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Leselupe.de > Science Fiction
Risiken der Telepathie
Eingestellt am 26. 01. 2003 22:40


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Alpha O'Droma
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Risiken der Telepathie

Sie war eine Legende. Die Jungs vom Dezernat f√ľr Wirtschaftskriminalit√§t pfiffen anerkennend durch die Z√§hne, als sie die 248. Ebene betrat. “Man, Betty, wenn das die neue Dienstkleidung ist, werden die Gauner Schlange stehen, um eingelocht zu werden!”, rief ein junger, noch unerfahrener Detective und versetzte ihr einen Klaps auf das pralle Hinterteil, das durch die hauchd√ľnne Sythoseide ihres knallroten Kleides schwerlich verborgen wurde. Sie grinste frech und fragte in die Runde: “Ist der neu hier?”
Die Kollegen nickten nur mitleidig, denn sie ahnten, was jetzt passieren w√ľrde. Betty l√§chelte den vorwitzigen Neuling zuckers√ľ√ü an und streckte ihre rechte Hand aus: “Gestatten, Elisabeth Buttkick, F.B.I.”
Der Detective ergriff erfreut ihre Hand: “Angenehm, Derek Milwiiiiaaaauuuuh....!”
Weiter kam er nicht, denn Betty Buttkick hielt seine Hand mit der Rechten fest wie ein Schraubstock und drehte ihm mit der Linken gen√ľsslich den Daumen aus dem Gelenk. Der Medibot, der Detective Milwoods Biodaten online √ľberwachte, kam angeschwebt, gab ihm eine schmerzstillende Infusion und renkte den Daumen mit einem h√§sslichen Knacken wieder ein. Betty hatte seine Hand w√§hrend dieses Prozesses, der keine 30 Sekunden dauerte, nicht einen Moment losgelassen, die ganze Zeit freundlich gel√§chelt und sprach jetzt mit leiser, jedoch rauher Stimme: “Nett, dich kennenzulernen, Derek Milwiiaauuh, leider muss ich jetzt zur Arbeit, Darling. Es war sch√∂n so lange es dauerte. Ruf mich mal an!”
Dann hauchte sie ihm noch einen Kuss auf die Wange und lie√ü seine Hand los, damit der Medibot den l√§dierten Daumen mit einem Duroplastgips fixieren konnte. Sie griente die Jungs an, zuckte indifferent mit den Schultern und stolzierte mit einem aufreizendem Arschgewackele, von dem alle wussten, dass es ironisch gemeint war, zum Chief der Abteilung, um ihn mit ihren langen roten Fingern√§geln unter seinem wabbligen Doppelkinn zu kraulen: “Na S√ľ√üer, begeleitest du mich zum Verh√∂rraum?” Der fette Chief platzte vor Lachen und dr√ľckte Betty fest an sich, so dass sie in seinen riesigen Armen fast verschwand. Die ganze Abteilung schlug sich auf die Schenkel und wieherte, nur Detective Milwiiaauuh, wie man ihn fortan nennen w√ľrde, hatte in seinem Leben schon Lustigeres erlebt. Alle liebten Elizabeth, denn sie war witzig und ein echter Kumpel. Sie konnte jeden unter den Tisch saufen, hatte dieses Talent auch schon mehrfach unter Beweis gestellt, und man munkelte, sie w√ľrde im Stehen pinkeln. Doch nur, wenn sie nicht in der N√§he war. Man respektierte sie, denn Special Agent Buttkick sah nicht nur blendend aus, sondern war auch die Nummer 1 der Verh√∂rexperten des F.B.I.. Sie war ein Topagent, hatte viele spektakul√§re F√§lle gel√∂st, verdiente 800.000 Credits im Jahr, aber sie lie√ü das niemals raush√§ngen. Agent B blieb der einfache Cop von der Stra√üe, und genau das machte sie so sympathisch.
“Mann Betty!”, seufzte Chief Antonio Maria Cholesterogrande, “Lange nicht gesehen. Wie war dein Urlaub? Erz√§hl!” Betty gab ihrem alten Kumpel einen dicken Schmatzer und legte den Arm um seine H√ľfte, was nur teilweise gelang. Seine zentnerschwere Pranke lag auf ihrer Schulter, als sie zum Verh√∂rkomplex schlenderten, doch Betty war durchtrainiert genug, um unter dieser Last nicht zusammenzubrechen: “Athmo-diving auf dem Mars, kann ich dir nur empfehlen, Tony. Allerdings habe ich geh√∂rt, dass die Gleitschirme maximal 200 Kilo tragen, aber ich bin sicher, sie machen dir ‘ne Sonderanfertigung.”
“Nein Danke, Sweetheart. Das ist mir zu stressig. Mein altes M√§del und ich haben diesen Sommer auf Relax IV gebucht, du wei√üt schon, dieser synthetische Urlaubsmond aus der Inter-V-Werbung. Aber lass uns √ľber Paul Projector reden. Hast du unsere Ermittlungsakte gelesen?”
“Gute Arbeit, Tony! Zu 99,2% war er der T√§ter. Alles, was noch fehlt ist...”
“...der Beweis.”, vollendete Chief Cholesterogrande den Satz, “Wenn jemand einen Telepathen austricksen kann, dann bist du es, Baby.”

Zu Beginn des 23. Jahrhunderts stellten die Telepathen etwa ein F√ľnftel der Weltbev√∂lkerung unter den Homo sapiens. Bei den Immigranten lag die Quote sogar doppelt so hoch. Paul Projector, der Verd√§chtige, den Betty verh√∂ren sollte, war eines dieser Wiesel, die sich mit Industriespionage eine goldene Nase verdienten. Zumindest wiesen alle Indizien darauf hin. Doch er leugnete hartn√§ckig, ein Telepath zu sein, und es schien unm√∂glich, das Gegenteil zu beweisen. Aber Special Agent Betty Buttkick w√§re nicht Special Agent Betty Buttkick, wenn sie nicht einen Plan auf Lager h√§tte, wie man den vermeintlichen Gedankenleser aufs Kreuz legen k√∂nnte, um ihm statt Gedanken ordentlich die Leviten zu lesen. Trotzdem: die Chancen standen gegen Betty, denn wenn er unschuldig war, hatten sie sich verspekuliert. War er hingegen schuldig, konnte auch die gewiefteste Verh√∂rtaktik ihn nicht √ľberraschen, denn dann war er ein verdammter, krimineller, betr√ľgerischer Telepath und sah jeden ihrer Schritte voraus. Um hier keine Vorurteile entstehen zu lassen: Die meisten Telepathen sind √ľberdurchschnittlich n√ľtzliche Mitglieder der Gesellschaft, doch es gibt schwarze Schafe. Diese zu neutralisieren, ist die Aufgabe des Dezernates f√ľr Wirtschaftskriminalit√§t. Den Gro√üteil aller telepathischen Gauner stellen Kleinkriminelle dar, die Kasse machen, indem sie Passworte und Geheimnummern f√ľr Creditcards verkaufen, doch zuweilen stie√ü die Abteilung auf einen dicken Fisch wie Mr. Projector und dann holte man einen Spezialisten. Vorzugsweise Special Agent B.

“Ist das Team vom PSI-Chor schon da? Ich brauche ihr Equipment, bevor ich ihn verh√∂re.”
“Sie warten schon auf dich.” Der Chief √∂ffnete eine T√ľr. Betty betrat den Raum und begr√ľ√üte Dr. Farout, den Leiter der parapsychologischen Spezialeinheit des F.B.I.: “Hallo Narvahal, alter Junge, hast du deine Zauberkiste dabei?”
“Hallo, Betty! Du hast uns angefordert und hier sind wir.”, antwortete Narvahal Farout, sich mit gefalteten H√§nden verbeugend, “Aber du wei√üt doch genauso gut wie ich, dass es illegal ist, seine Gedanken anzuzapfen. Damit kommen wir vor Gericht niemals durch. Man wird die Anklage wegen groben Verfahrensfehlern niederschlagen und ihn mangels Beweisen frei lassen.”
“Deine Bedenken sind grundlos, Meister!”, antwortete Betty in einem Ton, der irgendwo in der Grauzone zwischen schnippisch und respektvoll lag, “Du sollst nicht seine Gedanken aufzeichnen, sondern meine.”
“Was soll das bringen, Honey?”, fragte der Chief, der eine ungef√§hre Vorstellung davon hatte, wieviel ein einziger Einsatz des Psi-Chors den Steuerzahler kostete.
Betty sah ihn herausfordernd an: “Ich habe sein Psychogramm letzte Nacht auswendig gelernt. Paul Projector ist ein hochintelligenter, berechnender, telepathischer aber vor allem selbstverliebter Bastard. Er sieht gut aus, ist nicht geizig, l√§sst die Puppen tanzen. Ein echter Sugardaddy. Er sieht sich selbst als Frauentyp, und genau da liegt seine einzige Schwachstelle. Warum, meinst du, habe ich mich aufgetakelt wie ein notgeiler Cheerleader? Ich werde ihn an seinen dicken Eiern aus diesem Verh√∂rraum schleifen. Er wird singen wie ein Operettenvogel von Triller VIII, wenn ich mit ihm fertig bin. 100 Credits?”
Chief Cholesterogrande lachte sein tiefes Jabba-the-Hutt-Lachen, wohl wissend, dass er nicht verlieren konnte, denn einerseits waren 100 Credits nicht zu verachten, andererseits w√ľrde die √úberf√ľhrung eines internationalen Industriespions wahrscheinlich seine l√§ngst f√§llige Bef√∂rderung zur Folge haben. Er schlug ein: “Wir haben ihn vor 10 Stunden verhaftet. Dir bleiben also maximal 38. Die Wette gilt.”
Betty Buttkick g√§hnte gelangweilt: “Und du l√§dst mich zum Dinner ein, wenn ich sein Gest√§ndnis bis 18 Uhr habe.”
“Deal!”, meinte der Chief, “Kn√∂pf ihn dir vor!”
Narvahal befestigte die Elektroden an ihren Schl√§fen. Ihr langes blondes Haar verdeckte die Transmitter. „O.K., Test 1 2 3“ dachte sie, und sah ihre Gedanken prompt in Druckschrift auf dem Kontrolldisplay erscheinen. Der benachbarte Bildschirm zeigte den Verd√§chtigen, wie er gelangweilt auf einem harten Stuhl im Verh√∂rraum sa√ü. “Computer!”, rief Betty, “Blende Datum und Uhrzeit ein und zeichne alles simultan auf!”
Auf beiden Monitoren erschien eine Anzeige: 14.2.2308, F.B.I., L.A.Branch, 12.58.27, 28, 29, die Zeit lief synchron. “Medibot, Brustverr√∂√üerung, 80%!” Betty ging die Akten noch einmal durch, w√§hrend der Medibot ihre ohnehin pr√§chtigen Br√ľste mit 2 Synthycolkissen in absolute M√∂rdertitten verwandelte. Sie betrachtete sich noch mal im Spiegel, legte etwas mehr Rouge auf und war fast zufrieden. Fast: “Ich brauche noch etwas von dem Pheromonspray, dann bin ich bereit.”
Eine Assistentin spr√ľhte sie mit dem sexuellen Lockstoff ein, woraufhin alle m√§nnlichen Mitarbeiter des Teams den Raum verlie√üen, um eine Erektion zu vermeiden, denn Betty roch jetzt noch viel sch√§rfer, als sie aussah. Eine letzte Konzentrations√ľbung und ihre Vorbereitungen waren abgeschlossen: “Ich gehe jetzt rein.”

Ein Beamter begleitete sie zur T√ľr des Verh√∂rraums: “Psychogenes Kraftfeld aus! Zugriffscode: L A Epsilon 87231. Eintrittsgenehmigung Eta 29.”
Ein rotes Licht scannte seine Iris, verwandelte sich in ein gr√ľnes Licht und bedeutete bedeutete ihm somit, dass es geneigt war, seine Autorisation anzuerkennen. Es schaltete das Kraftfeld aus und veranlasste das zischende √Ėffnen der Bleit√ľr. Ab sofort waren ihre Gedanken ungesch√ľtzt.

Special Agent Buttkick betrat den Raum und stellte sich vor: “Guten Tag, Sir, mein Name ist Melinda Brunswick, meine Aufgabe ist es, ihre Aussage zu Protokoll zu nehmen. Darf ich mich setzen?”
Gleichzeitig dachte sie: „Du wei√üt, dass das nicht mein wirklicher Name ist, aber das tut nichts zur Sache, Du Wichser. Ich werde dich kriegen!“
Paul Projector stand h√∂flich auf und begr√ľ√üte seine Inquisitorin: “Nehmen sie Platz! Es handelt sich hier um ein f√ľrchterliches Missverst√§ndnis und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um es aufzul√∂sen.”
„Einen Schei√ü wirst du tun, du verlogener Bastard!“

Das schallsichere durchsichtige Spiegelglas verhinderte, dass das Gelächter ihrer Kollegen aus dem benachbarten Monitorraum zu hören war.
Der Verd√§chtige verzog keine Miene und Betty begann mit dem Verh√∂r: “Mr. Projector, ist es wahr, dass ihre Firma allein im letzten Jahr 34 bedeutende Patente angemeldet hat?”
“Wenn sie es sagen... Die genaue Anzahl der Patente ist mir leider nicht gegenw√§rtig, doch diese Zahl k√∂nnte ungef√§hr hinkommen.”
“Was sagen sie dazu, wenn in 28 von 34 F√§llen angesehene Wissenschaftler auftauchen, und behaupten, sie, Mr. Projector, h√§tten ihre Ideen gestohlen. Ist das nicht ein auff√§lliger Zufall?”
“Was hei√üt denn hier “ihre Ideen”? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass bei der L√∂sung eines wissenschaftlichen Problems oft mehrere Forscher unabh√§ngig voneinander zu dem selben Ergebnis kommen. Man kann mir doch nicht vorwerfen, dass ich mit meinen Patenten schneller bin als Andere.”
Betty verdrehte die Augen: “Aber allein die Anzahl der Anklagen deutet doch darauf hin, dass diese Beschuldigungen nicht v√∂llig aus der Luft gegriffen sein k√∂nnen. Wie oft kann es denn vorkommen, dass zwei Menschen gleichzeitig dieselbe Erfindung machen?”
“Kennen sie die Geschichte vom hundertsten Affen?”
„Ja“, dachte sie, „die letzten 99 Affen habe ich auch hinter Gitter gebracht“, doch ihre Antwort lautete: “Nein. Erz√§hlen sie sie mir!”
“Ende des 20. Jahrhunderts f√ľhrten Verhaltensforscher in der S√ľdsee Experimente an Primaten durch. Sie wollten deren Lernf√§higkeit testen. Dazu suchten sie sich Inseln aus, auf denen Paviane lebten. Sie konzentrierten sich zuerst auf eine einzige Insel. Sp√§ter wollten sie alle Versuche an den √ľbrigen Pavianen auf den anderen Inseln wiederholen, um aussagef√§hige Referenzgruppen vorweisen zu k√∂nnen. Sie f√ľhrten unz√§hlige Tests durch, die sich allesamt als wissenschaftlich unbedeutend herausstellen sollten, doch der Zufall kam ihnen zu Hilfe. Affen sind bestechlich, und die Forscher hatten sich diese Tatsache zu Nutze gemacht, indem sie die Forschungsobjekte zwecks besserer Studierbarkeit mit S√ľ√ükartoffeln bestachen. Am Strand, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, kippten sie jeden Morgen einen Sack S√ľ√ükartoffeln aus, und nach nicht mal einer Woche hingen alle Paviane der Insel am Strand herum und lie√üen sich bereitwillig studieren, denn auf den besagten Inseln wuchsen keine S√ľ√ükartoffeln. Sie stellten eine Delikatesse dar, die jeden Pavian bewegte, freudig der Verhaltensforschung zu dienen und sein Leben in den Dienst der Wissenschaft zu stellen. Die S√ľ√ükartoffeln waren nat√ľrlich sandig, doch das st√∂rt Paviane nicht. Sie streifen den gr√∂bsten Sand ab und verputzen die Kartoffel. Ein bischen Dreck mitzuessen ist normal. Doch nach etwa zwei Wochen kam ein Pavianweibchen auf die geniale Idee, ihre sandige S√ľ√ükartoffel in der Brandung zu waschen. Es knirschte jetzt nicht mehr zwischend den Z√§hnen und das Salz des Meerwassers verbesserte auch noch den Geschmack. √úber die Kommunikationsf√§higkeiten von primitiven Primaten ist in den letzten 400 Jahren viel gestritten worden. Tatsache ist, dass schon am n√§chsten Morgen ein Dutzend Paviane seine S√ľ√ükartoffeln im Meer wusch und am zweiten Tag 42, knapp die H√§lfte der Population der Insel. Unsere Verhaltensforscher flippten angesichts dieser Beobachtung fast aus und beschlossen, sich aufzuteilen. Auf 4 weitere Inseln, die Paviane aber keine S√ľ√ükartoffeln aufzuweisen hatten, dehnten sie ihren Feldversuch aus und kippten S√§cke mit dem begehrten Knollengew√§chs am Strand aus. Die Referenzpaviane vertilgten die Kartoffeln und scherten sich nicht um den Sand. Am vierten Tag geschah das Unglaubliche: Die gesamte Bev√∂lkerung der ersten Insel hatte gelernt, ihre S√ľ√ükartoffeln mit Meerwasser zu waschen und zu w√ľrzen. Als der (laut Aufzeichnung) hundertste Pavian das Geheimnis entdeckte, begannen die Affen auf den anderen Inseln, ihre Kartoffeln ebenfalls zu waschen. Der erste Affe hatte gut zwei Wochen gebraucht, um die Erfindung zu machen. Seine Gruppe √§ffte ihn nur nach. Doch als der hundertste Affe dahinter gekommen war, begannen auf einmal Affen auf der ganzen Welt, sich diese Entdeckung binnen k√ľrzester Zeit zu Nutze zu machen, ohne dass sie jemals davon geh√∂rt h√§tten. Unsere Wissenschaftler formulierten der Logik folgend die einzig m√∂gliche Erkl√§rung, die auch f√ľr uns Menschen gilt: Primaten, wahrscheinlich aber auch andere Spezies, verf√ľgen √ľber ein kollektives Unterbewusstsein, ein Rassen- oder Gruppenwissen, das neue Ideen oder Entwicklungen anderen Individuen unabh√§ngig von r√§umlicher Entfernung √ľber das Gruppenbewusstsein zug√§nglich macht. Auf Deutsch: Hat irgendjemand eine neue Idee, wird innerhalb k√ľrzester Zeit auch jemand anders darauf kommen, selbst wenn seit einer Million Jahren niemand daran gedacht hat.”
“Interessante Geschichte. Sie behaupten also, all diese Wissenschaftler, die sie verklagt haben, seien nur die Primaten von den anderen Inseln, quasi Affen der 2. Generation?”
Der Verd√§chtige schmunzelte: “Treffender h√§tte ich es nicht formulieren k√∂nnen.”
“Lassen sie uns doch mal konkret werden! Sie leben in Oxford, nahe der Universit√§t. 21 der Kl√§ger haben dort ihren Lehrstuhl oder arbeiten in den Forschungslabors. Komischer Zufall! Oder was ist mit Professor Quarkspin aus dem Hahn-Meissner Institut in Deutschland? 12 Jahre brauchte er, um eine neue supraleitf√§hige Metalllegierung zu erfinden. Doch als er sie zum Patent anmelden will, stellt er fest, dass ein gewisser Paul Projector ihm zuvor gekommen war, ein Mann der nicht einmal Physik studiert hat...”
“Ich bin Autodidakt.”, behauptete der Verd√§chtige.
„Du bist ein abgebr√ľhter Hurensohn“, dachte Betty.
Er reagierte nicht, starrte nur auf ihr Dekollet√©, das sich verf√ľhrerisch hob und senkte. Er hatte den Eindruck, beim n√§chsten Atemzug w√ľrde es explodieren und sein Inhalt ihm ins Gesicht springen. Mann, diese Braut war rattenscharf! Nur schade, dass sie ihm diese erniedrigenden Fragen stellte.
Sie fuhr fort: “Wir haben herausgefunden, dass sie zu dem Zeitpunkt, als Professor Quarkspin seine abschlie√üenden Experimente durchf√ľhrte, in Deutschland warten. Noch so ein unglaublicher Zufall...”
“Ich war auf Urlaub dort und erholte mich in einem Golfhotel. Das k√∂nnen sie gerne nachpr√ľfen.”
“Haben wir schon. Dieses Golfhotel liegt nur 4 Kilometer vom Hahn-Meissner Institut entfernt. Wie erkl√§ren sie das?”
“Ganz einfach: jemand hat es dort hin gebaut.”

Betty bombardierte ihn noch weitere 4 Stunden mit Fragen. In einigen F√§llen konnte sie belegen, dass er zuf√§llig in der N√§he war, als bedeutende Wissenschaftler ihre Erfindungen machten, jene Erfindungen, die er zum Patent angemeldet hatte. Er musste ein Telepath sein. Alles Andere ergab keinen Sinn. Doch er war aalglatt und lie√ü sich durch keine ihrer Finten aus der Ruhe bringen. Sie konnte ihn nun mal nicht verhaften, blo√ü weil die Tatsache, dass er telepathische Industriespionage betrieb, die einzig m√∂gliche Erkl√§rung darstellte. Kein Richter w√ľrde daraufhin ein Verfahren er√∂ffnen. Er √§rgerte sie. Allein die Arroganz, zu diesem Hearing ohne einen Anwalt zu erscheinen, brachte sie auf die Palme. Als sie ihm dies vorhielt zeigte er sich √ľberrascht und s√§uselte mit Unschuldsmiene, er h√§tte nichts verbrochen, vertraue in die Gerechtigkeit des Systems und ben√∂tige daher logischerweise keinen Rechtsbeistand. Sie bekam ihn nicht zu fassen. Das machte sie w√ľtend. Er sa√ü da, braungebrannt und durchtrainiert, seine manik√ľrten Finger devot gefaltet, und konnte kein W√§sserchen tr√ľben. Doch insgeheim bewunderte sie seine Kaltschn√§uzigkeit. Das war wenigstens ein richtiger Mann.
Egal. Sie gab auf und beendete das Verh√∂r: “Mr. Projector...”
“Nennen sie mich Paul!”
“O.K., Paul..”, sie kicherte unsicher. Sie hatte verloren, aber wenigstens gegen einen extrem au√üergew√∂hnlichen Gegenspieler, “√Ąh, ich danke ihnen, dass sie so kooperativ waren, und sich dieser Befragung gestellt haben. Wir werden das Verfahren wohl einstellen.”

„Verdammt, ich bin schon ganz feucht“, dachte Special Agent Betty Buttkick, „Dieser Typ macht mich noch ganz irre. Wenn er nur endlich merken w√ľrde, dass sein Hosenstall offen ist“

Paul Projector blickte unwillk√ľrlich nach unten. Reflexartig zuckte seine rechte Hand zum Reissverschluss. Doch das Familienerbst√ľck war ordungsgem√§√ü verpackt. Sofort sah er wieder auf und blickte in ein schadenfroh grinsendes Gesicht.

„Hab ich dich, du Wichser!“

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Michael Schmidt
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Gehört wohl eher in das Forum SF.
Ich finde, an der Pointe könntest du noch ein wenig feilen, aber das ist ja Geschmackssache.

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Alpha O'Droma
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Bei einem Krimi ist m.E. sekundär, in welcher Zeit er spielt, obwohl Du Recht hast, SF wäre auch passend. Was gefällt dir an der Pointe nicht? Es gibt nicht viele Möglichkeiten, einen Telepathen auszutricksen ...

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Michael Schmidt
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Die Pointe:
Der Witz mit dem offenen Hosenstall ist ja ziemlich alt, wenn man ihn mag, in der Geschichte auch ziemlich orginell.

Da hast du so viel Vorgeschichte eingebaut, das Mädel gezeichnet, etc., das empfinde ich als etwas lang.
Aber dann kommt das Verhör.
F√ľr meinen Geschmack nimmt sie ihn nicht wirklich in die Mangel, die Fragen waren aus seiner Sicht zu erwarten, wenig √ľberraschend, wenn man vor allem ihren Ruf bedenkt.
Dann kommt √ľberraschend die Hosenstall-Sache und sie hat ihn. Mir fehlt wahrscheinlich ihre Verzweiflung, dass sie ihn bei all den Versuchen nicht ertappt. Ihre vermeitlichen Geistesblitze, die er souver√§n kontert.

Zum Genre:
Die ersten Atlan-Romane waren Krimis, ne Menge PR und Rhen Dark ebenso.
Das wesen des Spannungsromanes ist auf der Struktur des Krimis aufgebaut, ob es Horror, SF oder Fantasy ist.
Also, Recht hast du mit deiner Argumentation.

Nur ist der Krimileser in der Regel traditionell ( wenn er nicht auch andere Sachen liest) und sehr realitätsverbunden.
Ich w√ľ√üte nicht, unter dem Label Krimi mal einen Roman gelesen zu haben, der in der Zukunft spielt. Weder Bladerunner noch 12 Monkeys werden als Krimi bezeichnet.

Und meiner Meinung nach ist die Erwartung des Lesers auschlaggebend.

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Alpha O'Droma
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Das Verhör diente nur dazu, ihn einzulullen, das war ihr Plan all the way. Ihre (gespielte) Verzweiflung, dass sie ihn nicht zu fassen bekommt, habe ich auch beschrieben.

"Wer stielt schon Unterschenkel" von Gerhard Prokop zum Beispiel kann ich sehr empfehlen, ausnahmslos Krimis - die in der Zukunft spielen.
Was einen Krimi ausmacht, ist die Handlung und nicht das Setting. Wie gesagt, beide Genres w√§ren passend, genauso wie Blade Runner SF aber auch ein Thriller ist. Zu sagen, etwas MUSS das eine oder das andere sein, halte ich f√ľr √ľbertriebenes Schubladendenken. Ist Space Balls SF oder eine Kom√∂die? Beides!
Trotzdem, interessante Diskussion.

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