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Leselupe.de > Horror und Psycho
SIE
Eingestellt am 12. 02. 2013 14:34


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Steewee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2013

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SIE

Der Morgendunst weckt SIE mit Eisesk├Ąlte und f├╝hrt SIE in dreckig orangenem Stra├čenlicht durch sterbende Finsternis. Langsam bahnt SIE sich ihren Weg ├╝ber einen riesigen Hof, vorbei an qualmenden Halbw├╝chsigen, p├Âbelnden Angebern, grellbunten Modehuren und rotzenden B├Ąlgern. Niemand bemerkt den stechenden Blick ihrer stecknadelgro├čen Pupillen, wie SIE sich mit lederner, gespaltener Zunge ihre rasierklingenscharfen Zahnreihen bleckt. SIE bewegt sich direkt auf das beleibte M├Ądchen zu, da├č sich fest an das Tor presst und sich hinter ihren beschlagenen Brillengl├Ąsern zu verstecken scheint. Einen Neue. Vom Land in die Gro├čstadt gezogen. Ihr erster Tag. Wenige Zentimeter vor ihr bleibt SIE stehen und hei├čt sie willkommen, indem SIE ihr eine Faust in die Brust treibt und das kleine, wild tanzende Herz fest dr├╝ckt. SIE leckt ihr ├╝ber das Gesicht und das erstarrte M├Ądchen vergie├čt ├╝ber die sich ausbreitende W├Ąrme in ihrem Schritt eine Tr├Ąne. Zufrieden l├Ą├čt SIE ab, ├╝berwindet mit einem gewaltigem Satz die Schulmauer und landet wenige Meter neben einer Alten, die angestrengt ├╝ber den, sich in der D├Ąmmerung verlierenden Asphalt blickt. Von ihr noch unbemerkt, plustert SIE sich zu einem gewaltigem Koloss auf und st├╝rzt ohrenbet├Ąubend br├╝llend und Funken spuckend auf die alte Dame zu, als diese in ihre Richtung blickt. Erschrocken weicht sie zur├╝ck, st├╝rzt und verteilt den Inhalt ihres Korbes auf dem Gehweg. Im Vorbeirauschen kickt SIE den Gehstock auf die Stra├če und erhebt sich in den schwarzen Himmel, wo SIE wie ein Tornado durch einen Schwarm Wildg├Ąnse fegt.
Die graue Wolkendecke hinter sich gebracht, klammert SIE sich an die Tragfl├Ąche einer Passagiermaschine. Langsam kriecht SIE ├╝ber das vereiste Metall zu einem Fenster und dr├╝ckt ihre kaltblaue Fratze direkt an die Scheibe. Ein verschwitzter, rotgesichtiger Mittvierziger scheint direkt zu ihr zu starren und SIE beginnt kleine Risse in das Glas zu dr├╝cken. Schwer atmend ruft er nach einem Flugbegleiter. Zeit zu verschwinden. SIE l├Ąsst sich einfach von der Tragfl├Ąche fallen, rast auf die Erde zu und landet in einem Vorgarten voll spie├čiger Einsamkeit. In der K├╝che brennt Licht. SIE dr├╝ckt sich durch ein angekipptes Fenster in eines der dunklen Zimmer. Ein Kinderbett. Sehr gut. SIE verbirgt ihre Erscheinung in der Dunkelheit und l├Ą├čt nur den Blick aus einem weit aufgerissenem Augenpaar ├╝ber die Bettkante wandern. Die Schreie des S├Ąuglings salben ihre runzligen Ohren. Bevor die Eltern das Kind erreichen, ist SIE l├Ąngst im Nachbarhaus. Dort hockt ein Junge im Schein einer Schreibtischlampe ├╝ber einem Blatt Papier und klebt ausgeschnittenes Katalogspielzeug zwischen gemalte Weihnachtsb├Ąume und Sterne. Mit aufgebl├Ąhtem Bauch in einem rotem Mantel und das Gesicht hinter einer verfilzten Maske versteckt, tritt SIE lautstark die T├╝r zu seinem Zimmer auf und fegt mit einem stachligen Dornengeflecht die Arbeit des Jungen vom Tisch. Zitternd springt der Kleine in sein Bett und zieht sich die Decke ├╝ber den Kopf. Doch schon ist auch SIE beim Bett. Darunter. Fast unh├Ârbar leise zischt SIE seinen Namen. Drohend. Lockend. Der Junge gibt bis auf ein Wimmern keinen Ton von sich. Gelangweilt l├Ąsst SIE ab und kriecht in den L├╝ftungsschacht. Vor dem Verlassen des Anwesens spuckt SIE noch eine haarige Spinne durch das L├╝ftungsgitter der K├╝che und erg├Âtzt sich an den Schreien der Fr├╝hst├╝cksgesellschaft.
In der Unterf├╝hrung zum Bahnhof treibt SIE als kahlk├Âpfiges Scheusal in nagelbew├Ąhrten Stiefeln einen S├╝dl├Ąnder zur├╝ck ins Heim, einem Obdachlosen bl├Ąst SIE eisigen Wind in die Lumpen, l├Ąsst in einem Aufzug lichterflackernd den Stahl ├Ąchzen und spielt als Schatten in einer Tiefgarage Katz' und Maus mit einer Gesch├Ąftsfrau.
Und jetzt. Jetzt sitzt SIE hier. Mir gegen├╝ber. Mustert mich aus dunklen, vertrockneten Augenh├Âhlen. Das fettige Haar h├Ąngt nur noch in wenigen B├╝scheln von der rissigen Kopfhaut und Geschw├╝re sondern schwarzes Blut auf ihr verrottetes Gesicht. Als SIE ihre faulige Mundh├Âhle ├Âffnet, tropfen W├╝rmer und Asseln auf den Tisch und ich meine etwas, wie eine Stimme zu vernehmen.
ÔÇ×... allein ... jeden ... immer ... wieder ...ÔÇť
In diesem Moment fliegt die T├╝r vom Wohnzimmer auf und meine Jungs rennen, lautstark ein gewonnenes Fussballspiel bejubelnd, um den Tisch. SIE verstummt augenblicklich und zieht den Kopf zwischen die Schultern. Die Kinder nehmen nicht die geringste Notiz von ihr und SIE scheint langsam einzugehen, zu verk├╝mmern. Und als SIE nur noch die Gr├Â├če einer welken Distel hat, springt SIE mit letzter Kraft in meinen Nacken und ... verschwindet. Vorl├Ąufig.

Version vom 12. 02. 2013 14:34
Version vom 20. 02. 2013 12:01

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