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Leselupe.de > Science Fiction
Vogelfrei
Eingestellt am 24. 09. 2006 18:48


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Invisigoth
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2006

Werke: 1
Kommentare: 3
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--- VOGELFREI ---

GedÀmpftes Licht schuf in den Nischen des Korridors dunkle Schatten, in denen der junge Mann sich verbarg. Er erschauerte beim GerÀusch sich nÀhernder SchleifgerÀusche. Sie suchten nach ihm.
Nun vernahm er auch das leise Surren einer Maschine. Wenn er GlĂŒck hatte, war es nur ein leicht bewaffneter Suchroboter. Seine rechte Hand umfaßte die kleine Laserpistole mit schweißnassem Griff, als er im gleichen Moment hervorschnellte und aus der Bewegung heraus feuerte. Kurz aufgleißend entluden sich die SchĂŒsse am Metallmantel einer Reinigungsdrohne. Das GerĂ€t stoppte mit ruckenden Bewegungen, die BereitschaftslĂ€mpchen erloschen und völlige Stille kehrte in den Korridor ein. Zitternd ließ der Mann die Hand mit der Pistole sinken, steckte sie in die Jacke zurĂŒck und seufzte auf. Eine kleine Rauchwolke stieg von dem Roboter auf, als er sich an dem GerĂ€t vorbei schob und in Laufschritt fiel.
GleichmĂ€ĂŸig federten seine FĂŒĂŸe auf dem Metallboden des Korridors, die Bewegung lockerte seine Muskeln wieder, die sich bei der im Nachhinein harmlosen Begegnung verkrampft hatten. Er dachte nach. Die Anwesenheit einer Reinigungsdrohne zeigte ihm deutlich, das hier noch keine alles aus dem Weg rĂ€umenden Suchroboter unterwegs und der Gang sicher war. Noch hatte wohl keiner etwas bemerkt.
Bald wĂŒrde er das Ende erreichen und in den Ă€ußeren Bereich der Raumstation vordringen. Dort herrschte sicher reger Publikumsverkehr und er konnte in der Menge vorerst untertauchen. Der Außenring war bestĂŒckt mit den verschiedensten GeschĂ€ften, HĂ€ndlern, VergnĂŒgungsbars und Herbergen. Doch der junge Mann hatte nur ein Ziel, das Raumdock Delta, ein Hafen fĂŒr private, ĂŒberlichtschnelle Langstreckensprinter. Dort wollte er sich rasch einschiffen und von der Raumstation verschwinden. Ein weiterer Aufenthalt konnte sich als gefĂ€hrlich erweisen. Ein kurzer Blick auf sein Chronometer zeigte ihm, daß der Tageszyklus der Station sich seinem Ende zuneigte.
Schon sah er das Ende des Ganges. Er spĂŒrte an den Seiten seiner Oberschenkel deutlich die prall gefĂŒllten Beintaschen seiner Hose, welche bei jedem Schritt an seine Beine klopften. Seinen Lauf verlangsamend kam er dann vor einer TĂŒr zum Stehen. Noch stand er außerhalb der Erfassungssensoren der Automatik, schöpfte Atem und strich sich mit beiden HĂ€nden ĂŒber das schulterlange Haar, bis es glatt lag. Er fingerte aus der Hosentasche eine Chipkarte. Jetzt kam es darauf an, ob der Code noch in Ordnung war. Er zog das PlastikkĂ€rtchen durch einen Schlitz des Terminals, welches neben der TĂŒr auf einer SĂ€ule stand und tippte eine Nummernreihe hinein.
„Willkommen in der Raumstation Alpha Centauri. Wir wĂŒnschen einen angenehmen Aufenthalt, bitte treten Sie ein in den Ă€ußeren Ring!“ ertönte eine Prozessorstimme. Dir TĂŒr öffnete sich mit leisem Zischen und ließ den Blick auf einen kleinen Vorraum frei. Allerlei GerĂ€usche brandeten an sein Gehör, Wortfetzen in unterschiedlichen Sprachen und das Treiben einer regen Masse von verschiedensten Lebewesen. Er trat in den Ring ein. Die Ausmaße erstaunten ihn immer wieder, wie die Bögen einer Kathedrale wölbte sich der riesige Bereich vor ihm aus. GerĂŒche von Restaurants und zwielichtigen Wellnesspraxen stiegen ihm in die Nase, ebenso das zweifelhafte Odeur von VergnĂŒgungsbars und HĂ€ndlern, die reichlich Tand aus allen Bereichen der bekannten Planetensysteme verhökerten.
Sein Blick glitt ĂŒber die Masse an Leuten, welche sich durch den Ring schoben. Hier konnte er vorlĂ€ufig untertauchen. Suchroboter taten sich sicherlich schwer, einzelne Individuen ausfindig zu machen, weil viele Lebenssignale sich in diesem Bereich ĂŒberlagerten.
Als er in die NĂ€he des Raumdocks Gamma zwei OrdnungshĂŒter bemerkte, verlangsamte er seinen Schritt. Die beiden trugen offen ihre Blitzwerfer und standen mit wichtigen Mienen vor dem Zugang des Terminals. Wenn sie ihn sahen und erkannten, war alles aus. Sein Foto kursierte in sĂ€mtlichen Netzwerken. Die Laserpistole in seiner Jacke fĂŒhlte sich plötzlich schwer an, er schluckte.
Eine Frau mit vier Lastenrobotern ĂŒberholte ihn, welche Körbe auf ihren Köpfen balancierten, die HĂŒlsenfrĂŒchte und NĂŒsse enthielten. In ihrer Deckung schlĂŒpfte er an den Wachen vorbei.
Er hatte sich gute hundert Meter weiter vorwĂ€rts bewegt, als ein unterdrĂŒckter Ruf ihn aufschrecken ließ.
„Hey Aaron, bist duÂŽs? Mensch, was machst du denn hier?“ Ein kleinwĂŒchsiger Centaurianer trat auf ihn zu, seine Haut schimmerte in blĂ€ulichen Tönen vor freudiger Überraschung. Ohne ein Wort zerrte in der junge Mann zu den Tischen einer Bar, die vor dem Eingang standen und von Orchideenpalmen verdeckt waren.
„Sei bloß leise, Chian!“ zischte er. „Sonst wird mich jemand vielleicht erkennen, der mir nicht wohlgesonnen ist!“


Sie setzten sich und die StĂŒhle formten sofort die passenden Gegebenheiten fĂŒr ihre Körperformen. Ein Serviceroboter erschien und schnarrte in blechernem Ton: „Herzlich willkommen! Welchen Wunsch darf ich ihnen erfĂŒllen?“ Sein elektronisches Auge war auf den Tisch gerichtet und mit einer Multihand wischelte er darauf herum.
„Zwei Cokes bitte!“ Bevor Aaron einen Einwand hervorbringen konnte, war die Maschine davon gerollt. Coke erfreute sich großer Beliebtheit bei den Centaurianern, eines der wenigen Dinge, welche sie in großen Massen von der Erde importierten. Er schaute sein GegenĂŒber an. Die blaue FĂ€rbung der Haut kam durch die Zusammensetzung des Blutes, welches im Äquivalent des HĂ€moglobins kein Eisenatom wie bei den Menschen enthielt, sondern ein radioaktives Element.
„Meine impulsive Reaktion tut mir leid, doch ich war so ĂŒberrascht, dich zu sehen, fast hĂ€tte ich dich nicht erkannt! Eigentlich dachte ich, dich seit dieser Sache nie wieder zu sehen. Es ist dir doch verboten, die Erde zu verlassen. Warum gehst du ein solches Risiko ein? “ sagte der Centaurianer eindringlich.
Bevor Aaron antworten konnte, war der Serviceroboter wieder am Tisch erschienen und stellte zwei GlĂ€ser mit der braunen FlĂŒssigkeit vor die unterschiedlichen MĂ€nner.
„Zwei Centauridollar fuffzig, bitte!“ schnarrte er erneut mit seiner kĂŒnstlichen Stimme. Chian zog seine Kreditkarte und bezahlte. Zufrieden rollte der Roboter davon, sie hörten noch seine Worte: „Wenn sie noch einen Wunsch haben, drĂŒcken sie bitte das Sensorfeld in der Tischmitte...“
„Ach, Chian. Ich weiß es ist sehr riskant fĂŒr mich, doch ich kann nicht anders. Es ist sehr wichtig und ich muß die Gefahr akzeptieren. Und was diese Sache betrifft, du weißt sehr gut das es die richtige Entscheidung war. Ich mußte ihn töten, sonst hĂ€tte er unzĂ€hlige Menschen und Centaurianer ins Verderben gestĂŒrzt. Die Strafe dafĂŒr habe ich auf mich genommen, die unehrenhafte Entlassung aus der Flotte, die Haft auf dem GefĂ€ngnisasteroiden.“ sagte Aaron.
„Meine GĂŒte! Du hast deinen vorgesetzten Offizier und Kommandanten umgebracht! Man hat dich geĂ€chtet!“ raunte Chian, nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas und seine lange Zunge leckte einzelne Tropfen von der Oberlippe.
„Es war die richtige Entscheidung! Verstehe das doch endlich. Auch wenn es das Ende meines bisherigen Lebens bedeutete, ich mußte so handeln. Dieser Bastard wollte unzĂ€hlige Leben auslöschen um persönliche Vorteile zu erringen. Das konnte ich nicht zulassen, meine Ehre verlangte es.“ Aaron schaute sich vorsichtig um. GlĂŒcklicherweise wurde das Licht in diesem Bereich des Ringes bereits gedĂ€mmt um den Nachtzyklus einzuleiten. Gute Chancen, unentdeckt zu bleiben.
„Deine Ehre!“ Chian rollte mit den Augen. „Was hat sie dir gebracht? Du warst ein ausgezeichneter Navigator und hĂ€ttest gute Chancen auf ein eigenes Kommando gehabt. Und nun? Sieh dich an! Ausgestoßen aus der Gesellschaft.“ Er seufzte. „Dann verrate mir wenigstens, was dich bloß geritten hat, hierher zu kommen. Wie ist es dir ĂŒberhaupt gelungen, die Kontrollen auszutricksen?“
„Nun, gefĂ€lschte Codes. Damit konnte ich mich auf einem Langstreckensprinter einschiffen. Und die Codes waren auch hier auf der Station sehr hilfreich.“ Aaron schaute sein GegenĂŒber an, der nun leise auflachte und den Kopf schĂŒttelte.
„Ja klar, aber was willst du hier? Laß dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Wir sind alte Freunde und du kannst mir vertrauen.“
„Ich, Ă€h, war in den verbotenen Kammern der Station.“
Chian stutzte kaum merklich. „Und, weiter?“
„Genauer gesagt, im Bereich Medizintechnik. Dort werden Arzneimittel gelagert, die der Bevölkerung nicht zugĂ€nglich sind, obwohl sie viele Leben retten könnten. Verstehst du, unsere Regierungen halten die neuesten Forschungsergebnisse und deren Produkte strengstens unter Verschluß! Viele mĂŒssen sterben, weil sie sich dadurch eine natĂŒrliche Dezimierung der Bevölkerungen versprechen. Eine hervorragende UnterstĂŒtzung fĂŒr das Eugenik-Programm.“
„Bei allen Raumgeistern, Aaron! Verstehe ich richtig, dass du dort irgendwelche Arzneimittel entwendet hast? FĂŒr wen? FĂŒr wen riskierst du soviel?“
Der junge Mann schaute den Centaurianer an. Seine blÀuliche Haut schimmerte fahl im DÀmmerlicht. Er schluckte schwer und drehte das Glas mit der Coke in den Fingern.
„Meine Schwester. Sie hat Xeno-Hepatitis. Eine absolut tödliche Krankheit, wie du weißt. Ihr Zustand ist besorgniserregend. Und hier lagert das einzige Heilmittel dafĂŒr. Wie viele Menschen mußten bereits ihr Leben lassen und auf qualvolle Art sterben? Ich kann meine Schwester nicht so leiden lassen.“
„Tja, und mit deinem idiotischen EhrgefĂŒhl hast du sie doch erst ins Verderben gestĂŒrzt. Woher hat sie diese Krankheit wohl? Es war eine kleine persönliche Rache der Familie des Kommandanten, die sie infiziert haben.“
„Chian, ich weiß es ist meine Schuld, und deshalb muß ich jetzt alles riskieren um ihr zu helfen!“
Er trank seine Coke mit einem Zug aus und stand auf.
„Ich muß jetzt schleunigst zum Raumdock Delta. Es war schön, dich noch einmal wieder zu sehen. Behalte mich in Erinnerung, mein Freund.“ sagte Aaron und wollte davongehen. Chian hielt ihn am Arm fest.
„Laß mich dir helfen. Ich begleite dich zum Raumdock.“ Aaron verzog seine Miene doch der Centaurianer entgegnete bevor er etwas sagen konnte: „Na komm schon, stell dich nicht so an. Wir sind Freunde, und Freunde helfen einander.“

Auf dem Außenring der Raumstation war die kĂŒnstliche Nacht hereingebrochen, als die beiden ungleichen Freunde am Raumdock Delta eintrafen. Dennoch herrschte dort reger Publikumsverkehr, viele Reisende waren unterwegs, und sie fielen nicht auf.
Aaron schaute sich nervös um, mehrere grimmig dreinblickende Ordnungswachen standen an der Schleuse und hektisches Dockpersonal fertigte die Passagiere ab.
Mit festem HĂ€ndedruck und einem tiefen Blick in die Augen des jeweils anderen verabschiedeten sie sich stumm.
Der junge Mann stellte sich in die Schlange der Wartenden und hielt seine Codekarte bereit. Jetzt kam es noch einmal darauf an, ob die FĂ€lschung hier akzeptiert wurde. Nach einigen Minuten, die Aaron wie eine Ewigkeit vorkamen, war er an der Reihe. Mit einem freundlich formulierten `Guten AbendÂŽ ĂŒberreichte er dem Mann an der Schleuse seine Karte. Rasch wurde sie in den Schlitz eines Terminals eingesteckt und Aaron tippte seinen Nummerncode ein. Das GerĂ€usch des arbeitenden GerĂ€tes kam ihm unnatĂŒrlich laut vor und es dauerte viel zu lange. Er spĂŒrte, wie ihm eine Schweißperle den Nacken herunter rann. Der Schleusenmann schaute ihn prĂŒfend an.
Plötzlich gab es hinter ihm lauten Tumult, aufgeregt rannten Leute an ihm vorbei. Überrascht drehte er sich herum und sah, wie sein Freund Chian stöhnend am Boden lag und die HĂ€nde auf den Oberkörper preßte.
Erschrocken stand er wie erstarrt und wußte nicht was er tun sollte, als er kurz den Blick Chians einfing, der ihm verstohlen zuzwinkerte. Dann verlor er ihn aus dem Blickfeld, weil etliche Leute um ihn herumstanden, einige versuchten zu helfen.
Ein Trick! Der gute Chian hatte bemerkt, dass etwas nicht ganz so rund lief und tÀuschte einen SchwÀcheanfall vor!
Der Mann am Terminal war verschwunden, auch der OrdnungshĂŒter an der Schleuse. Verstohlen tippte Aaron die Okay-Taste am Terminal, zog seine Karte heraus und ging gemessenen Schrittes durch die runde Öffnung der Schleuse.
„Willkommen an Bord und einen angenehmen Flug zur Erde, Raumhafen Berlin!“ sagte eine freundliche Stimme, als er in den Langstreckensprinter einstieg.

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flammarion
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und,

wie endet es? kann er seiner schwester helfen oder ist sie tot, wenn er zu ihr kommt? scheint mir ein stĂŒck aus einem lĂ€ngeren werk zu sein.
lg
__________________
Old Icke

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Invisigoth
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2006

Werke: 1
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Scheine ich Dich neugierig gemacht zu haben? ;o)

TatsĂ€chlich hatte ich die Geschichte als eigenstĂ€ndiges StĂŒck geschrieben ohne grĂ¶ĂŸeren Kontext. Sozusagen den Spot auf eine Handlung gesetzt.
Bisher hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, ob und wie es weitergehen könnte mit Aaron. Auch ein Kurzgeschichte ĂŒber die AnfĂ€nge wĂ€re denkbar.

Wenn ich spĂ€ter mit meinem Hundchen ĂŒber die Feldwege spaziere, werde ich darĂŒber nachdenken und ein bisschen "brainstorming" betreiben. Falls Interesse besteht, kann ich vielleicht eine Fortsetzung wagen.

GrĂŒĂŸchen, Invisigoth

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flammarion
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hm,

mach mal.
ein freundliches wau an den hund.
lg
__________________
Old Icke

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