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Leselupe.de > Anonymus
Und sie fahren doch weiter
Eingestellt am 25. 01. 2018 22:36


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Woosh! Rattata rattata rattata. Eins, zwei, drei, vier, f├╝nf, sechs ÔÇŽ Einen nach dem anderen sehe ich unter mir vorbei fahren, bis letztendlich der 43. Wagen von unter der Br├╝cke herauskommt. Es ist mal wieder ein G├╝terzug den ich sehe, mit allerlei verschiedenen Wagenladungen. Mit Autos, Holzbalken, Containern, Fl├╝ssigkeitstanks und selbst LKW-Anh├Ąngern im Zug. Es ist schon der dritte, den ich unter mir fahren sehe. Einer von vielen, welcher mir nur immer wieder deutlich macht, wie klein doch jeder Mensch ist, bei der schieren Masse an G├╝tern, welche allein hier durch die Landschaft transportiert werden. Und wie wenig Einfluss doch einer alleine hat.
Doch ich bin nicht hergekommen, um ├╝ber den Welthandel, oder ├╝ber die Ohnmacht der Einzelnen nachzudenken. Ich bin an dieser Br├╝cke, weil sie mich beruhigt. Sie ist au├čerhalb der Stadt, an einer kleinen Stra├če. Es fahren selten Autos vorbei die st├Âren w├╝rden, es laufen wenig Menschen an dieser Stelle. Und wenn doch, dann sind das meistens Studierende, die eh nicht genug Zeit h├Ątten, um sich ├╝ber eine einzelne Person irgendwo zu wundern. Es ist ruhig, ungest├Ârt, nat├╝rlich.
Unter mir, vor mir, hinter mir, Z├╝ge. Einer nach dem anderen. Endlos tuckern sie unter mir durch, langsam ihre Runden ziehend, auf einer vorgegebenen Strecke. Sehen mich, nur einen von wahrscheinlich unz├Ąhligen Beobachtenden. Sie beachten mich nicht, wozu auch? Der Zaun ist schlie├člich hoch genug. Zumindest an dieser Stelle. Und ich stehe doch nur hier, die Waggons z├Ąhlend, in eine Art Trance fallend. Meine Gedanken verschwinden, ich sehe nur noch Waggons vor mir. Und doch, jetzt fange ich an, sinniere ├╝ber meine Ohnmacht gegen alles. Gegen den Welthandel, gegen den Konsum, gegen die Ungerechtigkeit, gegen mich. All diese Gedanken, in mir drinnen, erst neblig, und doch immer klarer werdend, mich ansteckend, mich bet├Ąubend, mich ver├Ąndernd.
Ich sehe einen Zug kommen. Ich sehe ihn von vorne kommen, er h├Ąlt direkt auf die Br├╝cke, und was unter ihr ist, zu. Von der anderen Seite kommt nichts, er hat freie Fahrt, und drosselt sein Tempo nicht. Er f├Ąhrt gerade zu, sein Ziel nicht aus den Augen verlierend. Er folgt, ohne Z├Âgern, ohne Nachdenken, tatenlos, auf seiner Strecke fort ...
Es ist nur ein kleiner Stich. Der Handel stockt, eine Ader ist geplatzt, aber das Herz pump weiter. Und doch. Weder er, der Lokf├╝hrer, noch alle anderen um ihn herum, werden diese Szene jemals vergessen.

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