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Leselupe.de > Science Fiction
Short Story
Eingestellt am 06. 02. 2005 00:12


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MDSpinoza
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„Nein, Sir. Ich weiß es nicht, Sir.“

„Was soll das heißen, ich weiß es nicht?“

„Das soll heißen, Sir, daß ich die GrĂŒnde meines Handelns nicht darlegen kann, weil ich sie nicht weiß. Das ist die einzige Antwort, die ich Ihnen geben kann, Sir.“

„Lieutenant, Sie sind kein Feigling, und dumm sind Sie auch nicht. Bei dem Intelligenztest heute morgen hatten Sie mit 146 abgeschnitten. Es gibt eine Menge Gelehrte, die gerade 130 zusammenkriegen und sich darauf mĂ€chtig was einbilden.“

„Trotzdem kann ich Ihnen nicht sagen, warum ich ihn nicht getötet habe, Sir.“

„Das glaube Ihnen, wer auch immer es will, ich weiß es besser. Daß Sie nicht töten können, kann auch keiner behaupten, Sie haben im Nahkampf einhundertsechzehn Gegner zum Teil mit der bloßen Hand getötet. Sie haben Ihre Einheit zu einer kleinen, aber mörderischen Truppe ausgebildet und Sie halten seit sechs Monaten den Rekord in FeindberĂŒhrungen und ebenso den Rekord im Töten im Nahkampf, Sie haben die einzige Einheit mit mehr als einhundert schwarzen Kreuzen pro Nase in den Akten. Jeder von Ihren Leuten hat ĂŒber Hundert Gegner getötet, das gibt es sonst nirgendwo. Es gibt keine einzige Einheit, in der jeder eine fĂŒr eigene Taten eine Tapferkeitsauszeichnung bekommen hat. All Ihre achtundvierzig Mann und etliche Ihrer weniger glĂŒcklichen Verluste haben das geschafft, von den Verlusten gibt es nur einen, dem die Auszeichnung postum verliehen wurde, die anderen haben mit dem Silberstern am Ärmel ins Gras gebissen. Im VerhĂ€ltnis zu anderen, weit weniger erfolgreichen Einheiten ĂŒbrigens bemerkenswert wenige Verluste. Was wir ĂŒbrigens Ihrem FĂŒhrungstalent zuschreiben.“

„Danke, Sir.“

„Verdient ist verdient, Lieutenant. Was nur keiner versteht, Sie haben mit einem Gegner bis aufs Blut gekĂ€mpft, mit der erkennbaren Absicht, ihn ins Jenseits zu befördern, die er ĂŒbrigens auch nicht verbirgt, und dann schicken Sie ihn mit einem Wink nach Hause.“

„Sir, wir haben tatsĂ€chlich eine Weile miteinander gekĂ€mpft und wĂ€hrenddessen hatte ich auch wirklich nicht daran gedacht, ihn wegzuschicken, Sir.“

„Was meinen Sie, wie lange sie versucht haben, ihn zu töten?“

„Zehn Minuten, eine Viertelstunde vielleicht, ich weiß es nicht, Sir.“

„Auf ihrem Anzugvideo sind dabei sechsundfĂŒnfzig Minuten aufgezeichnet. Sie haben fast eine Stunde mit ihm gekĂ€mpft, Lieutenant, fast eine Stunde.“

„Sir, das habe ich gar nicht so wahrgenommen.“

„Das ist mir klar, unter Streß reagiert das Zeitempfinden nicht wie gewohnt. Aber das ist nichts neues. Neu ist nur, daß man fĂŒnfundfĂŒnfzig Minuten einem Gegner nach dem Leben trachtet, ihn in der sechsundfĂŒnfzigsten dann wegschickt.“

„Sir, ich kann Ihnen das nicht erklĂ€ren.“

„ErzĂ€hlen Sie mal Ihre Geschichte, das Tape kenne ich, aber wie haben Sie das selbst erlebt?“

„Meine Einheit wurde von einer Angriffspitze der Aliens gezielt angegriffen, die hatten es direkt auf uns abgesehen. Es war eine gute Einheit, die haben gekĂ€mpft wie die Löwen. Ihr FĂŒhrer fiel als einer der ersten, den habe ich persönlich ĂŒber den Haufen geschossen. Einer an seiner Seite ging dann auf mich los und ich habe ihn ins Bajonett laufen lassen. Ich habe dann aus den Augen verloren was hinter mit passierte, denn ein dritter Feind ging auf mich los. Es war zu nah um Gewehre einzusetzen, und wir zogen die Dolche und haben uns dann heftig miteinander beschĂ€ftigt. Irgendwann kriegte sein Gewehr einen Treffer, ich sah nicht, von woher. Es hatte keine Projektile mehr im Magazin, aber noch fast volle Batterien, das wurde mir klar als die Kondensatoren anfingen zu pfeifen. Er warf das Gewehr weg. Was mir auffiel, er warf es nicht nach vorne, wo er mit der Explosion der Kondensatoren noch einige von uns hĂ€tte töten können, sondern nach hinten in einen frischen Explosionstrichter, wo das Gewehr keinen Schaden anrichten konnte.“

„Und dann?“

„Wir standen uns einen Augenblick gegenĂŒber, und ich weiß nicht, warum, aber ich wollte ihn nicht mehr töten. Wir waren beide ziemlich am Ende, beide verletzt, und wir standen einen Augenblick da und hechelten uns an. Dann ging das Gewehr hoch und die Druckwelle warf uns zu Boden. Ich stand zuerst auf und half ihm auf die Beine, ich weiß nicht, warum, ich hĂ€tte ihn aus der Position ohne Reue oder Probleme erschießen können, aber ich habe nicht einmal daran gedacht, die Pistole zu ziehen.
Ich wette meinen Monatssold, daß er darĂŒber noch viel erstaunter war als wir beide zusammen. Wir standen uns gegenĂŒber, er klappte das ballistische Visier rauf und sah mich an. Ich klappte meins auch rauf, und so haben sich wohl das erste Mal in diesem Krieg zwei Gegner in die Augen geschaut. Er sah mich ruhig und aufmerksam an und ich versuchte, seinen Blick zu erwidern, ohne allzu neugierig zu wirken. Dann kam das Signal zum Waffenstillstand, wir haben einander zugewinkt und dann sind wir zu unseren Einheiten gegangen. Wir haben die Verwundeten geborgen, die Toten liegen gelassen und sind dann zu unseren UnterkĂŒnften gegangen. Irgendwann habe ich mich umgedreht und einen Blick zurĂŒck geworfen – und dann sah ich ihn dasselbe tun. Warum, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen...“

„Schade, Lieutenant, aber im Endeffekt nicht weiter wichtig. Sie haben GlĂŒck, wie Sie schon sagten, kam eine Minute spĂ€ter das Signal zum Waffenstillstand, ich garantiere Ihnen, fĂŒr uns alle völlig ĂŒberraschend. Sind Sie etwa Hellseher?“

„Wenn, dann höchstens ein Lehrling, Sir. Von einer ESP-Begabung habe ich weder vorher noch nachher etwas gespĂŒrt. Im Poker verliere ich fast jedesmal.“

„Sir.“

„Lieutenant, das war eine rhetorische Frage, vielleicht ein mißratener Scherz. Ich weiß nur nicht, was ich mit Ihnen machen soll. Ihre Truppe suhlt sich zu recht im Ruhm, Sie sind amtlich anerkannter Held und ausgerechnet den letzten Feind lassen Sie mit Handkuß laufen. Ein Offizier ĂŒbrigens, aber bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit Offiziersehre und so, Sie haben vorher reichlich von denen ĂŒber die Klinge springen lassen. Eine Woche vorher haben Sie sogar einen wesentlich ranghöheren Offizier wie einen Hasen abgeknallt, obwohl der sich bereits in die Hosen schiß.“

„Sir, ich...“

„Ist im Grunde egal, der Krieg ist vorbei und wir werden demobilisiert. Wir haben nicht gerade gewonnen, Lieutenant, das wissen wir alle. Es ist ein Patt, und wir haben das rechtzeitig mitgekriegt und mit dem KĂ€mpfen aufgehört. Daß das Signal so passend kam, ist Ihr großes GlĂŒck. Wir werden das so hindrehen, daß Sie im Augenblick des Waffenstillstandssignals sich vom Feind gelöst und damit kein Kriegsverbrechen begangen haben. Damit sind Ihre Akten in Ordnung. Sie werden schnell demobilisiert und bekommen sogar noch einen Streifen dazu. Sie sind hiermit zum First Lieutenant befördert und haben als ausgezeichneter Kriegsheld Anspruch auf eine gute Versorgung und eine Zweizimmerwohneinheit fĂŒr sich ganz alleine. Oder fĂŒr sich und Ihre Frau.“

„Danke, Sir.“

„Nichts zu danken, First Lieutenant, das sind nur die Vorschriften. Sie sind entlassen, First Lieutenant.“

Ich erwiderte seinen Gruß und ging. Der Oberst im Vorzimmer gab mir noch meine Entlassungspapiere und wĂŒnschte mir noch einen guten Tag. Dann war ich Zivilist. Gut, nicht ganz, ich war Offizier der Reserve, aber immerhin nicht mehr direkt im Armeedienst. Ich konnte sofort verschifft werden, und nach drei Tagen fand ich mich auf meiner Heimatbasis wieder. Das war Steel Ball IV, eine Minenkolonie, die wir beinahe bei den ersten Angriffen an die Aliens verloren hĂ€tten. Nur die Tatsache, daß sie einen vollbeladenen Frachter hoppgenommen hatten, dessen Ladung aus hochexplosivem Gesteinssprengstoff bestand, rettete die Kolonie vor dem Untergang. Sie haben dabei die halbe Expeditionsflotte verloren und dachten, das sei auf Opferbereitschaft und schnelle Gegenwehr zurĂŒckzufĂŒhren...
Unsere Presse tat das Ihrige dazu und schon war die Menschheit kriegsgeil wie noch nie. Nun, wir hatten auch die ersehnten blutdĂŒrstigen Aliens als Gegner. Und die uns.

Nun, das war mittlerweile Geschichte und ich kam in eine Welt zurĂŒck, die ich noch vor gar nicht langer Zeit verlassen hatte.

Nach vier Jahren Krieg war ich, frisch von der Schulbank in die Armee gegangen, jetzt dreiundzwanzig. First Lieutenant der Reserve und ohne Job, dafĂŒr bereits Kriegsrentner. Die Wohnung stand mir zu, dafĂŒr zahlte die Regierung der Vereinigten Planeten, die Rente war erst einmal auch nicht schlecht. Eine Zulassung zur UniversitĂ€t stand mir als Veteran zu, aber ich hatte keine Lust, wieder die Schulbank zu drĂŒcken. Ein eigenes Raumschiff konnte ich mir natĂŒrlich nicht leisten, ich hatte auch keine zivile Pilotenlizenz. Also suchte ich mir einen Job. Die Minen wollten mich nicht haben, sie brauchten Muskelpakete oder Ingenieure, ich war keins von beiden. Nun, ich fand eine Anstellung als Verlader auf dem Raumbahnhof, was gar nicht mal so schlecht bezahlt wurde. Nach ein paar Monaten wurde ich zum Schichtleiter zitiert, der mir eine Beförderung zu seinem Assistenten anbot. Ich nahm dankend an, und er grinste mich breit an: „Kumpel, ich weiß, daß du meinen Job hundertmal besser machst als ich, aber wenn wir uns einig sind, können wir eine ruhige Kugel schieben und unser Soll immer noch ĂŒbererfĂŒllen. Ich weiß nicht, was du bei der Armee gemacht hast, aber arbeiten kannst du und organisieren auch.“

Ich gab ihm als Antwort nur die Hand, er war damit wohl zufrieden. Das ging einige Monate schön und gut, und wir beiden hatten wirklich ein gutes Leben. Das allerdings konnte man nicht von allen anderen behaupten: Massenweise drĂŒcken sich jetzt ehemalige Soldaten auf dem Arbeitsmarkt herum und die RĂŒstungsindustrie fuhr ihre KapazitĂ€ten langsam aber sicher herunter. Die Armee war immer noch fast auf KriegsstĂ€rke, aber die Reserve- und Ersatzeinheiten wurden schon einmal demobilisiert. Und einige Spezialeinheiten, die man nicht unter eine AbrĂŒstungskontrolle unterwerfen wollte. Ich bekam meine Schecks immer noch von der Armee, das fand ich beruhigend. Der Lohn war gut, und so konnte ich in wenigen Monaten eine Kleinigkeit zusammensparen.

Wie jede Idylle, fand diese auch ein Ende. Es kam wie es kommen mußte, irgendwann rief mich einer der Packer mit meinem Armeespitznamen und nannte mich First Coward Lieutenant. Er brĂŒllte rum, ich hĂ€tte mich feige vom Schlachtplatz davongestohlen als ein Offizier der Aliens schon kapitulieren wollte. Ich kannte den Mann nicht, er war nicht aus meiner Einheit. Er fand noch einige Namen fĂŒr mich, und ich setzte dem ein Ende, indem ich seine Stechkarte zerriß. Damit war der Job fĂŒr ihn gelaufen. Der Schichtleiter unterschrieb die Entlassung ohne zu fragen warum, und am nĂ€chsten Morgen hatten wir einen neuen Mann fĂŒr seinen Job. Na gut, eine Frau, gerade 5’ groß, aber eine Stimme am Leib fĂŒr 7’. Sie hatte wohl nie gelernt, in einem normalen GesprĂ€chston zu reden, aber immerhin arbeitete sie wie ein Berserker. Ihre Angewohnheit, keine Freunde zu haben und außerhalb ihrer Arbeit mit niemandem zu reden, machte sie fast sympathisch. Wir schoben unsere Container herum wie es gefordert wurde, so schnell wie eben möglich und fast immer nach Plan. Es ging eine Weile gut und wir bekamen regelmĂ€ĂŸig unsere Bonusschecks. Irgendwann nach Schichtende fragte mich unsere neue Kollegin, nach ihrer liebsten Kommunikationsform von den anderen liebevoll „Schnauze“ genannt, ob ich nicht Lust hĂ€tte, mit ihr ein Bier trinken zu gehen. Ich hatte nichts besseres vor und willigte ein. Sie konnte einen Stiefel vertragen, aber das ist nichts ungewöhnliches hier draußen.

Sie machte nicht viel Federlesens, nicht nur beim Bier. Wir beschĂ€ftigten uns miteinander bis es Zeit wurde, die nĂ€chste Schicht anzufangen. Auf der Arbeit war sie, als wĂ€re ĂŒberhaupt nichts geschehen, nur daß sie vielleicht einige Zoten, die sich mĂ€nnliche Kollegen zuriefen, etwas derber als sonst beantwortete – falls das ĂŒberhaupt möglich war.

Wenn sie mich allein erwischte, grinste sie mich breit an, aber mehr zeigte sie nicht. Deswegen war ich ĂŒberrascht, als sie mich auf meinem Stapler anrief und mich zu sich rief. Doppelt ĂŒberrascht war ich davon, daß ich sie in Begleitung zweier Offiziere fand, deren Uniformen sie als Mitglieder einer der demobilisierten SpezialstreikrĂ€fte auswies. Das war eine weniger gute Überraschung. Eine war Spez Nas, eine russische Elitetruppe, einer war ein Lieutenant Colonel meiner eigenen Einheit. Den kannte ich sogar. Ein Arschloch vor dem Herrn, aber ein fĂ€higer Offizier. Seine SpezialitĂ€t war, mit unzureichenden Daten feinsinnige Analysen mit Extrapolationen ins Unendliche zu fĂŒhren, meistens daneben.

Sein blödes Grinsen werde ich wohl nie vergessen. Er hatte so eine eklig schleimige Art an sich – brrrr.

Er hatte ein paar Neuigkeiten fĂŒr mich: „First Lieutenant, ich habe die Ehre, Sie wieder in den aktiven Dienst zu befehlen. Sie haben da in ihrem letzen Kampf ein Talent bewiesen, das wir heutzutage nicht hoch genug einschĂ€tzen können. Sie haben Ihren Verstand eingesetzt. Ganz im Gegensatz zu vielen Ihrer Vorgesetzten. Sie bekommen einen etwas heiklen Auftrag in Sinne der gegenseitigen SicherheitsbemĂŒhungen, den Sie alleine ausfĂŒhren mĂŒssen. Sie bekommen einen Assistenten Ihrer Wahl und das war’s. Dann sind Sie auf sich alleine gestellt. Die AusrĂŒstung können Sie sich auch aussuchen, aber viel wird es nicht. Seien Sie sich bewußt, daß Sie nur Probleme haben werden, auf die Sie nicht vorbereitet sind.“

Na Klasse.

„Ach ja, Sie bekommen auch ein Aktionsbudget, setzen Sie es geschickt ein, und es wird Ihnen sehr nĂŒtzlich sein. Hier ist Ihre versiegelte Order, Major.“
Ölig grinsend gab er mir einen Tyvekumschlag mit drei Dutzend amtlich aussehenden Siegeln. Seine Augen rollten wie bei einem epileptischen Anfall, aber das imponierte mir schon lange nicht mehr. Ich steckte den Umschlag in die Tasche meines Overalls und drehte mich um. „Die Schicht ist dann auch wohl gelaufen?“ Nur um ihn zu Ă€rgern. „Ziehen Sie los, oder ich – ach was. WEGGETRETEN!“ Ein Schlaganfall stĂŒnde ihm jetzt auch nicht schlecht. Ich schnappte mir meinen Henkelmann, der war schließlich noch voll, und schlich mich in mein Quartier. Dort lagen schon ein paar Uniformen mit den passenden Schulterklappen (warum ĂŒberraschte mich das nicht?) und ein paar Dokumente. Reiseunterlagen, PĂ€sse und ein paar Scheckkarten. Nicht ĂŒbel fĂŒr den Anfang. Alles zivile Karten, einige sogar von Banken unserer ehemaligen Kriegsgegner. Das versprach, interessant zu werden.

Die versiegelte Order hatte einen Vermerk, daß ich sie erst an Bord eines Raumschiffes nach Ugharti, einer Handelskolonie der Aliens, öffnen durfte. Gut, wenn es denn sein sollte, bitte. Einige der Reisedokumente enthielten ZusĂ€tze die mir nahelegten, ohne allzu sichtbar militĂ€rische Begleitung zu reisen. Mit anderen Worten, eine Frau als Begleiterin war erwĂŒnscht, wenn möglich hĂŒbsch. Klang gut.

Schnauze riß mich aus meinen Gedanken. Sie war mir nach dem Schichtende gefolgt und wunderte sich, was ich hier mit all dem Plunder wollte. Sie hatte die Nase voll vom MilitĂ€r und war nicht ganz unzufrieden mit der Art, ihr Leben zu fĂŒhren, wie sie es hier konnte. Ich fragte sie, ob sie Lust hĂ€tte, die Station zu verlassen, und sie grinste mich nur breit an und schĂŒttelte den Kopf. „War nett mit dir, Schatz, aber ich bleibe hier und schiebe weiter Kisten. Ich bin weit genug gereist.“ Drehte sich um und verschwand. Na, dann eben nicht. Ich entschied mich, meine neue Uniform nicht sofort anzuprobieren, durchsuchte sie aber grĂŒndlich. Nun, es schien nichts drin verborgen zu sein, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Ich packte meine Klamotten, viel war es ja nicht, in einen großen Koffer, die Uniform ganz nach unten, und schob ab zum Space Terminal, wo ich eine FĂ€hre zum eigentlichen Raumbahnhof buchte. Die flog in einer Stunde ab, das reichte grade fĂŒr die Formulare. Interessant war, daß mein ziviler Paß mir TĂŒren öffnen konnte, an die ich gar nicht gedacht hatte. Einem der BĂŒrokraten entlockte das ein mittleres Staunen, daß ein Zivilist einfach so einen Platz in einer sonst voll ausgebuchten FĂ€hre bekam, mich erstaunte sein Erstaunen. Er sagte mir, daß RaumtransportkapazitĂ€t bewirtschaftet sei, das heißt, rationiert. Man kann nicht einfach so einen Flug buchen. Zumindest nicht jeder. Das ließ mich etwas grĂŒbeln, aber ohne Ergebnis. Schnauze hielt nicht viel von Zeremonien, und ich hatte auch nicht ernsthaft erwartet, daß sie sich noch einmal rĂŒhrte.

Der Flug mit der FĂ€hre war kurz, nur etwa drei Stunden mit vier Gee, das war zu ertragen. Weniger lustig natĂŒrlich war die Vollbremsung am Ziel, das waren acht. Der Raumbahnhof war einer der Ă€ltesten ĂŒberhaupt, und das sah man ihm auch an. Er war schon mindestens Hundert Jahre in Betrieb, und jedes einzelne hatte seine Dreckschicht hinterlassen. UnzĂ€hlige Anstriche bröckelten ĂŒbereinander dahin und jeder hatte eine andere Schattierung von Grau zu bieten. Nichts zum Vorzeigen, aber es funktionierte eben so.

Auch hier erntete ich einige hochgezogene Augenbrauen, als ich ein Ticket nach Ugharti verlangte, aber nach einigem hin und her hatte ich die BestĂ€tigung in der Hand. Ugharti war ganz schön weit weg, vielleicht nicht einmal im rĂ€umlichen Sinne, aber der Transfer wĂŒrde ĂŒber einige andere Stationen als Relais gehen mĂŒssen, weil natĂŒrlich nicht jeder Bahnhof eine Direktverbindung bieten konnte. Das war nicht weiter tragisch, die Verbindungen waren immer noch recht schnell. Ich mußte nirgendwo lĂ€nger als drei Standardtage auf einen Anschlußflug warten. Auf dem letzten Flug waren mehr Passagiere als auf allen anderen zusammen, ausschließlich Menschen, keine Aliens. Die nannten sich „Raanf“, was in ihrer Sprache auch nur „Mensch“ bedeutet. Auch dies nichts, was unerwartet gewesen wĂ€re. Sie reisten recht selten in unserem Teil der Galaxis, sie unterhielten ein paar Handelsposten, ein oder zwei Kulturzentren, aber das war es dann auch schon. Seit dem Erstkontakt hatte es eigentlich nur den Krieg gegeben, ansonsten keinerlei Auseinandersetzung mit dem Wesen dieser Wesen. Soviel zu meinem fundierten Wissen ĂŒber mein Nichtwissen. Ich hielt mich von grĂ¶ĂŸeren Diskussionen wĂ€hrend der FlĂŒge fern und tat insgesamt recht zugeknöpft, aber das schien man von einem, dessen MilitĂ€rzeit noch nicht allzulange zurĂŒcklag, auch nicht anders zu erwarten. Auf einigen Stationen wurde ich von Beamten der Einwanderungsbehörden vernommen, die sich aber dadurch beruhigen ließen, daß ich nur ein Transitticket hatte.

Ugharti schien solche Nöte nicht zu kennen, es gab nicht einmal Kontrollen zwischen Raumhafen und der Stadt Ugharti. Zum Ausgleich gab es jede Menge Casinos, Bars und Bordelle. Die Hotels waren etwas weiter entfernt, aber das war kein Fehler. Ich suchte mir ein mittelprĂ€chtiges und ruhte mich erst einmal aus. Meine Kreditkarten wurden ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert und meine WĂŒnsche mehr oder weniger prompt erfĂŒllt.

Ich hatte um eine Zeitung gebeten, aber was es hier an BlĂ€ttchen gab, war ausschließlich Werbung fĂŒr Puffs, Casinos, Hotels und Bars. Eine Redaktion schien keins der BlĂ€tter zu haben, hier schien das auch niemand zu vermissen. Ich fragte einen der Angestellten, wie man die Stadt am besten kennenlernen könnte, der allerdings zuckte bloß mit den Schultern. „Was darf’s denn sein: kleine Jungs, MĂ€dchen, schwarzes Leder oder Windeln?“

„Ich dachte mehr an Galerien, GeschĂ€fte, Gesellschaftliches Leben, Kontakte zu örtlichen HĂ€ndlern oder sowas.“

„Das machen doch bloß die Raffer. Wir haben hier echten Spaß. Hey, hier geht das ab wie nichts gutes, ich hĂ€tte da ein paar echt geile Weiber an der Hand, heute, sagen wir um acht?“

„Danke, danke, ich schau mal selbst nach.“ Ich drĂŒckte ihm 20 Credits in die Hand und stĂŒrzte mich ins VergnĂŒgen.

Ugharti war eine typische Kompromißstadt, es hatten sich Planer zweier Kulturen zusammengesetzt, und auf dem grĂŒnen Tisch einen Stadtkern entworfen. Der war auch weitgehend intakt geblieben, KunststĂŒck, wenn außer der Stadtverwaltung und ein paar Banken und GeschĂ€ftsleuten keiner drin lebt. Um den Kern herum wucherte wie ein KrebsgeschwĂŒr die eigentliche Stadt. Puff an Puff, Bar an Bar, nur zwischen den Casinos hatten sie Platz gelassen, damit sich Puffs und Bars ausbreiten konnten. Es gab drei Hautverkehrsmittel: Schusters Rappen in aufwendigen Malls und unterirdischen Passagen, Schnellbahnen ganz unten, und zu guter Letzt, Autos mit Oberleitung auf richtigen Straßen, meistens Taxis und Busse. Die Stadt war im ewigen Aufbruch, ein Schicksal, daß sie mit vielen Ă€hnlichen StĂ€dten auf weitgehend unerschlossenen Planeten teilte. Auf der Erde hatte es das auch gegeben, als die wirtschaftliche Entwicklung in einigen LĂ€ndern zeitweise explodierte. Hier kam als WĂŒrze noch die Exotik dazu, die von den Raanf hineingebracht wurde. Sie waren im Straßenbild kaum auszumachen, aber ihr Einfluß war ĂŒberall prĂ€sent. Ob es Einzelheiten der Architektur waren, die Tatsache, daß es weder ganz gerade Straßen noch rechte Winkel im Stadtplan gab – es lag etwas in der AtmosphĂ€re, das definitiv fremd war.

Ich schlenderte ein paarmal hin und her, bewußt ohne Ziel, nur um die Stadt etwas nĂ€her kennenzulernen. Nichts ĂŒberraschte mich wirklich. Die VergnĂŒgungsschuppen waren garantiert in den HĂ€nden irgendeiner Mafia, die Casinos bestimmt auch und die Verwaltung tat das, was sie am besten konnte: nichts. Die Preise waren relativ niedrig, das ließ mich etwas stutzig werden, aber wahrscheinlich gab es andere Methoden, den Fremden ihr Geld aus der Tasche zu holen.

Auf einem Bildschirm fand ich eine AnkĂŒndigung, die mich wirklich interessierte: Etwa ein Dutzend unserer Offiziere waren als Kriegsverbrecher an die Raanf ausgeliefert worden, sie hatten zum Teil extrem sadistische Folterungen an Kriegsgefangenen zu verantworten. Als Geste zur VerstĂ€ndigung hatte die Terranische Delegation zugestimmt, diese abscheulichen Verbrechen ahnden zu helfen. Unter der Bedingung, daß sie nicht zum Tode verurteilt werden dĂŒrften, wurden sie der Raanf-Gerichtsbarkeit unterstellt. Morgen sollte das Urteil an ihnen hier auf Ugharti vollstreckt werden. Mein versiegelter Befehl war, zu beobachten und nach eigenem Ermessen zu handeln. Nicht sehr direkt, nicht sehr konkret. Ich hatte meine Zweifel, ob das Handeln sich auf diese Exekution bezog, aber ich wollte mir auf jeden Fall ansehen, was die Raanf mit Kriegsverbrechern anstellten. Töten durften sie sie ja nicht, aber bei solchen Verbrechern war ich ja schon fast ein Verfechter der Todesstrafe...

Es gab sogar Eintrittskarten zu kaufen, mit der Berechtigung, einen der Gefangenen zu beugen, was auch immer das bedeuten sollte. Ich fragte nach, und bekam zur Antwort, daß einfach nur Zuschauen auch fĂŒr freien Eintritt zu haben sei. Nicht wesentlich schlauer nahm ich mir vor pĂŒnktlich zu sein und schob zu einer Bar weiter, wo sich angeblich die Ugharti’sche Halbwelt treffen sollte. Wenn es so etwas ĂŒberhaupt gab, saß sie in den RĂ€ten und Verwaltungen, aber ich fand die Show nicht ganz uninteressant.

Irgendwann geriet ich an einen Raanf, der mich zu einem Bier einlud. Ihr Stoffwechsel ist unserem recht Àhnlich, also auch ihre Laster. Er trank einen Schluck auf mein Wohl, dann fragte er, ob ich Soldat gewesen sei. Ich sagte ja, und er fragte, ob und wo ich gekÀmpft habe. Ich sagte es ihm, und er meinte, dann hÀtten wir einige der KÀmpfe zusammen ausgefochten. Ich lachte leise und meinte, vielleicht sogar miteinander. Auch möglich, meinte er und wurde ernst.

„Wir haben beide etliche unserer Freunde verloren, vielleicht hat der eine von uns den besten Freund des Andern umgebracht. Ich bin dir nicht böse deshalb, es war schließlich Krieg. Aber WARUM? WARUM? WARUM? Das ist etwas, was ich nie verstehen werde.“

„Was ich weiß ist, daß der erste Zusammenstoß ein Irrtum war. Da hĂ€tte niemals geschossen werden dĂŒrfen. Ich habe selbst mit meiner Einheit, die nicht gerade ein Haufen Pazifisten war, nie so ein dilettantisches StĂŒck FĂŒhrungsarbeit gesehen. Ich habe etliche Aufzeichnungen von der ersten Begegnung gesehen und ich verstehe heute noch nicht, warum die „Johnson“ das Feuer auf eure Station eröffnet hat, und schon gar nicht, warum sie alle Evakuierungsschiffe zerschossen hatte.“

„Das tut mir einerseits wohl, daß du das als dilettantisch bezeichnest. Aber auf der andren Seite wĂŒĂŸte ich zu gerne, was ihr von der Ehre eines Kriegers haltet, der bestimmt nicht von ungefĂ€hr Admiral der „Johnson“ war.“

„Wenn er sich ehrenvoll verhĂ€lt, sehr viel, wenn nicht, ist er ein Fall fĂŒrs Kriegsgericht.“

„Formvollendet. Aber ich bin mir immer noch nicht im klaren, ob ihr wißt, was das heißt. Wir werden morgen hier auf Ugharti damit fortfahren, ein solches Kriegsgerichtsurteil zu vollstrecken. Komm doch mit zum Richtplatz, sie haben dafĂŒr das große Casino gemietet. Dann wirst du sehen, was wir von solchen Lumpen halten. Wenn der etwas weniger Angst gehabt hĂ€tte, konnte eine gute Million Leute noch leben.“

„Ich werde kommen, kannst du mir erklĂ€ren, was der Begriff „Beugen“ in diesem Zusammenhang zu bedeuten hat? Ich kann damit nichts anfangen.“

„Könnte ich, aber schau es dir selbst an, das ist die grĂ¶ĂŸte Schande, die ein Raanf zu ertragen hĂ€tte, wenn er sich gröblichst gegen unsere Sitte und Moral vergangen hĂ€tte. Der Tod ist manchmal eine Ehre, das Beugen nie. Ein Raanf wĂŒrde lieber sterben, als sich zu beugen. Nicht einmal in unseren GefĂ€ngnissen tut er sich das an.“

„Was ist es denn?“

„Ich kann es nicht aussprechen. Aber von den 14 Kriegsverbrechern, die wir uns ausbedungen haben, sind fĂŒnf schon vor Scham gestorben. Admiral Raleigh ist noch am Leben. Er ist auch dabei morgen.“

Schande jeglichen Kalibers gönnte ich ihm, aber ich wurde immer neugieriger. Nur, mein GesprĂ€chspartner wollte auch nach dem neunten Bier nicht mit der Sprache rausrĂŒcken. Statt dessen bekam ich einiges ĂŒber seine Laufbahn zu hören und ĂŒber seine EinsĂ€tze. Er hatte wirklich an einigen KriegsschauplĂ€tzen gekĂ€mpft, an denen ich auch gewesen war, und so fachsimpelten wir ein Weilchen miteinander, ob nicht diese oder jene Entscheidung unserer Offiziere möglicherweise Sieg oder Niederlage bedeutet haben könnte. NatĂŒrlich kamen wir zu keinem Ende, aber es war sehr interessant. Am Ende des Abends lud er mich zu sich nach Hause ein, damit ich nicht in so einer Wanzenbude schlafen mĂŒĂŸte, wie er unsere Hotels nannte.

Sein Haus war gar nicht so ĂŒbel, unten BĂŒro und Laden, oben ein beachtlich großer Wohnraum, eine KĂŒche daneben und eine TĂŒr in die privateren Teile. Das Ganze sah irgendwie nach Tex-Mex – Adobe und einem Hauch Exotik aus, mit anderen Worten: ein schönes Zuhause. An den WĂ€nden hingen gemalte Bilder und alte vollmechanische Waffen, meistens Jagdgewehre. Neben der EingangstĂŒr hatte er sogar einen Kamin, der allem Anschein nach oft in Betrieb war. Auf dem Kaminsims die einzigen Reminiszenzen an seine Soldatenzeit: ein zerschossenes Helmvisier und eine von unseren Armeeuhren. Ein paar Orden vervollstĂ€ndigten das Bild, kein Portrait von ihm als Offizier oder so etwas. Auf dem Rauchabzug kreuzten sich zwei uralte Speere, beide aber sichtlich neuen Datums und die Klingen aus hochwertigen StĂ€hlen. Die WĂ€nde waren mit weißem Bewurf verputzt, der Boden und die Decken waren mit Holz vertĂ€felt und das Mobiliar war passend dazu recht rustikal, meist Rundhölzer mit der Rinde noch drauf.

„Du scheinst entweder sehr viel Wert auf deine militĂ€rische Laufbahn zu legen, oder dein Interesse an Geschichte ist etwas grĂ¶ĂŸer als es auf den ersten Blick aussah.“

„Du wirst es nicht glauben, aber beides ist richtig. Ich stamme aus einer uralten Offiziersfamilie und wir haben das Reich der Raanf mit aufgebaut. Nicht alle meine Vorfahren waren im aktiven Dienst, es gab schließlich auch Jahrhunderte ohne Krieg, aber alle waren Offiziere. Das prĂ€gt natĂŒrlich. Die meisten davon waren auch leidenschaftliche JĂ€ger, das hat natĂŒrlich auch Spuren hinterlassen.“

Wir tranken noch ein paar Bierchen, und dann fĂŒhrte er mich in eins der GĂ€steschlafzimmer. Nicht schlecht, entfuhr es mir, als ich sah, was das fĂŒr ein luxuriöses Gemach war. Das Bett war ein Holzrahmen voller Felle, darĂŒber ein großes Moskitonetz und die SchrĂ€nke waren aus regelrechten Balken gezimmert – rustikal, aber ein Vermögen wert und bestimmt alle aus massiven Edelhölzern. Ich verstaute das Wenige, was ich mitgebracht hatte und versank im Bett.

Mitten in einem wilden Traum fuhr ich hoch, nur um festzustellen, daß es helles Tageslicht war und mein FrĂŒhstĂŒck bereits neben dem Bett stand. Der Tee war kochend heiß, also konnte es noch nicht lange da stehen, aber ich hatte keinerlei GerĂ€usch gehört. Ich aß schnell und duschte kurz, um mich danach besser denn je zu fĂŒhlen.

„Nebenbei, ich heiße Peeret“, begrĂŒĂŸte mich mein Gastgeber, „ich hoffe, dein Name ist kein Staatsgeheimnis?“

„Ganz bestimmt nicht, ich bin Ryan McGillivray, und ich war First Lieutenant im Krieg.“

„Und jetzt?“

„Ich arbeite hier und da, ich habe noch nichts passendes gefunden. Im Augenblick arbeite ich an einem Handelsprojekt, ich suche Kunstgewerbliche GegenstĂ€nde der Raanf, um sie hier anzukaufen und auf der Erde wieder zu verkaufen.“

„So etwas wie diese Waffen oder Möbel wie diese hier?“

„Das wĂ€re eine Idee, sind sie authentisch?“

„Mehr oder weniger, es sind Möbel, die ich selbst entworfen habe, nicht gerade der bei uns etablierte Stil, aber mir gefĂ€llt es. Unsere traditionelle Einrichtung ist mir zu ĂŒberladen, etwa so wie bei euch in der Rokokozeit – nur eben bunter und meist Plastik.“

„Dann lieber dein Geschmack, Peeret.“

„Alte Jagdwaffen könnte ich beschaffen, die sind aber wirklich teuer, denn authentische AntiquitĂ€ten wie die dort drĂŒben im WaffenstĂ€nder werden seit Hunderten von Jahren nicht mehr hergestellt. Die Jagd ist kein Privileg der Hohen StĂ€nde mehr, und die Waffen sind geradezu erschreckend billig geworden. Den Gebrauch von Feuerwaffen zur Jagd haben wir stark eingeschrĂ€nkt, denn wir wollen, daß nur wirklich gute SchĂŒtzen jagen dĂŒrfen und nicht jeder Idiot einen Glieecc aus fĂŒnfhundert Metern mit einem Suchgeschoß ĂŒber den Haufen schießt. Wir jagen mit Pfeil und Bogen, alles andere ist bei uns absolut unĂŒblich.“

Ich ging zu dem Waffenregal und zeigte auf eine schlichte JagdbĂŒchse mit einem wunderschön gemaserten Schaft.

„Was wĂŒrde die etwa kosten?“

„Die ist ein ScharfschĂŒtzengewehr aus dem Krieg, die kriegst du unter Freunden fĂŒr etwa dreihundert ISC.“

„Dreihundert Interstellarcredits ist nicht sehr viel, und diese Waffe ist wunderbar gearbeitet, das Zielfernrohr ist alleine das Zehnfache wert.“

„In der Herstellung bestimmt, aber es gibt im Augenblick zu viele davon auf dem Markt, seit wir demobilisieren. Die Armee verkauft sie so wie sie da steht fĂŒr FĂŒnfzig.“

Er sah auf die Uhr ĂŒber dem Kamin.

„Und nun zum weniger angenehmen Teil des Tages, in einer halben Stunde beginnt das Beugen, und wir sollten uns das nicht entgehen lassen.“

Bei diesen Worten war er schon zur TĂŒr gegangen und winkte mich zu seinem Wagen, einem recht großen Bodeneffektgleiter mit Turbofanantrieb. Ich nahm neben ihm platz und er verschwendete nicht viel Zeit mit den Ritualen des Straßenverkehrs.

Erst als ich hinter mir ein GerĂ€usch hörte, sah ich den jungen Raanf, der völlig selbstvergessen ein Videospiel spielte. Es ging darum, einen kunstvoll aufgeschichteten Haufen Kugeln nach gleichfarbigen Paaren geordnet abzurĂ€umen, und er schaffte die 144 Kugeln mit konstanter RegelmĂ€ĂŸigkeit in weniger als einer halben Minute. Das Spiel schien ihn völlig zu beanspruchen.

„Ich vergaß, dir meinen Sohn vorzustellen, Ryan, das ist Peeret Junior, wie ihr es bei euch nennen wĂŒrdet. Hier heißt das Saak Peeret.“

Der Junge löste sich von dem Spiel und berĂŒhrte mit der rechten Hand seine linke Schulter. Ich tat dasselbe und er lĂ€chelte mich etwas linkisch an.

„Guten Tag, Mr. Ryan, ich bin sehr geehrt, Sie kennenzulernen.“

„Du siehst, unsere Jugend wird gut ausgebildet. Um MißverstĂ€ndnisse zu vermeiden muß man einander kennenlernen – auch wenn uns das von anderen Dingen, die möglicherweise mehr Spaß machen, ablenkt.“

Saak Peeret wurde dunkel im Gesicht, interessant, das schien dieselbe Verlegenheit zu sein, wie eins unserer Kinder spĂŒren wĂŒrde.

„Wird Saak Peeret auch das Beugen ansehen?“

„Deswegen ist er bei uns. Das gehört auch zu seiner Ausbildung, daß er sieht, was einem Wesen passiert, das seine Ehre aufgibt. Er ist immerhin schon elf eurer Standardjahre alt, das entspricht einem Reifegrad von einem gleichaltrigen Kind eurer Rasse.“

„Einem so jungen Kind wĂŒrden wir keinen Zutritt zu einer Exekution gewĂ€hren!“

„Stimmt, aber die Exekutionen verlaufen bei euch auch etwas anders. Aber das wirst du schon mit eigenen Augen bewundern mĂŒssen.“

Bei diesen Worten schwenkte er in eine Einfahrt ein, die mit einem roten Signal markiert war und suchte schnell und geschickt einen Parkplatz fĂŒr das Fahrzeug. Wir mußten nicht weit zum Eingang laufen, offensichtlich war der grĂ¶ĂŸte Andrang noch nicht da. An der Sperre gaben wir Erwachsenen unsere Tickets ab und eine Wache fĂŒhrte uns zu einer TribĂŒne. Wir bekamen PlĂ€tze ziemlich genau in der Mitte zugewiesen, offensichtlich die besten, die diese Show zu bieten hatte. Wir hatten volle Sicht auf die BĂŒhne, auf der neun recht seltsame Gestelle montiert waren. Eine Art Reck, die Stange allerdings nur in HĂŒfthöhe, davor zwei Stahlringe dicht ĂŒber dem Boden und dahinter ein Gestell mit einem großen Ring in der Mitte und zwei kleineren Ringen rechts und links davon. Hinter den Gestellen, aus der Sicht des Publikums, waren Schilder montiert mit den Namen der Delinquenten. Admiral Raleigh hatte seinen Platz in der Mitte der Reihe gefunden.

Es dauerte nicht lange, und die Delinquenten wurden auf die BĂŒhne gefĂŒhrt, gekleidet in graue Kutten und die Köpfe kahlrasiert. Alle waren in schwere Ketten gelegt und schlurften apathisch zu den Gestellen. Ich nahm an, da habe jemand mit Drogen nachgeholfen, erfuhr aber spĂ€ter, daß dies gegen alle Regeln und GebrĂ€uche der Raanf gewesen wĂ€re. Sie ließen sich teilnahmslos zu den Gestellen fĂŒhren, wo ihre FĂŒĂŸe in die Ringe am Boden geschlossen wurden, so daß sie mit dem RĂŒcken zum Publikum zu stehen kamen. Dann stieß sie eine Wache in den RĂŒcken, daß sie ĂŒber die Stange fielen, eine andere Wache schloß HĂ€nde und HĂ€lse in die entsprechenden Ringe auf der anderen Seite der Stange. Dann hob man ihre Kutten hoch, und so standen sie nackt da, den Hintern in die Luft gereckt, der Dinge harrend, die da kommen sollten. Eine Wache schritt die Arschparade ab und stopfte in jeden Hintern etwas hinein. Dann kamen auch schon die ersten zahlenden GĂ€ste: neun Raanf stellten sich hinter die Gefangenen, ließen ihre Hosen runter, massierten ihre Penes bis zur Erektion und fickten die GenerĂ€le und AdmirĂ€le anal. Wenn einer fertig war, wurde er vom nĂ€chsten abgelöst. Einige genossen es sichtlich, einige vollzogen sichtlich nur ein Ritual. Ich konnte sehen, daß einige wenige die Penetration nicht vollzogen, sondern nur symbolisch den Hintern ihres Delinquenten mit dem Penis berĂŒhrten, andere gaben alles, was sie hatten und mancher schrie seinen Orgasmus laut hinaus. In einer Mischung aus Faszination und Ekel sah ich zu, wie einige Hundert Raanf die Gefangenen vergewaltigten. Bei einigen blutete das Rektum, keiner war mehr in der Lage, seinen Stuhl zu halten. Die Wachen hatten deswegen jedem eine Mullbinde in den Darm eingefĂŒhrt. Jede volle Stunde gab es fĂŒnf Minuten Pause.

Das war allerdings eine echte Strafe, die keiner, der sie einmal gesehen hatte, je vergessen wĂŒrde. Hier wurden Menschen, die sich brutaler Verbrechen schuldig gemacht hatten, von einer ganzen Nation in den Arsch gefickt. Kein Wunder, daß sich diese Schande keiner antat, der noch halbwegs alle Tassen im Schrank hatte. Saak Peeret starrte das Geschehen fasziniert an, er war nicht ansprechbar, so nahm es ihn gefangen.

Mitten in der dritten Stunde gab einer der Gefangenen einen Schrei von sich. Erst dachte ich, er habe sich verletzt, aber er hatte bemerkt, daß der Mann neben ihm gestorben war. Die Wachen stellten den Tod fest und lösten die Leiche vom Gestell. Sie schleiften den Toten hinaus, montierten das Gestell ab, und schoben die anderen dichter zusammen, daß keine LĂŒcke bleibe. Eine Anzeigentafel informierte uns, daß eben ein General der Luftlandetruppen seiner Schande erlegen sei, der fĂŒr Schuldig befunden worden war, Gefangene Raanf zu Hunderten aus Landeeinheiten in großer Höhe abgeworfen zu haben. Meist ĂŒber gebirgigen Landschaften, um sicherzustellen, daß sie auch einen harten Aufschlag hĂ€tten. Die BuchfĂŒhrung gab bekannt, daß ihn fĂŒr jeden Gefangenen, der auf seinen Befehl hin starb, fĂŒnf Mann in den Hintern gefickt hatten. Ich fand, das war nicht viel, Peeret antwortete, es seien immerhin zweitausend Morde gewesen.

Admiral Raleigh ließ die DemĂŒtigung ĂŒber sich ergehen, ohne irgendeine Äußerung von sich zu geben. Nicht etwa aus Stil, den hatte er bestimmt nicht, sondern, weil er total apathisch danebenhing, er mußte schon lange den letzten Verstand verloren haben.

„WĂ€re das nicht langsam humaner, ihm eine Kugel in den Hintern zu schießen? Der spĂŒrt doch sowieso nichts mehr.“

„Vielleicht, aber er muß das schon selbst tun. Unsere BrĂ€uche sehen das nicht anders vor, und wenn er sich nicht selbst tötet, muß er da durch. Einige von uns haben zu Anfang vermutet, es habe ihm gefallen, aber selbst die hartnĂ€ckigsten Vertreter dieser Meinung sind mittlerweile davon ĂŒberzeugt, daß sie sich geirrt hatten.“
„Und was sagt dein Sohn dazu, wenn er sich dies mitansehen muß?“

„Er hat mir geschworen, daß er niemals etwas unternehmen wird, das ihn in diese Situation bringen könnte. Diese Schande will er sich und allen anderen ersparen.“ Bei diesen Worten stand er auf und wies auf den Ausgang. Schien Nerven zu haben, der Mann.

„Na, das glaube ich gerne. Es scheint, bei euch ist HomosexualitĂ€t nicht sehr hoch im Ansehen?“

„Nun, wir machen nicht gerade so ein Aufhebens darum wie einige von euch, aber HomosexualitĂ€t ist bei uns nichts, worĂŒber man sich aufregt. Aber hier geht es gar nicht um SexualitĂ€t, hier geht es darum, von Anderen als etwas benutzt zu werden, worĂŒber man selbst keine Kontrolle hat. Wenn sich einer von uns mit einem Sexualpartner des gleichen Geschlechts zusammentut, dann deshalb, weil beide es wollen. Das hier ist etwas, wo einer keine Chance hat, auch nur ein Wort mitzureden. Diesen totalen Verlust, sein eigenes Leben zu bestimmen, das nennen wir das Beugen, das ist die grĂ¶ĂŸte Schande, der sich ein intelligentes Wesen unterwerfen kann. Jeder von uns wĂŒrde lieber sterben, als das auch nur einen Tag mitzumachen. Im Grunde genommen ist es uns allen eher peinlich, daß da noch einer lebt, aber nun, da sie ihre Schande annehmen, mĂŒssen wir alle da durch.“ Er klang nicht sehr begeistert. Einen großen Teil des Heimwegs ĂŒber schwiegen wir alle.

„In der Schule haben sie uns erzĂ€hlt, es sei mehrere Tausend Jahre her, daß das Beugen das letzte Mal vollstreckt worden sei, und der Verurteilte damals soll noch beim ersten Mal vor Scham gestorben sein. Ich könnte das nicht einmal in Gedanken.“ Saak Peeret schĂŒttelte sich. „Aber, hast du Lust, mit mir ein Kugelduell zu machen?“

„Wenn du mir erklĂ€rst wie das geht, bestimmt.“ Da schleifte er mich schon vor seinen Computer und drĂŒckte ein paar Tasten. Vor uns erschien das Hologramm eines Haufens Kugeln, kunstvoll aufgeschichtet.

„Du siehst, diese Kugeln sind immer zu viert in einem Muster zu finden. Rechts oder links mĂŒssen sie frei zugĂ€nglich sein, und es darf keine Kugel auf ihnen liegen. Dann kannst du sie paarweise, immer zwei von einem Muster abrĂ€umen. Wenn du das ganze Feld abgerĂ€umt hast, hast du das Spiel gewonnen. Das Duell geht ĂŒber sieben Versuche, wer zum Schluß die meisten Punkte hat ist Sieger. FĂŒr vollstĂ€ndiges AbrĂ€umen gibt es vier Punkte, fĂŒr eine Zeit in den zehn besten nochmals einen, fĂŒr Aufgeben bei Aussichtslosigkeit gibt es zwei Punkte und wenn du es gar nicht schaffst, gibt es keinen Punkt. Ich lösche jetzt die Liste der zehn besten Zeiten, und dann geht es los. Du darfst anfangen.“

Das Spiel funktionierte genau wie Mah-Jongg, das hatte ich schon oft gespielt. Es reichte, die holografisch dargestellten Kugeln mit der Fingerspitze zu berĂŒhren, dann verschwanden sie. Ich lieferte ganz brauchbare Zeiten, aber drei Spiele verlor ich komplett. Saak Peeret verlor auch ein Spiel, zwei gewann er, und vier gab er auf, bevor er verlor. Immerhin 18 zu 20 fĂŒr mich. Ich staunte nicht schlecht darĂŒber, daß das Aufgeben mit Punkten belohnt wurde.

„Das ist gar nicht so dumm wie es aussieht. Es ist schwer, mit abgebrochenen Spielen ein Duell zu gewinnen, aber mit Punkten zu verlieren ist immer besser als ohne. Und außerdem, das was man eigentlich dabei lernt ist, zuzugeben, daß man das falsche Mittel gewĂ€hlt hat. Dann kann man rechtzeitig ein anderes wĂ€hlen ohne sein Gesicht zu verlieren. Mit einer anderen Strategie kommt man nĂ€chstes Mal eher zum Ziel – oder man ĂŒberlegt, wie eine Strategie erfolgreicher angewendet werden kann. Auf jeden Fall lernt man so, daß eine Niederlage auch positive Konsequenzen hat. Wenn Einsicht nicht belohnt wird, rennt man aus Angst, zu versagen, genau in die teuersten Niederlagen hinein. Nicht nur im Spiel, auch im tĂ€glichen Leben. Unsere Kinder werden ĂŒber solche Spiele dazu gebracht, ĂŒber ihr Leben und ĂŒber ihre Strategien, dieses Leben zu meistern, nachzudenken.“

Er holte drei GlĂ€ser, fĂŒllte sie mit einer kalten Erfrischung und stellte sie auf Saak Peerets Schreibtisch. Dann grinste er mich breit an: „Oder glaubst du etwa, es waren deine Leute, die um den Waffenstillstand gebeten haben?“


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jon
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Überlistet vom Wort Short Story (die in meine Mittagspause zu passen schien), hab ich den Text gelesen. Durchweg. Damit ich hab ich eigentlich schon das grĂ¶ĂŸte Lob ausgesprochen, das ich diesem Text zukommen lassen kann.


Der grĂ¶ĂŸte "Tadel" ist, dass es sich liest wie ein verunglĂŒckter Roman: Viiiiel Setting, viiel Plot, (relativ) viele Statisten, nahezu keine (ĂŒber Grobzeichnungen hinausgehende) Charaktere, eine einzige (an der LĂ€nge des Textes gemessen) magere „Pointe“ (es fehlt mir irgendwie das GefĂŒhl, zu begreifen: Ach darum gehts!)


Das GrundgefĂŒhl, mit dem ich aus der Geschichte rauskam, entspricht zwar dem, den ich bei Chandlers ShortStorys hatte (ShortStory als Lebensausschnitt / insofern stimmt der Titel schon), aber dort waren die Personen lebendiger und der Ausschnitt wirklich ein Lebens-Auschnitt und nicht ĂŒber weite Strecken ein Lebens-Abriss.

Der Anfangsdialog funktioniert nicht richtig (ich "höre" die Sprecher nicht – vor allem der Vorgesetzte haspelt zu viel nur herunter; an einer Stelle gibt es sogar einen Stolperer im Wechsel der Redner) und steht in keinem sichtbaren Zusammenhang zum Rest der Story.

Der Kurzabriss des Nach-Kriegs-Lebens wirkt wie ein Exposee und ist fĂŒr den Vorgang (das „Beugen“ beobachten) oder die Pointe („strategischer" Waffenstillstand) belanglos.

Der ErzĂ€hlstil ist irgendwie inkonsequent – anfangs nur "Mikrofon", dann "rĂŒckblickender Bericht", ab und an eine Formulierung wie aus "eben geschieht es" heraus (was den irgendwie unfertigen, seeehr alltagssprachlichen Stil dieser Stellen erklĂ€rt) und dann wieder "generelle Betrachtungen" oder "Berichtssprache".

Am meisten stĂ¶ĂŸt mir aber die Vergewaltigungszene auf. Dabei ist es weniger die AusfĂŒhrlichkeit (die stilistisch zu rechtfertigen mir jetzt, da ich das schreibe, die einzige BegrĂŒndung fĂŒr das durchkauende Vorab zu sein scheint), sondern wegen der fehlenden Resonanz. Es ist wie einem Porno: Der Leser bekommt es gezeigt – die Hauptperson ist nur noch Alibi dafĂŒr, dass es ĂŒberhaupt zu sehen ist. Die Hauptperson reagiert nicht. FĂŒhlt nicht. Sie denkt ein bisschen was – irgendwas sehr "verkopftes". Gut: Anfangs ist er so ĂŒberrascht / entsetzt / "fasziniert", dass er keiner Regung fĂ€hig ist. Aber erst nach ÜBER ZWEI STUNDEN (da erst ist ertönt der Schrei) denkt er mal kurz was (aber was! nicht: "wie grĂ€sslich" oder so, nein er denkt "Da hat sich einer verletzt" / PS: Dass der Verurteilte schreit, weil er den Tod des "Nachbarn bemerkt" ist m.E. unglaubwĂŒrdig.) und guckt dann ungerĂŒhrt weiter. Ok: Der Typ ist abgebrĂŒht und dass er "danach" so schnell wieder den Sachlichen geben kann, mag ja zum "Kriegs-Helden" passen – aber er ist wĂ€hrend der ganzen mehrstĂŒndigen Prozedur völlig gefĂŒhllos (sogar gedankenlos!) und plaudert danach ohne irgendwelche AufwĂŒhlungserscheinungen munter mit seinem "neuen Freund" – alles, was ihm einfĂ€llt, ist die (entschuldige: hochgradig naive) Frage, ob die Raanf ein Problem mit der HomosexualitĂ€t hĂ€tten
 Kurz: Dieser Figur fehlte jedes Leben, sie ist das blanke Alibi, um dem Leser einen (zum Teil pornografischen) Plot in einem (dahingesagten) Setting auftischen zu können


Zusammenfassung: Entweder auf das Wesentliche (des Plots) eindampfen oder das Wesentliche (der "menschlichen Seite") ausdehnen.
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MarleneGeselle
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Starker Anfang - schlimmes Ende

Hallo,

so schwer wie heute, habe ich mich schon lange nicht mehr mit einer Geschichte getan. Ein hervorragender Anfang, im Mittelteil liebevoll eine Zukunftswelt aufgebaut, bei der nur Kleinigkeiten zu Àndern wÀren (siehe meine Anmerkungen unten ) ? aber dann der Rest!!
Ich denke, du solltest die Geschichte noch einmal grĂŒndlich ĂŒberarbeiten. Hast doch in vielen anderen Geschichten gezeigt, was in dir steckt.

GrĂŒĂŸe
Marlene



"Das glaube Ihnen, wer auch immer es will, ich weiß es besser. Daß Sie nicht töten können, kann auch keiner behaupten, Sie haben im Nahkampf einhundertsechzehn Gegner zum Teil mit der bloßen Hand getötet.
(( FĂŒr den Leser ist nicht klar, um was fĂŒr eine Art Nahkampf es sich handelt. HĂ€userkampf oder Stellungskampf wie im zwanzigsten/einundzwanzigsten Jahrhundert?? Der Leser weiß noch nicht, in welcher Zeit und an welchem Ort die Geschichte/Vernehmung spielt. Könnte der Vernehmende nicht auf einen konkreten Angriff o. a. Bezug nehmen, wĂ€re hilfreich. ))

Sie haben Ihre Einheit zu einer kleinen ... was wir ĂŒbrigens Ihrem FĂŒhrungstalent zuschreiben."
(( Den Abschnitt vielleicht ein wenig kĂŒrzer fassen und den Vorgesetzten schneller zum eigentlichen Thema kommen lassen. Wirkt sonst ein wenig ermĂŒdend. ))

"Meine Einheit wurde von einer Angriffspitze der Aliens gezielt angegriffen, die hatten es direkt auf uns abgesehen. Es war eine gute Einheit, die haben gekĂ€mpft wie die Löwen. Ihr FĂŒhrer fiel als einer der ersten, den habe ich persönlich ĂŒber den Haufen geschossen. Einer an seiner Seite ging dann auf mich los und ich habe ihn ins Bajonett laufen lassen. Ich habe dann aus den Augen verloren was hinter mit passierte, denn ein dritter Feind ging auf mich los. Es war zu nah um Gewehre einzusetzen, und wir zogen die Dolche und haben uns dann heftig miteinander beschĂ€ftigt. Irgendwann kriegte sein Gewehr einen Treffer, ich sah nicht, von woher. Es hatte keine Projektile mehr im Magazin, aber noch fast volle Batterien, das wurde mir klar als die Kondensatoren anfingen zu pfeifen. Er warf das Gewehr weg. Was mir auffiel, er warf es nicht nach vorne, wo er mit der Explosion der Kondensatoren noch einige von uns hĂ€tte töten können, sondern nach hinten in einen frischen Explosionstrichter, wo das Gewehr keinen Schaden anrichten konnte."
(( Die Art der Waffen verwirrt mich. Es ist von Dolchen und Bajonetten die Rede, als handele es sich um eine Schlacht des ersten Weltkrieges. Der Gegner besitzt jedoch Waffen, die Projektile verschießen, aber Batterien haben. Theoretisch hĂ€tten die technisch ĂŒberlegenen Gegner den Trupp doch aufreiben mĂŒssen.
Der Gegner wird zudem nahezu konturlos aus "Feind" beschrieben. Warum werden die Gegner nicht an Angehörige eines bestimmten Volkes, als Angehörige einer bestimmten Einheit usw. dargestellt. Man kennt doch seinen Gegner, gibt ihm einen - mindestens - Schimpfnamen. ))

Ich wette meinen Monatssold, daß er darĂŒber noch viel erstaunter war als wir beide zusammen.
( MĂŒsste es nicht heißen: .. als ich? ))

"Wenn, dann höchstens ein Lehrling, Sir. Von einer ESP-Begabung habe ich weder vorher noch nachher etwas gespĂŒrt. Im Poker verliere ich fast jedesmal."
(( Auf dem Gebiet der außersinnlichen Wahrnehmung kennen sich nur wenige aus. Hier solltest du vielleicht etwas mehr erklĂ€ren. ))

Ich erwiderte seinen Gruß und ging. Der Oberst im Vorzimmer gab mir noch meine Entlassungspapiere und wĂŒnschte mir noch einen guten Tag.
(( Warum ein so hoher Dienstgrad im Vorzimmer?? GenĂŒgt da nicht ein niedrigerer Dienstgrad? ))

Das war Steel Ball IV, eine Minenkolonie ...
(( Der Name ist mir ein bisschen zu platt. "Stahlball Nr. 4" wĂŒrde ich keine Kolonie nennen.))


Nun, wir hatten auch die ersehnten blutdĂŒrstigen Aliens ...
(( Wieder platt. Welchem Volk gehören die "Aliens" an? Wie schauen sie aus? Woher kommen sie? ))

Nun, das war mittlerweile Geschichte und ich kam in eine Welt zurĂŒck, die ich noch vor gar nicht langer Zeit verlassen hatte.

Nun, ich fand eine Anstellung als Verlader auf dem Raumbahnhof,
(( Der Mann ist hochintelligent, hochqualifiziert .... Warum sucht er sich keinen besseren Job? FĂŒr einen solchen Mann mĂŒsste es doch die feinsten Stellen geben. SpĂ€ter schreibst du, dass er immer noch Schecks von der Regierung bekommt - als Reserveoffizier. Warum kriegt er Geld - ohne etwas dafĂŒr tun zu mĂŒssen? ))

Und einige Spezialeinheiten, die man nicht unter eine AbrĂŒstungskontrolle unterwerfen wollte....
(( Warum ist der Mann nicht hier?? ))

Eine war Spez Nas, eine russische Elitetruppe, einer war ein Lieutenant Colonel meiner eigenen Einheit. Den kannte ich sogar. Ein Arschloch vor dem Herrn, aber ein fĂ€higer Offizier. Seine SpezialitĂ€t war, mit unzureichenden Daten feinsinnige Analysen mit Extrapolationen ins Unendliche zu fĂŒhren, meistens daneben.
(( Weiter am Anfang war von der Regierung der Vereinigten Planeten die Rede. Wo kommen jetzt die russischen Elitetruppen her? ))

Sein blödes Grinsen werde ich wohl nie vergessen. Er hatte so eine eklig schleimige Art an sich - brrrr.

Ölig grinsend gab er mir einen Tyvekumschlag...
(( Was hat es mit dem Umschlag auf sich? Was muss man sich unter einem Tyvekumschlag vorstellen?))

Ich schnappte mir meinen Henkelmann...
(( Ich verstehe die Sache mit dem Henkelmann nicht so recht. Die Dinger gab es im neunzehnten und frĂŒhen zwanzigsten Jahrhundert. Jede Tupperdose aus dem spĂ€ten zwanzigsten Jahrhundert ist da besser. ))

...mich erstaunte sein Erstaunen. Er sagte mir, daß RaumtransportkapazitĂ€t bewirtschaftet sei, das heißt, rationiert. Man kann nicht einfach so einen Flug buchen. Zumindest nicht jeder.
(( Als ehemaliger Elitesoldat und wieder frisch aktivierter Offizier sollte der Mann das eigentlich wissen. Selbst als normaler Zivilist mĂŒsste er doch mitbekommen haben, dass man nicht so einfach losfliegen kann. ))


Auf dem letzten Flug waren mehr Passagiere als auf allen anderen zusammen, ausschließlich Menschen, keine Aliens. Die nannten sich "Raanf", was in ihrer Sprache auch nur "Mensch" bedeutet.
(( Hier komme ich nicht so richtig mit. Die Mitreisenden scheinen Menschen zu sein, geben sich aber den seltsamen Namen Raanf. Sind das jetzt Irdische oder nicht? ))

Auch dies nichts, was unerwartet gewesen wĂ€re. Sie reisten recht selten in unserem Teil der Galaxis, sie unterhielten ein paar Handelsposten, ein oder zwei Kulturzentren, aber das war es dann auch schon. Seit dem Erstkontakt hatte es eigentlich nur den Krieg gegeben, ansonsten keinerlei Auseinandersetzung mit dem Wesen dieser Wesen. Soviel zu meinem fundierten Wissen ĂŒber mein Nichtwissen.
(( Warum weiß der Mann so wenig? War doch Elitesoldat mit superhohem IQ? Hat man dem denn nichts beigebracht?))

Ich hielt mich von grĂ¶ĂŸeren Diskussionen wĂ€hrend der FlĂŒge fern und tat insgesamt recht zugeknöpft, aber das schien man von einem, dessen MilitĂ€rzeit noch nicht allzulange zurĂŒcklag, auch nicht anders zu erwarten. Auf einigen Stationen wurde ich von Beamten der Einwanderungsbehörden vernommen, die sich aber dadurch beruhigen ließen, daß ich nur ein Transitticket hatte.
(( Warum fÀllt der Mann so auf? Reist er denn nicht inkognito?? ))


Ich hatte um eine Zeitung gebeten, aber was es hier an BlĂ€ttchen gab, war ausschließlich Werbung fĂŒr Puffs, Casinos, Hotels und Bars. Eine Redaktion schien keins der BlĂ€tter zu haben, hier schien das auch niemand zu vermissen.
(( Keine moderneren Medien?? ))


Schusters Rappen in aufwendigen Malls ...
(( FĂŒr eine SiFi-Story ist mir der Ausdruck zu antiquiert. Lass den Mann doch einfach zu Fuß gehen oder ein Band benutzen, wie man es heute schon auf FlughĂ€fen oder MessegelĂ€nden benutzt. ))

Ich hatte meine Zweifel, ob das Handeln sich auf diese Exekution bezog, ...
(( Hier solltest du einfach nur von Bestrafung reden. Sonst weiß man nicht genau, was gemeint ist. ))

Dann kamen auch schon die ersten zahlenden GĂ€ste: neun Raanf stellten sich hinter die Gefangenen, ließen ihre Hosen runter, massierten ihre Penes bis zur Erektion und fickten die GenerĂ€le und AdmirĂ€le anal. Wenn einer fertig war, wurde er vom nĂ€chsten abgelöst. Einige genossen es sichtlich, einige vollzogen sichtlich nur ein Ritual.
(( Ich muss gestehen, dass ich sowohl die Art der "Bestrafung" als auch die Detailfreude, mit der du dies beschreibst, fĂŒr wenig geschmackvoll halte. Außerdem sollte der Prot. so langsam aber sicher an seinen Auftrag denken. Was soll das Ganze? Soll er einfach nur zugucken? DafĂŒr hĂ€tte man doch keinen Elitesoldaten schicken mĂŒssen. ))

"Na, das glaube ich gerne. Es scheint, bei euch ist HomosexualitÀt nicht sehr hoch im Ansehen?"
(( Was all das mit eigentlicher HomosexualitÀt zu tun hat, bekomme ich nicht mit. Hier geht es um Sadismus pur.
Ich muss gestehen, dass ich mit dem Rest der Geschichte nicht viel anfangen kann.))


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Als Geste zur VerstĂ€ndigung hatte die Terranische Delegation zugestimmt, diese abscheulichen Verbrechen ahnden zu helfen. Unter der Bedingung, daß sie nicht zum Tode verurteilt werden dĂŒrften, wurden sie der Raanf-Gerichtsbarkeit unterstellt. Morgen sollte das Urteil an ihnen hier auf Ugharti vollstreckt werden. Mein versiegelter Befehl war, zu beobachten und nach eigenem Ermessen zu handeln.


Die Intention der Terraner ist zwar eine Bestrafung, aber mit Ausnahme des Todesurteils. Wenn eine Regierung einen ihrer MitbĂŒrger einer anderen Gerichtsbarkeit unterwirft, sollte man schon ĂŒber deren Strafen unterrichtet sein.
Selbst ein Kriegsverbrecher hat Rechte, ihn einer Vergewaltigung zu unterziehen ist definitiv nicht mit einer Rechtssprechung vereinbar, die Todesurteile ablehnt.

Wie kommst Du darauf, dass eine Vergewaltigung eine Schande ist, wofĂŒr sich das Opfer schĂ€men muss?

Die ethische Aussage Deines Textes stĂ¶ĂŸt mich ab.

cu
lap
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Lapismont, wenn Du diese Wertung nicht geschrieben hĂ€ttest, hĂ€tte ich jemanden dafĂŒr bezahlen mĂŒssen. Danke!
Deine Bewertung ist typisch fĂŒr einen Gutmenschen, der sich in seiner eigenen Programmierung verfĂ€ngt.
Diese Vergewaltigung ist nicht das, dessen sich die Subjekte schĂ€men sollen. Die sind auch keine "Opfer" sondern TĂ€ter. VERBRECHER, die etwas getan haben, was im moralischen Wertmaßstab dieser Gesellschaft als extrem verwerflich gilt. SchĂ€men sollen sie sich ihrer TATEN, nicht ihrer BESTRAFUNG, die sie ganz einfach hĂ€tten vermeiden können, indem sie ethisch einwandfrei gehandelt hĂ€tten.
Es gibt weiterhin einige Unterschiede zwischen dieser Bestrafung und einem Todesurteil, das im GefĂ€ngnis (oder auf de Marktplatz) vollstreckt wird. Diese Form der Bestrafung erfolgt "zu gesamter Hand", d. h. hier bestraft eine Gesellschaft als Ganzes Individuen, die sich außerhalb ihrer Rechtsnormen gestellt haben.
Ein ethischer Rahmen ist wesentlicher Bestandteil einer gesellschaftlichen IdentitĂ€t. Jeder Verstoß gegen ethische Normen hat Konsequenzen, oft sogar, wie in diesem Falle, drastische. Eine Gesellschaft, die ihre Normen nicht schĂŒtzt, hat bald keine mehr.
Jede Vorstellung von Recht beinhaltet Sanktionen. Ohne die lĂ€ĂŸt sich kein Rechtsbegriff durchsetzen.
Wenn eine Gesellschaft die Durchsetzung ihrer Normen von einer anonymen Staatsmacht durchfĂŒhren lĂ€ĂŸt und nicht aktiv daran mitarbeitet, ist das Resultat, daß die Staatsmacht bald ohne jede gesellschaftliche Kontrolle handelt und zum Selbstzweck wird. Sie arbeitet immer unabhĂ€ngiger von der Gesellschaft und wird schon in sehr kurzer Zeit zur Tyrannei.
Wenn jedes Mitglied der Gesellschat eine aktive Rolle in der Durchsetzung der moralischen Standards hat, jedes Mitglied stĂ€ndig gefordert ist, seine eigenen moralischen Werte zu ĂŒberprĂŒfen (und zu leben), können Exzesse möglicherweise verhindert werden. In einer Gesellschaft, in der nur eine winzige Elite sich mit moralischen Standards befaßt und der Rest von der Diskussion und den praktischen Folgen ausgeschlossen wird, ist der Weg zum GuLag und ins KZ nicht sehr weit. Man braucht nur seinen Befehlen zu folgen und das eigene Denken abzuschalten.
Ist jeder jederzeit involviert, muß sich auch jeder Gedanken machen ĂŒber die direkten Folgen seines eigenen Handelns, er muß Verantwortung ĂŒbernehmen, die ihm kein Befehlsgeber der Welt abnehmen kann. My Lai, Srebrenica, Guernica, Coventry, Katyn, Dresden, Auschwitz oder Hiroshima sind nur wenige, willkĂŒrlich ausgewĂ€hlte Beispiele dafĂŒr, wohin das NichtĂŒbernehmen von Eigenverantwortung fĂŒhren kann. Alle diese TĂ€ter konnten sich auf "Höhere Befehle" berufen.
Hier zeigt eine Gesellschaft als Ganzes, was sie von Leuten hĂ€lt, die sich außerhalb ihrer Normen stellen. Das hat mit einer privaten, "normalen" Vergewaltigung nichts zu tun.
Das Konzept einer Strafe besteht doch darin, daß ein TĂ€ter unter den Folgen seiner Tat zu leiden hat, oder etwa nicht?
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Dann solltest Du Vergewaltigung nicht als gutes und legitimes Mittel der Bestrafung darstellen.
Dein Text sagt:
Ein Verbrecher darf gefoltert und geschÀndet werden.

Und das ist falsch.
Das hat nichts mit Gutmensch zu tun, sondern mit Ethik.

Als Mensch werde ich solange Mensch sein, wie ich menschlich handle.
Das Vergewaltigen gehört nicht dazu. Es ist keine Bestrafung sondern ein Verbrechen.

Du stellst keine neue Form der Erziehung dar. Es ist eine PrĂŒgelstrafe auf schĂ€rferem Niveau.

Eine solche Gesellschaft ist krank.
Vergewaltigung ist Vergewaltigung. Es gibt keine Rechtfertigung fĂŒr ein Verbrechen.

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jon
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Ich hatte zum Inhalt nichts gesagt, weil ich dachte: Die ethischen Vorstellungen der Raanf sind eben so (, die Wertung ist eine andere Sache). Ich habe auch nicht nachgefragt, wie die Menschen-Regierung DARAUF reagiert – die Geschichte hört ja vorher auf. (Der Prot. kommt ja nicht mal mehr dazu, Bericht zu erstatten!)

Jetzt muss ich aber was dazu sagen: Wenn du, MDSpinoza, tatsĂ€chlich meinst, DAS sei eine angemessene Bestrafung, dann – entschuldige – ist das ein Angriff auf den obersten Grundsatz der Menschenrechte (,der noch vor dem Schutz des Lebens steht!): „Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar." Ich hoffe, das meinst du nicht wirklich.

quote:
Wenn eine Gesellschaft die Durchsetzung ihrer Normen von einer anonymen Staatsmacht durchfĂŒhren lĂ€ĂŸt und nicht aktiv daran mitarbeitet, ist das Resultat, daß die Staatsmacht bald ohne jede gesellschaftliche Kontrolle handelt und zum Selbstzweck wird. Sie arbeitet immer unabhĂ€ngiger von der Gesellschaft und wird schon in sehr kurzer Zeit zur Tyrannei.
Wenn jedes Mitglied der Gesellschat eine aktive Rolle in der Durchsetzung der moralischen Standards hat, jedes Mitglied stĂ€ndig gefordert ist, seine eigenen moralischen Werte zu ĂŒberprĂŒfen (und zu leben), können Exzesse möglicherweise verhindert werden.
Wenn DAS das neue, "tolle" an deinem "Vorschlag" sein soll, dann erlaube mal bitte, dass ich es zerpflĂŒcke:
Teilnahme an einer Exektion ist NICHT gleichbedeutend mit Teilnahme an der Wahrung ethischer Standards. Ich weiß nicht, wie die Raanf ticken – aber in menschlichem Maßstab behaupte ich: Wer sich an sowas beteiligt, ist sadistisch veranlagt, wird von RachegefĂŒhle geplagt oder findet (um mal bei diesem Geschehen zu bleiben) auf normalem Weg keinen Arsch zum Ficken. Die Aussicht, an einer Exekution teilzunehmen (teilnehmen zu dĂŒrfen muss man hier ja sagen – die BEZAHLEN sogar dafĂŒr!) hat ĂŒĂŒĂŒĂŒberhaupt nichts damit zu tun, ob mich die Aussicht, mal in die Lage des zu Bestrafenden zu geraten, schreckt. (In diesem Fall und mit Menschenaugen betrachtet: Wer DAS macht, findet's vielleicht sogar geil, selbst mal den Hintern hinzuhalten. Es muss ja kein großes Verbrechen sein – gerade groß genug, um so zwei-, dreimal durchgefickt zu werden.) Andersherum betrachtet: Wer nimmt bei uns schon an der "Freiheitsberaubung" in GefĂ€ngnissen teil? Und trotzdem finden es die meisten ziemlich erschreckend, ins GefĂ€gniss zu mĂŒssen.
Diese Art der "Bestrafung" schließt etwa die HĂ€lfte der erwachsenen Bevölkerung aus – Frauen, um genau zu sein. So viel zur Beteiligung des "Volkes".
Teilnahme an Exekutionen hat NICHTS mit Kontrolle der gesetzgebenden KrĂ€fte zu tun. Die Schaulustigen, die sich einst um Galgen oder Richtblock drĂ€ngten, hatten mit Sicherheit keinerlei Kontrolle ĂŒber das Urteil.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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