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Leselupe.de > Rund um den Literaturbetrieb
Welche Romananfänge liebt ihr?
Eingestellt am 23. 01. 2009 00:31


Autor
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Thariot
Hobbydichter
Registriert: Jan 2009

Werke: 9
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Hallo,

welche Anfänge von bekannten oder unbekannten Romane liebt ihr?

Melville's 'Moby Dick'
"Nennt mich Ismael." Vor einigen Jahren - wie viele es sind, tut nichts zur Sache -, als mein Geldbeutel so gut wie leer war und an Land mich nichts Besonderes hielt, kam mir der Gedanke, ich könne ein bißchen zur See fahren und mir den wässrigen Teil der Welt besehen.



Postet doch mal die ersten Zeilen eurer Favoriten?

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nachts
???
Registriert: Jun 2007

Werke: 27
Kommentare: 337
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"Eins über den Schädel kriegen, ist nichts. Am gleichen Tag zweimal hintereinander mit Drogen vollgepumt werden, ist so furchtbar auch nicht ... Aber vor die Tür gehen, um Luft zu schnappen und sich dann mit einer Frau in einem fremden Zimmer wiederzufinden, beide wie Adam und Eva vor der Apfelgeschichte, das ist ein dicker Hund. Was ich dann hinterher erlebt habe ..."

Boris Vian - Wir werden alle Fiesen killen

Gruß Nachts
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Heute ist nicht manchmal

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diana may
Guest
Registriert: Not Yet

Kein Roman, eine Erzählung:


Tante Babette tat noch einen tiefen Atemzug. Die Morgensonne lugte wie ein übermütiges Enkelkind durch die schimmerweißen Tüllvorhänge, nahm den längsten Strahl und fuhr damit wie mit goldener Feder erst über die weiße Nachthaube, dann über die feuchte Stirne der alten Frau und zitterte und zuckte dann ohne Rast um Augen, Mund und Nase, bis die Tante obigen tiefen Atemzug tat und mit scheuen roten Augen ins Fenster staunte.

"Der Sterbetag" (Rilke, 1896/97)

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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
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Kontext ist das A und O. Verkleidet mich und ihr werdet staunen. Ich bin Jahrmarktschreier, Auktionator, Straßenkünstler, Wortverdreher, ein Abgeordneter bin ich, trunken vom vielen Reden. Ich habe Tourette. Mein Mundwerk läßt sich nicht zügeln, obgleich ich meist nur flüstere oder die Lippen bewege, als würde ich laut lesen, mein Adamsapfel springt auf und ab, unter meinen Wangen pocht die Kiefermuskulatur wie ein Miniaturherz, der unterdrückten Stimme entfliehen die Worte tonlos, reine Geister ihrer selbst, leere Hülsen ohne Laut und Atem. In dieser gedämpften Form fließen die Wärter aus dem Füllhorn meines Geistes, um über die Erdoberfläche zu jagen und die Realität zu kitzeln wie Finger die Klaviatur. Streichelnd, lockend. Eine unsichtbare Armee auf Friedensmission, eine friedfertige Horde. Ohne böse Absichten. Sie besänftigen, interpretieren, massieren. An allen Enden glätten sie Mängel, streichen Haare zurecht, ordnen die Dinge, treten den Rasen wieder fest. Zählen und polieren das Silber. Geben älteren Damen einen freundlichen Klaps auf den Po, ernten ein Kichern. Wehe aber - und hier kommt der Haken - alles ist zu perfekt, die Oberfläche zu glatt, alles bereits geordnet, die älteren Damen selbstgefällig, dann rebelliert meine kleine Armee und plündert ihre Läden. Die Wirklichkeit benötigt hier und da einen kleinen Kratzer, der Teppich eine Fluse. Meine Worte beginnen nervös am Garn zu zupfen, suchen nach Angriffsfläche, einem schwachen Punkt, einem verwundbaren Ohr. Dann bricht er los, der Zwang, in der Kirche zu schreien, in der Kinderstation, im überfüllten Kinosaal. Zunächst ist es nur ein Jucken. Unregelmäßig. Aber bald schon schwillt das Jucken an, türmt sich auf wie eine Flutwelle hinter einem berstenen Damm. Noahs Sintflut. Dieses Jucken ist mein Leben. Achtung jetzt. Haltet die Ohren zu. Baut eine Arche.
"Lutsch mich!" schreie ich.

Jonathan Lethem - Motherless Brooklyn
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Der Kopf denkt weiter als man denkt.

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R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 526
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Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen.


Gabriel García Márquez - Hundert Jahre Einsamkeit

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erbsenrot
Häufig gelesener Autor
Registriert: Jan 2006

Werke: 50
Kommentare: 575
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Lee Chongs Kramladen, kein Muster an Sauberkeit, war ein Wunder kaufmännischer Bedarfsdeckung. So eng er war, konnte man zwischen seinen vier Wänden doch alles finden, was der Mensch zum Leben und Glücklichsein brauchte. Kleider, Nahrung in Büchsen und frisch, Getränke, Tabak, Fischereigerät, Apparate, Motoren, Boote, Tauwerk, Mützen, Schweinekotelettes. Bei Chee Long bekam man Schlüpfer, Seidenkimonos, ein Zehntel Whisky und eine Zigarre. Da ließ sich jede erdenkliche Laune und Lust befriedigen. Das einzige, was Chee Long nicht führte, gab es gegenüber bei Dora.
Das Lädchen öffnete bei Morgengrauen und schloss erst, wenn der letzte wandernde Nickel vertan oder schlafen gegangen war. Nicht als ob Lee ein Geizhals gewesen wäre! Das war er nicht, aber wenn jemand etwas ausgeben wollte, stand er ihm zur Verfügung. Er war, ohne sich dessen zu rühmen, der wichtigste Mann der Cannery Row, denn da gab es niemand, der ihm im Lauf der Jahre nicht Geld schuldig war.




John Steinbeck - Die Straße der Ölsardinen




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Mein neuer Roman (Lesung auf der Buchmesse Leipzig 2014) auf YouTube Hilda Röder

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