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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Vertrauen ist nur der Anfang
Eingestellt am 11. 03. 2003 18:18


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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

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Meine H├Ąnde sind kalt. Ich hatte sie die ganze Zeit in den Taschen, w├Ąhrend ich irgendwie ziellos durch die Stadt rannte. Am Universit├Ątsplatz, wo sich gleich f├╝nf Stra├čenbahnlinien kreuzen, musste ich lange an der Stra├če warten. Es gab dort keine Ampel.
Die Autos rauschten an mir vorbei und bogen r├╝cksichtslos in den Kreisverkehr ein. Ausfahrt Stadtzentrum, Ausfahrt Neustadt, Ausfahrt Herrenkrug. Ich beobachtete, wie die Fahrzeuge wie gef├╝hlskalte Insekten ├╝bereinander herfielen, wie sie Gruppen bildeten, sich aneinander rieben, pl├Âtzlich auseinander brachen, Spuren wechselten. Wie eine K├Ânigin brach eine Stra├čenbahn in diese scheinbare Unordnung hinein. Mit ihrem prall gef├╝llten Hinterleib schob sie sich ruhig und gelassen in das Insektenchaos hinein und bannte meine Aufmerksamkeit durch ein einziges alles ├╝bert├Ânendes Klingeln. Ihre Fenster waren wie die ├ľffnung von Bienenwaben und dahinter sah ich ihre Kinder, ihre Eier, die sie bald an der n├Ąchsten Haltestelle geb├Ąren w├╝rde. Sie hatte so viele ├ľffnungen, aus denen sie ihr entstr├Âmen konnten. Ein Kind nach dem anderen. Ein kurzes Putzen, ein Blinzeln ob dem neuen und unbekannten Sonnenlicht, der erste Schritt. Wie junge Schildkr├Âten kriechen sie zielstrebig zum Wasser und k├Ânnen sofort schwimmen. Die meisten von ihnen kriechen ins Kaufhaus, wollen dort schwimmen. Der Existenzkampf beginnt in dem Moment, wenn ihre Leiber, wie schlachtreife K├╝he in die Dreht├╝r eintreten. Ihre Augen ├Âffnen sich weit. Gleich wird entschieden, wer J├Ąger und wer Gejagter wird.
Die Stra├čenampeln schalteten auf Rot. Der Verkehr kam zum stehen, verdichtete sich. Wie im Triumphzug entlie├čen die dicht an dicht stehenden Fahrzeuge ihre K├Ânigin in Richtung Stadtzentrum. Der ganze Kreisverkehr war pl├Âtzlich ├╝berf├╝llt und regungslos. Auch an der Stelle, wo ich wartete, kam der Verkehr zum stehen. Eine Frau, die ungeduldig in ihrem Auto sa├č, schaute mich von unten her kurz, fast fragend an. Ich schaute ihr von oben ins Dekolt├ę. Nirgendwo, als nur im Stra├čenverkehr ist es erlaubt, so offene Blicke auszutauschen. Das liegt daran, dass sie sich sicher f├╝hlen, in ihren metallenen Trutzburgen.
Ich ├╝berquerte die Stra├če. Die Ampeln sprangen auf Gr├╝n. Ungeduldig bet├Ątigte Gaspedale, die Kupplung kommt, Gaspedal voll durchgedr├╝ckt. Sie m├╝ssen sich unheimlich sicher f├╝hlen in ihren metallenen Trutzburgen.

Als ich in den Kopiershop eintrat, ├╝berlegte ich, wie ich ihr erkl├Ąren sollte, dass ich eine Geschichte ├╝ber sie geschrieben hatte. ├ťber sie! Sie brachte nicht ein einziges wahres Wort ├╝ber sich selbst zu Stande. Und was hatte ich getan? Ich hatte eine Geschichte ├╝ber sie geschrieben. Ich hatte einen Teil von ihr genommen und ihn ├Âffentlich gemacht. Ich hatte ihn wie selbstverst├Ąndlich ergriffen. Ich hatte dar├╝ber nachgedacht, die Worte waren wie von selbst gekommen. Dann war die Geschichte fertig gewesen und ich wusste, es h├Ątte nicht schlimmer sein k├Ânnen, wenn ich ihr ins Gesicht schlug.
Ich stand an der Theke, nestelte das Papier aus der Innentasche meiner Lederjacke. Es wirkte etwas unbedeutend, wie es so zusammengefaltet in meiner Hand lag.
Wollte ich das jetzt wirklich? Ich legte das Papier auf die Theke, faltete es auseinander und strich die Seiten mit der flachen Hand glatt. Ich nickte.
ÔÇ×Zwei Mal.ÔÇť, sagte ich.
ÔÇ×Nein, drei Mal.ÔÇť
Der etwas ├Ąltere, glatzk├Âpfige Besitzer des Kopierladens l├Ąchelte verst├Ąndnisvoll.
ÔÇ×Gut. F├╝nf Mal.ÔÇť, sagte ich entschlossen. Wenn ich schon einen Verrat beging, wollte ich ihn richtig begehen. Am besten w├Ąre es gewesen, ich h├Ątte die Geschichte dem glatzk├Âpfigen Mann gleich vorgelesen, gleich bevor er sie mit nach hinten nahm und auf den Kopierer legte.
Ich h├Ątte hinaus auf die Stra├če gehen sollen und sie allen vorlesen sollen. Dann w├Ąre ich zu ihr nach Hause gekommen und h├Ątte sagen k├Ânnen: ÔÇ×H├Âr auf zu schreien. Es ist geschehen. Du wirst daran nichts ├Ąndern. Ich habe es getan, ich habe einfach das getan, was du nicht tun kannst.ÔÇť
Mein Kopf wurde so rot wie eine Laterne, als er das Papier ergriff. W├Ąre es anders gewesen, wenn ich eine anst├Â├čige Pornogeschichte geschrieben h├Ątte? Wenn auf dem ersten Bogen etwas gestanden h├Ątte, wie, ich will dich ficken oder siebzehn japanische Huren ficken f├╝r den Weltfrieden ÔÇô siebzehn erotische Kurzgeschichten f├╝r unterwegs? H├Ątte ich dann nicht einfach nur gegrinst, wenn er erst das Papier und dann mich angeschaut h├Ątte? Ich h├Ątte die f├╝nf Kopien entgegengenommen, bezahlt und eine Kopie grinsend auf die Theke gelegt.
ÔÇ×F├╝r unterwegs.ÔÇť

Meine H├Ąnde sind kalt. Ich sitze ihr gegen├╝ber. Ich reibe meine H├Ąnde. Ich beobachte, wie ihre H├Ąnde das Papier ber├╝hren, wie sie die Ecken knicken, bevor sie ganz ruhig einen Bogen hinter den anderen schieben.
Die Zeit verstreicht. Ich reibe meine H├Ąnde und beobachte, wie ihr Blick sich in den Text vergr├Ąbt, wie sich manchmal ihre Lippen bewegen und ich ganz genau wei├č, was sie sagt. Ich k├Ânnte jetzt leise sprechen und meine Lippen im Takt ihrer Lippen bewegen lassen. Ich k├Ânnte fl├╝stern. Ich beuge mich vor und st├╝tze meine Ellenbogen auf meinen Knien ab. Mein Blick streift den Fu├čboden. Ich blicke auf, sehe ihre Augen wie den Kursor an meinem Rechner hin und herrattern, Punkt, Absatz, neuer Abschnitt. Mit den H├Ąnden greife ich in meine Haare und ziehe sie in alle Richtungen auseinander. Sie nimmt den vorletzten Bogen Papier, knickt die Ecke und schiebt ihn nach hinten. Sie blickt kurz auf. Ihre Stirn ist glatt, ich sehe die alten Sorgenlinien darauf, ich denke daran, wie sich diese Stirn so oft in Falten gelegt hat, wie die schmalen, dunklen Augenbrauen so dicht bei einander standen. Ich sehe ihren Blick. Er ist frei von jedem Gedanken. Ich frage mich, ob meine Stirn jetzt genauso ruhig aussieht, so entspannt, so sicher.
ÔÇ×Ich mache uns einen Kaffee.ÔÇť, sage ich und stehe auf. Ihr Blick weicht nicht von meinen Augen. ÔÇ×Du musst sie bis zum Schluss lesen.ÔÇť, sage ich.
Sie nickt.
ÔÇ×Ich mache jetzt Kaffee.ÔÇť, sage ich. Ich reibe meine H├Ąnde und blicke in die K├╝che. Ich wei├č nicht einmal, wo der Kaffee steht. Ich gehe hinein. Ich sehe, wo die Kaffeemaschine steht und ├Âffne die K├╝chenschrankt├╝r dar├╝ber. Ich sehe ein paar sehr bunte, gro├če Kaffeetassen. Dann zwei, die etwas an der Seite stehen. Sie sind schlicht und sehen billig aus. Ich nehme sie heraus, nehme die Kaffeedose und gebe zwei geh├Ąufte Teel├Âffel in jede Tasse.
Der Wasserkocher hat eine dunkle, fast warme Farbe. Ich ├Âffne den Wasserhahn und ich h├Âre das leise Brausen von kaltem, flie├čendem Wasser. Ich stelle den Kocher zur├╝ck auf die Ablage, ich bet├Ątige den Kippschalter ÔÇô Klick.
Ich schaue auf die Uhr. Mit der Hand bef├╝hle ich den Wasserkocher. Ich f├╝hle, wie sich das Wasser darin langsam erw├Ąrmt. Ich h├Âre ein leises Rauschen. Es war nicht von Anfang an da, es kam langsam, ungef├Ąhr da, als ich meine Hand zum ersten Mal von dem Wasserkocher nehmen musste. Das Rauschen beruhigt mich. Ich schlie├če die Augen und beuge mich etwas vor. Mein Kopf sinkt nach vorn und meine Haare fallen mir in die Stirn.
Ich nehme ihre erste Ber├╝hrung nur undeutlich war. Ihre Hand bef├╝hlt meinen R├╝cken, mein Hemd. Ich atme tief ein und nicke. Wie immer ber├╝hrt mich ihre Hand nur fl├╝chtig. Mehr ├Ąngstlich und bittend. Nur fragend.
Ich atme aus. Ich greife hinter mich, ergreife ihre Handgelenke, ziehe sie nach vorn und lege sie auf meinen Bauch.
ÔÇ×Sie war gut, nicht wahr?ÔÇť
Sie nickt. Ich kann ihr Gesicht f├╝hlen. Sie presst es gegen meinen R├╝cken. Ihr Kopf bewegt sich langsam auf und ab. Ich l├Ąchle und schlie├če wieder die Augen. `Sie nickt.┬┤

Klick! Das Wasser kocht jetzt.
Ich drehe mich in ihren Armen um. Von unten her schaut sie mich an. Ich streichle ihr Gesicht.
ÔÇ×Wir haben einen Anfang gemacht.ÔÇť, fl├╝stere ich.
ÔÇ×DU hast einen Anfang gemacht.ÔÇť
Dann k├╝sse ich sie.

Meine H├Ąnde sind kalt. Ich sitze der jungen Frau gegen├╝ber. Sie hat ihre H├Ąnde zwischen ihre Knie gelegt und sie merkw├╝rdig ineinander gefaltet. Ich bin hier, um ihr zu helfen.
Sie sagt, dass sie es sch├Ân findet, dass sie ihre Therapie zu Hause haben kann. Sie traut sich nur noch selten aus ihrer Wohnung heraus. Sie f├╝hlt sich hier sicher, sagt sie.
Ich nicke. Ich habe ihr seit einer Stunde zugeh├Ârt und nicht gesprochen, nur genickt und ab und zu gel├Ąchelt. Ich wei├č, sie hat viel zu erz├Ąhlen.
Ich schaue mich in ihrer Wohnung um und sehe all die vielen pers├Ânlichen Dinge, die Erinnerungen, selbstgeschriebene Gedichte an den W├Ąnden. Als sie zu weinen anf├Ąngt, setze ich mich zu ihr auf das Sofa und lege meinen Arm um sie.
Erschrocken weicht sie vor mir zur├╝ck.
Ich l├Ąchle und ich frage mich, was ich ├╝ber sie schreiben werde.
ÔÇ×Wir werden einen langen Weg zusammen gehen.ÔÇť, sage ich.
Und ich sp├╝re ihr ├Ąngstliches Zittern und h├Âre ihr Schluchzen und dr├╝cke sie besch├╝tzend an mich.

ÔÇ×Vertrauen ist nur der Anfang.ÔÇť



I┬┤LL HIDE BEHIND AN SMILE AND
UNDERSTANDING EYES
I┬┤LL TELL YOU THINGS THAT YOU
ALREADY KNOW
SO YOU CAN SAY
I REALLY IDENTIFY WITH YOU
ALL THE TIME YOU┬┤RE NEEDING ME
IS JUST THE TIME I┬┤M BLEEDING YOU
I┬┤LL COME TO YOU LIKE AN AFFLICTION
I┬┤LL LEAVE YOU LIKE AN ADDICTION

YOU┬┤LL NEVER FORGET ME

Henry Rollins

__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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Michael Schmidt
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Registriert: Jan 2002

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Eine sehr stimmungsvolle Geschichte! Aber warum hast du sie in das Krimi-Forum gestellt?
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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Roni
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2003

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vielleicht, weil nicht klar ist,
wer jaeger ist und wer gejagter?

vertrauen jagen?

spannend, fesselnd
und sehr bildhaft
und wie immer bleiben fragen*g

gruss
Roni

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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
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Hi Micha, hi Roni,
also f├╝r mich ist das eindeutig ein aus der Ich-Perspektive geschriebener Kriminalfall. Nat├╝rlich geht es um moralische Kriminalit├Ąt. Aber es mu├č in einem Krimi ja nicht immer um den "allgemeinen" Mord oder Diebstahl gehen. Ich denke da zB. an den Mord an der Seele oder den Diebstahl von Vertrauen. Ich denke, man kann da sehr viel draus machen.
Diese kurze Krimigeschichte war f├╝r mich auch nur gedacht, um diesen Gedanken mal schriftlich fest zu halten.
Ich hatte zum Schluss das Gef├╝hl, da├č es da noch sehr viel mehr zu erz├Ąhlen gibt. ZB., wer der Icherz├Ąhler ist, das mit dem Geschichten-schreiben-um-jemanden-zu-umgarnen m├╝├čte durch einen viel zwingenderen Umstand ersetzt werden, etwas mehr Handlung w├Ąre gut, der Einstieg ist eigentlich nicht stimmig genug, um mit dem Schluss mitzuhalten.
Darum ist es vielleicht auch etwas uneindeutig, warum ich es f├╝r einen Krimi halte.

Naja, ich experimentiere halt gern. Auch mit Genres.
Gruss Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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Roni
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 0
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also doch vertrauensjaeger
und -missbraucher.

scheint, ich hab was verstanden

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JoshHalick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2002

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Hallo Marcus,

ich habe mir deine Geschichte gerade mal durchgelesen. Also… wie fang ich denn mal an. Hm…
Na gut erstmal zum Inhalt.
Als ich die Geschichte nur so las… so ganz unvoreingenommen, da stand ich ihr inhaltlich so ziemlich neutral gegen├╝ber. Konnte nichts Gutes und nichts Schlechtes behaupten. Ich dachte nur: Ok. Das is also die Geschichte.
So im Nachhinein und nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe, hab ich noch mal etwas n├Ąher dar├╝ber nachgedacht, und finde die Idee eigentlich ganz gut! Ja da solltest du auf jeden Fall dran bleiben denke ich! Seh das schon vor mir! Meine G├╝te!
Gut meine Phantasie geht mit mir durch… wie gesagt, ich find die Idee gut.
Das mit der Biene gefiel mir gar nicht so gut, mit der Stra├čenbahn, das konnte ich mir nicht vorstellen, das war ja viel zu dramatisch f├╝r mich. Aber das kann ich nicht wirklich bem├Ąngeln, weil ich mir vorstellen kann das es Anderen gef├Ąllt. Ich fands eben nur etwas zu dramatisch. Dachte die Welt geht unter… so was.

Um zu dem Text an sich zu kommen. Ich hab da schon die ein oder andere Anmerkung. Aber auch hier kann ich nicht wirklich Fehler aufzeigen, sondern nur erz├Ąhlen was meinem Gem├╝t nicht so zusagte. Teilweise war es auch etwas verwirrend, aber das mag auch dran liegen, das ich nicht aufmerksam genug las. Und da ich mir da eben nicht so sicher bin, lasse ich das mal au├čen vor.

Kommen wir mal zu meinen Anmerkungen.

Meine H├Ąnde sind kalt. Ich hatte sie die ganze Zeit in den Taschen, w├Ąhrend ich irgendwie ziellos durch die Stadt rannte.

Ich mochte hier nicht so gern… die H├Ąnde sind kalt, waren die ganze Zeit in den Taschen… Mag zwar sein, dass das m├Âglich ist, aber… es bei├čt sich irgendwie.
Noch mehr st├Ârte mich das irgendwie. Warum irgendwie ziellos durch die Stadt. Zumal er zu guter letzt ja doch ein Ziel hat, den Copyshop. Aber gut… das entscheide du. Doch irgendwie. Entweder er geht ziellos durch die Stadt oder nicht. Es sei denn du kannst mir plausibel erkl├Ąren was irgendwie ziellos durch die Gegendrennen ist.
Ja sicher, w├╝rde ich das auch sagen… ich bin heut so irgendwie total ziellos durch die Stadt gelaufen… aber so inner Geschichte. Ich wei├č nicht. Zumal dieses ziellos ja gar keine Rolle spielt.
Weil wir erst da einsteigen wo er bereits ein Ziel hat.


Ich hatte dar├╝ber nachgedacht, die Worte waren wie von selbst gekommen.

Hier wollte ich nur mal fragen. Es klang so komisch. Hei├čt das wirklich so, oder hei├čt das: Ich hatte dar├╝ber „nicht“ nachgedacht?


Wollte ich das jetzt wirklich? Ich legte das Papier auf die Theke, faltete es auseinander und strich die Seiten mit der flachen Hand glatt. Ich nickte.
„Zwei Mal.“, sagte ich.
„Nein, drei Mal.“

Der etwas ├Ąltere, …


Hier empfand ich als st├Ârend, das nach dem „sagte ich“ ein Umbruch folgt. Denn so dachte ich zuerst der Ladenbesitzer sagt: Nein, drei Mal…“


…glatzk├Âpfige Besitzer des Kopierladens l├Ąchelte verst├Ąndnisvoll.
„Gut. F├╝nf Mal.“, sagte ich entschlossen. Wenn ich schon einen Verrat beging, wollte ich ihn richtig begehen. Am besten w├Ąre es gewesen, ich h├Ątte die Geschichte dem glatzk├Âpfigen Mann gleich vorgelesen, gleich bevor er sie mit nach hinten nahm und auf den Kopierer legte.


Hm… Wenn ich schon einen verrat beging, wollte ich ihn richtig begehen… Dieser Ausspruch bezieht sich f├╝r mich auf sein: Gut. F├╝nf Mal… Und das klingt schon recht komisch. Irgendwie ja, f├╝r mich, hatte das ne gewisse Komik.

Mein Kopf wurde so rot wie eine Laterne als er das Papier ergriff. W├Ąre es anders gewesen, wenn ich eine anst├Â├čige Pornogeschichte geschrieben h├Ątte? Wenn auf dem ersten Bogen etwas gestanden h├Ątte, wie, ich will dich ficken oder siebzehn japanische Huren ficken f├╝r den Weltfrieden – siebzehn erotische Kurzgeschichten f├╝r unterwegs?

1) Ich hab noch nie rote Laternen gesehen…..
2) Wortwiederholung, und dann auch noch so ein unattraktives Wort. Ja ich finds ├╝berhaupt nicht melodi├Âs dies Wort. Deshalb w├╝rde mir einmal langen.


„Ich mache jetzt Kaffee.“, sage ich. Ich reibe meine H├Ąnde und blicke in die K├╝che. Ich wei├č nicht einmal, wo der Kaffee steht. Ich gehe hinein. Ich sehe, wo die Kaffeemaschine steht und ├Âffne die K├╝chenschrankt├╝r dar├╝ber. Ich sehe ein paar sehr bunte, gro├če Kaffeetassen. Dann zwei, die etwas an der Seite stehen. Sie sind schlicht und sehen billig aus. Ich nehme sie heraus, nehme die Kaffeedose und gebe zwei geh├Ąufte Teel├Âffel in jede Tasse.

Dieser Absatz klang f├╝r mich wie aus einer Werbesendung. Ganz besonders der erste Teil: Ich wei├č nicht mal wo der Kaffee steht. Denn im Fernsehen sagen die Unheimlich gern S├Ątze die so beginnen: Ich wei├č nicht mal…. Deshalb musste ich hier kichern. Das passte so gar nicht. Hatte wieder sone Komik… Ich wei├č nicht mal wo der Kaffee steht… na ja…


Ich schaue auf die Uhr. Mit der Hand bef├╝hle ich den Wasserkocher. Ich f├╝hle, wie sich das Wasser darin langsam erw├Ąrmt. Ich h├Âre ein leises Rauschen. Es war nicht von Anfang an da, es kam langsam, ungef├Ąhr da, als ich meine Hand zum ersten Mal von dem Wasserkocher nehmen musste.

Wieder so was dramatisches, dabei geht es nur um kochendes Wasser! Und dann dieses: Es war nicht von Anfang an da…
Nun ich f├╝r meinen Teil, nehme von vornherein an, das dass Rauschen des Wasserkochers nicht von ungef├Ąhr kommt…

Das Rauschen beruhigt mich. Ich schlie├če die Augen und beuge mich etwas vor. Mein Kopf sinkt nach vorn und meine Haare fallen mir in die Stirn.
Ich nehme ihre erste Ber├╝hrung nur undeutlich war. Ihre Hand bef├╝hlt meinen R├╝cken, mein Hemd. Ich atme tief ein und nicke. Wie immer ber├╝hrt mich ihre Hand nur fl├╝chtig. Mehr ├Ąngstlich und bittend. Nur fragend.


Das Wort „sinkt“ gef├Ąllt mir einfach in diesem Zusammenhang nicht. Ich sehe das Bild vor mir, und das ist ziemlich eigenartig. Als ob er irgendwelche Drogen genommen hat.
Dann kommt diese komische Ber├╝hrungssache, die ich auch nicht als so sch├Ân lesbar empfand. Undeutlich wahrnehmen… lasse ich grad noch so durchgehen. Bef├╝hlt R├╝cken und Hemd… wie bef├╝hlt sie das denn? Wie wenn sie sich Stoff aussucht um ein neues Kleid zu n├Ąhen? Na ja. Warum nickt er denn pl├Âtzlich. Das habe ich nicht verstanden. Dann kommt“ Mehr ├Ąngstlich und bittend. Aber da fehlt der Vergleich. Da m├╝sste doch stehen so was… Mehr… als…. Und ├╝berhaupt ist das etwas viel f├╝r mich. Eine Hand ber├╝hrt fl├╝chtig. ├Ąngstlich, bittend und dann nur fragend. Das ist zu hoch f├╝r mich. Das kann ich nicht ├╝berw├Ąltigen. Ganz ehrlich.


Das waren erstmal alle Anmerkungen. War gar nicht so viel.
Das eigenartige war… in Gedanken, da las ich die Geschichte mit so nem ganz eigenartigem Tonfall. Kann aber ├╝berhaupt nicht sagen, ob mit die Geschichte den wirklich irgendwie suggerierte oder ob ob das von mir ausging. So was Verwegenes hatte der Protagonist an sich… wie er so sprach. Was ich dann gar nicht mit dem Ausgang der Geschichte ├╝bereinbringen konnte. Ansonsten passte es, eben nur am Ende… wars eigenartig. Aber das soll nicht unbedingt deine Sorge sein.

Ich w├╝rde an deiner Stelle, diese Story auf jeden Fall nicht in M├╝ll werfen und was draus machen. Da kann man ganz sch├Ân viel rausholen! Ich k├Ânnt mir sogar nen ganzen Roman vorstellen. Das f├Ąnd ich klasse. Das w├╝rde sich lohnen! Da bin ich mir sicher! Ich sp├╝r das irgendwie!

Die besten Gr├╝├če
Josh

__________________
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. - Plato -

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