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Verfluchtes Erbe
Eingestellt am 04. 02. 2003 20:38


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Alpha O'Droma
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Verfluchtes Erbe

Es war Herbst. Dunkle Wolken hingen ├╝ber der Stadt, als William sein Haus verlie├č. Er war in Eile, denn sein Wecker war irgendwann in der Nacht stehen geblieben. Willy hatte verpennt. Wie so oft.

Es schien ein Morgen wie jeder andere zu sein. Er verbr├╝hte sich in der Dusche, als 3 Nachbarn beschlossen, ihre morgentliche Notdurft gleichzeitig hinunterzusp├╝len. Sein Toast war verbrannt wie immer und die zerplatzten Fr├╝hst├╝ckseier hatten sich in die ├╝blichen avantgardistischen Proteinskulpturen verwandelt, in denen kleine St├╝ckchen der geborstenene Schale steckten. Der Kaffesatz fand unbeirrbar seinen Weg in Willys Tasse und irgendein Arschloch hatte seine Morgenzeitung geklaut. Alles wie immer.
Er hatte kein Gl├╝ck im Leben. Keiner in seiner Familie hatte jemals Gl├╝ck gehabt. Sein Vater war beim letzten Umzug von dem herabfallenden Klavier erschlagen worden, seine Mutter an einem Karamelbonbon erstickt. Seine Sippe schien vom Pech verfolgt.

Aber Willy war nicht dumm. Er nahm den Highway No. 34, immer ein Ohr an der Verkehrsdurchsage. Der Verkehr war z├Ąhfl├╝ssig und kam schlie├člich zum Stillstand. 10 Minuten stand er im Stau, als das Radio ihn informierte, dass ein Lastwagen mit giftigem Sonderm├╝ll umgest├╝rzt war, Kilometer 266 auf Highway No. 34. Ein Schild neben der Leitplanke verk├╝ndete die beruhigende Mitteilung, er bef├Ąnde sich erst auf Kilometer 257, also offensichtlich weit genug entfernt von diesem Disaster. Nur 3 Stunden sp├Ąter hatte er die Unfallstelle passiert. Es war schw├╝l, und Willy war bereits durchgeschwitzt, als ihm der linke Vorderreifen platzte und er den Streifenwagen rammte. Die Beamten nahmen grinsend seine Personalien auf, aber beim Reifenwechsel halfen sie ihm nicht.

Im Umkreis von 3 Meilen um seinen Arbeitsplatz war Parken ├Ąu├čerst schwierig. Willy ersp├Ąhte einen Parkplatz, doch leider genau vor einem Hydranten und ein untr├╝glicher Instinkt sagte ihm, er solle sich heute vielleicht nicht auf sein Gl├╝ck verlassen. Unser arg gebeulteter Protagonist umkurvte noch 8 weitere Blocks, dann fuhr er Richtung Downtown, stellte seinen Wagen ab und nahm sich ein Taxi. Das hei├čt, er hatte vor, sich ein Taxi zu nehmen, doch egal, an welche Kreuzung er sich stellte, die gelben Flitzer schienen immer eine Querstra├če entfernt vorbeizufahren. Nach einer weiteren Stunde – er hatte sich ein Taxi rufen wollen, doch sein Handy schien sich unerkl├Ąrlicherweise in einem Funkloch zu befinden, und alle Telefonzellen in der Gegend waren zerst├Ârt – kam ein Cab angebraust, und hielt vor unserem verzweifelt winkenden Helden. Gerade noch rechtzeitig. Wohl nicht rechtzeitig genug, um Williams Job zu retten. Sein Boss hatte ihn sowieso schon auf dem Kieker, die Firma sollte “schlanker” werden und eine vierst├╝ndige Versp├Ątung, genau an dem Tag, da William eine Pr├Ąsentation f├╝r den wichtigsten Kunden der Firma vorstellen sollte, w├╝rde die Wahl des Kollegen, von dem man sich “schweren Herzens” trennen musste, immens vereinfachen. Um seinen Job zu retten, kam das Taxi wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig genug, aber es fuhr rechtzeitig genug los, dass Willy noch mitbekam, wie ein paar Jugendliche seinen Wagen aufbockten, nachdem sie fachm├Ąnnisch die Radmuttern gel├Âst hatten.

Der puertoricanische Taxifahrer behauptete felsenfest, sein Taxameter sei defekt und William musste den doppelten Preis zahlen. Kaum dass er das Taxi verlassen hatte, und mit einem Klo├č im Hals vor seinem Firmengeb├Ąude stand, sich mit fast masochistischem Genuss ausmalte, wie sein Boss ihn in der Luft zerfetzen w├╝rde, begann der Wolkenbruch.

Es war Herbst. Dunkle Wolken hingen ├╝ber der Stadt. Es regnete in Str├Âmen. Demoralisiert und durchgeweicht ging Willy mit gramgebeugtem Haupt auf den Eingang zu. Existierte so etwas wie Schicksal? Anscheinend.

Murphys Gesetz.

“Es hat sich bitter an deinen Nachfahren ger├Ącht, Gro├čvater!”, schrie William Murphy zornig gen Himmel, rutschte auf dem nassem Laub aus und zog sich eine komplizierte Beckenfraktur zu.

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Abendsternchen
???
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Hallo Alpha


Es war Herbst. Dunkle Wolken hingen ├╝ber der Stadt, als William sein Haus verlie├č. Er war in Eile, denn sein Wecker war irgendwann in der Nacht stehen geblieben. Willy hatte verpennt. Wie so oft.
Du k├Ânntest ein "sein" streichen, es ist klar,dass es sein Wecker sein muss. "Verpennt ist umgangssprachlich, kann man zwar verwenden, muss dann aber zur Geschichte passen. sonst: verschlafen

Es schien ein Morgen wie jeder andere zu sein. Er verbr├╝hte sich in der Dusche, als 3 ausschreiben: dreiNachbarn beschlossen, sorry, das ist etwas irritierend. Man meint, er h├Ątte sich an der Notdurft verbrannt... klingt wenig angenehm. Ersetze das "als" doch durch ein "w├Ąhrend"--> dann w├╝rd ich noch erg├Ąnzen, was daran so unangenehm ist, z. B. das Ger├Ąusch, das im ganzen Haus zu h├Âren war.Ausserdem, ich dachte, es sei SEIN Haus? ihre morgentliche Notdurft gleichzeitig hinunterzusp├╝len. Sein Toast war verbrannt wie immer und die zerplatzten Fr├╝hst├╝ckseier hatten sich in die ├╝blichen avantgardistischen Proteinskulpturen verwandelt, in denen kleine St├╝ckchen der geborstenene Schale steckten. Der Kaffesatz fand unbeirrbar seinen Weg in Willys Tasse und irgendein Arschloch hatte seine Morgenzeitung geklaut. Alles wie immer. auch hier umgangsspr., kannt man aber nat├╝rlich verwenden
Er hatte kein Gl├╝ck im Leben. Keiner in seiner Familie hatte jemals Gl├╝ck gehabt. Sein Vater war beim letzten Umzug von dem herabfallenden Klavier erschlagen worden, seine Mutter an einem Karamelbonbon erstickt. Seine Sippe schien vom Pech verfolgt. schmunzel* wirklich kurios, aber gut!
Aber Willy war nicht dumm. Er nahm den Highway No. 34, immer ein Ohr an der Verkehrsdurchsage. Der Verkehr 2x Verkehr, wie w├Ąre es mit: "dieser", oder Du beschreibst eben die Situation Auto an Auto? war z├Ąhfl├╝ssig und kam schlie├člich zum Stillstand. 10 Minuten stand er im Stau, als das Radio ihn informierte, dass ein Lastwagen mit giftigem Sonderm├╝ll umgest├╝rzt war, Kilometer 266 auf Highway No. 34. Ein Schild neben der Leitplanke verk├╝ndete die beruhigende Mitteilung, er bef├Ąnde sich erst auf Kilometer 257, also offensichtlich weit genug entfernt von diesem Disaster. Nur 3 Stunden sp├Ąter hatte er die Unfallstelle passiert. Es war schw├╝l, und Willy war bereits durchgeschwitzt, als ihm der linke Vorderreifen platzte und er den Streifenwagen rammte. Die Beamten nahmen grinsend seine Personalien auf, aber beim Reifenwechsel halfen sie ihm nicht. welche Dienstleistungsgesellschaft:-) gut!

Im Umkreis von 3 Meilen um seinen Arbeitsplatz war Parken ├Ąu├čerst schwierig. Willy ersp├Ąhte einen Parkplatz, doch leider genau vor einem Hydranten und ein untr├╝glicher Instinkt sagte ihm, er solle sich heute vielleicht nicht auf sein Gl├╝ck verlassen. Unserklingt zu vertraut, w├╝rde ich evtl. streichen arg gebeulteter Protagonist umkurvte noch 8 weitere Blocks, dann fuhr er Richtung Downtown, stellte seinen Wagen ab und nahm sich ein Taxi. Das hei├čt, er hatte vor, sich ein Taxi zu nehmen, doch egal, an welche Kreuzung er sich stellte, die gelben Flitzer schienen immer eine Querstra├če entfernt vorbeizufahren. Nach einer weiteren Stunde – er hatte sich ein Taxi rufen wollen, doch sein Handy schien 2x sich unerkl├Ąrlicherweise in einem Funkloch zu befinden, und alle Telefonzellen in der Gegend waren zerst├Ârt – kam ein Cab angebraust, und hielt vor unserem verzweifelt winkenden Helden. Gerade noch rechtzeitig. Wohl nicht rechtzeitig genug, um Williams Job zu retten. Sein Boss hatte ihn sowieso schon auf dem Kieker, die Firma sollte “schlanker” werden und eine vierst├╝ndige Versp├Ątung, genau an dem Tag, da William eine Pr├Ąsentation f├╝r den wichtigsten Kunden der Firma vorstellen sollte, w├╝rde die Wahl des Kollegen, von dem man sich “schweren Herzens” trennen musste, immens vereinfachen. Um seinen Job zu retten, kam das Taxi wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig genug, aber es fuhr rechtzeitig genug los, dass Willy noch mitbekam, wie ein paar Jugendliche seinen Wagen aufbockten, nachdem sie fachm├Ąnnisch die Radmuttern gel├Âst hatten.

Der puertoricanische Taxifahrer behauptete felsenfest, sein Taxameter sei defekt und William musste den doppelten Preis zahlen. Kaum dass er das Taxi verlassen hatte, und mit einem Klo├č im Hals vor seinem Firmengeb├Ąude stand, sich mit fast masochistischem Genuss ausmalte, wie sein Boss ihn in der Luft zerfetzen w├╝rde, begann der Wolkenbruch.

Es war Herbst.Diesen Satz w├╝rde ich streichen, ist ja egal, welche Jahreszeit es ist.


Am├╝santer Text, wirklich! Ein Pechvogel, Dein Protagonist. Die Idee gef├Ąllt mir gut. In der sprachlichen Umsetzung finde ich doch des ├Âfteren fast Klischees, dass er n├Ąmlich eine Stunde auf ein Taxi wartet, das ist ein einer amerik. Gro├čstadt ziemlich un├╝blich. Gut hingegen die Jugendlichen, ├╝ber die er sich gar nicht mal gro├č aufzuregen schein... Am Ende k├Ânntest Du ihn noch als gefeuerten beschreiben, der eben das Firmengel├Ąnde verl├Ąsst und dann eben ausrutscht..


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Alpha O'Droma
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Danke f├╝r die ausf├╝hrliche Kritik!

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Alpha O'Droma
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Hatte vorhin wenig Zeit, weshalb ich jetzt noch mal auf deine Kritik eingehen will.
Mit den meisten Kleinigkeiten gebe ich dir nat├╝rlich Recht. Dass die Taxis immer einen Block entfernt herumgondeln, halte ich f├╝r einen Nachfahren der Murphys nicht f├╝r sonderlich abwegig. Der Satz mit dem Herbst stellt eine intendierte Wiederholung des ersten Satzes dar. Hier schlie├čt sich der Kreis. Und dass er gefeuert ist, hielt ich angesichts seiner Vita nicht f├╝r erw├Ąhnenswert, hehehe, eher f├╝r ├╝berfl├╝ssig. Aber viele kleine Fehlerchen stecken noch drin, danke noch mal f├╝r die Hinweise!

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kuschelmuschel
Guest
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Hallo Alpha,

ist wirklich ein witziger Text, das einzige was mir nicht in den Kopf will ist die Szene mit dem Taxifahrer. M├╝sste nicht "Unser Protagonist behaupten, dass das Taxameter kaputt ist und der Taxifahrer sich dagegen wehren?

Ich habe noch nie geh├Ârt das ein Taxifahrer zugibt, das sein Taxameter kaputt ist.
Oder er muss den doppeltn Preis zahlen, weil er nicht so lange diskutieren kann.

Viele Gr├╝├če

Michael

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Zefira
???
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Abendsternchens Kommentar war wie immer so umfassend und ausf├╝hrlich, da├č ich mich nur anschlie├čen kann. Bis auf den einen Punkt, da├č mir die Wendung "unser arg gebeutelter Protagonist" gefallen hat, weil er eine ironische Distanz erzeugt. In diesem Satz sieht man sekundenlang den Autor an seinem Schreibtisch, wie er pfeiferauchend einen "arg gebeutelten Protagonisten" erschafft. Mir gef├Ąllt das

Mit der "Notdurft" am Anfang holpert es aber wirklich sehr. Nicht nur hat Abendsternchen recht, da├č der Sprung Dusche - Sp├╝lung der Nachbarn - Verbrennung in diesem Satz zu weit ist; es klang auch f├╝r mich so, als h├Ątten die drei Nachbarn das gemeinsam beschlossen und ihre Produkte zusammengetragen - wirklich keine angenehme Vorstellung.

Insgesamt - eine ideenreiche, fetzige Geschichte.

lG, Zefira

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