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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Mordgelüste
Eingestellt am 12. 11. 2016 13:41


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Ilona B
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Mordgelüste

Jeder kennt es. Früher oder später begegnet man einem Menschen, den man auf den ersten Blick, wie es so schön heißt, nicht riechen kann. Mir passierte es ausgerechnet an meinem neuen Arbeitsplatz. Ich freute mich auf den Job, als Industriekauffrau, obwohl die Aussicht in einem Großraumbüro zu sitzen, leichtes Magendrücken verursachte. Na, wenn jeder Rücksicht nimmt und alle Kollegen nett sind, dachte ich, geht das schon. Freundliche Kollegen gab es viele und fast alle nahmen Rücksicht. Die Chefin unterlag dieser Beschränkung nicht. Sie hatte mich vom ersten Tag an auf dem Kieker. Ich konnte ihr nichts recht machen. Meine Projektvorschläge, für die von mir betreuten Kunden, waren angeblich unausgereift. Meine Englischkenntnisse seien nicht modern genug oder klangen zu gestelzt. Ich lachte zu laut oder wieso lachte ich überhaupt. Die Schuhe waren zu hoch und mein Kleid zu kurz. Ich weiß, es hört sich nach Verfolgungswahn an, aber den anderen war es auch schon aufgefallen.
„Mensch Kira, lass Dich von unserem General nicht so fertig machen. Sie liebt es Leute einzuschüchtern und Du zuckst ja schon zusammen, wenn sie Dich nur ansieht“, raunte Eric mir zu. Er schaute mich mitleidig, über den Rand seiner Brille an. Verlegen griff ich zur Zuckerdose.
„Frau Treu, wo bleiben Sie denn! – Ihr Telefon klingelt schon geraume Zeit.“ Verschreckt sprang ich auf und eilte zu meinem Schreibtisch. Eigentlich war offiziell Pause und ich hatte mich das erste Mal in zwei Monaten, zum Kaffeeautomaten vorgewagt, aber wenn kümmert‘s. Den Feldwebel bestimmt nicht. Ich erwischte den Anrufer nicht mehr, verzichtete jedoch auf meine restliche Pause. Gewürdigt wurde dies nicht.

Abends, bei meiner Schwester, stöhnte ich frustriert. „Ich weiß nicht, was die Frau will. Die Kunden sind zufrieden mit meiner Arbeit und zwei haben mich sogar schon gelobt. Mit mir würde es viel besser laufen, als mit meinem Vorgänger. - Und mein Englisch ist ebenfalls besser.“ Ich schniefte. „Und … und meine Kleider sind auch nicht kürzer, als die von den anderen.“ Alexandra verdrehte die Augen. „Nicht schon wieder. Ich kann Dir nur raten, lass Dir nicht immer alles gefallen.“ Sie schnappte sich ihre Jacke und mit einem „Pass gut auf die Jungs auf!“ war sie durch die Tür. So blieben meine Neffen übrig. Die beiden interessierten meine Probleme herzlich wenig und nach kurzer Zeit hielten sie mir ein Märchenbuch unter die Nase und verlangten ihr Essen. Aber sogar dieser Tag ging zu Ende.

„Mensch Kinder, ist das klasse.“ Ich hüpfte von einem Bein aufs andere. Die Begeisterung hatte mich voll im Griff. „Schaut mal, wie sie brennt!“ Abrupt blieb ich stehen. Hänsel und Gretel starrten mich an. Nicht lange und sie würden losschreien. Verständlich, denn was hatte ich hier zu suchen. Hier mitten im tiefen Wald, im Knusperhäuschen der bösen Hexe. Zeit aufzuwachen. Der Wecker schellte. Ich blinzelte verschlafen und fühlte mich zufrieden, wie seit langer Zeit nicht. Was wohl an meinem Traum lag und daran das die Hexe im Ofen, verdächtig nach meiner Chefin, Frau Steinseher-Mainzer, ausgesehen hatte. Ich gebe ja zu, gestern war ich schon leicht genervt, als meine Neffen das Märchen immer und immer wieder hören wollten oder besser gesagt die coolsten Stellen aus der Story. Kein Wunder, dass ich davon geträumt hatte.
Gut gelaunt betrat ich das Büro. „Morgen Connie! – Morgen Talin! – Guten Morgen Frau Steinseher-Mainzer!“ Lächelnd ließ ich mich auf meinem Platz nieder. Der irritierte Ausdruck auf dem Gesicht der Chefin war die reinste Wohltat. Diese Frau brauchte jemanden, den sie schikanieren konnte, erst dann ging es ihr richtig gut. ‚Mit mir nicht mehr.‘ Summend fuhr ich den Computer hoch und holte mir einen Kaffee.
„Frau Treu, was halten Sie davon erst einmal zu arbeiten, bevor Sie Kaffee trinken!“
„Ja, Entschuldigung, da haben Sie sicher recht, Frau Steinseher-Mainzer“, ich dachte an die brennende Hexe. „Soll ich den Kaffee, den ich Ihnen mitgebracht habe, zurück bringen?“ Einen Moment herrschte Stille, dann hob sie die Hand, nahm mir die Tasse ab und winkte mich, mit einem „Danke“, an meinen Schreibtisch weiter. Erleichtert sank ich auf meinen Stuhl. Der restliche Tag verlief ohne Zwischenfälle.

Nach Feierabend machte ich einen Umweg über eine Videothek, um eine DVD für die kommende Nacht auszuleihen. Warum sollte es mit einem Film nicht genauso gut funktionieren, wie mit einem Buch. Nach drei Stunden Marathonmann mit Dustin Hoffmann, wobei ich einige Szenen in Zeitlupe wiederholte, schlief ich ein. Im Traum schlüpfte ich in die Rolle des sadistischen Zahnarztes. Opfer, meine Chefin.
So verrückt es sich anhörte. Die Grausamkeiten im Traum sorgten für meine nötige Gelassenheit im Umgang mit ihr.
Mit der Zeit behandelte mich Frau Steinseher-Mainzer wie jeden anderen Mitarbeiter.

__________________
Herzliche Grüsse Ilona

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.(Mahatma Gandhi)

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aligaga
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Fehler in der Kundenkorrespondenz? Falsche Kommatas? Schlechtes Englisch? Undistinguiertes Verhalten? Zu ordinäre Kleidung? Herumlungern an fremden Arbeitsplätzen während der "Pausen" (spielt die "Story" in China oder Japan?)? Kaffeetrinken als erste "Tätigkeit" nach dem Betreten des Großraumbüros?

Hm - der Kritiker runzelt die Stirn und fragt sich, was das lührische Ich hier wohl so weit brächte, die Beanstandung dieser Mängellatte als "Schikane" aufzufassen.

Statt dass der BerufsanfängerIn die Abmahnungen peinlich wären und sie sich mühte, den evidenten Mängeln abzuhelfen, sinnt sie auf "Rache". Statt sich eine Englisch- und Doitsch-Sprachkurs-DVD zu holen, leiht sie sich ein Horrorviedeo, um damit dem Hass zu begegnen, den sie nicht an ihrem eigenen Uvermögen, sondern an jener Person festmachen möchte, die sie immer wieder auf dieses Unvermögen hinweist.

Congrats, @Ilona! Besser kann man sich als Autorin nicht ins eigene Knie schießen. Der Kritiker gluckst - aber nicht, weil der Text witzig wäre oder gar eine überraschende Pointe hätte, sonder weil sich das Lyrich hier selber vorführt.

Deshalb sei es auch hier abgemahnt. Das ist keine "Kurzgeschichte", sondern ein viel zu kurz gegriffener Versuch, "Spannungen am Arbeitsplatz" literarisch abzubauen.

Heiter

aligaga

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Ilona B
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Hallo Aligaga,
Deine Kritik ist berechtigt. Ich hätte in der Geschichte die Tatsache unterbringen müssen, dass die Neue nicht mehr Fehler macht, als ihre Kollegen. Das sie genauso gut Englisch spricht und sich nicht ordinärer kleidet, als die anderen Mitarbeiter. Es kommt nicht richtig rüber, dass die Chefin sie wirklich auf dem Kieker hat.
Ich überlege mir eine Änderung.

__________________
Herzliche Grüsse Ilona

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aligaga
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Jemanden "auf dem Kieker" haben heißt ja nur, dass der oder die unter strenger Beobachtung steht. Unter den gegebenen Umständen wäre das ganz normal - wer sich nicht zu benehmen weiß und schlechte Leistungen zeigt, muss mit Repressalien oder wenigstens Abmahnungen rechnen.

Etwas anderes sind ungerechtfertigte Abmahnungen. Literarisch interessant wären aber dann nicht die primitiven Hassfantasien einer Gemaßregelten, sondern die Hintergründe, die zur Bloßstellung des Hascherls geführt haben könnten.

Da du uns ja eh schon ein Märchen angeboten hast - bleib doch gleich dabei und denk mal darüber nach, was die Stiefmutter Aschenputtels denn dazu gebracht haben könnte, das Kind so schlecht zu behandeln. Oder nimm "Frau Holle".

Heiter

aligaga


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FrankK
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Hallo, Ilona B
Eine durchaus lesenswerte Geschichte über eine Frau, die an ihrem neuen Arbeitsplatz erst einmal unter „Generalverdacht“ steht und nicht nur sich selbst sondern auch der Chefin / Abteilungsleiterin beweisen muss, dass sie „es drauf hat“.

Soweit kommt die Geschichte klar und deutlich herüber.

Was (mir persönlich) fehlt ist das kleine Highlight, der besondere Kick, der die Chefin / die Abteilungsleiterin beeindruckt und überzeugt.

Die Idee mit dem Morgenkaffee ist da gar nicht mal so schlecht.
Die Antwort – die Reaktion – sollte vielleicht etwas anders ausfallen. Den Kaffee wegschütten würde direkt bedeuten, dass sie sich wieder unterordnet. Indirekt bedeutet es einen Fauxpas gegenüber den Kollegen. Üblicherweise gibt es in solchen Büros eine Sammelkasse, in die (fast) jeder einzahlt und aus welcher der Kaffee finanziert wird.

Mir gefiele es besser, wenn sie nach ihrer Antwort, anstatt den Kaffee wegzuschütten, den Hals reckt und fragt, ob sie noch einen Kaffee mitbringen soll …


Erbschen:

quote:
Der Chef jedoch, in meinem Fall die Chefin, unterlag dieser Beschränkung nicht.

Macht es unnötig kompliziert – hier reicht ein direkter Einstieg mit der Chefin.

quote:
Ich konnte ihr nichts rechtmachen, ob es nun um dienstliche Belange ging oder um private.

Hier gibt es faktisch eine Redundanz. Die nachfolgende Aufzählung beinhaltet die dienstlichen und privaten Belange.

quote:
„Sag mal, meine liebe Kira, was hast Du unserem General eigentlich getan?“, wollte Eric wissen und schaute mich mitleidig, über den Rand seiner Brille, an.

„meine liebe“ würde ich weglassen, da es zu persönlich wird, sie ist ja faktisch noch ein Frischling, Arbeitskollegen sind da noch nicht so vertraulich.
Aus „Eric“ (ebenfalls recht vertraulich) könnte man „ein Kollege“ machen, was neutraler wirkt. Auch gehörte hier schon ein Hinweis auf die Arbeitspause hin.

quote:
„Frau Treu, wo bleiben Sie denn? – Ihr Telefon klingelt schon geraume Zeit.“

Diesen Satz würde ich mit einem Ausrufezeichen enden lassen – sie ruft es schließlich durchs ganze Büro. Auch empfände ich einen Zeilenwechsel dahinter durchaus als angemessen.

quote:
Ich erwischte den Anrufer nicht mehr, verzichtete jedoch auf meine Pause, denn der Rückruf konnte ja jederzeit erfolgen.

Da habe ich jetzt ein technisches Problem – kann sie denn nicht selbst zurückrufen? Wird denn kein entgangener Anruf angezeigt?
Sie könnte den Rest ihrer Pause damit verbringen, den Kunden noch zu erreichen …


Den Traum fand ich einigermaßen verwirrend – sie träumt sich selbst als den Jungen? Im Nachhinein herrlich schräg.

Der Schlusssatz macht mich hadernd. Die Chefin sollte das „auf dem Kieker haben“ schneller beenden. Beispielsweise könnte sich die Szene mit dem Kaffee wiederholen bzw. ähnlich ablaufen.
Eine Variante wäre:
... Begrüßungsritual wie zuvor ... und dann:
„Ich hol mir einen Kaffee. Sie auch noch einen, Frau Steinseher-Mainzer?“
Sie antwortete nicht und hielt nur ihren leeren Kaffebecher hoch.


In dieser Form ist das kleine „noch“ besonders wichtig, um zu zeigen, dass die Chefin einen weiteren Kaffee bekommt.


Aufmunternde Grüße
Frank

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Leben und leben lassen.

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aligaga
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Lass dich nicht einlullen von Pseudo-Zusprücherln, die an den gravierenden Mängeln des Textes vorbeischielen. Sie helfen dir literarisch gewiss nicht weiter, o @Ilona. Es ist pures Katzengold.

In dem Text steht niemand unter "Generalverdacht", sondern droht aus gutem Grund seine Probezeit nicht zu bestehen. Dein Fürsprecher übersieht das geflissentlich. Im normalen Arbeitsleben würde man eine "MitarbeiterIn", die auf die Abmahnung, erst einmal etwas zu leisten, bevor sie Kaffeepause machte, noch während der Probezeit wieder freistellen, wenn sie derart demonstrativ den Kaffee in die Spüle schüttete. Offenbar hat dein Fürsprecher keine Ahnung von einem normalen Arbeitsklima und den Regeln, die dort gelten.

Daher nochmal: Wenn der Hass, den das Mädchen gegen seine Vorgesetzte empfindet, nicht an den Haaren herbeigezogen - mithin pathologisch - sein soll, müsstest du den Text pausibilisieren und der "Chefin" irgendeinen Schwarzen Peter zuspielen.

In deiner Version hat den bis jetzt ganz klar das Mädel.

Heiter

aligaga

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