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Leselupe.de > Horror und Psycho
Urban Fantasy
Eingestellt am 12. 09. 2012 18:16


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OliverR
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Stockbesoffen. Wieder einmal liege ich auf meiner Couch, und alles dreht sich.
Die Couch steht in meiner Praxis. Am Haus hängt ein Schild, auf dem steht:
Peter Raben. Diplom-Psychologe, Psychotherapeut. Termine nach Vereinbarung. Und die Telefonnummer.

Ich bin Peter Raben, 47 und völlig im Arsch. Ich habe das Saufen angefangen; nicht, weil ich die Probleme meiner Patienten nicht hätte ausblenden können, wenn ich zuhause war, ich war sehr stabil (sonst hätte ich diesen Beruf nicht gewählt). Und erfolgreich. Ich hatte eine Frau, zwei Kinder, einen Hund und ein Haus.
Ich denke, das ist schon eine reife Leistung. Alles war völlig in Ordnung, könnte man meinen.

Dann traf ich Axel.

Axel rief mich vor 3 Monaten an, fragte nach einem Termin f√ľr ein Vorgespr√§ch.
\"Wie sind Sie denn auf meine Praxis aufmerksam geworden?\" Meine √ľbliche erste Frage. \"Ich habe einfach in den Gelben Seiten gesucht.\" kam die Antwort. \"Weswegen meinen Sie denn, eine Therapie zu brauchen, bitte nicht falsch verstehen, ich m√∂chte mir nat√ľrlich ein Bild machen.\"
\"Kein Problem, ich habe sehr oft das Gef√ľhl, mich unbedingt in die Angelegenheiten anderer Personen einmischen zu m√ľssen ... Dar√ľber m√∂chte ich reden.\"
Das weckte mein Interesse; nat√ľrlich hatte ich auch √§hnliche Patienten, Querulanten und Choleriker, Stalker, aber irgendwie hatten seine Stimme, sein Tonfall, etwas, nennen wir es mal Au√üergew√∂hnliches.
\"Sind Sie krankenversichert?\", eine wichtige Frage. \"Nein, ich habe gewisse finanzielle Mittel. Ich zahle bar.\" SEHR ungewöhnlich, aber OK.

Wir vereinbarten also einen Termin in 2 Wochen.

Das Tagesgesch√§ft lief wie √ľblich, Patientin Renate hatte wiedereinmal Stress mit ihrem Freund und bekam die √ľblichen Schreikr√§mpfe, Patient Dieter hatte sich lange beherrscht, dann aber wieder seinen 5-j√§hrigen Sohn geschlagen, Patientin Roswitha wurde wegen ihrer Flatterhaftigkeit von ihrem Mann verpr√ľgelt. Patient Olaf hatte sich eine Glatze rasiert und versuchte mir zu erkl√§ren, es w√§ren keine Menschen im Dritten Reich vergast worden ...
Und so weiter.

Dann der Termin mit Axel, dem ich schon seit dem Morgen entgegenfieberte. Meine Frau sah mir die leichte Hektik an, ich erklärte es wie immer mit \"Schwierige Patienten heute!\" \"Davon hast Du offensichtlich zu viele!\" Scheiße, wieder dieselbe Leier! \"Immerhin können wir uns dadurch all dies hier\", ich machte eine umfassende Geste mit dem Arm, \"leisten!\" Sie schwieg und setzte sich ins
Wohnzimmer vor den Fernseher. Guckte \"Morgenmagazin\" oder Verkaufssender. Ich trank meinen Kaffee aus, stinksauer. \"Kinder, wir m√ľssen los!\", rief ich. Ich musste unsere Kinder immer zum Kindergarten fahren. Wir hatten zwar zwei Autos, aber diese Frau war als Mutter v√∂llig √ľberfordert.
Einkaufen, das bekam sie noch hin. Kochen? Musste ich machen, damit es nicht nur Pizza oder Mikrowellengerichte gab. Haushaltsarbeiten? Fragen Sie besser nicht!

Nachdem ich die Kinder abgesetzt hatte, fuhr ich zu meiner Praxis.

P√ľnktlich klingelte es. Wenige Minuten sp√§ter stand Axel im Raum:

Ich sah einen hochgewachsenen, asketisch gebauten Mann in mittleren Jahren vor mir, mit mittellangen schwarzen Haaren und sehr dunklen Augen. Seine Erscheinung war sehr gepflegt, allerdings war seine gesamte Kleidung schwarz. Er hatte einen großen Aktenkoffer dabei.

Er gab mir die Hand und stellte sich erstmals mit seinem vollständigem Namen vor: Axel Reel. \"Ich habe englische Wurzeln.\"

Wir setzten uns.

Ich begann: \"Erzählen Sie doch mal geradeheraus von sich!\"
\"Das ist nicht so einfach\", antwortete er \"ich weiß nicht, wo ich anfangen soll ...\"
Das hörte ich beim ersten Mal von allen Neupatienten, aber da gibt es ein einfaches Rezept:
\"Welchen Beruf √ľben Sie aus?\"
\"Oh, ich bin Buchhalter.\"
\"Sind Sie mit Ihrem Job zufrieden?\"
Seine Antwort kam sofort: \"Sehr zufrieden!\" Ich schwieg eine Weile, denn meistens fangen die Patienten dann an, weiter zu reden. Axel nicht. Also musste ich ein wenig weitergehen: \"Sind Sie verheiratet?\"
\"Nein.\"
\"Feste Freundin?\"
\"Nein.\"
\"Festen Freund?\" Diese Frage l√∂ste bei den meisten m√§nnlichen Patienten gro√üe Best√ľrzung und Emp√∂rung aus, aber das war ja auch gewollt, um den Knoten zu l√∂sen ... Ruhig antwortete Axel \"Nein.\" und schwieg.

Das reichte mir jetzt: \"Herr Reel, Sie m√ľssen schon ein wenig auf mich zugehen, damit wir eine Kommunikation zustande bekommen! Reden Sie mit mir! Ansonsten k√∂nnen wir dies beenden!\"

Erstmals sah ich eine Reaktion: Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem leichten Lächeln.
\"Warum fragen Sie mich nicht einfach nach meinem Problem?\" Worte! Ein Satz! Erleichtert ging ich auf seine Frage ein: \"Bitte erzählen Sie!\" Das war nicht nach Lehrbuch, aber das war mir jetzt auch egal. Der Mann hatte irgendetwas Faszinierendes.

Er begann: \"Ich mische mich in die Angelegenheiten anderer Menschen ein, wenn ich der Meinung bin, sie hätten in ihrem Umfeld Probleme, die sie aber nicht wahrhaben wollen.\"
Ich hörte zu.
\"Also greife ich ein.\"
Das war nat√ľrlich ein Hammer. Vorsichtig fragte ich weiter: \"Wie greifen Sie ein?\"
\"Ich entferne die Probleme!\"
\"Wie?\"
\"Ich besuche die Menschen.\"
\"Und?\"
\"Und spreche mit Ihnen √ľber die Probleme, damit sie eine L√∂sung finden.\"
Ein Soziopath war er jedenfalls nicht, mehr ein Hobbypsychiater, dachte ich. \"Wie läuft das denn ab? Haben Sie ein Beispiel?\"

Ruhig antwortete er:
\"Ich hatte mal den Fall, dass ein sehr erfolgreicher Mann, er war in seinem Beruf erfolgreich, hatte eine Frau, Kinder, Haus plötzlich mit einer Alkoholfahne zur Arbeit erschien. Ich habe mich mit ihm verabredet.\"

\"Warum hat er denn einem Treffen zugestimmt?\", fragte ich leicht irritiert.
\"Oh, ich gab mich als Kunde aus“, antwortete Axel.
\"Soll ich weiter erzählen?\"
\"Unbedingt, ich glaube, wir machen schon bei unserem ersten Gespräch Fortschritte!\"
Ehrlich, ich wollte unbedingt mehr erfahren.
Ich dachte allerdings an den Schluck Whiskey, den ich mir in meinem Kaffee heute fr√ľh genehmigt hatte.

Axel sprach weiter:
\"Ich wusste, dass er fremdgeht. Mit einer Frau aus einer Arztpraxis, jung, gut gebaut, agil.
Jeden zweiten Tag in der Woche haben sie sich in einem billigen Motel getroffen.

Der Sex war fantastisch.

Nat√ľrlich bemerkte seine Frau, dass er sie nicht mehr so leidenschaftlich liebte, wenn sie denn mal zusammen waren. Was immer seltener vorkam. Und weder er noch sie zum H√∂hepunkt kamen.\"

Ich bekam leichte Schwei√üausbr√ľche ...

\"Möchten Sie mehr erfahren?\"

Ich nickte fassungslos. Wer ist dieser Kerl!

\"Er empfand seine gesamte Familie mittlerweile als reine Belastung und fing erst wenig, dann heftiger heimlich an zu trinken.
Beruflich ging es dann auch bergab: Viele bemerkten seine Fahne und sagten ihre n√§chsten Termine ab. Das Einkommen war da nat√ľrlich auch geringer, aber es musste ja alles bezahlt werden: Hypothek auf das Haus, Kindergarten, B√ľromiete ...\"

Mit einem L√§cheln erz√§hlte Axel weiter, w√§hrend mir der Schwei√ü mittlerweile den R√ľcken bis zum Hintern hinunterlief.

\"Au√üerdem verlangte seine Geliebte, ihr Name war Monika, dass er sich von seiner Frau trennen sollte. Das war nat√ľrlich unm√∂glich. Er versuchte, ihr zu erkl√§ren, dass das sein und ihr Ruin w√§re. Nutzlos. Monika sagte: ¬īEntweder sie oder ich!¬ī

Also beschloss er, Monika zu t√∂ten. Der Plan reifte in seinem Kopf: Er w√ľrde sich wieder mit Monika treffen, diesmal in ihrer Wohnung. Er w√ľrde sein Auto drei Stra√üen weiter abstellen, sich mit Kapuzenjacke unkenntlich machen, Handschuhe tragen, sie erw√ľrgen, erstechen, da war er sich noch nicht sicher. Ein dummer Plan f√ľr einen intelligenten Menschen.\"

Mir wurde schlecht.

\"Aber es gab ja noch eine andere Möglichkeit.\"

Ich unterbrach ihn: \"Hören sie auf!\"
Ich wollte vom Stuhl aufspringen, und auf ihn losgehen, meine Faust in sein verfluchtes, lächelndes Gesicht schlagen. Ich konnte es nicht. Es war, als hätte mir jemand Superkleber auf meinen Stuhl geschmiert.

Axels Lächeln wurde breiter: \"Er könnte ja auch seine Frau und Kinder auslöschen, es als Tat eines Einbrechers darstellen, um dann mit Monika mit dem noch vorhandenen Geld in ein Land ohne Auslieferungsvereinbarung zu fliehen. Aber auch das wäre ...\"

Ich kr√§chzte: \"H√∂r auf! Arschloch!!\", w√§hrend ich weiter ergebnislos am Stuhl r√ľttelte.

Unbeeindruckt öffnete Axel seinen Koffer. Nahm ein dickes Buch heraus. Legte es auf den Tisch, der uns trennte. Er schlug es auf, dann erhob er sich langsam und bedächtig, es hatte fast etwas rituelles an sich.

Entsetzt sah ich, wie seine Augen blutrot wurden.
Wie seine Alltagskleidung sich zu einem Gewand in dem tiefsten Schwarz, das ich jemals gesehen hatte, veränderte.
Wie sich schwarze Fl√ľgel an seinem R√ľcken entfalteten.
Er war jetzt mehr als 2 Meter groß. Seine Haut war kalkweiß.
Der Zeigefinger seiner linken Hand deutete auf mich, mit donnernder Stimme sprach er:

\"WELCHE NAMEN SOLL ICH STREICHEN?\"

Ich machte mir in die Hose, wie paralysiert sah ich auf das Wesen, das vorher ein normaler Mann gewesen war.
\"Wer bist Du?\", hauchte ich, gerade noch fähig, mich zu artikulieren.

\"ICH BIN AZRAEL. ICH SCHREIBE DIE NAMEN DER LEBENDEN UND STREICHE DIE DER TOTEN.
ENTSCHEIDE √úBER IHR UND DEIN SCHICKSAL!\"

Ich schwieg, ich konnte nicht mehr sprechen, ich saß festgezurrt in meinen eigenen Ausscheidungen, den Blick auf diesen, diesen, diesen Engel gerichtet.

Auf dessen Gesicht ein grauenvolles Lächeln erschien:

\"DU BIST NOCH NICHT BEREIT, DEINE ENTSCHEIDUNG ZU TREFFEN.\"

Er klappte das Buch zu. Verwandelte sich wieder in den Menschen, der sich mir vorgestellt hatte. Er verstaute das Buch wieder in dem Koffer \"Ich werde sehen, wenn du bereit bist!\" Ging.
Sabbernd fiel ich vom Stuhl, der mich endlich nicht mehr fesselte, und wurde ohnmächtig.

2 Wochen später.

Ich habe weder meine Familie noch meine Geliebte umgebracht.
Ich trinke exzessiv.
Meine Frau hat die Scheidung eingereicht, das alleinige Sorgerecht f√ľr unsere Kinder beantragt.
Monika will mich nicht mehr sehen.
Meine Patienten laufen mir weg.
Ich wohne in meiner Praxis, die mir zum Monatsende gek√ľndigt wurde.

Jetzt bin ich bereit. Ich habe meine Entscheidung getroffen:

Jetzt kann Azrael einen Namen streichen.

Meinen.

Aus meinen aufgeschnittenen Pulsadern fließt mein Leben aus mir heraus.

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lapismont
Foren-Redakteur
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Registriert: Jul 2001

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Moin OliverR,

insgesamt keine schlechte Geschichte, allerdings schwebt sie etwas im luftleeren Raum. Man bekommt das Gef√ľhl, dass Du die Figur von Anfang an bestrafen willst. Die Motivation ergibt sich nicht aus der Geschichte selbst. Es gibt kein Hinterfragen, sondern nur der recht geradlinige Verlauf.
Alles was den eigentlichen Absturz ausmacht, verbirgst Du in der Vorgeschichte, wir bekommen nur die Verhandlung zu lesen.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 35
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Hi!!!

Ich finde ebenfalls, dass die Geschichte nicht schlecht ist! Aber auch nicht so RICHTIG gut! Tja, irgendwie gehts mir dann doch zu schnell! Meiner Meinung nach solltest du versuchen, die Zeit vor der Verwandlung noch so richtig auszukosten, damit dann auch der Leser in den Genuss kommen kann so richtig √ľberrascht zu werden. Emotionen, Gedanken - zuerst subtilere Andeutungen dann der Knall...

Aber wie gesagt, die Geschichte ist auch so in Ordnung! Guter Durchschnitt!

Ich weiß ich hab leicht reden - meine Geschichten sind ja auch nicht gerade der Hammer!

Vielleicht konnte ich dir auf diesem Weg ein wenig helfen!


LG
Markus (Gonzo)
__________________
jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

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