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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rosen
Eingestellt am 20. 08. 2002 21:40


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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

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ROSEN

Jeden Morgen, wenn sie erwacht, ist es da. Dieses GefĂŒhl der Leere. Neben ihr, zusammengerollt wie ein Embrio, liegt Paul. Seine Augen, halb geöffnet, verleihen ihm ein Gesicht, das Amber an einen Toten erinnert. Sie schaut ihn nicht an. Sie möchte noch etwas im Bett sitzen und seinem Atem lauschen. Sie denkt an das FrĂŒhstĂŒck, an Toast, Marmelade und Kakao. Kaffee hat sie noch nie gemocht. Paul liebt Kaffee. Amber mag vieles nicht, was Paul mag.
Jetzt sieht sie ihn an. Seine Lippen sind aufgedunsen, an seinem Kinn fließt ein Tropfen Speichel. Amber öffnet die Nachttischschublade und greift nach den PapiertaschentĂŒchern. Vorsichtig wischt sie den Tropfen weg. Paul rĂŒhrt sich nicht. Das Taschentuch legt sie in seine linke Hand. Sie sieht, wie sich die Finger öffnen und es fast zĂ€rtlich umschließen. Das GerĂ€usch des Taschentuchs. Wie getrocknete BlĂŒtenblĂ€tter. Amber steht auf und geht zum Fenster. Die Sonne scheint. Ein Gewitter hat die SchwĂŒle des Vortages vertrieben. Durch den kleinen Spalt fĂŒhlt Amber die Morgenluft. Sie atmet tief durch. Doch etwas Schweres aus ihrem Inneren strĂ€ubt sich. Hat sich festgesetzt wie eine Zecke. Sie atmet, pustet die Luft hörbar aus. Doch die Schwere bleibt. Auch, als Amber die Schultern lockert, tritt keine Linderung ein. Nicht zu lange diesem GefĂŒhl nachhĂ€ngen. Sie möchte sich auf den kommenden Tag vorbereiten. Ihn Willkommen heißen. Ein Geschenk.
Paul bewegt seinen Kopf, seine Schultern. Rollt sich stöhnend auf die andere Seite. Soll sie ihn wecken? Mit ihm den Morgen begrĂŒĂŸen? Nein, er soll schlafen. Verloren in diesen endlosen Gedanken, die zu TrĂ€umen werden. Was Paul wohl trĂ€umt?

Amber erinnert sich an Pauls Worte. An den Tag ihres Treffens. Vor zwei Jahren. Ich habe die Rosen vergessen, sagte er. Es tut mir leid. Er trat von einem Bein auf das andere. Wirklich beschĂ€mt. Rosen. Schon seit Ewigkeiten hatte sie keine Rosen mehr berĂŒhrt. Diese zarten BlĂŒten. Eine Huldigung an die Schönheit.

Amber verlĂ€ĂŸt das Fenster. Das flĂŒssige Licht der Sonne lĂ€dt sie ein. Aus ihrem Kleiderschrank wĂ€hlt sie das schlichte, dunkelblaue Seidenkleid. Ein ErbstĂŒck ihrer Tante. Zart ist es und von einem tiefen Blau. Erinnerung an NĂ€chte des Staunens. Wenn der Himmel so tief hĂ€ngt, als könne man die Sterne wie Äpfel pflĂŒcken.
Das sanfte Rascheln des Kleides durchdringt die Stille. Paul atmet schneller, sein Mund ist geöffnet. Sie lĂ€chelt ihm zu. VerlĂ€ĂŸt das Schlafzimmer und taumelt, noch immer den Schlaf in den Beinen, zum Bad.
Ihr schwarzes Haar wird mit einer NaturbĂŒrste glatt gestrichen. Sie bindet es mit einem weißen Haarband zusammen. Fast könnte man annehmen, sie sei erwachsen geworden. Das blaue Seidenkleid, das straff zurĂŒck gekĂ€mmte Haar. Doch ihre Augen schimmern im kĂŒnstlichen Licht wie Schokolade. Und ihr Mund, der Mund eines Kindes: wie eine Knospe, rosa und klein.

Auf der Straße ist alles friedlich. Zwei Kinder, begleitet von einem schwarzen Hund, lĂ€cheln sie an. Der Hund schnuppert im VorĂŒbergehen an ihrem Bein. Blickt kurz zu ihr hoch. Seine Augen zwei glĂŒhende KohlenstĂŒcke, von der Sonne geblendet. Ambers Schritte sind beherzt und zielstrebig. In der rechten Hand hĂ€lt sie eine weiße Tasche. Die Hand ist locker, die Tasche schwingt im Takt ihrer Schritte. In ihrem Kopf hört Amber eine Melodie. Sie hat sie noch nie zuvor gehört. Erstaunt ĂŒber ihre Schönheit, beginnt sie zu Summen. Niemand kreuzt ihre Wege. Sie ist allein. Der Morgen gehört ihr.

Das BlumengeschĂ€ft liegt, umgeben von hohen Kastanien, in einer Seitenstraße. Sie riecht den sĂŒĂŸen Duft schon vor der EingangstĂŒr. Wie ein Biene, angelockt vom BlĂŒtenstaub, betritt sie den Laden. Sie sieht sie sofort. Ihr Blick nimmt die Farbe begierig auf. Weiße Rosen. In einem grĂŒnen BehĂ€lter stehend, warten sie auf Amber. Ihre Köpfe stolz erhoben, prĂ€sentieren sie ihre Leidenschaft.
Die Floristin sieht Amber an. Eilig wischt sie sich die HĂ€nde an der grĂŒnen SchĂŒrze ab. Sie lĂ€chelt.
Amber bemerkt ihre Freundlichkeit. Sie geht nĂ€her, bĂŒckt sich leicht und berĂŒhrt mit einem Finger die weißen BlĂŒtenblĂ€tter. Wie schön, sagt sie. Die Floritsin nickt. Amber kauft alle Rosen. Sie zĂ€hlt nicht, wie viele es sind.

Paul schlĂ€ft noch immer. Amber geht in die KĂŒche, befreit die Rosen von unnĂŒtzen BlĂ€ttern. Stellt sie in die grĂ¶ĂŸte Vase, die sie finden kann. Schließlich vergĂ€bt sie ihre Nase in ihrem Duft. Seligkeit. Sie nimmt die Vase und geht ins Schlafzimmer. Paul liegt auf dem RĂŒcken. Die Augen noch fest geschlossen. Amber stellt die Vase neben ihn auf seinen Nachttisch. Die BlĂŒten rascheln wie ihr Seidenkleid. Der Duft verbreitet sich schnell. Endlich öffnet Paul die Augen. Er sieht die Rosen. Nimmt ihren sĂŒĂŸen Geruch wahr. Leise und langsam sagt Amber: Die Rosen sind fĂŒr dich.
Fragende Blicke von Paul.
Paul lÀchelt.
Komm her, sagt er.
Amber kommt.

__________________
"Die HĂ€lfte ist manchmal mehr als das Ganze."

Hesiod

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unbekannt2581
???
Registriert: Jan 2002

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hhhmmm.

du hast eingeladen zu kommentieren... alsodenn.

du verstehst es banales spannden zu machen und doch die antibanalitÀt des gewöhnlichen sichtbar zu machen.

so weit zu gut, aber du "durchdenkst", "konstruierst" die story zuviel , vermeinte ich zu lesen.

zitat :
"ihr Licht fĂ€llt wie flĂŒssiges Silber auf die PfĂŒtze der Nacht"

ist ein gutes, starkes bild, einem gedicht keats'scher ( schreibt man das so ? )stimmung wĂŒrdig, aber an dieser stelle völlig deplaziert.und solche "stimmungsbilder" streust du immer wieder ein.meinem lyrischen empfinden schmeichelt das, aber der story tut es nicht gut.

"Leise und langsam sagt Amber: es tut mir leid, Paul.
Fragende Blicke von Paul.
Sie spricht weiter, sieht ihm dabei in die Augen.
Ich erwarte so viel von dir. Es ist egoistisch. Die Rosen sind fĂŒr dich. Weil du bei mir bist. Und mich liebst."

und das ist ĂŒberflĂŒssig....... ;-) lass es den leser denken..


so dann hab ich mal....

liebe grĂŒsse an amber ( duck)

mike





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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

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Hallo Mikel,

ich bin ganz deiner Meinung. Man sollte sehr sparsam mit solchen Vergleichen umgehen. Ich streiche die meisten raus, aber manchmal ist meine poetische Ader zu stark.
Ich nehme den Satz raus. Und verÀndere das Ende.

Dank fĂŒr deinen Kommentar!


Liebe GrĂŒĂŸe

Conny
__________________
"Die HĂ€lfte ist manchmal mehr als das Ganze."

Hesiod

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Arno1808
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ROSEN

Liebe Conny,

ich schließe mich grundsĂ€tzlich Mikel an.

Du nimmst dir das Foto einer Momentaufnahme als Vorlage und zeichnest danach mit zarten Farben ein gefĂŒhlvolles Bild.

Eines dieser Bilder jedoch hat mich etwas stocken lassen:

'Seine Hand, immer noch verwoben mit dem Papiertaschentuch. Wie ein zarter Vogel liegt es in einer warmen Höhle.'

Ich sehe die Hand, deren Finger mit dem Papiertaschentuch 'verwoben' sind. Der zarte Vogel in der warmen Höhle scheint nicht ganz dazu zu passen.

Aber dies nur am Rande. Die Geschichte ist sehr schön erzÀhlt.

Gruß

Arno

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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

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Hallo Arno,


Danke fĂŒr deinen Kommentar. Du hast recht. Diese SĂ€tze klingen sperrig in dieser Geschichte, ich habe sie gelöscht. Ich bin auch der Meinung, dass Klarheit sehr wichtig ist.
Jetzt klingt es flĂŒssiger, finde ich.

Liebe GrĂŒĂŸe

Conny

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Hesiod

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niclas van schuir
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Conny,
auch ich muss mich Mikel weitgehend anschließen. Wie und was du schreibst, liest sich gut, baut sogar Spannung auf. Aber die poetischen Abzweigungen passen nicht immer, obwohl ich darunter sehr schöne Formulierungen finde. Diese Bilder solltest du in Gedichten verarbeiten oder aber poetisch-traumhafte Geschichten schreiben.
Dennoch: ich lese dich gerne!
LG, Nic

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