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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sadris Hochzeit
Eingestellt am 26. 04. 2016 11:06


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Resjek
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Sadris Hochzeit

Sadri ist der Sohn einer indischen Migrantenfamile, die in den 80ern in die Schweiz kam.
Als er gegen die Dreissig ging, dr├Ąngten ihn die Eltern, sich nach einer Braut umzusehen,
aber es sollte eine aus der alten Heimat sein, eine andere w├╝rden sie nicht akzeptieren. Leichter gesagt als getan. Sadri fand inzwischen Gefallen an der westlichen Lebensweise
und die Verbindung zum traditionellen Indien mit seiner Kastenkultur war ihm ziemlich fremd geworden. Nach einigem Hin und Her beschloss er aber, ein Heiratsinstitut in Benares zu kontaktieren, das ihm via Internet eine Galerie von heiratswilligen Damen mit
Photo und sozialem Hintergrund pr├Ąsentierte.
Die meisten liessen sich im landes├╝blichen Sari abbilden, wenige im westlichen, modischen Stil, unter welchen eine davon wie eine Bollywoodsch├Ânheit herausragte.
Sadri war sofort hingerissen von ihr und bat das Institut, ein erstes Treffen zu arrangieren.
Zwei Wochen sp├Ąter flog er nach Benares und wartete am Tag nach der Ankunft in der
Hotellobby auf das M├Ądchen, das dann auch in Begleitung einer Mitarbeiterin des Heiratsinstituts zur Verabredung erschien.
Sadri fand seine Eindr├╝cke, die er auf dem Photo gewonnen hatte, mehr als best├Ątigt.
Das M├Ądchen war nicht nur sch├Ân, sondern sprach auch fliessend Englisch. Es stellte sich heraus, dass sie die Tochter eines Englischlehrers war. Da die Zuneigung offensichtlich gegenseitig war, wurde man rasch handelseinig und beschloss, zu heiraten. Die Details
w├╝rde man in den folgenden Wochen kl├Ąren.
Sadri flog in die Schweiz zur├╝ck und begann mit der Organisation der Hochzeit mit tat-
und finanzkr├Ąftiger Unterst├╝tzung seiner zufriedenen und ├╝bergl├╝cklichen Eltern. Zur vereinbarten Zeit flog die ganze Familie nach Benares. Man logierte im besten Hotel der
Stadt, weil man ja auch die Schwiegereltern beeindrucken wollte. Auf eine landes├╝bliche Mitgift der Ehefrau hatte man auch verzichtet, was war schon von der Tochter eines Lehrers in Indien zu erwarten?
Das Hochzeitsfest, welches mehrere Tage dauerte, wurde im gleichen Hotel gefeiert. Traditionelle Musik von einem Liveorchester, eine Trauung nach Hindu-Ritus, alles, was dazugeh├Ârt, war da. Der Schmuck, den die Braut trug, war von Sadris Eltern zwar ausgeliehen worden, aber das musste ja niemand wissen.
Der letzte Tag der Feier brach an. Man liess es nochmals t├╝chtig krachen und das Paar
zog sich zur Hochzeitsnacht zur├╝ck. Die Braut verliess das Zimmer jedoch kurz darauf,
um den Schwiegereltern den Schmuck zur├╝ckzubringen, wie sie Sadri sagte. Die warten allerdings heute noch darauf, genau wie Sadri auf seine Braut. Die war in Nacht und Nebel
verschwunden. Das Heiratsinstitut hatte sich in Luft aufgel├Âst. Alles Fake. Sadri und seine Eltern flogen in die Schweiz zur├╝ck. Sie sollen jetzt nicht mehr allzusehr darauf bestehen,
dass er "traditionell indisch" heiratet...

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