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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Rekonstruktion
Eingestellt am 09. 07. 2008 12:35


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Haarkranz
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Registriert: Oct 2006

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Rekonstruktion

Lansam schwoll mir der Kamm. Fred Zirkse fragte mich zum zehnten Mal, warum die Beobachteten uns nicht wahr nÀhmen. Meine ErklÀrung, es lÀge an der von uns eingesetzten Quadrupeltechnik, leuchte ihm nicht ein, rÀsonniert er.
Ich weiß nicht, warum Charlie mir den Zirkse zugeteilt hat. Charlie und ich kamen gut mit einander aus. Ich hatte kurz nach ihm, bei Quadrupel Industries angefangen, gern mit ihm gearbeitet, wobei er, besser ausgebildet, immer Chef war. Hat den aber nie raushĂ€ngen lassen.
Jetzt hab ich den unmöglichen Zirkse am Bein, warum ausgerechnet ich? War der Zirkse vielleicht der Verwandte von nem VIP, bekam ein Sondertreatment? Warum, wenn das so war, informierte mich Charlie nicht?
Wir nĂ€hern uns Köln, Achtung Fred, sprech ich in das Infocom. Köln sĂŒdsĂŒdwest voraus! Schalte die Scanner ein. Ich senke auf Niveau + 5 ab. Absolute Aufmerksamkeit, sonst war’s das. Beginne mit den Aufnahmen.
Ich zieh mit Höchstgeschwindigkeit ĂŒber die Ruinen, die einmal Köln sein wĂŒrden. Das schrille Jaulen unserer Antriebe, liegt ĂŒber der Hörschwelle des menschlichen Ohrs. Wir können ohne die Beobachteten zu stören, unsere Kreise ĂŒber ihrer kĂŒnftigen Stadt ziehen.
Ich halte mit Ă€ußerster Konzentation Kurs auf das vorgegebene Planquadrat. Darf keinen mm verreißen. Plötzlich Fred Zirkses Stimme. „ Boss, sofern du das bist, warum regen die sich nicht, wo wir denen so dicht ĂŒber die Köpfe brettern? Hören die uns nicht?!“
Ich schalte Zirkse einfach ab, ĂŒbernehme seine Funktion. Unser Ziel an diesem Tag ist Willi Mitrawitsch. Ich hab den alten Herrn im Visier. Er sitzt in seiner KĂŒche und isst. Seine Tochter Alli, eine hĂŒbsche SechzehnjĂ€hrige, hockte mit auf die FĂ€uste gestĂŒtztem Kinn vor ihm und schmollt. Ich zoome mich ganz dicht ein und höre:
„Papa, dat einzige wat du kannst, is nein sagen! Wat is denn dabei wenn ich mit dem Frieder int Kino geh?“
„Wat dabei is, Alli? Dat will ich dir gern erklĂ€ren! Ihr geht nicht wegen der Film int Kino, ihr wollt im Dunkle knutsche!“
„Ja und? Pap, du warst doch auch mal jung, hast du die Mamm nich geknutscht und noch viel mehr? Meinste ich wĂŒsst nicht, wo der Bartel der Most holt? Der Frieder is mein Freund seit Ostern, in 14 Tag haben wir Weihnachten, en lange Zeit! Und ich schwöret dir Pap, nix, gar nix, is ausser nem BĂŒtzche passiert! Solltest du aber immer weiter, wie heißt dat noch, ich komm nich drauf, ah jetzt hab ich et, Obstruktion mache, könnt sich dat Ă€ndere! Lass et dir gesagt sein, Pap! Guten Abend!
Alli verschwand. Ich messe Willis Blutdruck und Temperatur. Am Limit! Verdammt, dem darf nichts passieren, Willi war fĂŒr die Rekonstruktion von original köllschem LebensgefĂŒhl unentbehrlich. Zur Not musste Frieder und Alli dran glauben, die waren zu ersetzen.
Plötzlich Fred Zirkse im Infocom: „Boss, ich bin Arzt, der alte Knabe braucht ne neue Pumpe, soll ich? Ist im nullkommanix erledigt.“
„Im nullkommanix, Fred?“
„Verlass dich drauf, nur sag was, sonst ist es zu spĂ€t!“
„OK, mach!“
„Halt genau auf den Punkt, Boss, ich fang an.“
Fred fegt Geschirr und Besteck vom KĂŒchentisch, legt Willi drauf und klappt ihn auf. Ich guckte weg, nix fĂŒr mich. Keine Minute spĂ€ter, sitzt Willi am Tisch und Fred hinter mir.
„Mess ihn aus,“ lacht Fred leise. Ich drĂŒck auf den Knopf, tatsĂ€chlich, Werte wie ein ZwanzigjĂ€hriger. Um Willi brauchten wir uns keine Sorgen mehr zu machen.

Willi reckte sich dass es knackt, fĂŒhl mich wie schon lang nicht mehr, geht es ihm durch der Kopp. Zum BĂ€ume ausreißen, nĂ€ en Wald könnt ich rode. Da will dat Alli nich lĂ€nger bĂŒtze, von Ostern bis Weihnachten sei genug! Wat geht nur in der Kopp von son GemĂŒs vor, wat meinen die wie Leben geht? Noch feucht hinter de Ohren, und sich ant große GeschĂ€ft machen! Ob die en Ahnung haben, wat danach kommt? Kein Blage, da passen die auf. NĂ€, mit danach mein ich, die Gipfel, dat weiter, höher, schöner! Is ja nich damit getan, dat man sich in der Arm hĂ€lt, sich nĂ€her und nĂ€her kommt, en paar Minute stöhnt, et sich anfĂŒhlt, als ob et nix Schöneres gĂ€b.
Dat meinen die, wÀr dat Wichtigste, die einmaligen Minuten!
Doch wat sind die einmaligen Minuten, verglichen mit ner Nacht von acht Stunden, oder den 525600 Minuten von nem Jahr, die sicher kommen.
Wat machen die, wenn solche Minutengebirge am drÀnge fange? Wat wird aus einmalige Minuten, wenn die Zeit und Erinnerung werden?
Ich weiß et! Die fangen am glĂ€nzen, die werden wirklich einmalig, so himmlisch schön, wie se nie waren.
Eines Tages heißt et dann: Frieder wat is eigentlich mit uns los?
Wie meinste dat, Alli, der Frieder: Wat soll mit uns los sein?
FĂŒhlste dat nich Frieder, dat Alli. Dann sag ich et dir: Nix is mit uns los! Gar nix! Und frag nich wieder, wie ich dat mein, Frieder! Wenne ehrlich biss, dann weisste, wat ich mit nix mein!
So geht dat, und heutzutag ist dat oft der Anfang vom End.
Bei uns und den Eltern war dat noch anders. Da waren rapp schnapp die Kinder da. Da war nix mit auseinanderlaufen, weil die Herrschaften sich geirrt hatten! Dat ging einfach nicht, da war kein Geld fĂŒr da. Und Herr Pastor katholisch oder kafinsch, war auch nicht zu verachten, abgesehen davon, dat man im Viertel rumlief wie ne bunte Hund. Geschieden! Mariadeus! Geschieden!
Zirkse hinter mir quitschte vor Freude. „Haste das drauf?“ fragte mich der Blödmann. „Klar doch, dafĂŒr sind wir unterwegs!“ Weiter sagte ich nichts, er hatte den Willi gerettet, als Arzt ist er gut, als Copilot a pain in the ass. Ich laß den Schub kommen und Köln verschwindet binnen Sekunden.

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