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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schlampe
Eingestellt am 04. 07. 2011 11:08


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amuseme
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Vielleicht lag es an ihren billigen Kunstleder Pumps- ein ├ťberbleibsel aus ihrer Kindheit in dem einen Schuhkarton ├Ąhnelnden Plattenbau irgendwo in einer heruntergekommenen Vorstadt. Nicht die Schuhe an sich, wohl aber die Worte ihrer Mutter, die an Deichmann wirklich nichts Schlechtes finden konnte. Oder an der dreckigen Art Sex den sie praktizierte, reichlich garniert mit schmutzigen Worten, die ihre Gro├čmutter, sofern sie sie in ihrer Kindheit benutzt h├Ątte dazu gebracht h├Ątte eine ihrer be├Ąngstigend wulstigen Augenbrauen nach oben zu ziehen, das damals recht magere Kind ins Bad zu zerren und ihr den Mund mit Seife auszuwaschen. Wann immer Olga in den Augen der alten Frau ungezogen war und das war sie oft, wurde sie Zeuge der unglaublichen Kraft der Kriegsgeneration, die noch S├Ątze wie:ÔÇťEine deutsche Frau schminkt sich nicht!ÔÇť in den Mund nahm.

Das Bad glich einer Zelle, die eine Treppe nach unten lag, getrennt von der Gemeinschaftstoilette mit dem rostigen Nagel in der gelblichen Wand an der immer eine Anzahl sorgf├Ąltig zurechtgeschnittener Zeitungsbl├Ąttchen hing, aber da die kleine Olga noch nicht lesen konnte interessierten sie die Ausschnitte als Kind nicht recht und sie verwendete sie nur zum abwischen. Sie war zu klein f├╝r die Strippe, die weit ├╝ber ihr baumelte und oft glotzte sie mit ├╝berstreckten Halswirbeln nach oben um die h├Ąufig unordentlich ├╝bereinander verklemmten Glieder zu betrachten, die sie sich als Halskette w├╝nschte , aber von der Oma wusste sie, dass eine deutsche Frau keinen Schmuck tr├Ągt!

Vielleicht lag es auch daran- an ihrer Wohnung, von der sie, wenn sie die knarrende Holztreppe hinunterging an einer ├Ąhnlichen T├╝r vorbei musste wie sie sie im Haus ihrer Gro├čmutter vorfand. Die Klinken an der Klot├╝r auf halber Etage galten mittlerweile wieder als hochmodern. Unten fehlte der Briefkasten, was Olga nicht st├Ârte-sie bekam selten Post. Dazwischen wohnte Thomas, ein Kind reicher Eltern mit dem sie geschlafen hatte, kurz nachdem sie einzog.

Brot und Salz hatte er gebracht. Er hatte wohl auch eine Oma gehabt, die ihn mit alten Traditionen vertraut gemacht hatte und dann hatten sie gefickt- er mit seinen Designerschuhen und in den Kniekehlen h├Ąngender Hose-sie im Bauarbeiterhemd und zu gro├čer Jogginghose zwischen den Umzugskartons, dem Napf von Olgas alter Katze in der quadratischen K├╝che auf den abgeplatzten Mosaikfliesen.
Eine K├╝che die so klein war, dass man sich nicht mehr umdrehen konnte, sobald die Klappe des alten Gasherdes aufstand.
Eine K├╝che die h├Âher war als breit, denn die W├Ąnde ragten ├╝ber 3 Meter in die H├Âhe.
Eine K├╝che ohne wirkliches Tageslicht. Vor dem kleinen Fenster war ein Schacht, der es zwischen der verru├čten Hauswand deren Farbe an zertretene Schnecken erinnerte und einem Erker mit einem Engel ohne Nase einzw├Ąngte und durch das nur in den fr├╝hen Abendstunden etwas ÔÇ×niemandem- zuliebe ÔÇôSonnenschein einfiel, der wie ├╝ber gr├╝nste Wiesen kommend jenen letzten Winkel ihrer Welt f├╝r ein paar Minuten beschien.

. ÔÇ×SchlampeÔÇť hatte er ihr ins Ohr gefl├╝stert. Ein Wort dass sich sogar die Kinder auf der Stra├če zuschleuderten, als w├╝rden sie Ball spielen. Schlampen begegnete man beinahe allt├Ąglich. Irgendwer, der so bezeichnet wurde lie├č sich immer finden. ÔÇ×Ich kriege dabeiÔÇťÔÇŽOlga stutzte als w├╝rde sie nach Worten suchen.ÔÇťÔÇŽeinfach keinen hoch!ÔÇť..erkl├Ąrte sie dem etwas verdutzten Thomas, setzte sich dabei an die Wand gelehnt und winkelte die Beine an, als w├╝rde sie so irgendwas bedecken.

Erst hatte sie geglaubt diese Schlampenfunktionsst├Ârung sei etwas Intellektuelles, oder es l├Ąge an mangelnder Erfahrung mit M├Ąnnern der Dirty-Talk-Fraktion. Wer nur von T├╝tensuppen lebt, das Gourmet-Men├╝ armer Studenten ,kennt eben kein Steak, oder den richtig gehobenen Sex der Upper-Class in der ÔÇ×SchlampeÔÇť ein Ausdruck h├Âchster Zufriedenheit mit der Frau ist, die einem gerade einen bl├Ąst. Vielleicht stimmte auch etwas mit ihrem K├Ârper nicht, dass er sich jeder sexuellen Funktion verweigerte, sobald sie so etwas h├Ârte. Doch eigentlich war Olga k├Ârperlich sehr in Ordnung und das Debakel mit der Vokabel kam ihr nicht besonders schlimm vor. Sie wusste wie der Begriff funktioniert, oder funktionieren sollte nur bei ihr tat sich dann eben nichts.

Thomas st├Ârte es wahrscheinlich nicht. Seine Unaufgeregtheit machte die Sache f├╝r ein paar Wochen sehr angenehm, auch wenn sie schweigend miteinander schliefen weil ihm offenbar andere Worte fehlten.

Falk kam nicht nach Thomas, sondern lief irgendwie nebenher und dann ineinander ├╝ber ohne dass es auffiel. Zuerst ging sie einfach an Thomas T├╝r vorbei, ohne sich nochmal umzusehen, ob er dort stand weil sie sich durch das Knarren der Stufen verraten hatte. Dann, nach einer Zeit kam er nicht mehr herunter wenn sie vom Einkaufen kam und unten im Flur sie Haus├╝r zuschlug um ihr mit den T├╝ten zu helfen. Schlie├člich begegneten sie sich im Hausflur und der ÔÇ×NeueÔÇť wurde eine Augenverdrehsekunde lang gemustert, bevor Thomas T├╝re zufiel.

Falk mochte T├╝tensuppen und sie mochte seine Bauarbeiterhemden. Er fickte sie im Schlafzimmer wie es sich geh├Ârte, nahm sie in allen ihr m├Âglichen Positionen und benutzte schlimme Worte, die er ihr ins Ohr fl├╝sterte wenn sie gefesselt an den Pfosten des alten Bettes ihrer Oma hing . Es interessierte ihn nicht, dass sie sich nicht schminkte und keine teuren Schuhe trug. Er kaufte ihr Modeschmuck der sie an die Kette der Toilettensp├╝lung erinnerte. Nur die ÔÇ×SchlampeÔÇť probierte er nie aus!

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Dominik Klama
???
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Das ist ziemlich gut.

Und, hey! Nach l├Ąngerer Zeit habe ich mal wieder ein relativ neues Mitglied entdeckt, wo man richtig Lust drauf kriegt, mehr von dem zu lesen!

Sch├Ân w├Ąre es allerdings, wenn der Autor (die Autorin) in einer entspannten Stunde noch mal mit distanziertem Blick ├╝ber den Text gehen k├Ânnte und nach der Kommasetzung sehen.

Ich oute mich mal, "Schlampen"-Vokabel-bez├╝glich.

Ich selbst geh├Âre zu der Sorte M├Ąnner, in deren Hirnen sich bei hoher sexueller Begeisterung ├Âfters das Wort "Schlampe" einstellt. Das ist eine komische Sache und verstehen kann ich es selber nicht. Zweifellos ist "Schlampe" ein abwertender Begriff. Wer jemanden als "Schlampe" bezeichnet, positioniert sich irgendwo h├Âher auf einer Art "moralischen Leiter" ├╝ber dem so Bezeichneten. Und bringt zugleich zum Ausdruck, dass er, der Wertende, nat├╝rlich keine "Schlampe" sei.

Insofern sollte man schon sehr, sehr vorsichtig sein, das Wort je laut auszusprechen, ganz egal, ob die gemeinte Person dabei anwesend ist oder nicht. Und ich mache das auch nicht. Ich rede nicht ├╝ber abwesende Menschen und kategorisiere sie als "Schlampen".

Blo├č stimmt das alles halt ganz und gar nicht in der Situation der gemeinsamen sexuellen Erregung. (Das "gemeinsam" ist wichtig dabei.) Immer wenn sich da dann dieses Wort in meinem Kopf danach dr├Ąngt, "ihr" entgegen geschleudert zu werden, bin ich ├╝berselig, dass ich sie habe, diese "Schlampe", dass sie die Gnade hat, sich mir hinzugeben.

Dass sie sich mir so hingeben kann, genau das macht sie zur "Schlampe". Offenbar k├Ânnte ich mich selbst ihr nicht so hingeben. Darum ist sie die Schlampe und ich bin es nicht.

Ansonsten w├Ąre es aber Quark: Jeder, der mit "Schlampen" schl├Ąft, ist ebenso "Schlampe". Jeder, der zu "Nutten" geht, ist eine Nutte. Oder zumindest ein Freier, was bestimmt kein Deut besser ist.

Wann immer es in meinem Kopf "Schlampe" schreit, bin ich zutiefst gl├╝cklich mit der Person, mit der ich zusammen bin. Man k├Ânnte es mit "Mein Gott, das ist ja der perfekte Sex" ├╝bersetzen. Und dennoch, habe ich zu gestehen, schwingt auch da eine Spur Verachtung doch noch mit. Immer noch ist "sie" die "Schlampe" und ich bin es nicht - und also stehe ich ein wenig ├╝ber "ihr" - und das macht mir Freude.

Okay, also ist es vielleicht ein Zeichen f├╝r die etwas pervertierte Struktur meines sexuellen Empfindens, hat irgendwas mit dem in mir schlummernden Sadomasoschismus zu tun.

Jedenfalls k├Ânnte man bei mir das Wort "Schlampe" auch mit "danke" ├╝bersetzen. Meinetwegen mit: "Danke, dass es jemanden gibt, der sich auf meine etwas pervertierte Sexualstruktur einlassen will."

Mit ist aber klar, dass es Leute gibt, denen kann man in keiner Situation, auch in dieser speziellen nicht, sagen: "Du Schlampe!" Denn sie w├╝rden "Du bist schlecht" verstehen. Und das ist genau, was ich nicht (!) sagen will. Oh nein, du bist gut, du bist gut, du bist so gut!

Darum l├Ąuft das bei mir ├Âfters so, dass es in solchen Momenten heult vor Lust: "Schlampe! Du verdammte Schlampe!" Laut aber sage ich gar nichts, keinen Ton. Ich w├╝rde es gerne sagen. Aber ich kann auch ohne das sein.

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