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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Traumklang
Eingestellt am 14. 03. 2015 17:23


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adrianoeljero
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2015

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Traumklang

Kopfhörer auf. Musik an. Berauschen lassen.
Die T√∂ne und Kl√§nge zerren mich mit: Innerhalb weniger Sekunden verlangsamt sich mein Atem, mein Herz schl√§gt ruhiger gegen den Brustkorb und meine Muskeln finden berauschende Entspannung. Machtlos bin ich gegen den Impuls meiner Augen, sich v√∂llig zu schlie√üen, ich schaffe es gerade noch, den nach vorne fallenden Kopf aufzuhalten, bevor er meinen ganzen K√∂rper mit sich rei√üt und auf den Tisch vor mir f√§llt. Dr√ľcke ihn zur√ľck in eine halbwegs aufrechte Position, eine meditative Starre, die ich sicher beibehalten kann. Erst scheine ich nichts zu denken, sp√ľre nur meinen Atem und das mit jeder Sekunde langsamer schlagende Herz - Boom-boom ... boom-boom ... Sp√ľre nur ... Boooom-boooom ... gedankenlos ... boooom ... boooom ... booom ... ge-dan ... -ken ... -los... booooom-boooom ... Das in meine geschlossenen Augen dringende Licht ver√§ndert und windet sich, bis ein durcheinander wirbelnder Strom aus Rot, Gelb und Gr√ľn in meinem Kopf entsteht. Ich kann nicht mehr erkennen, was passiert, lasse die puzzlehaften Str√∂me der Farben einfach wirken, lasse mich von ihnen berieseln und schaue zu, wie sich allm√§hlich ein Bild abzeichnet.
‚ÄúAhrommmmmmm ... ahrommmmmmm ... ahrommmmmmm ...‚ÄĚ, meine zotteligen, langen Haare flattern mir um die Wangen. Kira steht vor mir, ihre schlanken H√ľften schwingen sich nach links und nach rechts, immer wieder und wieder. Sie hat die H√§nde vor der Brust aufeinandergelegt, die Augen geschlossen und konzentriert sich nur auf ihren K√∂rper. Sie bewegt ihn elegant , l√§sst ihn schwingen, als w√§re sie eine Welle, die sich im Gleichschritt aufb√§umt und wieder senkt, steigt und wieder f√§llt.
‚ÄúAhrommmmmmm ... ahrommmmmmm ... ahrommmmmmm ...‚ÄĚ, ich schaue mich um, entziehe mich Kiras fesselndem Bann und bemerke die zahlreichen Stammesgenossen, die einen gro√üen Kreis um uns gebildet haben. Die Tiefstimmigen unter ihnen brummen den Anfang des alten Liedes, so wie es der Brauch will. Langgezogene, dunkle T√∂ne, die √ľber die Erde schallen. Dann ist es Zeit f√ľr die Trommeln, mehrere M√§nner treten vor und schlagen mit ihren H√§nden rhythmisch auf die vor ihnen aufgestellten Instrumente:
Da-tra-dara ... da-tra-dara ... da-tra-dara ... da-tra-dara ... Als n√§chstes die Rasseln, die dunkelh√§utigen Frauen ziehen die metallenen Klangst√ľcke hervor und sch√ľtteln sie im Takt, tschztschztschz ... tschztschztschz ... Ich drehe mich wieder zu Kira, deren Augen weiterhin geschlossen sind und lasse mich von ihren schlangenhaften Bewegungen berauschen, folge ihren H√ľftschw√ľngen im Takt der immer schneller werdenden Klangeskapade um uns herum. Mein K√∂rper schmiegt sich fast wie von alleine in den Rhythmus ihres geschmeidigen Bauchtanzes ein, als habe ich nie etwas anderes gelernt. Ganz automatisch spiegle ich jede ihrer Bewegungen, aber behalte dabei neugierig die Augen offen, schaue ihr tief durch die geschlossenen Lider und warte geduldig auf die verborgenen Lichter, die sich dahinter verbergen.
‚ÄúAhrommm... da-tra-dara-dara-dar-tra-darada... tschztschz-ahromm-dara-datra-tschz-ahromm-‚ÄĚ
Die Melodien verschwimmen, verschnellern sich, rei√üen mich mit sich und werfen mich aus Kiras geduldigen, st√§ndig gleichbleibenden Bewegungen. Ich kann ihr nicht mehr richtig folgen, die auftreibenden T√∂ne bringen meinen K√∂rper ins Wanken, erhitzen mein Gem√ľt und lassen mein Herz drohend gegen die Brust h√§mmern. Donnernde Blitze durchzucken meine Adern, ich k√§mpfe dagegen an, versuche, das Tempo zu verlangsamen und wieder in Kiras Fluss des Schwingens zu geraten, doch meine Muskeln verkrampfen sich und ich halte abrupt an. Pl√∂tzlich √∂ffnen sich ihre Augen und brennendes Feuer ist darin zu sehen. Das ist kein Licht, das ich erbeten habe, es sind sengende Flammen, die sich in mich bohren, meine Haut zerfressen. Ich will schreien, will die qu√§lenden Schmerzen vertreiben, aber selbst meine Stimme wird von ihrer gnadenlosen Hitze verschlungen.
Schlagartig √∂ffne ich die Augen, ziehe blitzschnell die Kopfh√∂rer ab und schmettere sie angsterf√ľllt gegen die Wand vor mir. Mein Herz rast, mein Atem hechelt und jede Ader meines K√∂rpers zittert, wie ein nachklingendes Erdebeben. Ich schnappe nach Luft, beruhige die Anspannung in mir, so gut es geht und schaue auf die √úberreste der zerst√∂rten Kopfh√∂rer. Diese Musik ist gef√§hrlich. Diese Meditation ist gef√§hrlich. Was ist gerade nur mit mir passiert?
Ich richte mich auf, laufe durch die Zimmer und spiele die Szene wieder in meinem Kopf ab. Suche nach einer Sache die sich absichtlich vor mir zu verstecken scheint. Hat keinen Zweck.Tief einatmend wird mir klar: Ich werde es noch einmal probieren m√ľssen, sonst werde ich nie erfahren, wie es weiter geht. Sonst werde ich nie erfahren, welchen Sinn das alles hat. Der Lehrmeister hat gesagt, aller Anfang ist schwer. Doch nicht heute. Vielleicht Morgen oder n√§chste Woche. Und Kopfh√∂rer brauche ich auch neue. Seufz.
__________________
Träumer zu sein, heißt nicht, perspektivlos und naiv die Welt zu betrachten. Es bedeutet, an Wunder zu glauben.

adrianoeljero.com

Version vom 14. 03. 2015 17:23
Version vom 15. 03. 2015 13:47
Version vom 15. 03. 2015 13:59
Version vom 15. 03. 2015 18:44

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rothsten
???
Registriert: Jan 2015

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Hallo adrianoeljero,

Beschreibungen musikalischer Ekstase scheinen hier gerade en vogue zu sein. :-)

Dein Text ist kein schlechter, jedenfalls bedeutend besser als Deine anderen, die ich bisher gelesen habe. Es ist nicht leicht, Trance zu beschreiben. Es ist Dir recht gut gelungen, wenngleich ich mir etwas mehr Erkl√§rung w√ľnschte, wie Deinem Prot das absolute Fallenlassen gelingt. Er setzt den H√∂rer auf - und f√§llt. Das ist ein bissl d√ľnn.

Dein Erzähler ist allwissend. Das merkt man daran, dass er weiß, dass Dein Prot z.B. neugierig in Kiras Augen schaut, ihren Bauchtanz verfolgt ...

Die Gefahr hierin ist immer, dass Du Deinem Leser keinen Raum zum eigenen Ausmalen lässt. Besonders in sehr kurzen Texten wirkt das schnell oberlehrerhaft.

Hier sind auch noch ein paar kleine Macken:

quote:
... mein Herz schlägt ruhiger gegen den Brustkorb und meine Muskeln finden berauschende Entspannung.

"Rausch" ist ein Zustand der Ekstase, Entspannung das Gegenteil. Widerspr√ľchlich!

quote:
Kira steht vor mir, ihre schlanken H√ľften schwingen sich nach links und nach rechts, wie eine sich windende Schlange.

Eine Schlange windet sich immer, wenn sie sich bewegt. Mir ist kein Tier bekannt, dessen Name sich so sehr von seiner Bewegung ableitet. Das Bild ist abgedroschen und √ľberladen. Du beschreibst sie danach ja als Welle, sp√§ter nochmal als schlangenhaft; das reicht, finde ich. ;-)

quote:
Ganz automatisch spiegle ich jede ihrer Bewegungen, aber behalte dabei neugierig die Augen offen, schaue ihr tief in die geschlossenen Lider und warte geduldig auf die verborgenen Lichter, die sich dahinter verbergen.

Ein nettes Bild, aber ich schriebe: "... schaue ihr tief durch die geschlossenen Lider ..."

Röntgenstrahlen etc. sehen durch Wände usw.

quote:
Was ist gerade nur mit mir passiert? Ist das eins meiner fr√ľheren Leben gewesen? Ist es mir deshalb so furchtbar real und vertraut vorgekommen? Bin ich der zottelige, langhaarige Mann gewesen, der dieser schlangenartigen Frau namens Kira gegen√ľbergestanden hat? Der diesem fantasiehaften Tanz gefolgt ist? Doch irgendetwas hat die Verbindung unterbrochen, den Fluss dieses Traumes... sind es die D√§monen gewesen, die sich die ganze Zeit in meinem Innern versteckt haben? Sind sie wach geworden, bereit, herausgelassen zu werden? Ist das die Verk√∂rperung meiner Wut und √Ąngste, die ich so lange versucht habe, im Zaum zu halten? Welche Bedeutung kann das Feuer sonst gehabt haben?

Der Absatz gef√§llt mir gar nicht. Diese komplette Innenansicht gibt mir als Leser vor, wie ich den Traum zu deuten habe. Das macht mir keinen Spa√ü mehr, denn ich will ja meine eigenen Schl√ľsse ziehen.

Probier mal Folgendens:

Nach "Was ist gerade nur mit mir passiert" machst Du einfach mit "Ich richte mich auf, gehe zum K√ľhlschrank und √∂ffne ihn." weiter. Den Rest dazwischen streichst Du.

Fehlte was? Oder gewönne Dein Text vielleicht sogar - mehr RAUM?

Manchmal ist weniger mehr, hier eindeutig. Meine Meinung.

lg



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steky
Guest
Registriert: Not Yet

Hy, @adrianoeljero - was f√ľr ein Name! Den musste ich mir glatt kopieren

Zur Sache:

quote:
Kopfhörer auf. Musik an. Berauschen lassen.
Vorschlag:
"Kopfhörer auf. Musik an. Berauschen lassen!"

quote:
Die Töne und Klänge zerren mich mit sich
Das klingt f√ľr meinen Geschmack nicht gut. Ich w√ľrde das "sich" streichen oder eine andere Konstruktion suchen.

quote:
- Boom-boom ... boom-boom ... Sp√ľre nur ... Boooom-boooom ... gedankenlos ... boooom ... boooom ... booom ... ge-dan ... -ken ... -los... booooom-boooom ..
Diese Stelle gefällt mir vom Musikalischen her sehr gut.

quote:
Ich richte mich auf, gehe zum K√ľhlschrank und √∂ffne ihn. Suche nach einer Sache, die ich vergessen habe, schlie√üe ihn wieder und atme tief ein. Ich werde es noch einmal probieren m√ľssen.
Was w√ľrde passieren, w√ľrdest du den K√ľhlschrank streichen?

quote:
Aber alles nicht heute, heute ist genug passiert.
Dieser Satz erinnert mich irgendwie an das Ende des Texas Kettensägen Massakers. In deinem Fall passsiert, zeitlich gesehen, nicht viel, wenn auch sehr Ungewöhnliches. Vielleicht ein wenig too much.

Ich habe deine Geschichte mit Begeisterung gelesen.

LG Steky

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