nicht zulassen wĂŒrden, dass dem MĂ€dchen noch weiteres Unheil zustĂ¶ĂŸt, stimmt das?” „Ja, so Ă€hnlich habe ich mich ausgedrĂŒckt, stimmt.”
„Gut, Herr Sloboda, dann werde ich Sie aus GrĂŒnden der Fairness ĂŒber die Geschehnisse von Gestern, die nach ihrem – Zaubertrick – passierten, nicht im Ungewissen lassen. Frau Grau machte eine erneute Vermisstenanzeige. Sie ist in einer verzweifelten Verfassung. Ich, fĂŒr meinen Teil, habe mein Pflichtenheft als Polizist fĂŒr ein paar Stunden zugedeckt und den Graus einen Besuch abgestattet.” nun blickte Alojz Sloboda den Inspektor sehr gespannt an und dieser fuhr fort; „Dabei habe ich Herrn Grau schonungslos seine Verfehlungen an den Kopf geschmissen und ihn auch auf eine, vor rund sieben Jahren verhĂ€ngte Strafe, die er sich wegen eines Ă€hnlichen Deliktes zuschulden kommen ließ, aufmerksam gemacht. In einem, unter vier Augen GesprĂ€ch mit Frau Grau, konfrontierte ich diese mit der Tatsache, dass Maite nie wieder in ihr Haus zurĂŒckkehren wird. Sie brach darĂŒber in TrĂ€nen aus. Des Weiteren beteuerte ich ihr, dass ich davon ausgehe, dass Maite sehr gut untergebracht wĂ€re und dass es ihr gut geht. Ebenso legte ich ihr nahe, dass sie die Leiterin des damaligen Kinderheimes aufsuchen, ihr die ganze Problematik ungeschminkt darlegen soll und sich dafĂŒr einsetzt, dass sich jemand findet, der das Sorgerecht fĂŒr Maite zugesprochen erhĂ€lt. Das ist der Stand der Dinge. Und nun, Herr Sloboda, bitte ich Sie, mich aus der Sackgasse zu fĂŒhren. Ich verlange von Ihnen weder ein GestĂ€ndnis, noch lange ErklĂ€rungen, ich bin zufrieden, wenn Sie mir zuverlĂ€ssig sagen, dass es Maite gut geht und sie wohlversorgt ist. Ich werde Sie nicht fragen, wo sie ist und auch nicht bei wem, ebenso wenig werde ich Ihre Information dienstlich verwenden. Ich werde diese nur an mein BauchgefĂŒhl telegrafieren. Also?”
Alojz Sloboda war auf einiges gefasst, aber damit hatte er nicht gerechnet. Er war tief beeindruckt. Er ĂŒberlegte noch eine Weile, ehe er mit der Antwort aufwartete; „Ich danke Ihnen, fĂŒr Ihre Offenheit, Herr Inspektor. Ich habe Sie gestern noch, als Polizist, nicht korrekt eingeordnet. Sie sind in meiner Achtung gewaltig gestiegen. Maite ist sehr gut untergebracht, sie wohnt bei meiner SchwĂ€gerin Olga, die Schwester meiner verstorbenen Frau. Sie ist Witwe, hatte selber drei Kinder großgezogen, die nun aber alle auch schon Familie haben. Olga wurde von mir ĂŒber die missliche Lage Maites vollumfĂ€nglich aufgeklĂ€rt. Sie rief mich vor einer Stunde an und ließ mich wissen, dass sie vorbehaltlos das Sorgerecht fĂŒr Maite ĂŒbernehmen wĂŒrde, falls dies gewĂŒnscht wĂŒrde. Nachdem nun sicher ist, dass es keine publike Vermisstenanzeige gibt, kann Maite sich auch außerhalb des Hauses frei bewegen, ohne Angst haben zu mĂŒssen, von irgendjemand erkannt zu werden und fĂŒr Olga ist es auch viel leichter, sie kann Maite bei ihren Bekannten und Nachbarn als Feriengast vorstellen. Dank Ihnen Inspektor, resultiert nun fĂŒr fast alle Beteiligten, eine große Erleichterung. Sind Sie damit aus der Sackgasse raus?”
„Ich bin Ihnen fĂŒr dieses GesprĂ€ch ungemein dankbar, Herr Sloboda. Gestern, bevor ich die Graus besuchte, hatte ich die Idee, mit meinem Assistenten Ihre Abendvorstellung zu besuchen, damit er, speziell bei den Zaubertricks, etwas aufpasst, aber Ihre Jungs scheinen ja dafĂŒr zu sorgen, dass Ihre Vorstellungen am Abend laufend ausverkauft sind.”
Alojz Sloboda lĂ€chelte vergnĂŒgt, nahm den Telefonhörer ab und sprach kurz hinein; „Myriam, sind fĂŒr heute Abend noch zwei LogenplĂ€tze frei? Gut, dann bitte reserviere die 17 und 18 auf den Namen Braun. Als Freikarten. Danke!”
„So war das nicht gemeint, Herr Sloboda, wir haben auch als Polizisten ein, wenn auch bescheidenes, Spesenkonto.”
„Ihr Besuch bei mir ist mehr Wert als zwei LogenplĂ€tze, Herr Inspektor, außerdem ist heute Abend unsere letzte Vorstellung hier, denn morgen ziehen wir nach MĂŒnchen. Ich wĂŒnsche Ihnen gute Unterhaltung, insbesondere bei den Zaubertricks!” fĂŒgte Alojz lĂ€chelnd hinzu.
Sie standen beide auf, reichten sich freundschaftlich die HĂ€nde und als sie den BĂŒrowagen schon verlassen hatten, meinte Alojz noch lakonisch; „Ihr Assistent, Gebhardt, der die RĂŒckfĂŒhrung Maites so diskret ĂŒberwachte, scheint doch eine blĂŒhende Fantasie zu haben, war er es, der einen Zaubertrick vermutete?”
Jetzt lachte Braun laut und spontan. Und noch immer lachend antwortete er; „Gebhardt! Fantasie! Nein! das ist das einzige, was er nicht hat. Sein Genie liegt in der Begabung von Beobachtungen und geradezu pedantisch punktuell sind die darauffolgenden verbalen oder notierten Wiedergaben. Durch seine Schilderungen bin ich darauf gekommen, dass Ihre Jungs da ein TheaterstĂŒck auffĂŒhrten. Die Kinder, der schnelle Abgang Maites ins Haus, die Musik des Zirkusautos, die gleich nach der Wegfahrt wieder verstummte. WĂ€ren es außenstehende Kinder gewesen, hĂ€tten Ihre Söhne doch die Musik nicht abgeschaltet, nicht wahr? Und Sie, verehrtester, fungierten als Regisseur dieses Kurzdramas im Hintergrund!”
Alojz war perplex. Er meinte lĂ€chelnd; „Sie beide sind ja richtig gefĂ€hrlich Inspektor!”
„Wem sagen Sie das, dank Gebhardt konnten wir schon FĂ€lle aufklĂ€ren, an denen sich andere Kollegen bereits die ZĂ€hne ausgebissen hatten. Fantasie! Haa, ich versichere Ihnen, dass der gute Gebhardt heute Nacht auf alle Ihrer Tricks hereinfallen wird. Ich wahrscheinlich auch. Also, bis dann, Herr Sloboda!”
„Auf Wiedersehen Inspektor, hat mich wirklich sehr gefreut.” er ging zurĂŒck in sein ZirkuswagenbĂŒro und rief Olga an. ErzĂ€hlte ihr von der Begegnung und dem GesprĂ€ch mit Inspektor Braun. Olga war darĂŒber sehr glĂŒcklich. „Sind denn Milena und Jacob noch nicht da?” fragte Alojz. „Nein, doch, jetzt fĂ€hrt das Auto vor. Maite rennt schon die Treppe runter.” „Gut, lass sie zuerst richtig ankommen, Jacob soll mich in etwa 20 Minuten anrufen.” „Also gut Alojz, bis spĂ€ter.” Sie legte auf und ging auch nach unten.
Als sie ins Freie trat, blieb sie abrupt stehen, das Bild, welches sich ihr bot, verschlug ihr zunÀchst die Sprache.
Da stand das weiße Fahrzeug Milenas. Alle vier TĂŒren offen, auch der Kofferraumdeckel. Außerhalb des Fahrzeuges, auf der Seite des Lenkers stand Milena, mit beiden HĂ€nden ihren Kopf haltend und unglĂ€ubig auf die andere Fahrzeugseite blickend, wo Maite und Jacob eng umschlungen und mit seufzenden Lauten, sich gegenseitig die Gesichter abkĂŒssten, wĂ€hrend ihre HĂ€nde begehrlich den Körper des andern explorierten. Sie machten unablĂ€ssig weiter, als wĂ€ren sie alleine auf einer Insel.
Schließlich winkte Olga Milena heran und gab ihr mit einer Geste zu verstehen, die beiden allein zu Lassen. Milena ließ alles wie es war und setzte sich in Bewegung, ging zur HaustĂŒre, umarmte Olga zur BegrĂŒĂŸung, dann gingen sie beide nach oben.
„Olga, wie mĂŒssen wir das einordnen? Sowas verrĂŒcktes habe ich ja noch nicht erlebt, was machen wir mit ihnen?” fragte Milena.
„Nichts, wir kommen dagegen nicht an. Sie befinden sich in einer Art edelgaskonfigurierter Verbindung, um mit einer chemischen Formel zu sprechen. Das bedeutet sozusagen, dass diese Verbindung keine Steigerungsmöglichkeit mehr birgt. Zu gut Deutsch: Die beiden sind bis ins Knochenmark ineinander verliebt. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Wir mĂŒssen sehr behutsam mit ihnen umgehen Milena. Wir können ihnen nicht das geringste vorwerfen. Unser Schockerlebnis ist unser Problem..”
„Aber Olga, Maite ist gerade 12, Jacob wird 18, das geht doch nicht!”
„Du siehst doch mit eigenen Augen, dass es geht. Die Natur hĂ€lt sich nicht an unsere gesellschaftlichen Normen, und gerade innerhalb dieser Normen sehen wir doch tĂ€glich, dass vieles nicht geht!”
Milena schaute Olga ĂŒberrascht, aber auch bewundernd an. Dann hörten sie Gepolter und GelĂ€chter die Treppe heraufkommen. Jacob betrat zuerst das Wohnzimmer. „Hallo Tante Olga, wie geht es Dir? Entschuldige bitte, die BegrĂŒĂŸung mit Maite hat etwas lĂ€nger gedauert. Sie wollte mich nicht mehr loslassen und ich sie auch nicht!”
Olga stand auf und ging lĂ€chelnd auf die beiden zu, wĂ€hrend Milena staunend in das ĂŒberglĂŒckliche Gesicht ihres Bruders blickte.






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Pierre Montagnard
en vino veritas!

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