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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Meine Bäume: Noaras Satz
Eingestellt am 08. 06. 2016 20:30


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Ballfreund
Hobbydichter
Registriert: Sep 2015

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Mein Vater sagt, dass der Beschluss der Staatengemeinschaft aus dem Jahre 2053, der besagt, dass im Jahre 2100 jeder Mensch auf der Erde im Besitz von 10 Bäumen der Kategorie C4 sein muss, die Welt nachhaltiger verändert hat als die Industrialisierung, denn nicht nur, dass dadurch genug Sauerstoff für alle Menschen gewährleistet wird, wie es eine Forschergruppe an der Universität Jena 2047 ausgerechnet hat, und sich das Ozonloch allmählich wieder schließt, sondern die Werte für die Menschen haben sich verändert, indem sich eine neue Fürsorge für die Natur entwickelt hat, die sich zunächst auf die eigenen Bäume erstreckte und sich mit der ausgiebigen Befassung des natürlichen Baumumfelds auch auf die Tiere und Pflanzen ausweitete, die diesen Lebensraum teilen und fördern, und auch der Schutz des gesamten Baumbestands in den Vordergrund rückte, was dazu führte, dass zum einen insbesondere in die präventive Schädlings- und Brandbekämpfung viel Geld investiert wird und zum anderen Brandrodungen weltweit geächtet wurden und Kriege, bei denen zwangsweise Bäume zu Schaden kommen könnten, einfach nicht mehr stattfinden, weil die Staatengemeinschaft jeden Baumeigentümer für jeden geschädigten Baum mit 10.000$ entschädigen muss, obwohl ein C4-Baum derzeit nur etwa 2.000$ wert ist, und das Geld dem jeweils schuldigen Staat entzogen wird, wodurch die Welt friedlicher wurde und die Wirtschaft, nicht zuletzt wegen vieler neuer Wirtschaftszweige rund um die Baume, wie beispielsweise die Baumverwaltung, die Baumvermittlung, die Baumpflegesparte, der Baumversicherungssektor und die ganzen Schönheits- und Pflegeprodukte rund um den Baum, aufblühte, die Weltbevölkerung zunächst hochschnellte, sich inzwischen aber merklich reduziert, weil man ja auch für sein neugeborenes Kind sofort mindestens 5 zusätzliche Bäume erwerben muss und sich viele Familien daher entscheiden, so wie wir nur ein statt zwei oder noch mehr Kinder zu haben, denn wenn man die Bäume für seine Kinder oder die eigenen Bäume zum 20., 35. Und 50. Geburtstag nicht nachweisen kann – meine 10 Bäume stehen übrigens verteilt in Bolivien, Frankreich und Indien und da ich in einem Solarpark im Sudan als Wartungstechnikers, so die geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung seit 5 Jahren, arbeite, kenne ich meine Bäume nur über die Maklerprospekte, die Satellitenbilder und die Baumpflegerberichte, genau wie mein Mann, der hier als Kochs in der Kantine arbeitet und Bäume auf Sri Lanka, in Russland und Australien besitzt und sich wünscht, dass wir zumindest mal die Bäume unserer Tochter, die in Ghana stehen, besuchen können -, muss man jeweils 5 Jahre Sozialarbeit in einem der 10 ärmsten Länder der Welt leisten, was zwar von Amnesty International als moderne Sklaverei angeprangert wird, aber so sehr im Interesse der Staatengemeinschaft liegt, nämlich der reicheren Staaten, die so die eigene ungeliebte Unterschicht quasi wegschicken, und der ärmeren Staaten, die von den billigen Arbeitskräften profitieren und sich dadurch wirtschaftlich immer mehr den reicheren Staaten annähern, dass die Weltbevölkerung dieses Konstrukt im Großen und Ganzen akzeptiert, zumal die dabei stattfindende Durchmischung der Kulturen sehr dem friedlichen Miteinander dient, behauptet zumindest Kenava, die junge Frau, die in dem Holzhaus uns gegenüber wohnt, und die vor wenigen Jahren einige Sozialhilfeprojekte begleitet hat, wo sie nicht nur Baumlose getroffen hat, sondern auch Verbrecher, die Holzprodukte absichtlich verbrannt haben, obwohl sie immer behauptet, dass das eigentlich recht nette Leute waren, die nur mal in alter Tradition ein Lagerfeuer machen wollten, aber in Texas sind die Gesetze inzwischen so hart, dass das Verbrennen von Holzprodukten fast so schwer wiegt wie Mord und Vergewaltigung, während man in den meisten Teilen der Welt nur dem Umfang der entstandenen Kohlendioxidmenge entsprechende Bußgelder bezahlen muss, alternativ aber auch einen mindestens C2-Baum spenden kann, der dann in Staatseigentum übergeht und, so wie ich gehört habe, meist dann doch zur Holzverwertung weiter verkauft wird, was zwar in dem Sinne nicht verboten ist – Hauptsache, es werden keine Baumbestandteile verbrannt –, aber doch ethisch etwas fragwürdig erscheint, weil C2-Bäume in der Regel nicht alt genug sind für eine ökologisch sinnvolle Weiterverwertung und Privatpersonen eine Veräußerung von Bäumen z.B. nur dann erlaubt ist, wenn die Bäume ein E-Wachstumsstadium erreicht haben oder aber krank sind und eine Gefährdung anderer Bäume darstellen würden, so wie es einem meiner Bäume in Frankreich mal passiert ist und ich eine Nachricht der Baumverwaltung bekommen habe, dass ich doch den Baum bitte innerhalb der nächsten 6 Monate entfernen lassen sollte, was mir erst einmal einen tüchtigen Schrecken eingejagt hat, denn wie leicht kommt man in Verruf, dass man seine Bäume nicht ordentlich versorgen ließe, aber ich hatte Glück und musste keinen Shitstorm über mich ergehen lassen und die Formalitäten für die Versicherung hielten sich auch in einem überschaubaren Arbeitsaufwand, so dass ich quasi gleichzeitig mit dem Fällen des kranken Baums schon einen neuen Baum, eine wunderbare Buche, etwa 100km entfernt erwerben konnte, deren vormaliger Besitzer sich über fast 20 Jahre im eigenen Garten 2 stattliche Birken herangezogen hatte und das Geld seines Baumverkaufs nun in einen privaten Stromspeicher investieren wollte, um sich durch die Speichervermietung an einen Windkraftanlagenbetreiber in seiner Nachbarschaft sein monatliches Einkommen aufzustocken, was sich nach jetziger Prognose zwar erst in etwa 15 Jahren rentieren wird, aber da seine persönlich berechnete Lebenserwartung bei zirka 95 Jahren liegt, also 2 Jahre über dem weltweiten Durchschnitt, lohnt sich für ihn diese Investition allemal und ich würde das eigentlich auch gerne für unsere Altersversorgung machen, aber auf unserem Grundstück ist leider kein Platz für so eine Anlage, zumal wir viel Wert darauf legen, nicht alles Obst und Gemüse aus dem Supermarkt am Ortsrand zu holen, sondern selber etwas anzubauen, bei dem wir wissen, mit welchen Düngemitteln die Pflanzen behandelt werden und irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, dass ich vom eigentlichen Thema abgekommen bin.

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