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Leselupe.de > Science Fiction
Weihnachtstour2050
Eingestellt am 16. 04. 2018 19:26


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brndmtzk
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"Happy Birthday to you...".
Ich hasste es. Schon immer. Vor allem aber an diesem besonderen Tag. Ich wusste, meine Familie meinte es nicht b├Âse. Aber trotzdem, dieser Geburtstag machte mich besonders depressiv. ├ältere Kollegen hatten mich gewarnt. Der vierzigste ist ein Wendepunkt. Danach ist nichts mehr wie es fr├╝her mal war. Ich sp├╝rte, sie hatten recht.
Pflichtschuldig versuchte ich meiner Rolle als Geburtstagskind gerecht zu werden und zauberte einen gl├╝cklichen Ausdruck in mein zerknautschtes Gesicht.
Meine Tochter dr├╝ckte mir einen dicken Kuss auf die Wange und ├╝berreichte mir ein kleines P├Ąckchen. Meine Frau strahlte erwartungsvoll und mein Sohn blickte so gierig auf den hellen Karton in meinen H├Ąnden als w├Ąre das Geschenk f├╝r ihn gedacht.
"Aufmachen" riefen alle zusammen.
Theatralisch zog ich an den beiden Enden der Scheife und legte das Band bed├Ąchtig zusammen. Meine Familie war gespannter als ich. Ich hatte absolut keine Ahnung was mich erwartete. Mit dem Zinken einer Gabel riss ich den Klebstreifen ├╝ber der Lasche auf. Ein A4-gro├čes Standard-Pad glit heraus. Das Display war mit einer Gl├╝ckwunschkarte ├╝berklebt. "Alles Gute zur Midlife-Crisis" stand vorn drauf. Ich schaute hoch, direkt in das grinsende Gesicht meiner Frau. "Diesmal gibt es mal was anderes. Wir dachten, wir m├╝ssen dich heute etwas aufmuntern."
Ich l├Ąchlte unsicher zur├╝ck und entfernte die Karte vom Display. Eine kurze Handbewegung schaltete das Pad ein.
Der Lautsprecher in er oberen Kante gab ein dumpfes Grollen von sich. Die taktilen Fl├Ąchen unter meinen Fingerspitzen vibrierten. Das Display wurde heller, die Konturen eines Autos zeichneten sich aus den dahinschwindenden Nebelwolken ab. Den Typ konnte ich nicht erkennen, aber offensichtlich war es ein Oldtimer.
Der Wagen drehte sich bis die Vorderseite zu mir zeigte, das Bild zoomt heran. Eine tief herunter gezogene Motorhaube, daf├╝r hoch liegende Scheinwerfer. Ein schmaler K├╝hlergrill, kaum als solcher auszumachen. Jetzt konnte ich auch das Logo auf der Motorhaube erkennen. Ein Porsche!
Ein Schriftzug wuchs aus der Mitte des Bildes heraus und ├╝berstrahlt das sich wieder verdunkelnde Auto: "Panamera Sport Tourismo".
Erstaunt blickte ich meine Frau an. Bevor ich jedoch meine Frage in die freie Wildbahn entlassen konnte antwortet sie mir auch schon. "Dr├╝ck einfach nochmal drauf."
Ich tippte auf den Schriftzug. Er verschwand und gab Raum frei f├╝r etwas mehr Text:
"Herzlichen Gl├╝ckwunsch zu Ihrer Buchung bei Real Car"
und darunter:
"Dieser Porsche geh├Ârt f├╝r 5 Tage Ihnen."
Mein Gesichtsausdruck war in diesem Moment wohl nicht der intelligenteste. Einen echten Verbrenner-Sportwagen fahren? Im Jahre 2050? Zugegeben, in meiner weit zur├╝ckliegenden Jugend hatte ich noch Verbrenner kennnen gelernt. Und h├Ątte damals gern einen ausprobiert. Aber privat wollte sich schon damals niemand mehr so ein Teil leisten. Und so war ich einige Jahre zu jung um jemals mit so einem Teil gefahren zu sein. Aber immerhin hatte ich damals meine Selbstfahrerlizenz gemacht als das noch relativ problemlos m├Âglich war.
"Wie seid ihr denn auf diese Idee gekommen?" fragte ich.
Tina, meine J├╝ngste, setzt zur Erkl├Ąrung an. "Wir haben in Gesellschaftskunde ├╝ber die Gro├če Energetische Umw├Ąlzung gesprochen. Und da hat unser Lehrer erz├Ąhlt das M├Ąnner fr├╝her ganz stolz auf ihre Autos waren. Die mussten gross sein, viel PS haben und schnell sein. Und das war ein gro├čes Hindernis auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Verkehrspolitik."
Ich erinnerte mich. Sie hatte mir f├╝r ihren Aufsatz einige Fragen gestellt die ich ihr nicht beantworten konnte und sie an ihren Opa verwiesen. Danach hatte ich nichts mehr davon geh├Ârt. Offensichtlich hatte dieser kleine Schlingel hinter meinem R├╝cken eine Intrige eingef├Ądelt.
Sie schien meine Gedanken erraten zu haben: "Wei├čt Du, Opa hat dann aber gesagt ein Mann muss in seinem Leben mindestens einmal einen 8-Zylinder gefahren haben. Und der vierzigste Geburtstag w├Ąre ein Anlass mal nicht so genau auf die ├ľkologie zu achten. Und da dachten wir uns, wir schenken Dir so ein Erlebnis. Etwas mit Retro. Bist Du ja jetzt auch."
Meine Frau grinste wieder. "Du hast ja noch deine Selbstfahrerlizenz. Die reicht aus. Und bevor sie verf├Ąllt dachten wir an eine au├čergew├Âhnliche Fahrt ├╝ber Weihnachten zu meinen Eltern. Da hast du deinen Spa├č und wir fahren bequemer als mit unserem Auto."
Geschickt eingef├Ądelt, dachte ich. Ich fuhr nicht so gern zu meinen Schwiegereltern. Nicht wegen der beiden, nein, die waren in Ordnung. Aber es war halt eine beschwerliche Fahrt mit unserer Familien-Konservenb├╝chse. Fast 600 km waren kein reines Vergn├╝gen mehr. Vor allem im Winter. Und seit dem Nahverkehr und Bahn praktisch kostenlos waren wollte man die auch nicht mehr benutzen. Vor allem nicht in Familie und vor den Feiertagen. Im Winter und im Sommer nat├╝rlich auch nicht. Und montags und freitags ganzj├Ąhrig nicht. Wir waren also eher selten bei meinen Schwiegereltern. Aber so eine 8-Zylinder-Protzkarre lie├č so einen Besuch ganz anders aussehen.
Ich war gespannt auf den Ausflug in die Vergangenheit.
"Hier, das geh├Ârt auch noch dazu." Mein Sohn meldete sich ganz zum Schluss. Er hatte ein gro├čes Paket aus dem Flur geholt. "Darf ich es auspacken?" Ich erlaubte es und sah zu wie er ein Simu-Set zu Tage f├Ârderte. Pedale, Lenkrad, einen Schaltkn├╝ppel. "Du musst alles mit dem Pad verbinden und die VR-Einweisung absolvieren. Ohne darfst Du nicht fahren."
Die ├ťberraschung war ihnen wirklich gelungen. Ein echter Verbrenner. Und dazu mit dem selben Baujahr wie ich! Bis zu diesem Moment hatte ich gar nicht gewusst wie ich mich nach einem solchen Erlebnis gesehnt hatte. Wenn ├Ąltere Kollegen ├╝ber ihre Erlebnisse mit ihren Verbrenner-Autos berichteten und mit den jetzigen verglichen hatte ich das immer recht gelassen hingenommen. Aber nun, wo ich selbst ein solches Auto fahren w├╝rde war ich nicht mehr zu halten.

Sechs Wochen sp├Ąter war es dann so weit. Fr├╝h um sieben rollte der schwarze Porsche in unsere Hofeinfahrt. Die Bedienung hatte ich mir per VR angeeignet aber der Fahrer der Verleihfirma bestand trotzdem auf einer kurzen Einweisung. Milo, mein Sohn, sah uns vom R├╝cksitz aus zu.
Es war gar nicht so anders als unser Stromer. Die Schaltung war eine Automatik. Gut so, vor einer echten Handschaltung h├Ątte ich etwas Bammel gehabt. Die Umstellung vom Joystik auf Lenkrad und Fu├čpedale hatte ich am Computer ge├╝bt. Etwas ungewohnt, aber machbar.
Interessant war nur das Navi. Reichlich Retro, wenn auch gegen├╝ber der Originalversion mehrfach modernisiert.
"Sie m├╝ssen etwa alle 800 km tanken. Leider gibt es nicht mehr so viele Tankstellen, aber das Navi wird sie erinnern. Ihre Route habe ich schon eingegeben. Eines wird aber wichtig. Es gibt absolut keine Assistenten. Wir mussten alle deaktivieren da wir sie nicht an die neuen Bestimmungen anpassen konnten. Sie m├╝ssen alles selbst tun! Die Selbstfahrer-Auffrischung haben sie doch absolviert?"
Nat├╝rlich hatte ich, das verga├č ich auch ohne das Geschenk nicht. Einmal die Nachpr├╝fung vers├Ąumt und sie war weg f├╝r immer.
"Na dann, gute Fahrt." verabschiedete sich der Real-Car-Mitarbeiter. Seine Firmen-Drivebox war inzwischen angekommen. Nochmals winkend stieg er ein und lie├č sich ins B├╝ro zur├╝ckfahren.
Es war recht winterlich geworden. Meine beiden Frauen hatten deshalb im Haus gewartet bis wir ├╝ber das Auto verf├╝gen konnten. Jetzt n├Ąherten Sie sich mit dem Gep├Ąck.
Milo versuchte den vermeitlichen Kofferraum zu ├Âffnen. Ich g├Ânnte mir den Spa├č, entriegelte die Motorhaube und erg├Âtze mich an Milos verwundertem Gesicht.
"Das ist der Motor" lie├č sich Tina vernehemen. Sie schien sich f├╝r das Auto sehr zu interessieren und mehr dar├╝ber zu wissen als Milo.
"So gro├č?" fragte Milo.
Tina kl├Ąrte ihn auf. "Ja, zu einem Verbrennungsmotor geh├Âren recht viele Teile. Wenn man nur den Hubraum der Zylinder nimmt dann ist das gar nicht so viel. Nur drei Milchkartons. Aber das ist nun mal nicht alles. Man ben├Âtigt Ventile, Turbolader, Kurbelwelle, Getriebe und eine Kupplung. Und noch einiges mehr."
Milo sch├╝ttelte verwundert den Kopf. "Und wo kommt das Gep├Ąck hin?"
Meine Frau hatte inwischen die Heckklappe ge├Âffnet und einen Teil des Gep├Ącks verstaut. "Wenn dich das interessiert dann hol mal den Rest aus dem Haus und hilf mir beim einladen."
Milo trottete los und blickte dann genau so erstaunt in den Kofferraum. "Wow, da ist ja echt viel Platz."
Ja, meine Frau hatte nicht ohne Grund die Tourismo-Ausf├╝hrung gew├Ąhlt. Da mussten wir uns mit dem Gep├Ąck nicht einschr├Ąnken.
Bald darauf ging es los. Die ersten Kilometer waren noch etwas ungewohnt, aber die Stra├čen waren frei und der Wagen reagierte deutlich souver├Ąner als unser Familiengef├Ąhrt. Meiner Frau war anfangs eine gewisse Nervosit├Ąt anzumerken. Im Normalfall durfte ich nur in den Selbstfahrermodus schalten wenn wir ohne Kinder fuhren. Aber jetzt ging es nun mal nicht anders. Doch nach der ersten halben Stunde entspannte sie sich.
Die Autobahn erreichten wir ohne Stau. Z├╝gig fuhr ich auf. Dann trat ich das erste mal so richtig aufs Gaspedal. Der Motor r├Âhrte auf, nicht allzu laut aber trotzdem deutlich zu vernehmen. Doch der Anzug entt├Ąuschte. Unter 250 kW h├Ątte ich mir mehr vorgestellt. Aber das hier war ja nicht mehr als unser weniger als halb so starker Stromer. Ich erinnerte mich dunkel dass in der VR-Einweisung die Rede davon war dass Verbrenner kein so hohes Drehmoment entwickeln wie ein Elektromotor.
Die Tachonadel (ja, das gab es hier noch) bewegte sich trotzdem z├╝gig in Richtung 150. Sp├Ątestens da war bei unserem Auto Schluss. Aber beim Porsche ging es weiter. 170, 190. Ohne dass er in der Beschleunigung wesentlich nachlie├č. Bei 200 r├Ąusperte sich meine bessere H├Ąlfte vernehmlich. Na gut, ich war ja nicht allein. Ich nahm etwas Gas weg und wir glitten mit 160 sanft dahin. Der gro├če Radstand und das ausgefeilte Fahrwerk verschluckten s├Ąmtliche Fahrbahnprobleme.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt hatten wir ein Drittel der Strecke hinter uns. Die Kinder wurden lagsam unruhig, Tina musste aufs Klo. Wir nahmen also die ├╝bliche Rastt├Ątte. Anders als sonst fuhr ich an der Schlange der wartenden Stromer vorbei. Ja, Weihnachten. Da wartet man etwas l├Ąnger auf einen Platz an der Lades├Ąule.
Ich warf einen schnellen Blick auf die Preistafel. 21,99 f├╝r 30 Minuten am 22kW-Lader, 44,99 f├╝r den Schnellader. Das waren 2 Euro mehr als im Sommer. Ladestationen, nicht nur an der Autobahn, hatten sich als Goldgrube erwiesen.
Ich ├Ąrgerte mich heute noch ├╝ber meine jugendliche Naivit├Ąt im Jahre 2028. Damals schossen die B├╝rger-Energiegesellschaften aus dem Boden. Ich h├Ątte mich, gerade vollj├Ąhrig, beteiligen k├Ânnen. Aber damals hie├č es, Strom ist spottbillig, damit kann man nichts verdienen. Die Politik jubelte als die 3ct-Schwelle f├╝r die Erzeugung fiel und die Einspeiseverg├╝tung entsprechend zusammen gestrichen wurde. Sogar die EE-Umlage wurde abgeschafft. Nur Vollidioten steckten damals ihr Geld noch in PV oder Windr├Ąder. Glaubte ich jedenfalls. Aber bald drehte sich die Entwicklung. In den meisten dieser Gesellschaften hatten die Stadtwerke oder die gro├čen Versorger einen Anteil. Und die rissen sich, mit der R├╝ckendeckung der B├╝rgerbeteiligung, alle lukrativen Einnahmequellen unter den Nagel. Und das waren damals die ├Âffentlichen Lades├Ąulen. Bald erreichte die Rendite zweistellige Prozentwerte. Die Gesellschaften nahmen keine neuen Mitgleider mehr auf. Und die die drin waren verdienten sich dumm und d├Ąmlich.
Langsam fuhren wir am Restaurant vorbei zu den Kurzzeit-Parkpl├Ątzen als pl├Âtzlich ein Mann aus der Restaurant-T├╝r st├╝rzte und mir vors Auto lief. Ich konnte gerade noch bremsen. W├Ąre er vorsichtiger gewesen wenn er geahnt h├Ątte dass mein Auto keinen Bremsassistenten hatte? Sicher nicht. Ohne sich um uns zu k├╝mmern lief er weiter in Richtung Schnellader. Es war kalt, einige Schneeflocken trieben durch die Luft aber er hatte keinen Mantel an. Aha, denke ich, Ladeende vergessen. Kann teuer werden.
Die Kurzzeitparkpl├Ątze waren kaum belegt. Kein Wunder, hier gab es keinen Stromanschluss. Die Kinder verschwanden ich Richtung Klo. Ich selbst versp├╝rte bei dem miesen Wetter keinen Drang zum Aussteigen. Die Sitze im Porsche waren super. Ich war frisch und ausgeruht wie zu Beginn der Fahrt.
Die Kinder kahmen zur├╝ck. "M├╝ssen wir nicht tanken" wollte Milo wissen.
"Nein" antworte ich ihm "Noch nicht."
Langsam rollen wir los. Unser Aufenthalt hat keine 10 Minuten gedauert.
Milo war neugierig "Sonst laden wir doch immer wenn wir mal m├╝ssen. Und machen eine l├Ąngere Pause. Warum nicht jetzt?"
Ich erkl├Ąrte ihm, dass Benzin wegen der hohen Energiedichte weniger Platz weg nimmt als ein Akku und ein Verbrenner daher eine gr├Â├čere Reichweite hat.
"Aber man k├Ânnte doch auch gr├Â├čere Akkus in die richtigen Autos einbauen?"
Ich muss schmunzeln. 'In die richtigen Autos..:'. Als ich so alt war wie er war das worin wir gerade sa├čen ein richtiges Auto. Und E-Autos wurden noch bel├Ąchelt. Aber seine Frage stimmte mich auch nachdenklich. Ob ihn meine Antwort wirklich zufreieden stellen w├╝rde? "Fr├╝her hat man das auch getan. Als ich etwas ├Ąlter war als du konnte man mit einem ganz normalen E-Auto auch 400 km weit fahren. Mit den etwas besseren und teureren sogar 600. Aber damals wollten alle so ein Auto haben weil es Pr├Ąmien gab und die Verbrenner immer st├Ąrker besteuert wurden. Und da wurden die Akkus knapp. Unser damaliger Energiesparminister hat dann argumentiert dass der Normalb├╝rger ja h├Âchstens 100 km am Tag f├Ąhrt und dass es unwirtschaftlich ist schwere Akkus durch die Gegend zu fahren die man nur sehr selten braucht. Und deshalb hat man 2032 eine Akkusteuer engef├╝hrt. Und seitdem kauft kaum jemand Akkus f├╝r mehr als 200 km." Das sich auch kaum jemand mehr leisten kann verschwieg ich lieber.
Tina hatte die ganze Zeit still zugeh├Ârt. Jetzt meldete sie sich. "Genau so hat das unser Gesellschaftskunde-Lehrer auch erkl├Ąrt. Und wegen der kleineren Akkus konnte man auch die Autos kleiner und leichter machen und hat noch mal einen ├Âkologischen Vorteil erzielt."
Nur m├╝hsam konnte ich mir eine Antwort verkneifen. Mit dem Schlagwort der ├Âkologischen Revolution hatte man uns in den letzten zehn Jahren einiges zugemutet. Abgesehen davon dass ein Durschnittsauto inzwischen wieder so klein war wie in den 70gern des vorigen Jahrhunderts brachten die variablen Strompreise und die teuer zu bezahlende Vesorgungssicherheit einige Probleme mit sich. Bei uns reichte es noch, aber unsere Nachbarn konnten sich nur 1 kW mit 100% Verf├╝gbarkeit leisten. Von 6 bis 22 Uhr. Das reichte gerade so f├╝r den t├Ąglichen Bedarf, aber manchmal blieb das Auto ├╝ber Nacht ungeladen. Oder es gab am Wochenende erst nach 14 Uhr Mittagessen. Sollte ich das meiner Tochter erkl├Ąren? Lieber nicht. Sie hatte ein offenes Wesen und war noch zu jung um zu begreifen, wor├╝ber man sich in der ├ľffentlichkeit aufregen durfte und wo nicht. Ich wollte nicht dass die ├ľkologisten sie wegen einer unbedachten Bemerkung als "Umweltsau" beschimpfen w├╝rden. Hoffentlich erz├Ąhlte sie in er Schule nichts von unserem Auto-Erlebnis. Ich w├╝rde ├╝ber Weihnachten mit ihr reden m├╝ssen.
Die beiden gaben Ruhe. Meine Frau schwieg schon die ganze Zeit. Statt dessen beobachtete sie den Verkehr und mich, wohl um mich auf Probleme hinweisen zu k├Ânnen. Ihr zuliebe glitt ich mit 140 inmitten der anderen Autos gem├Ąchlich dahin.
Ich spielte am Display und ├╝berschlug den Benzinverbrauch. Wir hatten fast die H├Ąlfte der Strecke hinter uns und gerade mal 25 Liter verbraucht. Falls die Preise die ich nachgeschlagen hatte wirklich korrekt waren dann fuhren wir g├╝nstiger als mit unserem Stromer. Zumindest wenn man die Autobahnpreise f├╝r das Laden ansetzte.
Warnleuchten an den Dachkanten des Stromers vor mir signalisierten dass der Pulk-Modus aktiviert wurde. Da konnte unser Oldtimer nicht mithalten. Ich zog nach links um den Fahrzeugen vor und hinter mir die virtuelle Verkn├╝pfung zu einer endlosen Schlange zu erm├Âglichen. Neben und vor mir leuchteten die Dachkanten der Autos blau. Sie waren im Pulk verkn├╝pft, keines w├╝rde unerwartet ausscheren. Gefahrlos konnte ich wieder Gas geben. Der Porsche beschleunigte mit einem leisen, aber doch wahrnehmbaren Grollen. Ich glaubte ein ganz leichtes Vibrieren in den Lenden zu sp├╝ren. Ist es das, was einen Verbrenner ausmacht?
Mit knapp 200 zischte ich am Pulk vorbei das sich energiesparend mit 120 auf der rechten Spur bewegte. Etwas mitleidig gedachte ich der Menschen in den kleinen Autos. Ich war froh dar├╝ber dass uns das an diesem Tag erspart blieb.
Ein Blick auf die Uhr im Tacho best├Ątigte das bohrende Gef├╝hl in meinem Bauch. Mittag. Unsere beiden Kinder auf dem R├╝cksitz riefen im selben Moment "Hunger". Kein Wunder, wir waren seit reichlich 4 Stunden unterwegs. Auf meinen Wunsch hin entlockte Maria dem Navi die Position der n├Ąchsten Tankstelle. Gl├╝ck gehabt, keine 20 km. Laut der Auskunft des Real-Car-Mitarbeiters sollte es ja gar nicht mehr so viele geben. Ich glaubte aber auch mich erinnern zu k├Ânnen dass er mir empfahl, kurz vor dem Kreuz Biebelried zu tanken. Und dort waren wir jetzt. Bisher hatten wir hier nie Halt gemacht, es passte einfach nicht in unseren Laderythmus. Das Schild an der Ausfahrt lieferte mir noch einen anderen Grund. Es gab hier nur die Minimalaustattung mit Lades├Ąulen.
Langsam rollte ich an die Tanks├Ąule. Mit einem unguten Gef├╝hl denn ich erinnerte mich daran dass ich den Abschnitt zum Tanken im Einweisungsvideo nur sehr unaufmerksam angesehen hatte. Aber ich hatte nochmal Gl├╝ck. Es gibt hier einen Tankwart der einem den Umgang mit dem doch recht kr├Ąftig richenden Schlauch abnahm.
Meine Drei gingen die paar Schritte zu Fu├č ins Restaurant. Ich parkte und folgte ihnen.
Die Rastst├Ątte war sehr klein. Etwas in die Jahre gekommen, aber eher gem├╝tlich. Kein Verzehrzwang wie in den gro├čen Ladestationen, keine ├╝berdimensionalen Uhren, keine grelle Werbung f├╝r Akku-Regeneratorern oder Strompakete. Hier konnte man einfach sitzen und relaxen.
Verwundert, beinahe erschrocken entdeckte ich mich dabei dass ich das Mobile rausholte um die Ladezeit zu checken. Bl├Âdsinn, dachte ich, heute mal nicht. Heute gibt es das Mittagessen nicht im Ladetakt.
Nach einer entspannten Stunde an Stelle der ├╝blichen 30 Schnellade-Minuten fuhren wir weiter. 120 km noch. Ich checkte nochmal die Strecke und den Tank. Auf der R├╝ckfahrt w├╝rden wir wieder hier halten und tanken. Das w├╝rde dann locker f├╝r die Heimfahrt reichen und wir m├╝ssten auch nicht wie sonst die Wallbox meiner Schwiegereltern blockieren. So ein zus├Ątzlicher Vollader au├čer der Reihe macht in einem Mietshaus immer mal wieder Probleme. Und ├╝ber Weihnachten w├╝rde es nicht bei einem bleiben.
Als wir in die Tiefgarage rollten konnte ich es mir nicht verkneifen noch mal kr├Ąftig Gas zu geben und dem Wagen wieder das tiefe kr├Ąftige Grollen zu entlocken.
Beinahe gl├╝cklich parkte ich ein.
Was f├╝r ein Auto, was f├╝r eine Fahrt. Nat├╝rlich unvern├╝ftig, aber sch├Ân. Nachdenklich strichen meine H├Ąnde ├╝ber das lederummantelte Lenkrad. Unser eigenens Auto hatte kaum Luxus. Es war eben ein Gebrauchsgegenstand. Und die brauchen eben keinen Ressourcen verschwendenden Luxus, sagt das ├ľkoministerium. Ich durfte gar nicht daran denken dass dieser Gebrauchsgegenstand genau so teuer war wie der Porsche zu seiner Zeit. Zugegeben das war 40 Jahre her, aber trotzdem. Unsere Vorfahren haben da auf Kosten unserer Generation gelebt, sagt das ├ľkoministerium. Energie und Mobilit├Ąt waren halt kostbare Dinge.
Etwas wehm├╝tig stieg ich aus und tr├Ąumte von der guten alten Zeit.

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Tula
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Moin

In einigen deiner Vorhersagen magst du recht haben, sehr wahrscheinlich sogar. Dass du im Fahrpreis im Jahr 2050 mit dem dann fast nicht mehr verkauften Benzin billiger f├Ąhrst, halte ich allerdings f├╝r eine widerspr├╝chliche Tr├Ąumerei.

Insgesamt fehlt es mir entweder an Spannung oder an satirischem Humor, z.B. um den Verlust an Fahrqualit├Ąt auszuarbeiten. 2050 bestimmt vielleicht das Auto wohin es ├╝berhaupt gehen soll, es k├Ânnte einen Stau geben, aber nur du bist rein entscheidungsÔÇö technisch in der Lage, frech auf dem Standstreifen zu ├╝berholen usw. Einfach ein paar irrwitzige Situationen ausdenken, in welchen sich der technologische Fortschritt als Nachteil oder gar Falle erweist.

LG
Tula

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