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Leselupe.de > Humor und Satire
Schwarzarbeiter gesucht
Eingestellt am 25. 03. 2003 10:32


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Erwin Grab
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2003

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ACHTUNG! Dies ist eine wahre Geschichte und keine Satire! (Oder vielleicht doch?)

Schwarzarbeiter gesucht!

Freitag Abend

„Schatzi! Die K├╝che schwimmt!“
„???“
„Hast Du nicht geh├Ârt? Die K├╝che schwimmt!“
Nun, es gibt schwimmende Pal├Ąste, Badenixen und auch ├ľlteppiche, aber K├╝chen? Der geneigte Leser mag Verst├Ąndnis f├╝r mein Unverst├Ąndnis haben, aber manche Ausrufe meiner Frau versetzen mich immer wieder in Erstaunen. Jedenfalls so lange, bis die Wasserflut bereits zur Wohnzimmert├╝r hereingeschwappt kommt.
„Was ist denn bei Dir in der K├╝che los?“
„Hier l├Ąuft das Wasser!“
„Warum sagst Du dann nichts?“
W├Ąhrend dieser Worte war ich bereits in meine Schlappen gesprungen und st├╝rzte durch den sich auff├╝llenden Flur in unsere sonst sehr gem├╝tliche K├╝che. Unter dem Sp├╝lschrank quoll das Wasser hervor. Mit Kennerblick hatte ich sofort die Lage diagnostiziert: Da war irgend etwas undicht! Da musste man zuerst das Wasser abstellen. Aber wo? Nat├╝rlich an dem Absperrhahn, der gut sichtbar aus der Wand ├╝ber dem Sp├╝lschrank herausragt. Ich handelte, und die Flut stoppte. Erst langsam, dann aber endg├╝ltig, jedoch nicht, ohne uns mit einem letzten Gluckser seine Verachtung und Schadenfreude auszudr├╝cken. Nach ca. drei├čig Minuten und mehr als zwanzig durchn├Ąssten Badet├╝chern waren wir soweit Herr der Lage, um diese in Ruhe ├╝berblicken zu k├Ânnen. Auch konnte ich jetzt gefahrlos den Sp├╝lschrank ├Âffnen, um die Quelle des Ungemachs zu erforschen. Sie, verehrter Leser m├╝ssen wissen, dass wir stolze Besitzer eines sogenannten Untertischboilers sind, der unser Sp├╝lbecken mit hei├čem Wasser versorgt, und Sie m├Âgen mir verzeihen, wenn ich Sie jetzt mit technischen Details langweilen muss. Aber f├╝r Ihr weiteres Verst├Ąndnis um die Geschehnisse, ist dies unbedingt erforderlich.

Stellen Sie sich bitte vor, Sie h├Ątten eine Weinflasche. In den Korken bohren Sie zwei L├Âcher und stecken in jedes Loch einen Strohhalm. Wenn Sie dieses lehrreiche Experiment nachvollziehen wollen, achten Sie bitte darauf, dass die beiden Strohhalme in gegens├Ątzliche Richtungen zeigen, weil Sie sonst im weiteren Verlauf unangenehm nass werden. Sie blasen jetzt in den einen Strohhalm hinein. Durch den in der Flasche entstehenden ├ťberdruck entweicht die Fl├╝ssigkeit durch den zweiten Strohhalm (und spritzt Ihnen ins Gesicht, wenn Sie sich nicht an die Anweisungen gehalten haben). Genau so funktioniert ein sogenannter druckloser Untertischboiler. Er ist mit Wasser gef├╝llt, und dieses wird durch eine Heizschlange erhitzt. ├ľffne ich jetzt den Hei├čwasserhahn der Armatur, wird kaltes Wasser in den Boiler gedr├╝ckt. Das hei├če Wasser entweicht durch ein immer offenes Ventil an der Armatur und erfreut den Benutzer. Diese Technik setzt eine komplizierte und teuere Armatur voraus, die auf geniale Weise daf├╝r sorgt, dass alles funktioniert. Diese Boiler halten viel aus, aber keinen ├ťberdruck, der bei sachgem├Ą├čer Installation und Anwendung aber auch nicht entstehen kann. Und diesen h├╝bschen Boiler hatte es jetzt zerrissen, wie eine sofort durchgef├╝hrte Inspektion meinerseits ergab. Zerrissen ist etwas ├╝bertrieben. Es hatte sich eine unten angebrachte Kunststoffschraube gel├Âst, und somit der Flut den Weg geebnet. „Erstaunlich, wie schlampig so etwas zusammengeschustert wird!“ – dachte ich, w├Ąhrend ich besagte Schraube wieder richtig auf das Gewinde aufsetzte und sie dann fest zuschraubte. Damit schien das Problem gel├Âst. Der Boiler wurde zusammengebaut und wieder an seinen angestammten Platz verbracht. Nachdem die entsprechenden Wasseranschl├╝sse ebenfalls wieder fachm├Ąnnisch angebracht waren, f├╝hrte ich einen Testlauf durch, der zur allgemeinen Zufriedenheit verlief.

Bis zum erneuten Ausruf meiner Frau:
„Schatzi, die K├╝che schwimmt schon wieder!“
Diesmal waren wir schneller, denn es war noch alles griffbereit. Vor allem die Handt├╝cher.
Eine weitere Demontage ersparte ich mir, denn ich bin ein intelligenter Mensch, der seine Grenzen kennt.
„Ich gehe morgen in den Baumarkt um die Ecke, und kaufe einen neuen. Kostet vielleicht 100 Euro!“ – beruhigte ich meine Frau, und sah die Angelegenheit als erledigt an.
„Du Schleimer hast SPD gew├Ąhlt. Jetzt tu auch, was Dir Dein Kanzler sagt. Das Handwerk leidet Not, also rufe einen Fachmann!“
„Frau, wenn der bei uns klingelt, sind wir schon mehr Geld los, als der Boiler wert ist!“ – versuchte ich, meinen Standpunkt durchzusetzen.
„In schwierigen Zeiten muss jeder sein Scherflein beitragen. Geh ans Telefon, und bestell einen Meister!“
Diese, in der Befehlsform gesprochenen Worte duldeten keinen Widerspruch.
Der ortsans├Ąssige Fachmann f├╝r drucklose Untertischboiler wurde telefonisch kontaktiert. Nachdem ich ihm ausf├╝hrlich den Schaden erl├Ąutert hatte, konnte ich ihm das Versprechen abnehmen, baldigst f├╝r Abhilfe zu sorgen, denn unsere K├╝che war wasserlos. Er kam schon am Dienstag. Und er brachte alles mit. N├Ąmlich einen Spannungspr├╝fer. Um damit den Boiler pr├╝fen zu k├Ânnen, musste er ihn ab- und demontieren. Das dazu notwendige Werkzeug erbat er von mir. Ich gab es ihm gerne, denn ich bin bestens ausger├╝stet. Man kann von einem Innungsmeister auch nicht verlangen, dass er sich mit solchem Kleinkram abschleppt. Nachdem er das Ger├Ąt zerlegt hatte, teilte er mir stolz die Diagnose mit: „Den hat es da unten an der Schraube zerrissen!“ Ich glaubte ihm aufs Wort, denn ich f├╝hre selber einen Meistertitel, und wei├č, dass solche Leute vertrauensw├╝rdig sind.
„Und nun?“
„Den zu reparieren lohnt nicht. Da bauen wir einen neuen Boiler ein!“
„Einverstanden. Sie haben ja sicher einen dabei!“
„???“
„Haben Sie etwa keinen dabei?“
„Nat├╝rlich nicht. Woher sollte ich denn wissen, was kaputt ist?“
„Ich hatte es Ihnen bereits am Telefon gesagt.“
„Sind Sie Fachmann?“
„Nein!“
„Na, also!“
„Nun gut! Dann eben heute Nachmittag!“
„???“
„Gut! Meinetwegen morgen fr├╝h!“
„So schnell geht das nicht!“
„Wieso nicht?“
„Den muss ich erst bestellen!“
„Und das dauert wie lange?“
„Eine Woche! Mindestens!“
„Guter Mann, unsere K├╝che ist ohne Wasser. Wir m├╝ssen zum Kaffeekochen ins Badezimmer. Und au├čerdem gibt es in jedem Baumarkt so viele Boiler, dass man Sie damit totschmei├čen kann!“
„Im Gro├čhandel aber nicht!“
„Ihr Problem! Vorschlag zur G├╝te: Morgen Abend haben Sie den neuen Boiler!“
„Vielleicht!“
„Nein ganz bestimmt!“
„Ich bem├╝he mich!“
„Also bis morgen Abend!“

Mittwoch Abend

Nach Verrichtung meines Tagewerkes strebte ich abends ermattet meiner Heimstatt zu. In der K├╝che fand ich vor dem Sp├╝lschrank einen neuen Boiler. Wohlgemerkt, vor dem Sp├╝lschrank.
„Hat er gesagt, dass ich ihn selber einbauen soll?“ – befragte ich meine Frau.
„Nein, Du sollst gar nichts machen. Er hat gesagt, dass ├ťberdruck in den Boiler gekommen ist, und das m├╝sse an der Zuleitung zum Haus liegen. Morgen kommt der Installateur und ├╝berpr├╝ft alle Anschl├╝sse in Haus (F├╝nf Mietparteien. Anm. d. Verf.). M├Âglicherweise m├╝ssen die alle ge├Ąndert werden. Er kommt morgen fr├╝h. Der Hauswirt wei├č Bescheid!“
Erstaunlich, was so eine defekte Schraube alles anrichten kann.

Donnerstag Morgen

Um acht Uhr klingelte der Installateur. Der Meister selber! Er brachte alles mit. N├Ąmlich eine Rohrzange. Den Rest des notwendigen Werkzeuges erbat er von mir. Ich gab es ihm gerne, denn es lag alles noch vom Vortag sauber aufger├Ąumt auf dem Sp├╝lschrank.
„Da kommt zu viel Druck rein. Da ist die Armatur kaputt.“
So sprach er, und zerlegte fachm├Ąnnisch meine teuere Marken-Armatur.
„Genau! Da kommt zu viel Druck durch!“
„Wo genau?“
„Na hier!“
„Ich sehe nichts!“
„Sind sie Fachmann?“
„Nein!“
„Na also!“
„Und nun?“
„Da muss eine neue Armatur her!“
„Kann man die nicht reparieren? Das ist doch ein deutsches Markenfabrikat. Da muss es doch Ersatzteile geben!“
„Wie alt ist die denn?“
„Ungef├Ąhr drei Jahre!“
„Dann gibt es bestimmt keine! Aber ich werde es versuchen! Und au├čerdem braucht es ein Reduzierst├╝ck!“
„Das haben Sie ja sicher dabei?“
„Wo denken sie hin. Das muss ich bestellen!“
„Aber das gibt es doch in jedem Baumarkt!“
„Schon. Aber ich kaufe im Gro├čhandel ein!“
„Und das dauert wie lange?“
„Keine Ahnung. Vielleicht eine Woche!“

Ich ersparte mir den Satz mit dem „Totschmei├čen“, weil ich f├╝rchtete, er w├╝rde in das gleiche sp├Ątpubert├Ąre Verhalten wie unsere Gro├čindustrie verfallen, und mir mit Entlassungen von Mitarbeitern drohen. Als er gegangen war, setzte ich mich an meinen Computer und rief per Internet die Seite des Armaturenherstellers auf. Dort fand ich sehr schnell die Telefonnummer des technischen Kundendienstes, den ich anrief.
„Hat der Hahn getropft?“ – war die erste Frage nach meiner Schadensmeldung.
„Nein!“
„Dann ist die Armatur auch nicht kaputt. Verwenden Sie einen Perlator oder einen Strahlregler?“

Sie, verehrter Leser m├╝ssen sich nicht sch├Ąmen. Auch ich musste erst den Unterschied erfragen. Unter Perlator versteht man die netten kleinen Dinger, die auf den Wasserhahn geschraubt werden. Sie sorgen f├╝r einen angenehmen und luftdurchfluteten Wasserstrahl, denn in ihnen sind feine Siebe, die das Wasser nicht nur angenehm flie├čen lassen, sondern auch feine Sandk├Ârnchen und Kalkreste zur├╝ckhalten. Man muss sie ab und zu reinigen, sonst verstopfen sie. Ein Strahlregler hingegen ist ohne diese feinen Siebe ausger├╝stet, und regelt, wie der Name sagt, nur den Wasserstrahl, der sonst unkontrolliert aus dem Hahn pl├Ąddern w├╝rde. Der wichtigste Unterschied jedoch ist, dass ein Strahlregler nicht verstopfen kann. Das darf er auch nicht, denn sonst w├╝rde sich im darunter befindlichen Boiler ein ├ťberdruck aufbauen. Dies f├╝hrt unweigerlich dazu, dass sich eine bestimmte Kunststoffschraube l├Âsen, und somit die Wasserflut in Richtung K├╝che freigeben w├╝rde.

Eine sofortige Kontrolle ergab, dass sich an meinem Wasserhahn verbotenerweise ein Perlator befand, der zudem verstopft war. Zerknirscht gestand ich dem netten und versierten Kundendienstmann den Straftatbestand, aber mir wurde Absolution erteilt.
„Gut, dass Sie angerufen haben. Da haben Sie sich die Anfahrt vom Kundendienst erspart!“
„Wieso die Anfahrt?“
„Das ist doch das Erste, was ein Fachmann kontrolliert. Der w├Ąre gekommen, h├Ątte den Hahn angeschaut, f├╝r einen Euro f├╝nfzig einen Strahlregler hingeschraubt und dreckig gegrinst. Der h├Ątte nicht einmal Werkzeug gebraucht. Kaufen Sie sich im Baumarkt so ein Ding, und alles ist erledigt.“

Ich tat, wie er gehei├čen. Es kostete exakt einen Euro f├╝nfzig. Meine K├╝che ist wieder mit hei├čem Wasser ausger├╝stet.
Dann f├╝hrte ich bei meiner Frau eine peinliche Befragung durch:
„Wenn Dein Auto stehen bleibt, einfach so. Was machst Du dann zuerst?“
„So eine bl├Âde Frage! Ich schaue auf die Tankuhr!“
Ich bin stolz auf meine Frau. Meine beiden Meister h├Ątten wahrscheinlich das Getriebe ausgebaut (mit meinem Werkzeug). Oder dem Kapit├Ąn eines ├ľltankers die Schuld gegeben.
Beim n├Ąchsten St├Ârfall, gleich welcher Art, suche ich mir einen Schwarzarbeiter. Denn der wird nicht von der Handwerkskammer, sondern nur durch seine Leistung gesch├╝tzt.


So geschehen im M├Ąrz 2003



__________________
Erwin Grab

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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prust, kicher, lach.

eine feine satire. jaja, wie das leben so spielt . . die geschichte haste sauber hinbekommen. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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rolarola
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 13
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Hehehe

Spritzig!

LG,

rolarola
__________________
Du kannst alle Leute einige Zeit, einige alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten!

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Taurec
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2003

Werke: 3
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WUAHAHAHAHAAAA!!!
Ich schmeiss mich gleich weg! Diese Geschichte ist einfach nur genial. Ist das ehrlich in echt so passiert?? Oh Mann.
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Alles ist auf irgendein Naturgesetz zur├╝ckzuf├╝hren. Wenn uns etwas unnat├╝rlich vorkommt, dann nur deshalb, weil wir das entsprechende Naturgesetz noch nicht kennen.

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Minotaurus
Guest
Registriert: Not Yet

Eine bitterb├Âse (und leider wahre) Realsatire auf die Handwerkszunft, die ja angeblich "goldenen Boden" hat.
Herrlich beschrieben!

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