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Leselupe.de > Theoretisches
Was ist ein Ritornell?
Eingestellt am 17. 01. 2011 11:48


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meradis
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Ritornell

Das Ritornell (ital. ritonello, >>Wiederkehr<<) ist eine alte Form der italienischen Volksdichtung.

In der Regel beginnend mit der Anrufung einer Blume (Blumenruf) als Ausruf oder Frage, ist die erst Zeile meist kurz, oft bestehend aus nur einem Wort.

Die zweite Zeile ist eine Waise. Sie findet keine Reimentsprechung

Die dritte Zeile reimt sich auf den Blumenruf.

Die Verse sind gewöhnlich fünffüßige Jamben, die erste Zeile häufig ein Halbvers.

Das Ritornell hat beliebig viele dreizeilige Strophen.
Ursprünglich bildete eine Strophe allein das ganze Gedicht.

In der ital. volkstümlichen Tradition oft mit satirischen Tendenzen. Im Deutschen; Kunstform der Liebes und Gedankenlyrik.

Beispiele:

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Gusav Falke 1853 -1916
Hohe Sommertage

Weiße Syringen
Ein schlankes Mädchen weint im Frühlingsgarten
Ich kann das Bild nicht aus der Seele bringen

Gelbe Narzissen
Ein Feuerfalter ward vom jähen Winde
Gleich einem Funken eurem Schoß entrissen

Rote Rosen
Das Dämchen nahm euch kühlen Danks entgegen
Ihr sterbt nun gleich Verirrten, Heimatlosen

Dunkle Cypressen
Ein schwarzer Schatten fällt auf meine Straße
Ich kann die goldnen Tage nicht vergessen

Apfelblüte
Ist es das Vorgefühl der künftigen Frucht schon
Das wie mit holder Scham dich überglühte?

Lorbeerbäume
So ernst, so schweigend, wie im tiefsten Sinnen -
Die schönsten Kränze schenken uns die Träume

Goldregen
Je mehr du protzst und prahlst mit deinem Glanze
Je schwüler duftet mir dein Gift entgegen

Immortellen
Unsterblich sein, das heißt doch nur, ihr Zähen
Langsamen Todes sterben, statt des schnellen

Weinrebe
Schlank, zartester Anmut, doch voll süßen Feuers
Und schmiegsam. Ganz so will ich jede Hebe

Blutrote Georginen
Der Bauerndirne, dem verschämten Schelme
Müsst, völlig täuschend, als Versteck ihr dienen

Weiße Winden
Um toten Dornbusch? Ach, ihr Schwachen müsst ja
So will´s Natur, an irgend was euch binden

Stachelbeere
Reif lieb ich dich nicht mehr, doch hart und herbe
Weckst du den Wunsch: Wenn ich ein Kind noch wäre!






Version vom 17. 01. 2011 11:48

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Bernd
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In seinem Werk "Deutsche Poetik oder Lehre vom Silbenmaße, vom Versbau und von den Dichtungsarten" von 1848 fasst W. Bablasek das Ritornell inhaltlich weiter und formal enger (Seite 12).

Danach ist das Ritornell eine "für sich bestehende Terzine, die gewöhnlich nichts anderes ist als ein dreizeiliges Sinngedicht. Die erste Zeile kann auch kürzer sein als die beiden anderen."

Er gibt zwei Beispiele von Rückert:

"Himmlischer Friede!
Dir blieb kein Obdach mehr auf dieser Erde,
Als unter meiner Freundin Augenliede."

"Mir träumt', ich starb, und deine Thränen flossen,
da richtet' ich mich auf und lebte wieder,
Der welken Blume gleich, die Thau begossen."

(Ich habe die Rechtschreibung hier nicht modernisiert.)
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