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Leselupe.de > Horror und Psycho
Sommernacht
Eingestellt am 11. 02. 2018 23:05


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Veit-Dorian
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2017

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Ein M├Ądchen unter vielen


Sie wusste nicht, wer sie waren. Eines Abends waren sie einfach da und entz├╝ndeten ein Lagerfeuer im Schatten der gro├čen Eiche. Hei├čhungrig fra├č sich die Glut in das trockene Holz. Sie konnte die Hitze bis ins Dickicht f├╝hlen, in dem sie sich versteckt hielt, um die Menschen zu beobachten. Der Brandgeruch war f├╝r sie unangenehm, aber der Duft nach bratendem, bereits verkohlendem Fleisch weckte eine fast schon vergessene Gier in ihr. Sie schluckte und fixierte die Jugendlichen, die in Gr├╝ppchen um das Feuer sa├čen, redeten, sich dabei an ihren Bier- und Wodkaflaschen festhielten, und nur innehielten, um an einem Joint zu ziehen. Sie kannte diesen Ausdruck in den Augen gut, zu gut, denn sie wusste, was es bedeutete, berauscht unter einem Junimond zu sein. Einer der Jungen zupfte an einer Gitarre, die mit Strasssteinchen besetzt war und ihre Augen fuhren den bunten Traggurt nach, beobachteten genau seine Brust, die sich sehnig zu den T├Ânen hob und senkte. Wenn sie die Augenlider schloss, konnte sie fast sein Blut durch die Venen pulsieren h├Âren. Sie hielt konzentriert inne, dann blickte sie nerv├Âs auf ihre schmalen H├Ąnde mit den langen Fingern├Ągeln, zuckte zur├╝ck und stand dann doch auf. Bed├Ąchtig, fast t├Ąnzerisch ging sie auf die Gruppe zu. Ihr Schatten zog sich schemenhaft von ihr fort und vibrierte auf den Farnwedeln. Niemand schien es aufzufallen, wie sie sich unter die Jugendlichen mischte, ein M├Ądchen unter vielen, ein M├Ądchen mit zu schlanken H├╝ften und einem athletischen K├Ârper. Zwei Jungen, verschlangen sie mit ihren Blicken und stie├čen dann anerkennend ihre Bierflaschen zusammen. Sie beachtete die beiden nicht, huschte stattdessen zu dem Jungen, den sie aus dem Geb├╝sch heraus beobachtet hatte und setzte sich neben seine Gitarre. Er war noch nicht einmal neunzehn, Menschen konnte sie schon immer gut einsch├Ątzen. Sein Bartflaum am Kinn war noch weich und nicht hart oder struppig geworden. Z├Ąrtlich strich sie mit ihren Fingerkuppen dar├╝ber, f├╝hlte die feinen Flaumhaare und blickte in seine ├╝berraschten und sch├╝chternen Augen. Als sie sich an ihn lehnte, zuckte er nicht zur├╝ck, auch drehte er sich nicht weg von ihr, sondern zog an seinem Joint. Er schloss die Augen und summte ÔÇ×Venus in fursÔÇť, ein Lied, das sie schon einmal vor langer Zeit geh├Ârt hatte. Sie mochte das Lied nicht und fand es unpassend, aber sie unterbrach ihn nicht, sondern presste sich an seinen kr├Ąftigen K├Ârper, ihr Leib rieb sich an seiner Haut, sie ahnte, wie sein Gesicht langsam rot wurde und h├Ârte ihn ruckartig atmen. Behutsam nahm sie seine Hand. Danach stand sie auf und zog ihn hoch, sah, wie er auff├Ąllig ein Kondom aus seiner Hosentasche hervor nestelte, damit sie es sehen konnte. Er steckte es dann nerv├Âs in seine Hemdentasche, aber sie beachtete es nicht. Sie f├╝hrte ihn vom Feuer weg in das Dickicht hinein. Pl├Âtzlich legte er seine Hand auf ihre Schulter, ├╝berrascht drehte sie sich um. Er fragte sie sch├╝chtern, wie sie denn hei├če, verdutzt blickte sie ihm ins Gesicht. Sie hatte ihren Namen vergessen, denn seit langer Zeit hatte sie niemand mehr gerufen, so sehr sie auch dar├╝ber nachdachte, sie wusste nicht mehr, wie sie hie├č. Sie lie├č sich nichts anmerken und legte ihm ihren ausgestreckten Zeigefinger auf die Lippen. Er akzeptierte ihren Wunsch, indem er ihre Hand fest dr├╝ckte, ohne ihr wehzutun. Immer weiter zog sie ihn vom Lagerfeuer fort. Das Unterholz schlug hinter ihnen zusammen, sie f├╝hrte ihn zu dem kleinen Tobel, wo unter einem Felsvorsprung weiches, mit Wasser voll gesogenes Moos wuchs.
Heute Nacht w├╝rde ihn noch niemand vermissen und wenn die Menschen seinen von undefinierbaren Bissspuren ├╝bers├Ąten, zerfleischten K├Ârper schlie├člich finden w├╝rden, w├Ąren sie und ihre Gef├Ąhrtinnen verschwunden auf der Jagd nach dem gro├čen Hirsch, dem Herrscher der endlosen W├Ąlder. Actaeon? Actaeon vielleicht. Ich komme!

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V-D

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