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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Selbst ein Schatten
Eingestellt am 03. 09. 2004 18:41


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AlexanderrednaxelA
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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Gerade habe ich eine Bekannte getroffen, S. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, S. schottet sich ein bisschen ab in letzter Zeit. So viel hatten wir ja auch gar nicht miteinander zu tun.

Vor etwa dreieinhalb Jahren lernte ich sie kennen, unsere Freundeskreise wiesen Schnittmengen auf, und anfangs verbrachten wir alle eine Menge Zeit miteinander, im Saarland findet man sich sommers zum Schwenken zusammen, dabei wird viel getrunken, und wenn es noch ging, waren wir danach tanzen. S. war zeit ihres Lebens von falschen Freunden umgeben gewesen, Menschen, die sie ausnutzten, betrogen, hintergingen, die sie verfolgten, um ihr zu schaden, die sich das Maul ├╝ber sie zerrissen. Die Br├╝cken zu jenen Leuten hat S. kompromisslos abgebrochen, es blieb ihr noch ein Kreis von Menschen, mit denen sie zur Schule gegangen war und denen sie n├Ąher stand als sonst jemandem.

Das alles habe ich durch S.ÔÇś Erz├Ąhlungen erfahren, und ich begann mich erst zu wundern, als nach und nach auch ihre derzeitigen Freunde, die ich alle kannte, sich scheinbar die Masken harmloser Zuneigung vom Gesicht rissen und dahinter gr├Ą├čliche Fratzen von Verrat und Missgunst offenbarten. Keiner dieser Freunde wusste, was geschehen war, wenn S. in erregten Telefonaten oder frostigen Kurznachrichten die Freundschaft k├╝ndigte.
Da ungef├Ąhr zeitgleich jeder dieser Freunde sich irgendein Verbrechen zuschulden kommen lie├č, sah sie sich einer Armee feindseliger Gestalten gegen├╝ber, hinter jedem Treffen steckte eine Verschw├Ârung, jedes Lebenszeichen war Verfolgung, man solle sie doch endlich in Ruhe lassen, Gespr├Ąche seien wirklich sinnlos, denn zu besprechen gebe es nichts mehr. Sie werde sich nicht von sogenannten Freunden in Ungl├╝ck st├╝rzen lassen, ├╝berhaupt habe es so etwas wie Freundschaft wohl kaum gegeben bei dieser Schmierenkom├Âdie, die ihr vorgef├╝hrt worden sei von selbsts├╝chtigen Speichelleckern und Intriganten. Sie werfe sich nur vor, so lange darauf herein gefallen zu sein, und im ├╝brigen solle man sie jetzt doch einfach in Ruhe lassen, ist doch alles gesagt.
Als sich all das ereignete, konnte ich noch mit ihr sprechen, zu diesen engen Freunden geh├Ârte ich ja nicht. Ein paar Mal trafen wir uns zum Kaffee und ich h├Ârte mir ihre schrillen Verw├╝nschungen an, endlose Auflistungen von Untaten und Beleidigungen, die ihr zugef├╝gt wurden. Ich wusste, wie hilflos die Betroffenen dieser Situation gegen├╝ber standen, und meine schwachen Versuche, Verst├Ąndnis zu wecken, l├Âsten in S. manchmal ein nachdenkliches Nicken aus, dem sofort der n├Ąchste Wutanfall folgte.
Dann sah ich sie, wie gesagt, eine Zeitlang nicht, niemand sah sie mehr, h├Âchstens mal von weitem. Als sie mir heute, beim Einkaufen, begegnete, merkte ich, dass auch ich etwas getan haben musste. Auf meinen Gru├č blickte sie mich giftig an und verbarg nicht, wieviel M├╝he es ihr bereitete, ein nahezu ziviles ÔÇ×HiÔÇť hervorzubringen. Als sie noch einmal an mir vor├╝ber lief, existierte ich schon nicht mehr.

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