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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Tired Mind
Eingestellt am 18. 09. 2014 23:22


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Filjanka Seenonne
Hobbydichter
Registriert: Aug 2014

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Kommentare: 21
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Lieber Leser,
im Folgenden steht der Beginn eines angedachten "Reality-Romans" - ein Genre, das ich persönlich gar nicht so gern lese und deshalb bisher gescheitert versucht habe, zu erdichten.



Da hing ich nun. KopfĂŒber an einem Ast und starrte in die Bucht hinunter. Es war dunkel. Der Mond zersprang auf der MeeresoberflĂ€che in tausende glitzernde Splitter. Die Wellen schwappten leise an den Strand, der von den Lichtern der wenigen HĂ€user orange aufleuchtete. TĂ€nzelnde Musik und freundliche Stimmen drangen herauf. Schwarze Berge ragten rings um die Bucht auf; bedeckt von einem dichten Wald. Es war warm und roch sĂŒĂŸlich nach farbenfrohen BlĂŒten. Die GerĂ€usche der Nacht erfĂŒllten die Luft. Eine leichte Brise wehte von weit her in mein Gesicht, wirbelte durch meine braunen, halblangen Haare und zog weiter in den Wald hinein. Ich heiße Korona und bin in meinen Augen nicht gerade das Ebenbild eines „sĂŒĂŸen MĂ€dchens“. Ich bin zwar nicht besonders groß, aber auch nicht besonders zierlich oder graziös. Außerdem fĂŒhle ich mich in lĂ€ssigen Klamotten wohler, als in aufreizendem Schnulli. Deshalb trug ich auch Pariser blaue Bermudashorts und ein einfaches hellgrĂŒnes T-Shirt. Mein Baum stand auf einem kleinen Vorsprung an einer Bergflanke an der linken Seite der Bucht. Ein schmaler Trampelpfad fĂŒhrte vom Strand mehrere hundert Meter hier hinauf. Ich betrachtete die Silhouetten vor den HĂ€usern und genoss die friedliche AtmosphĂ€re, die alles in sich hĂŒllte. Gerade, als ich beschloss einmal hinunter zu wandern, klopfte es. Genervt ließ ich den idyllischen Ort verblassen und stopfte ihn zurĂŒck in irgendeine Gehirnwindung. Den Besuch musste ich wohl aufs nĂ€chste Mal verschieben.
„Ja“, antwortete ich auf das wiederholte Klopfen an meiner ZimmertĂŒr. Meine Mutter kam herein mit einem Stapel WĂ€sche in den Armen.
„Hier, mein Kind. Sie in den Schrank zu rĂ€umen schaffst du doch allein, oder?“, fragte sie spitz. Vermutlich eine Anspielung darauf, dass ich zu wenig im Haushalt ĂŒbernahm.
„Die letzten Jahre hat’s ganz gut geklappt“, erwiderte ich sarkastisch. Doch wie MĂŒtter so sind, lĂ€chelte sie nur ein MutterlĂ€cheln und legte mir den Stapel auf das Chaos meines Schreibtisches. NatĂŒrlich nicht ohne vorher einen fassungslosen Blick darauf zu werfen.
„Findest du nicht
“, setzte sie an.
„Nein!“, unterbrach ich sie. Mehr als einmal musste ich sie schon daran erinnern, dass es mein Zimmer war und, dass ich darin hausen konnte wie ich es fĂŒr richtig hielt, solang ich nicht die WĂ€nde einriss und die Fenster einschlug. Wenn ich irgendwann einmal ausgezogen sein sollte, könnte sie von mir aus nach aller Herzenslust ihre Ordnung drin walten lassen.
„Wenn’s der Körper braucht
“, murmelte sie und verließ mit einem schweren Seufzer mein Zimmer.
„Der Körper nicht, aber der Geist“, kommentierte ich, allerdings nicht in der Absicht, dass sie es hören sollte. Ich blickte mich im Zimmer um. Ok, vielleicht war es wirklich etwas sehr chaotisch, aber auf der Ziellinie zum Abitur durfte das ruhig so sein. Ich beschloss einfach auf dem Bett liegen zu bleiben, die FĂŒĂŸe durch das offene Fenster aufs Fensterbrett gelegt. Die warme FrĂŒhlingssonne schien mir auf die FĂŒĂŸe. Hoffentlich wĂŒrde es von nun an auf den Sommer zugehen. Auf einen erneuten Wintereinbruch mitten im April hatte ich wirklich keine Lust.
Ich hatte vor ein paar Tagen die letzten Unterrichtsstunden hinter mich gebracht und hatte die nĂ€chsten Wochen und Monate frei. Unter der Bedingung fĂŒr die PrĂŒfungen zu lernen und mir eine neue Maschinerie zu suchen, in die ich mich stĂŒrzen konnte, um „mein Geld spĂ€ter leichter verdienen zu können“, wie Mama es gern ausdrĂŒckte. Jedes Mal, wenn sie mit diesem Argument fĂŒr ein Studium kam, fragte ich mich, ob man Geld ĂŒberhaupt verdienen konnte. Und wenn ja, wofĂŒr? FĂŒr einen Stapel Zettel, genannt Doktorarbeit oder Diplomarbeit? In einem Fach, mit dem man nach dem Studium nichts mehr zu tun hat, weil einem dieser Haufen Zettel die Lizenz gibt, nahezu alles zu werden, was man will, aber nie gelernt hat. Unternehmensberater/in zum Beispiel; Finanzminister/in, Familienminister/in, Bundeskanzler/in
Mit so einem Stapel Zettel stand einem anscheinend die Welt offen. Als wĂŒrde ein abgeschlossenes Studium einen zu einem fĂ€higen, vernĂŒnftigen Menschen machen. Doch mit dem Gewissen leben, dass man fĂŒr etwas verantwortlich ist, von dem man eigentlich keine Ahnung hatte? Wenn man sich im Gegensatz fĂŒr eine Berufsausbildung entscheidet, wĂ€hrend der man einen Beruf wirklich erlernt, hat man Verantwortung fĂŒr etwas, das man gelernt hat. Krankenschwester, KindergĂ€rtnerin, Busfahrer
man kann den Menschen Wasser in den Hahn und das Internet in die eigenen vier WĂ€nde bringen, sie morgens zur Arbeit fahren und abends wieder nach Hause, als SanitĂ€ter Leben retten, wenn man zu erst am Unfallort ankommt. Doch mit solchen TĂ€tigkeiten kann man in dieser Welt nicht viel Geld verdienen. Man hat hĂ€ufig familienfeindliche Arbeitszeiten und ackert sich halbtot, um dann vielleicht mit etwas GlĂŒck noch bei voller Gesundheit das Rentenalter zu erreichen. In dieser Welt konnte man mit viel Ahnung und FĂ€higkeit zu Grunde gehen und sich mit keiner Ahnung von nichts eine Jolle in Leer und eine Finka in der Karibik verdienen. Das war natĂŒrlich nicht die Regel, aber doch erschreckende RealitĂ€t. Und ich stand nun vor der schicksalstrĂ€chtigen Entscheidung, welchen Weg ich mit dem Zettel, genannt Abiturzeugnis, einschlagen wollte. FĂŒr mich waren beide Aussichten nicht besonders verlockend. Letztendlich wĂŒrde ich mich durch eine Art von Ausbildung quĂ€len, um mit fĂŒnfzig zu alt fĂŒr den Arbeitsmarkt zu sein oder zu Gunsten der FlexibilitĂ€t im Arbeitsmarkt alle naselang Umschulungen, Weiterbildungen und ergĂ€nzende Qualifikationen zu absolvieren. Mir war bewusst, dass diese Ansichten sehr schwarzmalerisch und wohl etwas ĂŒbertrieben waren, aber dies ist das Bild von der Welt, mit dem man, wenn man nicht in einer rosa Seifenblase aufgewachsen war oder vor Selbstbewusstsein strotzte, aus der Schule in das „echte Leben“ entlassen wurde. Marketingteschnisch eine eher mangelhafte Leistung des Bildungssystems und der Gesellschaft. Mit dem Zusatzversicherung „Wir wollen nicht an der Jugend sparen“ ergab das eine bomben Perspektive fĂŒr junge Menschen. Ja, ich weiß
ich wĂŒrde aller Wahrscheinlichkeit nach bald ein Abitur in der Tasche haben und hatte somit nicht die schlechtesten Ausgangsbedingungen, doch eine pessimistische Sicht auf die Dinge hatte ich mir Dank Sozialstaat Deutschland trotzdem angeeignet, denn je höher dein Abschluss, desto höher auch die Erwartungen und der Druck an die werdende Arbeitskraft. Seufzend setzte ich mich auf, legte die WĂ€sche in meinen Schrank, holte mir aus der KĂŒche eine Packung Kirschsaft und setzte mich widerwillig mit den Matheheftern der letzten zwei Jahre an meinem Schreibtisch auseinander. Ich hatte eigentlich nie wirklich Probleme in diesem Fach und glĂŒcklicherweise immer Lehrer gehabt, die gut erklĂ€ren konnten, was man da eigentlich tat und wieso. Trotzdem fĂŒhlte ich mich blockiert, weil ich den Stoff von zwei Jahren der Abiturstufe in zwei Wochen intus haben musste. Es war schwierig sich wieder etwas Routine in scheinbar langvergangenen Methoden anzueignen. Ich blĂ€tterte mich durch meine kritzligen Mitschriften mit kleinen Zeichnungen am Rand. Vier Stunden lang. Dann war meine Konzentration am Ende. Es hatte keinen Sinn weiterzumachen. Ich legte eine Pause ein und ging bei MSN und ICQ online, um ein paar Mitstreiter fĂŒr eine gemeinsame Abendgestaltung zu finden. Ziemlich enttĂ€uscht musste ich von sĂ€mtlichen Kontakten lesen, dass sie doch nicht abends ausschweifen konnten, sie mussten doch lernen. Traurige Sache festzustellen, dass die eigenen Freunde allesamt eine ganz andere Philosophie hatten, als man selbst. Nach dieser neuen Erkenntnis fiel es mir noch schwerer mich erneut aufs Lernen zu konzentrieren. Man brauchte doch etwas, worauf man sich am Ende des Tages freuen konnte! Schon allein, um sein soziales Leben nicht völlig verkĂŒmmern zu lassen. Dabei verkĂŒmmert man ja selber. Ich hörte ein wenig Musik und versuchte es dann nochmal mit Mathe. Irgendwann hörte ich meine Mutter rufen: „Miraculi!“ Anfangs war es nur ein Spaß, um uns ĂŒber die Werbung lustig zu machen, doch nach und nach hatte es sich unserer Familie eingebĂŒrgert. Als ich in die KĂŒche kam, saßen meine Eltern schon am Tisch. Mama drehte sich zu mir um: „Wir wussten, nicht, ob du gleich kommst oder noch etwas lernst.“ Dann stand sie auf und belud meinen Teller mit Spaghetti und Tomatensoße. Ich setzte mich.
„Und, wie kommst du mit dem Lernen voran?“, fragte mich mein Vater und wickelte eine riesige Spule Spaghetti auf seine Gabel.
„Bisher ganz gut
nur die Sachen, die schon lĂ€nger her sind, fallen mir etwas schwer.“
„Wann hast du nochmal deine erste PrĂŒfung?“, erkundigte sich Mama, obwohl ich es ihr in der vergangenen Woche schon drei Mal gesagt hatte und stellte mir meinen Teller hin.
„In zwei Wochen.“
„Ach, ja. Stimmt.“
„Ich schreib’s am Best’n in den Kalender, hm?“
„Oh ja. Dann vergess ich’s nich.“ GenĂŒssliches Schmatzen. Ich streute mir noch ein wenig KĂ€se ĂŒber meine Nudeln und begann sie gierig aufzuwickeln. Lernen war ja so anstrengend.
„Triffst du dich gar nicht mit Freunden, damit ihr zusammen lernen könnt?“, wollte Papa wissen.
„NĂ€â€œ, sagte ich vielleicht etwas zu abfĂ€llig, aber die Kommentare vom Nachmittag lagen mir immer noch schwer im Magen. „Die
Lernmethoden sind zu unterschiedlich.“
„Hm“, brummte Papa, „Schade.“ Ich zuckte resignierend mit den Schultern: „Is‘ halt so.“
Nach dem Essen packte ich zwei Flaschen Bier in meinen Rucksack und zog mir Pullover und Jacke an.
„Ich fahr nochmal `ne Runde“, rief ich vom Flur aus. Dann holte ich mein Fahrrad aus dem Keller und strampelte los. Ich hatte kein bestimmtes Ziel, wusste einfach nicht wohin ich fahren sollte. So ging es mir meistens, wenn ich abends weg wollte. Im Grunde war es mir egal wohin, aber ich hatte eben keine richtige Vorstellung. So kam es, dass ich auch an diesem Abend nur ein paar Straßen im Kiez abklapperte. Es dĂ€mmerte und wurde merklich kĂŒhler. Über die Kopfhörer drang Musik aus meinem Mp3-Player in meinen Kopf. Die Musik half mir dabei mich vom Tag zu lösen und mich an einige Dinge zu erinnern, die ich gerne im Stress des Alltags vergaß. Die Straßenlaternen gingen an und orange Lichtkegel durchschnitten die Nacht. Es roch nach FrĂŒhling. Eine kleine schwarze Katze huschte vor mir ĂŒber die Straße. Ich schaute ihr hinterher wie sie zwischen den StĂ€ben eines Gartenzauns verschwand. Ich hing meinen Gedanken nach und landete schließlich bei einer FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒber den Schienen der S-Bahn. Neben ihr gab es einen kleinen Vorsprung. Dort konnte man sich bequem hinsetzen, die Beine baumeln lassen und im Halbdunkeln seinen Gedanken nachhĂ€ngen. Dieses Mal hatte ich Pech: es war schon besetzt. Deshalb wich ich auf einen Spielplatz aus, stellte mein Rad und meinen Rucksack an einer Bank ab und setzte mich mit einer der beiden Flaschen auf die Schaukel. Viel lieber wĂ€re ich in Gesellschaft gewesen.

Als die zwei Flaschen leer waren, fuhr ich wieder nach Hause. Ohne das Leergut. Ich ließ es immer stehen fĂŒr einen Menschen, der weniger hatte als ich. Sechzehn Cent sind zwar auch nicht viel, aber immer noch grĂ¶ĂŸer als Null. Auweia, Mathe hatte in einem Teil meines Gehirns das Kommando ĂŒbernommen! Wie wĂŒrde es in zwei Wochen aussehen? Immer noch unzufrieden mit der Welt, aber wenigstens leicht benebelt kam ich zu Hause an. So leise wie möglich schloss ich auf. Meine Eltern mussten schließlich im Gegensatz zu mir dem Gang der Woche folgen und am nĂ€chsten Tag frĂŒh raus. Doch als ich auf Socken in den Flur tapste, bemerkte ich, dass in der KĂŒche noch Licht schien. Hinter der halbgeschlossenen TĂŒr drangen gedĂ€mpfte Stimmen hervor. Verwundert trat ich nĂ€her heran.
„
Ich werde morgen runter fahren
“ Das war die Stimme meines Vaters. Sie klang bedrĂŒckt. Mich durchströmte eine plötzliche Energie der Alarmbereitschaft.
„Ja
“, erwiderte Mama ebenso bedrĂŒckt. „Soll ich deinen Chef anrufen?“
„Mach ich schon
Danke
“ Schweigen trat ein. Ich atmete flach. Es schien um etwas Ernstes zu gehen und ich konnte nur vermuten. Mit „runter fahren“ bezeichneten wir eigentlich immer einen Besuch bei unseren Verwandten, die einige hundert Kilometer im SĂŒden lebten.
„Kann man nur hoffen, dass es was nĂŒtzt“, bemerkte Papa.
„Tja, ...“, Mama schien sprachlos. Behutsam drĂŒckte ich die TĂŒr auf. Beide saßen am KĂŒchentisch und beide drehten sich in dem Moment zu mir um, als das KĂŒchenlicht auf mein Gesicht im TĂŒrspalt fiel. Fast gleichzeitig erblickte ich das Telefon auf dem Tisch. Ich sah meine Eltern an.
„Liane hat grad angerufen“, sagte Papa ohne, dass ich fragen musste. Liane war seine Schwester. „Oma hatte doch schon lĂ€nger diese Bauchschmerzen.“ Er sah mich an, um zu sehen, ob ich mich erinnerte. Ich nickte stumm. Papa streckte seinen Arm aus und nahm mich zu sich auf den Schoß. Mama nahm meine Hand. So hatten sie es auch frĂŒher gemacht, wenn ich traurig war.
„Die hatte sie, weil sie einen großen Tumor im Bauch hat.“ Mir wurde heiß und kalt in der Brust. Ich hatte ja nicht viel Ahnung von Medizin, außer dem subtilen Wissen aus Scrubs und Dr. House, aber ein Tumor bedeutete in der Regel Krebs. Krebs bedeutete Chemotherapie und die bedeutete ein frĂŒheres oder spĂ€teres Ende. Ich fĂŒhlte mich wie betĂ€ubt und konnte nicht reden.
„Morgen wird sie operiert“, fuhr Papa fort. „Ich werde hinfahren, aber abends wiederkommen. Wieder nickte ich stumm. „Man kann nicht genau sagen, wie es danach weitergehen wird. Das wird sich erst zeigen.“
Wir saßen noch eine ganze Weile schweigend so da. Die Nachricht hatte unseren Familienzweig schwer getroffen. Aufgrund der Entfernung waren wir eher selten bei dem Rest der Familie zu Besuch. In diesen Momenten merkten wir, wie traurig das war. Wie schnell die ach so vielen Möglichkeiten verstrichen und im Alltag unwichtig erschienen. Mama kochte jedem eine Tasse heißen Kakao. Danach gingen beide schlafen. Ich nahm meine noch halbvolle Tasse und ging in mein Zimmer. Dort fuhr ich sofort den Rechner hoch und loggte mich in meinem E-Mail-Postfach ein. Schnell tippte ich eine Nachricht an meine jĂŒngere Cousine zusammen.

hi,
Liane hat vorhin bei uns angerufn. wieso hast du mir denn nichts geschriebn??? komm mir grad vor wie in nem schlechten scatch mit schlechtem timing

papa kommt morgn zu euch.
halt mich bitte auf dem laufendn
bin in gedankn bei euch, liebe grĂŒĂŸe an alle


Mit einem Fingerklick auf die Entertaste schickte ich die Zeilen viele Kilometer zu meinen Verwandten. Sie lebten alle im selben Örtchen: meine Großeltern (vĂ€terlicherseits), Papas Schwester mit Mann und zwei Söhnen und Papas Bruder mit Frau, Tochter und Sohn. Die Kinder waren alle jĂŒnger als ich, aber meine Cousine von ihnen die Älteste. Mit ihr hatte ich seit einiger Zeit mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸig Kontakt per E-Mail. Das war zwar nicht so schön persönlich wie Briefe, aber auch weniger aufwĂ€ndig und schneller. Nach diesem Buchstabenexport, fuhr ich meinen PC wieder runter und ließ mich niedergeschlagen aufs Bett fallen. Schon nach wenigen Minuten beschloss ich noch ein wenig Fern zu sehen, bevor mich meine Gedanken auffraßen. Oma kam vor allem in den letzten Jahren immer hĂ€ufiger mit altklugen, nervigen Tipps und RatschlĂ€gen, aber ich merkte, dass mir das zu gegebener Zeit fehlen und ich sie vermissen wĂŒrde. Benommen zappte ich noch ein paar Mal das Fernsehprogramm rauf und runter bis mich der Hopfen irgendwann in den Schlaf wiegte.

Version vom 18. 09. 2014 23:22
Version vom 19. 09. 2014 14:47

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Ralph Ronneberger
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Hallo Filjanka Seenonne,

was soll man zu diesem Text sagen? Rein handwerklich gĂ€be es eine Menge anzumerken (ein Beispiel von vielen hat ja Christof bereits genannt), aber macht das bei diesem „Roman-Anfang“ bereits Sinn? Du schreibst am Anfang

quote:
im Folgenden steht der Beginn eines angedachten "Reality-Romans"

Da frage ich mich, was meinst du mit „angedachtem Roman“? Heißt das, du weißt selbst noch nicht, was am Ende dabei rauskommen soll? Wenn man nicht gerade ein besonders genialer Schreiberling ist, sollte man schon einen Plan haben, wie ein Roman – zumindest in Groben ZĂŒgen – inhaltlich gestaltet werden soll. Aber ich fĂŒrchte, du verzettelst dich bereits jetzt. WĂŒrde es sich bei dem Text um eine Kurzgeschichte oder ErzĂ€hlung handeln, dann könnte locker ein Drittel gestrichen werden, denn es lĂ€sst sich in einigen Passagen keine Relevanz fĂŒr die Handlung ableiten. Das kann aber noch kommen – soll ja ein Roman werden.
Ab der Stelle „Ich heiße Korona
 „ bis zu Mutters Ruf „ Miraculi!“ muss sich der Leser (ĂŒber etwa 4-5 Taschenbuchseiten) durch ellenlange GedankengĂ€nge und Zustandsschilderung deiner Korona quĂ€len und sich dabei furchtbar langweilen. Es ist keinesfalls so, dass das Alles uninteressant wĂ€re, aber du schilderst es viel zu kompakt und erschlĂ€gst damit den Leser. Es ist immer gut, möglichst viele der notwendigen Informationen, in die Handlung direkt einzubauen – wenn es geht, sogar tröpfchenweise.
Von dem Moment an, wo beim Abendessen so etwas wie eine Handlung einsetzt, wird es dann wohltuend lebendiger.

Wie gesagt: ĂŒber stilistische Stolpersteine will ich jetzt nichts weiter sagen. DafĂŒr sollte man das Gesamtwerk kennen.

Der Anfang erschließt sich mir ĂŒberhaupt nicht, denn mit dem Satz: „Genervt ließ ich den idyllischen Ort verblassen und stopfte ihn zurĂŒck in irgendeine Gehirnwindung.“ machst du dem Versuch, ein romantisches Bild zu malen, abrupt ein Ende und katapultierst den Leser ĂŒbergangslos ins chaotische Jugendzimmer.

Völlig unverstĂ€ndlich ist mir der englische Titel. Den hĂ€tte man ebenso gut in Deutsch wĂ€hlen können, ohne dass er etwas anderes aussagt. In einem deutschen Text sollte man Fremdwörter bzw. die allseits beliebten (warum auch immer) englischen Begriffe, nur dann anwenden, wenn die Muttersprache dafĂŒr keinen passenden Ausdruck kennt.


Das sind nur ein paar Aspekte, die sich auf den Text beziehen. Jetzt kommt ein redaktioneller Hinweis.
NĂ€mlich: Bei Romanen handelt es sich gewöhnlich um lange Texte. Und deshalb bist du hier in der falschen Rubrik gelandet. Die Rubrik „ErzĂ€hlungen“ ist abgeschlossenen Texten, die den Charakter einer ErzĂ€hlung besitzen, vorbehalten. Du kannst aber gern hier einen Klappentext veröffentlichen, der uns ĂŒber den Inhalt des Romans informiert. Der eigentliche Text muss dann bei „Lange Texte“ eingestellt werden, wo er auch kapitel- oder abschnittsweise fortgefĂŒhrt wird.
Ich warte also noch ein paar Tage auf den Klappentext (oder zumindest auf einen Hinweis auf den Roman), und dann wird verschoben. Sollte deinerseits keine Reaktion erfolgen, muss ich den Text leider löschen.
FĂŒr weitere Fragen stehe ich per PN oder email zur VerfĂŒgung.

Gruß Ralph

__________________
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Filjanka Seenonne
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Vielen Dank fĂŒr Eure schnelle Resonanz.
Mir ist klar, dass das hier kein ausgereifter Text, und Vieles ĂŒberflĂŒssig ist. Ich bin auf Grund meines Studiums lange nicht zum Schreiben gekommen und stelle zuvor angefangene "Werke" und skizzenhafte Ideen ein, um einmal eine unabhĂ€ngige Reaktion darauf zu bekommen. Ich kann Eure Anmerkungen gut nachvollziehen; einige wĂŒrden sich mit FortfĂŒhrung und Ausreifung der Geschichte in Wohlgefallen auflösen bzw. an Bedeutung gewinnen.

@ Ralph: Ich wĂŒrde gern einen Klappentext erstellen, um die eigentliche Idee besser vorstellen zu können, jedoch habe ich noch immer nicht durchschaut, wie ich das genau mache.

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