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Leselupe.de > Science Fiction
Sternenkrieger
Eingestellt am 06. 04. 2001 12:36


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Kir
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2001

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Sternenkrieger


Er lie├č das Bier pl├Âppen. Mit raffiniertem Schwung hebelte die knochige Hand des Mannes mit einem Feuerzeug den Kronkorken der vor K├╝hle feuchten Flasche auf und jagte ihn blitzschnell in weitem Bogen durch den Raum. Am Ende angekommen prallte das kleine Metallst├╝ck mit einem hellen Klingen an die kahle Wand und stie├č noch irgendwo anders gegen, bis es kullernd am Boden zum Stehen kam. Der uniformierte Mann im mittlerem Alter grinste ansatzweise und wirkte zufrieden. Dann setzte er das Bier an und trank einen langen Schluck. Danach r├╝lpste er noch zufriedener und nahm auf einem, der an der Bar stehenden, Hocker Platz.

Neben ihm sa├č ein Mann, der den Kopf tief h├Ąngen lie├č, bis fast runter auf sein Glas, welches eine hochprozentige Fl├╝ssigkeit beinhaltete. Ab und an schaute er auf, blickte in sein Antlitz im Spiegel hinter der Bar und griff direkt zu dem Scotch vor ihm, den er dann auch meistens leerte. Dank dieser regelm├Ą├čigen Dosen sank er auch gleich in sich zusammen und nahm die Stellung ein, in der er schon die ganze Zeit da sa├č.

Der fein hergemachte Barkeeper stellte immer nach einem solchen Ritualsvollzug einige Minuten sp├Ąter ein neu gef├╝lltes Glas vor den f├╝lligen Betrunkenen. Dieser schien wohl durch irgendeine Geste unmerkbar zu danken, denn der halbglatzige Barkeeper antwortete bei jedem Glas artig mit "Gern geschehen".

Es war ein stiller Moment, wie er halt so ist, wenn ein Lied aufh├Ârt und ein neues erst gleich beginnt.

Dann knallte die Musik durch die Kneipe. Ein lautes, intensives Rocklied, welches die Akkorde nur so ausspuckte, w├Ąhrend der Bass unaufh├Ârlich wummerte.


Das Ende war nah. Er wusste es schon l├Ąngst. Jeder wusste es. Es war nicht so pr├Ąsent, aber man kam nicht umhin, es immer wieder zu bemerken.
Flieger kamen nicht zur├╝ck, die Reihen der Menschen auf der Raumstation lichteten sich stetig.
Presse war schon lange nicht mehr zugelassen auf dieser Station und Versetztungsantr├Ąge wurden grunds├Ątzlich abgelehnt. Keiner wusste mehr, ob er den n├Ąchsten Tag noch erleben durfte.
Ian bemerkte, wie seine Hand unaufh├Ârlich zitterte. Er w├╝rde heute fliegen. Nat├╝rlich allein.
Er trank deshalb Fruchtsaft, kein Alkohol vorm Start.

Michelle trat in die Bar, sichtete die vorhandenen Gestalten, bis sie den Kopf in schiefer Haltung auf Ian drehte, ihn freudig begr├╝├čte, auf ihn langsamen Schrittes zuging.
-"Hallo, Ian," sie boxte ihn in die Schulter, umarmte ihn sehr herzlich, aber auch schnell, "wie f├╝hlst du dich?"
-"Es geht.", antwortete er leise.
-"L├╝gner. Du bist heute manisch depressiv, hast gelegentlich Suizidgedanken und dein K├Ârper will sich jede Sekunde ├╝bergeben. Oder?", schaute sie ihn lachend an.

-"Ja. Klar.", sagte er. Sie hatte schon drei Testfl├╝ge absolviert. Der liebe Gott schien wohl pers├Ânlich ein Auge auf sie zu haben, dachte er.
-"Es ist so, wie du┬┤s sagst.", gab er noch von sich, bis er auf die ├ľrtlichkeit lief, um seinen eh kargen Mageninhalt unter einem sagenhaften Laut zu entleeren.

Sie musste die ganze Zeit lachen. Wie gut sie das kannte.

Als er zur├╝ckkam, wischte er sich das tropfende Wasser vom Kinn, um zu verdecken, dass ihm schlecht war und er sich deshalb den Mund aussp├╝len musste. Dann setzte er sich auf das gew├Âlbte Polster der Sitzecke, allerdings ungewollt so, dass es aussah als w├╝rde er zusammenklappen. Michelle sprang fast auf um ihn zu st├╝tzen. Dann schaute sie sehr sorgenvoll.
-"Packst du das heute?", fragte sie ihn.
-"Ich denk┬┤ schon.", sagte er und schaut an ihr vorbei in die Leere.

Es hing ja alles ab von der Maschine, einer Spacecat XJ25. Ihre Ausfallquote war der reinste Horror. Jedes zweite H├Âllengef├Ąhrt kam nicht wieder oder zerschellte bei der Landung als gro├čer Feuerball.
So etwas konnte man nicht fliegen. Wenn man der Maschine nicht mehr vertraute, konnte man schwerlich ein wirkliches Vertrauen zu sich selbst aufbauen.
Damit war es sowieso dahin. Das Vieh, welches zur Schlachtung getrieben wird. Um herauszufinden wie scharf das Schlachtbeil ist, das war das eigentlich Traurige daran.

-"Wirst du mich vermissen?", fragt er sie.
-"Klar." meinte sie wie selbstverst├Ąndlich.

Sein Name wurde durch unz├Ąhlige Lautsprecher auf der Station ausgerufen.



Wenn ein Name qu├Ąkend durch die verfallenen G├Ąnge der Verbindungssch├Ąchte hallt, beginnt das gro├če Fl├╝stern. Wer es wohl diesmal ist? Wie lange es ihm wohl gelungen war, den Testflug hinauszuz├Âgern? Wie jung ist er oder sie?

Alles Fragen aus Sensationsgier und Neugier, das wusste er. Doch sie sind die H├Âlle, wenn man mit st├Ąhlernem Schritt durch ebendiese G├Ąnge geht, sein Gesicht verkrampft, die Zahnreihen knirschen vor dem Druck, den der stramm gespannte Kiefer auf sie aus├╝bt. Die H├Ąnde wei├č vor in die Handfl├Ąchen gedr├╝ckten Fingern, der Schwei├č sich ├╝berall bildend, obwohl kein Grund zum Schwitzen.

Und dann merken alle, dass du es bist, wenn dein Blick am anderen Ende des Tunnels weilt, w├Ąhrend sie dich mustern, dein Leid be├Ąugeln, deine Angst einsch├Ątzen wollen.

Ihm war nur flau in den Eingeweiden. Und als er in einem schmalen, d├╝ster beleuchteten Umkleideraum seinen alten Fluganzug und den polierten Helm aufsetzte, dachte er nur an den Flug und die auszuf├╝hrenden Handgriffe.

Die riesige Schleuse ├Âffnete sich mit einem Zischen der Hydraulik nur f├╝r ihn. Dann stand er alleine im Schleusentor. Lichter blinkten und Maschinen h├Ąmmerten, als die Atmosph├Ąre im Hangar der des Alls angepasst wurde. Ein letztes Mal ├Âffnete sich die meterhohe Metallt├╝r vor ihm und gab die Sicht auf den Hangar frei.

Die Spacecats standen s├Ąuberlich geordnet im Lichte ferner Sonnen auf ihrer Plattform. In so einem Zustand w├╝rde man nicht denken, dass die H├Âllengef├Ąhrte gerne Ausf├Ąlle werden. Geputzt und gewartet standen sie in Reih und Glied, umsorgt von vielen Soldaten und be├Ąugt von den Vorgesetzten. Ian ging langsam auf die ihm zugewiesene Maschine zu.

Sein Mechaniker kam auf ihn zugeschlurft.
-"Wie stehen die Chancen?" fragte Ian durch die Sprechapparatur.
-"50:50." sprach Cassius. Der Mann war wirklich gut. Hatte ein Gesp├╝r f├╝r alles, was den Gesetzen der Physik gehorchte. 50:50 war au├čergew├Âhnlich. Es gab Testfl├╝ge mit dem Chancenverh├Ąltnis 20:80. Das hie├č, die Chance zur├╝ckzukommen war die Ausnahme.
Er trat auf die erste Stufe der Treppe, die in sein Cockpit f├╝hrte. Seine Kampfstiefel knirschten ein metallisches Ger├Ąusch beim Aufkommen auf das Zwischenst├╝ck der Leiter.

Cassius rief:
-"Viel Gl├╝ck!"

Ian hob die behandschuhte Hand zum Abschied ohne sich auf der Leiter umzudrehen.

Wenn moderne Raumjets in Betrieb genommen werden, ist es immer faszinierend. Im ganzen Sichtfeld blinkt es und durch den Helm h├Ârt man die Turbinen und die Elektronik warmlaufen, ihr Gepfeife von sich gebend. Funkverkehr im Ohr des Piloten ist eine unaufh├Ârliche Ger├Ąuschkulisse, es war beruhigend dem zuzuh├Âren. Sollte dieses Zeichen der Zivilisation nicht mehr zu h├Âren sein, w├Ąre er wahrscheinlich verloren.

Nach den Routine├╝berpr├╝fungen geht es dann immer ganz schnell: das Flugzeug wird von Schleppern auf die Startbahn gerollt. Die Spacecat gleitet fl├╝ssig dahin, wie ein Schlitten, denn es herrscht Schwerelosigkeit.
Die Turbinen jagen hoch, Starterlaubnis, ein Ruck geht durch die Maschine und mit unvorstellbaren Fliehkr├Ąften zieht es den Raumflieger und seinen Piloten aus der Raumstation und dr├╝ckt den kleinen Menschen am Steuer in den Sitz und macht das Atmen schwer. Dann sah Ian nur noch Sterne und die Armaturen.

Bei Man├Âver 3 geschah es dann, Triebwerks├╝berhitzung, Ian ging das Herz durch, die Maschine brach aus, bei fast Lichtgeschwindigkeit. Die Sterne tanzten vor Ian┬┤s Augen, der Schwei├č seiner H├Ąnde lie├č die Handschuhe an der Haut kleben, er schrie panische Funkspr├╝che in das Helmmikrophon.

Dann, kurz vor dem Verschwinden des Raumjets von den Radarschirmen und damit dem Erreichen der Funkgrenze, h├Ârte der Tower der Raumstation einen letzten Funkspruch:

-"Sagt bitte Michelle, sagt ihr, dass ich an sie denken werde, wenn ich sterbe, und dass ... sie mir den Tod ertr├Ąglich gemacht hat ..."

Seine Augen hinter dem Visier des Helmes schlossen sich langsam, sein Herz wurde langsamer, denn sein Leben verging. Dann l├Ąchelte er noch einmal.

Die Maschine explodierte kurz darauf.







In Gedenken an die hunderte Opfer, die der Starfighter und die damals verantwortliche Regierung verursacht haben. M├Âgen sie in Frieden ruhen und m├Âge sich so etwas nie wiederholen.


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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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6 von 10 Punkten

Man kann die Geschichte leicht lesen, und verst├Ąndlich ist sie auch, aber am Anfang stapeln sich die Adjektive und Adverbien derart, da├č sie ein kleiner Stups zum Purzeln br├Ąchte!
"raffiniertem Schwung ... knochige Hand ... vor K├╝hle feuchten Flasche ... blitzschnell ... weitem Bogen ... das kleine Metallst├╝ck ... hellen Klingen ... kahle Wand"
Das ist einfach zu dick. Lieber ein paar S├Ątze mehr, damit kannst du die Atmosph├Ąre auch beschreiben, aber es staut sich nicht so.

Zu Beginn sind dann au├čerdem zu viele Ers unterwegs: der Biertrinker, der Mann daneben - irgendwann taucht der Fruchtsaft trinkende Ian auf, und bis dahin hatte ich gedacht, er sei der Biertrinker in der Uniform.

Dann w├Ąre da noch das Problem, da├č du mitunter ins Pr├Ąsens springt. Lie├če sich das nicht irgendwie umgehen? Klar, das sind generelle Bemerkungen. Aber geht es nicht vielleicht doch anders?

Die letzten S├Ątze an Michelle sind mir zu schw├╝lstig. So eine emotionale Seite ist ja ganz nett, aber f├╝r eine Kurzgeschichte dieses Umfangs zuviel.

Dieser Schlu├čsatz hingegen gef├Ąllt mir au├čerordentlich gut, und auch die diversen Man├Âver sind fl├╝ssig eingebaut, ohne zuviel Zeit auf technischen Schnickschnack zu verwenden.
__________________
Andrea Rohmert

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Neziri
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2000

Werke: 8
Kommentare: 120
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Jessas...

Mu├č dir leider gnadenlos sagen, da├č die Geschichte zwar von einer guten Idee ausgeht, dein Schreibstil diese Idee jedoch schon fast ins Abseits dr├Ąngt. Du beschreibst gut, jedoch verwirrend. Deine Wortkonstruktionen....meine Fresse, die k├Ânnen einem das Lesen vermiesen. Sorry f├╝r die harten Worte, aber daf├╝r isses meine ehrliche Meinung. Darfst mich auch mal verrei├čen.
__________________
Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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Kir
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2001

Werke: 38
Kommentare: 59
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Berechtigt

Hi Andrea, Hi Nezeri,

Hut ab - alles berechtigt was ihr sagt. Lieber konstruktive Kritik, als gar keine.

Danke

Kir

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dan
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 1
Kommentare: 84
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hi!

die story gef├Ąllt mir gut, besonders der schlu├č (mit dieser art 'gedenktafel' an die opfer). mich h├Ątte aber noch der hintergrund f├╝r die test der regierung mit diesen 'tollen' starfightern interessiert.

hoffe wieder von dir zu lesen.
__________________
(c) by dan

ein gutes buch gen├╝gt

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Kir
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2001

Werke: 38
Kommentare: 59
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Art Gedenktafel?

hi dan,

Danke f├╝rs lesen.
Ich hoffe die 'Gedenktafel' verstehst du nicht falsch.

Ich meine mit der Widmung DIE Opfer des Starfighters in den 70ern. Habe da so ne Doku gesehen. Im Rahmen des Starfighter-Projekts der deutschen Regierung starben ├╝ber 100 Piloten ├╝ber Jahre verteilt.

Science-Fiction ist meistens realer als man denkt.

Gru├č

Kir


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