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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Sex mit 40
Eingestellt am 04. 07. 2011 12:48


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amuseme
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Sex mit 40

Meine G√ľte, wor√ľber hab ich mir nicht alles Gedanken gemacht, vor so ungef√§hr 20 Jahren. √úber die Speckfalte am Bauch, die im Sitzen offensichtlich die Macht der Schwerkraft demonstrieren wollte. Lufteinziehen war, neben der Tatsache, dass es sich als furchtbar anstrengend erwies auch vollkommen sinnfrei. √úber die Verfassung meines Hinterns. √úber meine F√ľsse, deren Zehen restriktive die Kleinen, irgendwie aus der Form geraten waren und mit 20 schon krumm, als litte ich unter Gelenkrheuma. √úber mein Schwimmerkreuz, dass ich in meiner Kindheit dank 10 Jahre Kampfschwimmen erworben habe. Wer m√∂chte bitte sch√∂n mit einer Frau schlafen, die von hinten aussieht wie eine ukrainische Kugelsto√üerin und die l√§uft wie auf Eiern, damit die Zehen zumindest gerade aussehen.

Aber es gab diese M√§nner und wahrscheinlich h√§tte es mir zu denken geben sollen, dass sich keiner meiner Liebhaber an einem meiner, so offensichtlichen Makel st√∂ren wollte. Klaglos akzeptierten sie meine Ausreden gegen Sex bei Tageslicht ("findest Du nicht, dass man im Dunkeln viel mehr sp√ľrt?") und gegen das ausziehen der Socken (falls er evtl. doch mal auf die irrwitzige Idee kommen sollte, im Dunkeln meine krummen Zehen zu befingern.)

Irgendwie hatten sie beim poppen nichts anderes als poppen im Kopf, was auf mich keineswegs zutraf. Schlie√ülich kann man im Dunkeln besser nachdenken und nachzudenken hatte ich genug: H√§lt er mich f√ľr eine Schlampe, wenn ich st√∂hne, selbst ein bi√üchen nachhelfe, oder ihn bitte mich ein wenig zu hauen, oder ist er entt√§uscht, wenn ich nicht "Schlampe" genug bin?
Was ist wenn ich zu feucht bin und er vielleicht nicht genug sp√ľrt, oder zuwenig feucht bin und er denkt es macht mich nicht an? Haben andere Frauen vielleicht auch diese fiesen Stoppeln an den Beinen, oder bin ich die einzige, die da Haare hat wie ein Pferd?? Oder hoffentlich findet er den Pickel an meinem R√ľcken nicht.
Warum merkt er nicht, dass ich mir √ľber alles M√∂gliche Gedanken mache , w√§hrend ich so tue, als w√§re ich voll dabei?
Denkt er vielleicht auch √ľber alles M√∂gliche nach? Und wenn ja, wie hei√üt die Schnepfe???

15-20 Jahre sp√§ter sind diese Fragen immer noch nicht beantwortet, was vermutlich daran liegt, dass ich sie mir einfach nicht mehr stelle. So um meinen 35 Geburtstag herum habe ich beschlossen, dass ich jetzt alt genug bin f√ľr hemmungslose Gier.
Sex ist schlie√ülich keine Pr√ľfung, die man bestehen mu√ü um im Leben versetzt zu werden.
Seitdem denke ich nicht mehr √ľber Sex nach!
Nicht davor, nicht während und nicht mehr danach. Ich habe ihn einfach und bin hinterher ausgesprochen zufrieden, auch mit meinen kleinen Zehen. Meine Speckrolle ist noch größer als damals und..? who cares? Ich nenne sie einfach äquatorialer Rettungsring und gut is. Ich habe schließlich 3 Kinder, da darf Frau um die Körpermitte ruhig etwas ausladender sein. Außerdem sind auch die Männer, mit denen ich ins Bett steige ein paar Jährchen und ebensoviele Kilos vom Adonis entfernt.

Zur selben Zeit, als ich mir vornahm nicht mehr jeden Orgasmus totzugr√ľbeln,nicht mehr so entsetzlich "verkopft" im Bett zu sein, habe ich angefangen mir die Zehenn√§gel zu lackieren. Wahrscheinlich eine √úbersprungshandlung. Jetzt sind meine Zehen immer noch krumm, aber ich finde sie sexy. Er nicht! Ihm sind meine Zehen noch nie aufgefallen, wahrscheinlich wei√ü er noch nicht mal, dass ich welche habe, geschweige denn, dass ihn Rasierst√∂ppelchen st√∂ren. Und das ist auch absolut unwichtig, denn ich habe meine Gr√ľnde daf√ľr, mich sexy zu finden und das gen√ľgt v√∂llig.

Seit dieser Zeit ist mein Sex deutlich besser geworden. Die Lust, soviel weiß ich jetzt, wird um so größer ,je hemmungsloser man sich ihr ergibt. Sogar bei Tageslicht. Ich will schließlich etwas zu sehen bekommen!
__________________
Geist ist geil!

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
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Ich h√§tte "Sex mit 40" nicht gleich zum "Werk des Monats" ausgerufen, denn der kurze heiter nachdenkliche Text mit seinem Vergleich der Bedenklichkeiten, die man im Alter von 20 hegt, wenn man den Geschlechtsverkehr in "Angriff" nimmt, mit der gelassenen Unbedenklichkeit eines Menschen in der Lebensmitte, der diesen Zeitvertreib immer noch sch√§tzt, notiert ja nur ein paar nahe liegende Gedanken, wie sie von den allermeisten von uns nicht mehr Jungen ebenfalls kommen k√∂nnten, ist so ausgefallen und meisterlich nun nicht. Aber feststeht, dass wir mit amuseme ein Mitglied in unseren Reihen haben, wo man sich nach der Lekt√ľre des einen schon aufs n√§chste Werk freut. Eine Wohltat, ihr umverkrampfter Umgang mit dem Erotischen.

Leicht besorgt fragt man sich daher, was sich unterdessen bei dieser Frau getan hat. Im Juli 2011 trat sie ein und publizierte f√ľnf kleine Prosa-Werke auf einen Schlag. Seither nichts mehr. Es wird doch nicht dabei bleiben? Da wird doch hoffentlich noch was kommen?

Wie auch bei anderen Texten amusemes kann nicht ganz unerw√§hnt bleiben, dass ihr eine gewisse Unsicherheit bez√ľglich der Zeichensetzung eignet und dass ein Werk wie dieses wohl nicht so exakt kontrollgelesen wurde, wie es vor einer Ver√∂ffentlichung angeraten w√§re. Aber sonst ist alles sch√∂n.

Der Text schafft Aufmerksamkeit daf√ľr, dass Sex gleichzeitig etwas sehr Bedeutendes in unserem Leben darstellt wie aber auch etwas letzlich gar nicht so Wichtiges. Jedoch, bedenkt man es recht, √ľber welche anderen existenziellen Erlebnisse lie√üe sich nicht dasselbe sagen? So ist es mit dem Mensch-Sein nun einmal. Und viel vom Mensch-Sein gestaltet sich beim Sex. Daher muss es ein Schreiben √ľber Sex unbedingt geben.

Ihre spezielle L√§ssigkeit, der Gebrauch des Wortes "Poppen", die Erw√§hnung des Details, dass eine Scheide mal sehr feucht wird, mal nicht, die Benennung masochistischer W√ľnsche en passant, das Vorhandensein eines "gierigen Blicks" auf M√§nnerk√∂rper, das alles liest man eher selten bei Autorinnen, auch in der Leselupe. Es macht die Unverwechselbarkeit und den Rang amusemes aus. (Wobei ich doch stark in Zweifel zu ziehen wage, dass ihren M√§nnern der seltsam geformte Fu√ü niemals aufgefallen ist. War die denn ewig mit blinden T√∂lpeln im Bett? Man muss ja mal mit blinden T√∂lpeln ins Bett, kommt man nicht drumrum. Aber alle sind doch nicht gleich.)

Irgendwo benennt amuseme auch das immer noch vorhandene "utopische" Potenzial von Sexualit√§t. Es ist das Feld, wo keine Leistungspr√ľfungstests absolviert werden. Obwohl es Leute gibt, die auf solche aus sind. Aber die kriegen das Herz der Sache nie mit. Es ist das Feld, wo Leute sich freiwillig, friedlich und produktiv zusammentun, die anhand objektiv messbarer Wert-Anzeiger dieses nicht tun und also auch nicht erreichen sollten. L√§ngst geht es ja sonst allenthalben um das immer neue Erreichen von H√∂chstleistungen. Und l√§ngst hat ja alles sein Preisschild aufgeklebt bekommen, also auch jede Leistung. L√§ngst sind wir s√§mtlich eingeteilt in solche, die Leistungen der Preiskategorie A und solche, die Leistungen der Preisklasse D zu beanspruchen h√§tten. Frei ist keiner mehr, alle unter dem Druck, auf dem Niveau ihrer jeweiligen Preisklasse zu produzieren und zu konsumieren. Doch beim Sex ist jeder frei.

Das stimmt nat√ľrlich nicht. Wo alles erfasst, genormt, gewertet, ausgepreist, verkauft und verbraucht wird, kann die Sexualit√§t sich nicht entziehen. Aber ein Text wie der von amuseme deutet an, dass es zu unser aller Trost im Bereich der Sexualit√§t weiterhin Tendenzen geben wird, sich gegen diese Str√∂mung zu stellen.

__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit Aufklärung Verteidiger: Es ist genug.

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