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Versöhnung
Eingestellt am 02. 02. 2013 16:10


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Versöhnung

Nachdem mich mein Eheweib Berta mit fiese Worte und so lausige Vorwürfe schwer weidwund geschossen hatte, ging ich erst ma anne frische Luft. Dat wirkte Wunder. Dat sorgte in meinem Schädel für einigermaßen klare Gedanken. Ich fühlte mich plötzlich wieder frei im Kopp. Ich lief und lief und spürte den einsetzenden Regen erst, nachdem die Nässe meine Schwarte erreichte. Ich fühlte mich auf einmal wie verwandelt. Mit einem Schlag war ich nich mehr neidisch, nich stinkig und nervös, nee, ich war die Ruhe selbst. Bertas Standpauke arbeitete ich hier im Wald Punkt für Punkt ab. Mit Erfolg.
Ich kam zu der schrecklichen Erkenntnis, dat ich meiner lieben Berta in allen Anklagepunkten, bis auf den „alten Kümmerer“, Recht geben musste.
Wat unternahm ich denn als frischgebackener Jäger, um die nötigen Jagdkontakte zu knüppen? Nix! Glaubte ich Idiot denn wirklich, die gebratenen Täubchens flögen mir so einfach in den Äser rein? Jawohl, dat glaubte ich bis heute Morgen wirklich noch.

Man kannte mich doch, den großen Treiber Willi Püttmann. Um den frischgebackenen Jäger Püttmann würde sich doch jetz die ganze Jagdwelt reißen. So wat hatte ich mir tatsächlich eingebildet! Ich Idiot!
Ich erkannte plötzlich: „Willi, du belügst dich nich mehr!“ Dat war ja ne hochinteressante Feststellung.
Ich witterte auch, dat meine Berta niemals sonne dösige Anzeige inne Zeitung gesetzt hätte. Eine Entschuldigung war fällig, dat war klar, Ehrensache.
Aber welcher Schurke amüsierte sich so gemein auf unsere Kosten? Dat musste ich ganz schnell spitz kriegen.
Ich hatte en raffinierten Plan und schnürte stracks inne Anzeigenabteilung von unserem Käseblättchen. Ich fragte dat nette, junge Schmalreh hinterm Tresen: „Hörn Se ma, Fräulein, „ich will hier ne Annonce bar bezahlen. Haben Se noch die Zeitung vom 23. Juli?“ Sie fischte dat Blatt heraus und übergab mir den Anzeigenteil. „Hier“, sachte ich und zeigte mit dem Finger drauf, „dat iss die Anzeige.
„Hiermit geben wir Kund und zu Wissen, dass Berta und Willi Püttmann die Jägerprüfung bestanden haben. Sie haben noch Termine für Jagdeinladungen frei.“
Dat Fräulein peilte in den Computer und murmelte: „Skatclub "Herz Ass", 47,20 €.“
Aha, aus der Richtung küselte der Wind. Ich fingerte an meiner Gesäßtasche rum und tat so, als wollte ich bezahlen.
„Oh, entschuldigen Se bitte“, log ich, „hab doch tatsächlich dat Geld vergessen, ich komm gleich noch ma rein.“
Meine verdammten Skatbrüder hatten also dat üble Spielchen ausgeheckt. Womöglich wollten die Mistkerle die Anzeige auch noch ausse Skatkasse bezahlen. Da waren se bei mir aber schief gewickelt!
Erleichtert marschierte ich nach Hause, allerdings nich – ohne son Strauß rote Rosen mitzunehmen. Fünf duftende Rosen waren dat, sahen echt gut aus. Die Blümkes hatte ich beim Holländer aufm Wochenmarkt für ganz Kleinet ersteigert.
Klar, ich musste bei Berta kleine Brötchen backen. Im übrigen, wenn Willi Püttmann Mist baut, dann kann er sich auch entschuldigen. Jawohl, da fällt ihm auch als Familien-Platzhirsch kein Zacken ausse Krone. Ich leitete die aktive Versöhnungsphase ein:
„Bertalein, mein Mauseschwänzchen, mein Rehlein, dein Böckchen iss wieder zu Hause. Hallo, hu hu, wo steckst du denn, mein Häschen?“
Berta stand mit die Schürze inne Küche und brötschelte wat zum Mittagessen. Sie beachtete mich überhaupt nich. Ich startete en zweiten Versuch.
„Berta, komm, mach doch kein’ Quatsch, red mit deinem Williken. Ich hab deinen Einlauf kapiert. Die verdammten Skatbrüder haben uns den Streich gespielt. Du hattest in allen Punkten ja sooo Recht.“
Berta blieb stumm wie en Stockfisch, sie war wieder stur wie en Panzer. Ich rückte ihr son bissken näher aufe Pelle. Von hinten pirschte ich mich an, hielt ihr den Rosenstrauß vor die Nase und hauchte auf ihren Nacken en zarten Versöhnungskuss. Berta duldete mein stürmischet Werben wie ne Ricke inne Blattzeit. Sie drehte sich um und lächelte.

Beim Mittagessen wurde unser Streit endgültig beigelegt. Ich besprach mit ihr sehr ausführlich nur ihre berechtigten Vorwürfe. „Berta, wir bestellen erst ma ne vernünftige Jagdzeitung. Wir müssen als Jäger über alle jagdlichen Dinge genauestens im Bilde sein. Wir können ja sonst überhaupt nich mitreden. Jagdkontakte, Waffenbörse, Messen, Jagdpolitik ..., allet erfährsse dann brandaktuell.
Den Kreisgruppenvorsitzenden ruf ich auch gleich an, der soll uns Aufnahmeanträge für die Mitgliedschaft im Deutschen Jagdverband zuschicken.
Dann wird ein Termin beim Waffenhändler abgesprochen – wegen ner zeitgemäßen Waffe. Auch für dich, mein liebet Täubchen. Du muss doch en zweckmäßiget Gewehr und ne vernünftige Ausrüstung für die Bockjagd haben. Du willz dich doch bei die Ossis nich blamieren. Natürlich leih ich dir auch gerne meinen Flüsterrucksack, mein Fernglas und wat du sonst noch so gebrauchen tus.
Berta äugte erstaunt, nee, eher etwat misstrauisch:
„Willi, du biss ja wie verhext. Wat hasse gemacht? Wer hat dich geläutert. Steckt da ne Frau hinter? Rosen hasse mir dat letzte Mal vor dreißig Jahren geschenkt. Sei ma ehrlich, wer hat dir den Tipp mit die Rosen gegeben? Ich krieg dat raus!“
„Bertaken, nur frische Waldluft und ein Spaziergang im Regen befreiten mein Haupt von schlechten Gedanken und schenkten mir Erleuchtung. Ich fühle mich wie runderneuert. Die fünf Rosen waren ganz allein meine Idee, da staunze, wa?“

Die Post kam heute viel später als sonst. Drei Briefe holte ich aussem Briefkasten, alle adressiert an Willi Püttmann. Die Absender kannte ich nich. Ich riss neugierig die Umschläge auf, und wat erblickte ich da? Drei Jagdeinladungen!
Ich riss die Augen auf. Wieso wochenlang nix, und plötzlich an einem Tag drei Einladungen? Endlich war et soweit! Mein Blut geriet in Wallung. Ha, wat schön!
„Berta, kuck ma, wat ich hier inne Hand halte, dat glaubsse nich.“ Berta wurde neugierig.
„Wat hasse denn da, zeig ma her.“ Sie las und strahlte mich an:
„Mensch, Willi, ich gratuliere, Waidmannsheil, da freu ich mich aber. Da hat sich doch noch jemand an dich erinnert, wie schön für dich.“
Ich las laut und hocherfreut die erste Einladung:
„Absender: Graf Mortimer von Moosknapp zu Mückenklamm gibt sich die Ehre ..., bla, bla, bla. Nach Vorabeinsendung von fünftausend Euro auf das Konto ..., erteile ich Ihnen die Jagderlaubnis auf einen Knopfbock und die Teilnahme an einer erlebnisreichen Tauben- und Karnickeljagd in meinem wunderschönen Eigenjagdrevier... .“
Meine Kinnladen fielen runter. Berta bekam einen Lachanfall.
So wat Unverschämtet war mir noch nich vorgekommen. Ich konnte darüber nich lachen. Aber lachhaft war sonne Einladung schon, da fällt doch kein Mensch drauf rein, oder?
Die zweite Einladung kam von einem Landesforstamt in Leerkass, dat liegt inne Nähe von Schrappsackhausen: „Kapitale Damschaufler im Gatterrevier zu Dumpingpreisen ab dreitausend Euro, ohne Wildbret, ... jetzt zugreifen, einmalige Gelegenheit.“
Die dritte Einladung erhielt ich von einem Jagdmakler, der mir fast alle afrikanischen Wildarten auf einer Jagdfarm in Namibia anbot. Ich zerriss wütend den Mistkram und schmiss allet in den Müll.
Die “Einladungen“ bezogen sich auf die Anzeige im Herner Tageblatt, die uns die Skatbrüder aufs Auge gedrückt hatten.
Unbeschreibliche Wut und Enttäuschung stiegen wieder in mir hoch.
„Berta, hab ich für so wat ein Jahr gebüffelt? Dat kann et doch wohl nich gewesen sein!“ Berta zuckte nur mit die Schultern, sie kannte die Antwort auch nicht.

Gut, dat heute wieder Skatabend war. Hier konnte ich endlich meinen aufgestauten Frust ablassen. Ich stürmte in die Kneipe, setzte mich erst gar nich und drohte der Saubande von Skatbrüdern mit ner Anzeige wegen Rufmords, wenn se nich sofort ne neue Annoce schalten täten, die dat allet wieder in dat rechte Licht rücken würde.
Ja, da haben se dann gewinselt und mich den ganzen Abend freigehalten, mir sogar ne extra große Schlachtplatte bestellt und die gesellschaftliche Rehabili..., also, die Ehrenrettung fest zugesacht.
Wissen Se, wat die scheinheiligen Armleuchter ne Woche später inne Zeitung gesetzt haben? Hier, lesen Se ma!
'Skatclub „Herz Ass" hat sich mit den frischgebackenen Jägern Berta und Willi Püttmann aus Herne mit der Anzeige am 23. 7. d. J. einen Scherz erlaubt. Sie sind noch immer ohne Jagdeinladung.
Wir bedauern den Rufmord und wünschen den beiden Waidmannsheil und fette Beute.

Skatclub „Herz Ass“

„Berta, da kannze dir doch nur am Kopp packen. Dat iss doch kein Jux mehr. Denen gehört wat aufe Schnauze. Willze endlich ma wat dazu sagen, Berta? Nee? Kannze nich, dir fehlen die Worte. Dat glaub ich.“
„Willi, mach kein Theater, die freuen sich doch nur, wenne dich aufregen tus. Da müssen wir durch.“
„Berta, du machs mir Spaß. Aber vielleicht hasse Recht. Wir tun so, als hätten wir dat gar nich gelesen. Aber, dat schwör ich dir, bei nächster Gelegenheit mach ich diese Missgeburten so fertig, dat se sich davon nich mehr erholen. Ich überleg mir auch, ob ich aus dem Verein austrete.“
„Willi, wir müssen damit leben, dat wir jetz noch mehr Neider haben. Ich wollte dir dat ja gar nich erzählen. Die Köttelbecksche hat mir vorige Tage beim Schuster mit vorgehaltener Hand gesacht, dat se dir inne Siedlung die bestandene Prüfung nich zugetraut hätten. Dann fragte die blöde Kuh auch noch, warum wir jetz auf einmal unbedingt son Hobby für Neureiche ausüben wollten und ob wir demnächst auch in son Golfclub eintreten würden. Ich hab nur gesacht: ‚Frau Köttelbeck, kümmern Se sich um Ihnen’ und hab se einfach stehen lassen.“

„Berta, dein Bruder hat mich letztens auch so dämlich angequatscht, ob wir jetz wat Besseret wären und in vornehmen Kreisen verkehren wollten. Ich hab ihn nur angekuckt und gesagt:’ Hömma, Schwager, wenne dein weiteret Leben nur vor der Glotze mit ner Pulle Schabau und zwei Schachteln Zigaretten verbringen willz, dann iss dat dein Bier. Geh mir aber nich mit deinem dummen Gelaber aufn Zeiger. Deinem dicken Ranzen tät Bewegung anne frischen Luft auch sehr gut. Geh wacker nach Hause und horch anne Matratze.“
„Ja, so iss dat, Berta, wenne ma geistig und körperlich ausse Reihe tanzen tus und so missgünstige Freunde hass, dann musse dich doch fragen, ob dat wirklich Leute sind, mit denen du weiterhin verkehren willz. So falsche Fünfziger kannze doch wirklich inne Pfeife rauchen!
Hauptsache iss doch, dat wir beide wieder Frieden inne Bude haben.“












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Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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