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Leselupe.de > Kindergeschichten
Tom und der Nikolaus
Eingestellt am 20. 12. 2017 17:58


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LUPESIWA
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Tom und der Nikolaus

Wie jedes Jahr am 6. Dezember feiern alle Kinder in Waldhausen das Nikolausfest mitten im Dorf vor dem Gemeindehaus. Die Erwachsenen dĂĽrfen natĂĽrlich mitfeiern.

Auf seinem letzten Rundgang durch den Kindergarten „Schwalbennest“ entdeckt Hausmeister Baer drei Mädchen aus der Vorschulgruppe in der Garderobe.
„Ja Lisa, Marie, Susi, was macht ihr denn noch hier? Alle sind doch schon zum Dorfplatz gelaufen“, fragt er ganz überrascht.
„Wir gehen heute nicht dahin“, stottert Marie, „den Weihnachtsmann gibt es nämlich gar nicht und der falsche Nikolaus mit dem falschen Christkind kommen heute auch nicht.“
Ehe der erstaunte Hausmeister etwas erwidern kann, platzt es aus Lisa heraus.
„Das hat uns Tom erzählt, der ist zwei Jahre älter und weiß es genau, die Erwachsenen lügen!“
„Aha, der Tom hat euch das erzählt“, wiederholt Herr Baer und streicht sich über seine grauen Haare. „Ich meine“, spricht er nachdenklich weiter, „Tom hat bestimmt noch nie so ein schönes Nikolausfest gefeiert. Aber zu euch ist der Nikolaus mit dem Christkind doch jedes Jahr gekommen, oder?“
Ganz aufgeregt nicken die Drei und hüpfen erleichtert davon, „wenn Brummi das sagt“, so nennen sie den netten Hausmeister immer, „dann stimmt das auch.“
„So, so, der kleine Tom“, murmelt der Hausmeister vor sich hin. Er hat längst mitbekommen,
dass Tom mit seiner Familie vor wenigen Wochen erst aus der Stadt nach Waldhausen gezogen ist und noch keine Freunde gefunden hat. Und dass er oft im Unterricht stört, damit seine Mitschüler ärgert und die Jüngeren gerne veräppelt.
Vor der Tür läuft ihm Toms Mutter mit Jonas, Toms kleinem Bruder, über den Weg. Sie unterhalten sich einige Minuten und die Mutter erzählt von ihren Sorgen.
„Ja, ich weiß, er macht immer wieder Ärger und Jonas weint manchmal wegen der dummen Geschichten, die Tom ihm erzählt. Was soll ich nur tun?
„Ich hab da eine Idee“, schmunzelt Herr Baer und flüstert ihr etwas zu.

Auf dem Dorfplatz herrscht fröhliches Treiben. Duft von selbstgebackenen Plätzchen, Weihnachtpunsch und gegrillten Bratwürstchen zieht in die Nasen und der riesengroße Weihnachtsbaum leuchtet schon mit seinen unzähligen Lichtern in der Dämmerung.
Der Nikolaus ist natürlich auch da und verteilt gemeinsam mit dem Christkind kleine Gaben. Alle Kinder umschwärmen ihn und warten ganz aufgeregt darauf, dass der Sack endlich leer wird. Erst dann setzt sich der Nikolaus in einem bequemen Sessel genau vor das Gemeindehaus. Und alle, die vergessen haben ihren Wunschzettel für den Weihnachtsmann nach Engelskirchen zu schicken, können ihn in den großen Sack schmeißen, damit er noch rechzeitig ankommt.
Tom schleicht immer wieder ganz nah am Nikolaus vorbei, zupft an dem schweren roten Mantel und sogar an den goldenen langen Locken vom Christkind. Am liebsten hätte er ja den Bart vom Nikolaus erwischt, ihn runtergezerrt und allen bewiesen, dass der falsch ist.
Plötzlich packt ihn eine Hand und eine tiefe Stimme fragt, „du bist doch der Tom, was machst du hier?“
„Ich, ich“, stottert Tom und will weglaufen. Aber das geht nicht. Eingeklemmt zwischen zwei starken Knien muss er dem Nikolaus direkt in die dunklen Augen, unter buschigen Augenbrauen, schauen.
„Ach so! Du willst auch deinen Wunschzettel in den Sack werfen?“, grollt der mit dunkler Stimme weiter, zieht ihn noch näher zu sich heran und flüstert ihm ins Ohr.


“Das kannst du machen! Aber wenn du weiter den Unterricht störst, die anderen Kinder ärgerst und deinen kleinen Bruder zum Weinen bringst, dann besuche ich dich nach Weihnachten zu Hause und hole alle Geschenke wieder ab, verstanden?“ Dann gibt er ihm einen kleinen Stups und Tom verschwindet, ein wenig verwirrt, schnell in der Menge. Dort entdeckt er seine Mutter mit Jonas und nimmt wortlos ihre Hand.

Die Tage bis zum Weihnachtsfest vergehen schnell. Und wenn es dunkel wird, schaut Tom ab und zu heimlich aus dem Fenster. Er passt nun in der Schule besser auf und spielt sogar öfter mit Jonas. Von seinem Erlebnis hat er niemanden erzählt, auch nicht seiner Mutter. Aber immer wenn sie ihn liebevoll in den Arm nimmt, dann hat er das Gefühl, dass seine Mama sowieso alles weiß.



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