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Leselupe.de > Science Fiction
ZeitreisENDEr
Eingestellt am 16. 02. 2012 00:36


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Metzas
Hobbydichter
Registriert: Feb 2012

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Oh mein Gott, nein! Sie ist leer! Wo bist du, Kleiner?

Was meinte sie damit? Ich verstehe es nicht, es ergibt keinen Sinn.
Ich weiß nicht, ob jemand diese Aufzeichnung anhören wird. Ja, ich bin mir nicht mal sicher ob es in einer halben Stunde ĂŒberhaupt noch sowas wie ein Universum gibt. Dennoch, völlig ohne ErklĂ€rung möchte ich es nicht enden lassen. Besonders da diese Aufnahmen möglicherweise erst weit nach Abschluss des Projekts abgehört werden. Wenn ĂŒberhaupt, wie gesagt.
Mein Name ist Max Papert. Ich bin Pilot des Quantensendungsprojekts des Gödel Forschungszentrums. Ich kam eher durch Zufall an meine jetzige Arbeitsstelle. Eigentlich bin ich gelernter Ingenieur und arbeitete sechs Jahre in der FakultĂ€t fĂŒr Physik in MĂŒnchen. An alle Nerds möchte ich sagen, dass es langweiliger ist, als es sich anhört. Im Grunde war ich der Automechaniker fĂŒr die Studenten und Profs. Nur anstatt StoßdĂ€mpfer am Astra auszutauschen, wechselte ich eben Spulen an Elektronenbeschleunigern. Irgendwann kamen die Herrschaften aber auf die Idee, dass sie von dem Geld, das ich koste, auch neue Isolierungen fĂŒr ihre Halbleiter anschaffen könnten. So war‘s das dort gewesen fĂŒr mich. Professor Dr. Frank, der einzige von den Wasserköpfen, der wenigstens einigermaßen normal war, verhalf mir jedoch etwas Neues zu finden. Er kannte einige Kollegen, die angeblich an etwas „völlig bahnbrechendem“ beteiligt waren. Ich machte mir nicht viel Hoffnung auf etwas Spannendes und wollte es mir nur mal ansehen. Dass ich letztendlich das Versuchskaninchen spielen durfte, erzĂ€hlte mir dort erst Dr. Stefanie Woltz. Sie war meine Ansprechperson; die ganzen grĂ¶ĂŸeren BrillentrĂ€ger bekam ich nicht zu Gesicht. Sie hatte ihren Doktor in Physik vor vier Jahren gemacht und war dann von Anfang an beim Projekt dabei. Naja, und ihrer gottverdammten Sympathie, gepaart mit ihren verflucht glĂ€nzenden braunen Augen, war es dann geschuldet, dass ich relativ schnell zusagte.


Oh mein Gott, nein!

Steffi
 Ă€h, Dr. Woltz meinte, ich sei durch meine bisherigen beruflichen Erfahrungen und meiner guten körperlichen Verfassung ein geeigneter Kandidat fĂŒr die kommende Versuchsreihe. Aha, ihr sind die Resultate meiner Abende im Fitnessstudio aufgefallen! Weil ich sie sowie die meisten anderen im Zentrum um gut einen Kopf ĂŒberragte, begann sie mich scherzhaft „Kleiner“ zu nennen. Sie fĂŒhrte mich durch die verschiedenen Anlagen und RĂ€ume, die vollgestopft waren mit allen technischen GegenstĂ€nden, die man sich vorstellen kann. Ranzige Rohre, die aussahen, als hingen sie schon seit dem zweiten Weltkrieg dort und teils direkt daneben ChipsĂ€tze und Kondensatoren, die in einem außerirdischen Raumschiff nicht aufgefallen wĂ€ren! Mein Technikerherz machte LuftsprĂŒnge und hĂ€tte sich gerne durch all die Kabel und Leitungen durchgewĂŒhlt, um alles zu erforschen. Mein TechnikerHIRN war weniger optimistisch und suggerierte mir, dass ich diesen Wirrwarr in hundert Jahren nicht durchblicken wĂŒrde.
Dr. Stefanie erlĂ€uterte mir den Aufbau der einzelnen RĂ€ume, die alle jeweils nur Komponenten eines noch riesigeren Systems waren, dass sich ĂŒber das gesamte GebĂ€ude und darĂŒber hinaus erstreckte. Ohne erst mal auf den Punkt zu kommen, wurden mir sĂ€mtliche Apparaturen im Einzelnen erklĂ€rt und die daraus resultierenden physikalischen Effekte. Ein bisschen verstehe ich ja von der Thematik – ich weiß, laut meinem Abschlusszeugnis sollte ich eigentlich mehr davon verstehen – aber irgendwann verlief es bei mir im Sand. Das wollte ich mir natĂŒrlich vor der hĂŒbschen jungen Doktorandin nicht anmerken lassen und natĂŒrlich hat es die hĂŒbsche junge Doktorandin gemerkt. So gab sie es fĂŒr mich nochmal vereinfacht rĂŒber, auch wenn ich ihr mehrfach ansah, dass ihr manche Verallgemeinerungen und Metaphern die ZehennĂ€gel hochrollten. Aber die genaue Kenntnis der technischen Aspekte war fĂŒr meine Rolle auch nicht so von Bedeutung.
Zusammengefasst experimentierten die Wissenschaftler dieser Abteilung mit der QuantenverschrĂ€nkung und der Übertragung von ZustĂ€nden. Soviel ich verstanden habe, ist jeder Körper und jedes Atom nur ein bestimmter Zustand von Quanten
 oder Strings
 oder Quarks, ich weiß es nicht mehr genau. Schafft man es aber nun, die Information des Zustands von einem TrĂ€ger auf einen anderen zu
 â€žĂŒberspielen“, hat man die Position des Körpers verĂ€ndert, ohne dass der Körper selbst die Wegstrecke dazwischen zurĂŒckgelegt hat. Inzwischen erscheint mir meine damalige erste Reaktion – „Also Beamen wie auf der Enterprise?“ – langsam genau so zĂ€hneknirschend pseudowissenschaftlich, wie es fĂŒr Steffi damals geklungen haben muss. Aber letztendlich war es nichts anderes als Beamen. Nur sah es bei Scotty nie so kompliziert aus.
Nunja, um einen vorurteilsfreieren Begriff zu etablieren nannte man das ganze einfach nur „Senden“. Sender und EmpfĂ€nger der Objekte waren zwei Boxen, an denen sprichwörtlich alle FĂ€den der gesamten Konstruktion zusammenliefen. Man konnte eine „Sendung“ somit also nur mit dem entsprechenden GerĂ€t empfangen. So wie man jeweils einen Computer braucht, um eine Email zu versenden und zu empfangen. Die ersten „Sendungen“ waren ausschließlich mit von Lasern emittierte Photonen. Man arbeitete sich langsam zu einzelnen Wasserstoff-Atomen hoch und schaffte schließlich sogar ein ganzes Staubkorn. Die Beförderung von makroskopischen Körpern war dann nur mehr eine Frage der GrĂ¶ĂŸe des Systems und somit des Geldes. Das fand sich anscheinend recht schnell, logischerweise bei irgendwelchen industriellen Investoren, die sich durch solche Technologien einen ungeheuren Wettbewerbsvorteil versprachen.
Es tat sich jedoch ein Problem bzw. eher PhĂ€nomen auf. Manchmal verspĂ€tete sich die Ankunft des gesendeten Objekts. Mal nur einige Sekunden, manchmal sogar Minuten. Die sogenannten Experten gingen von Verzögerungen bei der Bearbeitung der extremen Datenmengen in den Computerschnittstellen aus. Bis schließlich zweieinhalb Jahre nach Beginn der ersten Photonenexperimente eine Kirsche gesendet wurde und erst 3 Stunden spĂ€ter am Zielpunkt ankam. Die Rechnerleistung in dieser Zwischenzeit ging gegen Null, der Energieverbrauch der ganzen Anlage erreichte ihr Minimum. Es konnte nicht an der Maschine liegen, diese arbeitete fast gar nicht. Die Kirsche befand sich weder im Sender, noch im EmpfĂ€nger und auch nicht in den Zwischenspeichern des Computers. Sie war einfach nicht. Bis sie dann ohne Vorwarnung wieder materialisierte. Ich hĂ€tte zu gerne die Gesichter der Wissenschaftler gesehen, als das kleine Ding nach der Zeit auf einmal wieder auftauchte!
Es gab eingehende Untersuchungen, weitere Sendungen mit verschiedensten Materialien und Proben. Unterschiedlichste Reisezeiten ergaben sich und keine erkenntlichen ZusammenhĂ€nge, weder mit den Objekten noch mit den GerĂ€ten, taten sich auf. Viele hatten die Vermutung bereits in ihren Köpfen, aber nur eine weibliche Professorin hatte anscheinend die Eier in der Hose, um es auszusprechen. Nein, es war leider nicht Dr. Stefanie, diese war zu der Zeit noch Assistentin. Alle Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die Sendungen nicht nur rĂ€umliche Distanzen ĂŒberbrĂŒcken konnten. Sie erreichten genau das Ziel, fĂŒr das sie beim Absenden bestimmt waren. Es gab nicht nur einen Zielort, sondern auch eine Zielzeit. Die gesendeten Objekte wurden in die Zukunft gesendet. Grund fĂŒr die Streuung der Reisezeiten waren minimalste Schwankungen der elektromagnetischen FeldstĂ€rken innerhalb des Absenders, wie sich spĂ€ter herausstellte. Die GerĂ€te, die mit diesen Feldern in Verbindung standen, wurden mit noch feineren und bestimmt auch gleichviel teureren Messeinrichtungen und Justiermechanismen ausgestattet. VollstĂ€ndig bekam man die Problematik allerdings nie in den Griff. Die Relation zwischen den Feldschwankungen und der sich ergebenden Zielzeit waren zu gewaltig. VerĂ€nderungen im Atto-Bereich, das sind Trillionstel, können eine Zielzeit-Variation von Stunden auslösen. Je grĂ¶ĂŸer und schwerer die zu sendenden Objekte sind, desto krasser nimmt dies zu. Deshalb kamen die Photonen und Atome der ersten Versuche auch alle relativ „pĂŒnktlich“ an.


Sie ist leer!...


Es war jedoch nun, zumindest bei einem Großteil der Sendungen, möglich eine spezifische Dauer zu bestimmen, nach der das Objekt wieder im EmpfĂ€nger ankommen sollte. Zeitreisen ĂŒber die Zeitdilatation hinaus waren möglich! Zumindest in die Zukunft. Und zumindest im Bereich von Stunden oder Tagen. Es gab auch Versuche mit mehreren Wochen Reisezeit. Nur musste die Maschine zum Zeitpunkt der Ankunft auch angeschaltet sein. Klar, eine Email erreicht auch keinen ausgeschalteten Computer. Im Gegensatz zur Mail, bleibt die Zeit-Sendung aber nicht auf einem Server liegen. Ist der EmpfĂ€nger zum Empfangszeitpunkt aus, ist das Objekt weg. Es taucht nicht mehr auf. Viele Diskussionen ĂŒber den Verbleib dieser verschwundenen Objekte wurden gefĂŒhrt. Endet ihre Existenz einfach? Treten sie in ein anderes Universum ĂŒber? Oder Ă€ndert sich der Zustand ihres Seins in so radikalem Umfang, dass wir Menschen es nicht begreifen können? Letztendlich fĂŒhrten die GesprĂ€che immer zu Gott und wenn Wissenschaftler mit Gott anfangen, dann sind lautstarke Auseinandersetzungen und runter geworfene Stifthalter vorprogrammiert. Leider hĂ€uften sich die FĂ€lle, bei denen die „Post“ ein paar Briefe verlor. Die Feldschwankungen ließen sich einfach nie zu hundert Prozent justieren und schon bei kleinen Ausreißern konnte sich die errechnete Zielzeit auf Monate oder Jahre hinauszögern. Schließlich akzeptierte und ignorierte man die Tatsache, dass viele der Sendungen einfach im Nichts der Unendlichkeit verpuffen.

Wo bist du, Kleiner?

Die Sendungen, die ankamen, kamen allerdings unbeschadet an. Da konnten die Konstrukteure ohne Umschweife stolz auf sich sein. Bis auf einen geplatzten Apfel und Hopsy, dem Versuchs-GraßhĂŒpfer, der sich nach seiner Ankunft vor Schreck ein Bein ausriss, ĂŒberstand alles die Reise ohne Probleme. Hopsy springt ĂŒbrigens auch mit einem Bein weniger noch genauso hoch, wie vor seiner Zeitreise. Sie vermuten es wahrscheinlich schon, dass man Hopsy in seiner Funktion als Kollege von mir bezeichnen könnte. Ja, ich war das erste menschliche Paket, das auf die Reise geschickt werden sollte. Auch wenn Hopsy der Pionier war, so wĂŒrde ich als erster Zeitreisender der Welt berĂŒhmt werden. Naja, wenigstens innerhalb des Laborkomplexes. Noch sollten die Ergebnisse unserer Arbeiten nicht groß veröffentlicht werden. Man hatte anscheinend noch nicht genug mit dem neuen Spielzeug gespielt.
Die finale Apparatur, so wie ich sie auch bei meinem ersten Besuch des GelĂ€ndes kennengelernt habe, war nun darauf ausgerichtet, Objekte in GrĂ¶ĂŸe und Masse eines ausgewachsenen Menschen zu senden. Etwa ein halbes Jahr begleitete ich die Experimente, um die AblĂ€ufe und Funktionsweisen zu verinnerlichen. Man sendete alles, was man in die Finger kriegen konnte. Lebensmittel, Werkzeuge, StĂŒhle, Pflanzen, auch MĂŒll konnte man problemlos beseitigen, indem man diesmal bewusst starke Ausreißer der FeldstĂ€rke zuließ. Zum Geburtstag des Laborleiters Buchner wurde sogar ein Kuchen am Vorabend gesendet, so dass dieser pĂŒnktlich am feierlichen Tag ankam und jeder ein StĂŒck Zeitreisekuchen kosten konnte. Das Ding schmeckte wie Sand, das lag aber nicht an der Zeitverschiebung, sondern an der dummen Doris, die ihn gebacken hatte. Schließlich war ich dran! Ich weiß es noch wie gestern. Ich musste mich in meinem Zimmer ĂŒbergeben vor lauter Aufregung. Vielleicht war auch der Viel-Erfolg-Kuchen von Doris daran schuld! Ich setzte mich in die Kammer, von der aus die Reise beginnen wĂŒrde. Es gab keinen Stuhl oder sonst was. Alles innerhalb der Kammer wĂŒrde mit mir reisen und obwohl es noch nie passiert war, bedachte man die Möglichkeit, dass ich am Zielort im falschen Winkel ankommen könnte. Zum Beispiel auf dem Kopf stehend um 180 Grad gedreht. Die Verletzungsgefahr war geringer, wenn ich allein war. Und so saß ich, wie auf einen Flugzeugabsturz wartend, zusammengekauert in meiner kleinen Telefonzelle des Schreckens. Ich trug einen Anzug, der fast komplett aus Sensoren und MessgerĂ€ten bestand, die meine körperlichen Funktionen ĂŒberprĂŒften. Das passte mir ĂŒberhaupt nicht, da so jeder auf den vielen Bildschirmen ablesen konnte, wie viel Angst ich in dem Moment hatte. Ich hatte einen Helm auf, Atemmaske, Schutzbrille usw. Alle meine Körperöffnungen waren versiegelt. Das wiederum passte mir aus verstĂ€ndlichen GrĂŒnden sehr. Beide Kammern, Sender und EmpfĂ€nger, wurden Ton- und VideoĂŒberwacht. Ich hörte ĂŒber eine Lautsprecherverbindung das verstĂ€ndlich nervöse Gemurmel der Eierköpfe im Kontrollraum und natĂŒrlich Steffi! Das Hochfahren der Hauptrecheneinheiten, das Aufladen der riesigen Kondensatoren und all die anderen total wahnsinnigen GerĂ€usche hatte ich schon dutzende Male vorher gehört. Doch nie vorher waren es meine Atome, die möglicherweise fĂŒr immer aus diesem Universum gerissen wurden. Vielleicht tut es weh! Vielleicht macht es einen wahnsinnig!! Vielleicht reiße ich mir nach meiner Ankunft auch vor Schreck ein Bein aus!?? Man hatte bereits vor einigen Wochen testweise eine laufende Videokamera sowie eine Uhr gesendet, um besser einschĂ€tzen zu können, was wĂ€hrend des ZeitĂŒbertritts mit den Sendungen passiert. Die starken elektromagnetischen Verzerrungen ließen bei den Kameraaufnahmen auf nicht sehr viel schließen. Der Versatz der Uhr ließ jedoch vermuten, dass der Zeitsprung ohne Verzögerung erfolgt. Von einem Augenblick auf den anderen ist man angekommen. Die Energieversorgung der Maschinen wurde fĂŒr diesen ersten Menschenversuch nun erneut doppelt mit Backups versorgt. Die GerĂ€te durften bis nach meiner Ankunft unter keinen UmstĂ€nden ausfallen. Das wĂ€re mein Todesurteil oder noch mehr. Ist die komplette Auslöschung der Existenz schlimmer als der Tod? Lassen die Leute in den Himmel, die nicht existieren? Millionen Gedankenblitze schossen durch meine Neuronen in der Sekunde, in der sich die gesamte Kraft dieses gigantischen technischen Systems auf mich entlud. Zehn Sekunden vor Zeitpunkt Null beginnen meine Haare elektrostatisch zu kribbeln. Sieben Sekunden vor Zeitpunkt Null ertönt trotz meiner OhrenschĂŒtzer ein trommelfellzerreißendes Brummen, wie aus einem ĂŒberdimensionierten Lautsprecher, der auf voller LautstĂ€rke steht und jeden Moment aktiviert wird. Drei Sekunden vor Zeitpunkt Null freue ich mich ĂŒber meine vorher entleerte Blase. Zwei Sekunden, ich höre Steffi „Viel GlĂŒck, Kleiner!“. Eine Sekunde. Stille.
Als hĂ€tte man mitten in einem Actionfilm auf Pause gedrĂŒckt, waren alle GerĂ€usche weg. Die Ruhe war das erste, das mir bewusst wurde, noch bevor ich ĂŒberhaupt den Ruck realisierte, der vor wenigen Millionstel Sekunden durch meinen Körper fuhr. Ich zitterte, ich sah und hörte nichts. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich so extrem leise war oder ob sich mein Trommelfell nach dem abrupten LautstĂ€rkeabbruch erst mal wieder einpegeln musste. Ich wippte leicht hin und her, versuchte mit den Ellenbogen WĂ€nde zu ertasten, nur um zu checken, ob sie da sind. Ich fĂŒhlte sie. Augenblicklich war ich erleichtert. Es schien vorbei zu sein und es gab keine Schmerzen. Wenige Sekunden war das einzige, was ich tat, Atmen. Eher unbewusst drehte ich den Kopf, versuchte anscheinend eine Stellung meines SchĂ€dels zu erlangen, die irgendeinen meiner Sinne ein Signal zukommen lassen könnte. Das war die Art von normal wirkender Bewegung, auf die meine Beobachter im Kontrollraum instinktiv gewartet hatten und daraufhin in Jubel ausbrachen. Dies wiederum war fĂŒr mich ein Zeichen, dass zumindest irgendetwas gut gelaufen sein muss. Ich riss mir Brille und Maske vom Gesicht, auch wenn ich laut Instruktion damit hĂ€tte warten sollen. Mit greller Helligkeit rechnend war ich von der Dunkelheit ĂŒberrascht. Nur eine spĂ€rliche Leuchtstoffröhre erhellte den kleinen Raum, in dem ich hockte. Schließlich wurden meine starren Augen doch geblendet, als eine der WĂ€nde entfernt wurde und mich aus meinem kleinen GefĂ€ngnis befreite. Völlig unvorbereitet stĂŒrzte eine Gestalt auf mich zu. Es war Steffi, die mir einen dicken Kuss auf den Mund presste. Wow, ĂŒber mehr als flirten und einmal kurz HĂ€ndchen halten sind wir in den letzten sechs Monaten nicht hinaus gekommen. Es gab immer zu viel zu tun.
„Wir dachten, du kommst nicht mehr!“ sĂ€uselte sie ĂŒberschwĂ€nglich und drĂŒckte sich an mich. Alles hatte funktioniert. Die erste bewiesene Zeitreise eines Menschen. Ich ĂŒbersprang einen Zeitraum, in dem ich nicht vorhanden war und erschien wohlbehalten wieder in der 20 Meter Luftlinie entfernten EmpfĂ€ngerkammer. Wie ich spĂ€ter erfuhr verspĂ€tete ich mich anscheinend. Ich ĂŒberschritt die geplante exakte Stunde um 3 Minuten und 51 Sekunden. In der Weise wie es fĂŒr Steffi eine Ewigkeit zu sein schien, ging es fĂŒr mich unendlich schnell. Die Übersetzung meines Zustands von der einen Kammer in die andere war tatsĂ€chlich schneller als ein Fingerschnipsen. Umso lĂ€nger zogen sich dafĂŒr die nicht enden wollenden Untersuchungen in den Tagen und Wochen darauf. Mehrere Doktoren, Ärzte und Heilpraktiker, die erst vor kurzem extra dafĂŒr in das Projekt eingeweiht wurden, schlugen sich regelrecht darum, irgendwelche Folgefehler in mir zu entdecken. Ich wurde gescannt, geröntgt, durch mehrere medizinische KĂ€sten gefahren, die alle unterschiedliche Dinge an mir untersuchten. Doch die KnalltĂŒten fanden nichts. Außer einmal, als ich spaßeshalber wĂ€hrend einer Analyse die Luft anhielt, ohne dass der Arzt es merke und entsetzt ĂŒber die stark abweichenden Ergebnisse stotterte. Es gab keine merkbaren VerĂ€nderungen in meinem Körper. Bis auf meine Beziehung mit Steffi, die Teile meines Körpers einiges abverlangte. Dagegen hatte ich jedoch keine EinwĂ€nde.

Sie ist leer! Wo bist du, Kleiner?

Dreimal wurde das Experiment je etwa im Abstand eines Monats nochmal wiederholt mit steigernder Zeitverschiebung. Jedes Mal wieder machte ich mir aufs Neue vor Angst fast in die Hose. Doch ich wusste immer, dass ein bestimmter Mensch mir am Abend all das wieder vergessen machen wĂŒrde. Zumindest ich von uns beiden musste auf diese angenehmen StĂŒndchen ja nicht lange warten! Ein interessanter und vorher absolut unbedachter Effekt der Zeitreisen war ĂŒbrigens ein gewaltiger Jetlag. Bei meiner letzten Reise ĂŒbersprang ich 14 Stunden und brauchte satte fĂŒnf Tage, bis ich wieder einigermaßen meinen Rhythmus gefunden hatte. Gerade als ich darauf pochte beim nĂ€chsten Mal schöne runde 24 Stunden zurĂŒckzulegen, kamen die Schlaumeier mit dem ultimativen letzten Schritt. Reisen in die Zukunft schön und gut. Das ist inzwischen langweilig geworden. Um das Projekt aus seinem Alphastadium zu heben muss der logische nĂ€chste Schritt getan werden: Eine Reise in die Vergangenheit. Als Buchner es schon vor lĂ€ngerem einmal verkĂŒndete, verfestigte sich die Runde zu einem sekundenlangen starren Kunstwerk. „Können wir das?“, „Sollten wir das?“, „DĂŒrfen wir das?“ war in großen Buchstaben auf jedem Gesicht geschrieben.
Die technische Umsetzung an sich war nicht das Problem. Die einhellige Meinung, dass bei Umkehrung der Feldlinien im Sender auch eine umgekehrte Senderichtung erfolgt, war schon fast klischeehaft simpel und sie stellte sich als korrekt heraus. Die ersten Tests hielt man logischerweise erneut klein. Wieder war es ein Staubkorn, das als einer der ersten auf die Reise ein paar Sekunden in die Vergangenheit gesendet wurde. Die Objekte und die Strecke wurden grĂ¶ĂŸer. Wie gesagt, kein Problem.
Das wirklich nervige an Zeit-RĂŒckreisen ist die Möglichkeit von Paradoxa. Selbst die minimalste Einflussnahme in einen vergangenen Zustand, könnte so etwas wie einen Systemabsturz des Universums auslösen. Und dabei geht es nicht nur darum, seinen eigenen Großvater in der Vergangenheit nicht umzubringen. Die bloße Existenz, die VerdrĂ€ngung von Luft, das Reflektieren von Licht kann sich zu gigantischen Kettenreaktionen aufbauen, die eine geschlossene Unlogik fĂŒr das Raum-Zeit-Kontinuum zur Folge haben. Dies ist zum GlĂŒck noch nicht eingetreten, sonst könnte ich auch kaum jetzt davon berichten. Wir stehen jedoch kurz davor, befĂŒrchte ich!
Um das Risiko bei den Versuchsreihen auszuschließen, hatte man eine geniale Idee. Sowohl bei den kleineren Versuchen, wie auch bei meinem Ritt, wurde der EmpfĂ€nger in einen fast komplett abgekapselten Raum verlagert. Das klingt relativ unspektakulĂ€r, doch es ist – nach unserer Zeitmaschine selbst – das aufwĂ€ndigste Konzept des gesamten Quantensendungsprojekts. Der Raum, der fĂŒr mich vorgesehen war, ist in seiner Innersten Schicht nicht grĂ¶ĂŸer als ein Wandschrank. Gerade so, dass ich mich dort fĂŒr eine gewisse Zeit aufhalten kann. Drum herum ist er mit einer 30 Zentimeter dicken Bleischicht umhĂŒllt, die jedwede Form von Strahlung blockiert. Es folgen 10 Zentimeter starke magnetische Eisenplatten, die den „Sarg“ – so wie ich den innersten Teil nenne – umgeben. Dieser Sarg wird von elektrisierten Spulen mit gewaltigen Magnetfeldern in einem vakuumisierten grĂ¶ĂŸeren Raum gehalten. Der Sarg ist somit weder durch Luft noch durch andere Materie mit der Außenwelt verbunden. Dies soll die Übertragung von Schall und anderen bewegungsabhĂ€ngigen Effekten verhindern. Dieser Raum ist nun nochmal durch mehrere feder- und hydraulikgelagerte DĂ€mpfer 360° in alle Richtungen stabilisiert. Ultimatives und einziges Ziel dieser Vorrichtung ist die völlige Isolierung seines Inhalts. Absolut nichts darf den Raum verlassen. Keine GerĂ€usche, keine Schwingungen, keine Strahlen, keine Magnetfelder, im Idealfall nicht mal minimalste GravitationsverĂ€nderungen. Nichts und niemand in dem Raum darf irgendeinen Einfluss auf die Außenwelt nehmen. Das gesamte Universum darf nichts von der Existenz in dieser Kammer mitkriegen, bis diese quasi wieder ihre eigene Gegenwart erreicht hat. Es ist das wahnsinnigste GefĂ€ngnis, das sich ein Menschenhirn ausdenken konnte, und ich bin der HĂ€ftling. Probeweise kam ich bereits in den Genuss fĂŒr ein paar Stunden in diesem Hotel einzuchecken. So muss sich die kleinste Matrjoschka-Figur im tiefsten Inneren ihrer BrĂŒder und Schwestern fĂŒhlen! Kompletter vom Rest der Welt abgeschottet, wie man es sich nur vorstellen kann. Die einzige Verbindung, die es gab, war ein vergleichsweise dĂŒnner Kabelstrang, der die EmpfĂ€ngerkammer im Inneren mit der großen Maschine außen verband. Die Kabel waren durch unzĂ€hlige Halbleiter, WiederstĂ€nde und Sicherungen gegen ungewollte Interaktion mit der Welt drumherum geschĂŒtzt. Der Strang selbst flĂŒssigkeitsgedĂ€mpft und freischwingend durch alle Schichten der Kammerkonstruktion gelegt. Im Inneren des Sarges befand sich außer der EmpfĂ€ngereinrichtung eine kleine Reisetoilette, eine Proviantbox mit Wasser und Brot – woran erinnert einen das!? – sowie eine Uhr und ein Audiorekorder, der sowohl analog als auch digital aufzeichnet. Tja, eben dieses GerĂ€t benutze ich im Moment.

Oh mein Gott, nein! Wo bist du, Kleiner?

Ich selbst war an der Konzeptionierung und Errichtung des gesamten Sarg-Konstrukts beteiligt. Nach all den Monaten, in denen ich außer theoretischen Vorbereitungen nichts Außergewöhnliches machen durfte – außer hin und wieder eine ganz alltĂ€gliche Zeitreise in die Zukunft – juckte es mich wiedermal selbst Hand anzulegen. Auch Projektleiter Buchner fand dies vorteilhaft, da ich so bei MĂ€ngeln des Systems keinem anderen die Schuld zuweisen konnte. Ich lernte viel ĂŒber den technischen Aufbau der EmpfĂ€ngeranlage und konnte so auch beruflich noch enger mit Steffi zusammenarbeiten. Es gab eine Zeit, in der sie strikt dagegen einsprach, dass ich an dem kommenden Experiment teilnehme. Sie hatte Angst um mich und fĂŒrchtete was passieren könnte. Doch irgendjemand muss es tun, das ist der menschliche Drang. Sachen erfinden, Dinge tun, Reisen unternehmen, die kein Mensch vorher vollbracht hat. Auch in Steffis Innerem gab es diese Stimme und schließlich packte auch sie wieder der Stolz, es zu schaffen. Zudem meinte Buchner noch scherzhaft zu ihr, „Wenn es jemand anders macht, dann verliebst du dich auch in den und wir haben dasselbe Problem wieder!“
Ihre BefĂŒrchtungen waren dennoch nicht ganz unbegrĂŒndet. Es stellte sich heraus, dass das Risiko eines Verschwindens bei den Reisen in die Vergangenheit wohl höher schien. Waren es bei den Zukunftsreisen noch ein paar wenige Objekte, die sich nicht wieder materialisierten, waren es nun etwa ein Drittel. Die Zukunftsreisen hatten den Vorteil, dass man die Maschine einfach laufen lassen konnte, bis der Gegenstand irgendwann verspĂ€tet doch noch wieder auftauchte. Bei der Vergangenheit musste man sich das vorher ĂŒberlegen. Auch hier muss bzw. musste die Maschine laufen, wenn sich die Sendungen materialisierten. Will man also etwas einen Tag in die Vergangenheit senden, muss die Maschine spĂ€testens einen Tag vorher auch schon aktiviert worden sein. Geschah das nicht oder schickte man das Objekt zu weit zurĂŒck, Puff. Das Ergebnis kennen wir – genaugenommen kennen wir es nicht, aber egal.

Wo bist du, Kleiner?

Meine Reise sollte eine Stunde betragen. 60 Minuten rĂŒckwĂ€rts in der Zeit. Zur absoluten Vorsicht, ließ man die Maschine einen ganzen Monat vor DurchfĂŒhrung des Experiments laufen, falls ich durch einen gewaltigen Fehler doch zu weit geschleudert werden wĂŒrde. Sogar die Nahrungsration wurde fĂŒr diesen maximalen Zeitraum berechnet. Die EmpfĂ€ngerkammer durfte ja nicht geöffnet werden, bis die Zeitreise stattgefunden hat. Irrwitziger weise verschließt sich dadurch der ganze Sinn einer Reise in die Vergangenheit. Man reist eine Stunde zurĂŒck, muss eine Stunde warten und kann sich dann erst wieder frei bewegen! GlĂŒcklicherweise habe ich schon genug Zukunftsreisen hinter mir, so dass sich dadurch keine VerkĂŒrzung meiner Lebenszeit ergibt!
WĂ€hrend dem Monat des Wartens auf den großen Tag, streifte ich mehrmals an den AußenwĂ€nden des großen EmpfĂ€ngerraumes vorbei. Es war möglich, dass sich bereits mein zukĂŒnftiges ich dort drin befand. Nur wenige Meter von mir selbst durch Stahl, Beton, Vakuum, Eisen und Blei getrennt. Ich legte meine Hand an die glatten kĂŒhlen WĂ€nde. Testete, ob ich irgendwie meine eigene Existenz spĂŒrte. Zum Schutze des Raum-Zeit-Kontinuums hĂ€tte ich nichts spĂŒren dĂŒrfen! Ich habe es auch nicht. Dennoch wallten in mir starke GefĂŒhle fĂŒr die Person, die sich möglicherweise schon dort drin befindet. FĂŒr ihn war schon alles vorbei. Er hatte Gewissheit, ob das Experiment ein Erfolg oder eine – im wahrsten Sinne des Wortes – vernichtende Niederlage war
 oder ist
 oder sein wird.
Es war schlussendlich soweit. Ich wollte fast sagen „heute“, doch in Folge dieser verrĂŒckten Zeitschieberei hat dieser Begriff fĂŒr mich an Bedeutung verloren. Ich nahm wie bei den Versuchen vor mehr als einem Jahr meinen Platz in der Senderkammer ein. Mehr als damals redete Steffi ĂŒber die Audioverbindung tröstende, stĂ€rkende und verbindende Worte ihrem „Kleinen“ ins Ohr. Die bedrĂŒckende Enge in der Senderanlage blendete ich aus. Sie war nur ein winziger Unannehmlichkeits-Brösel in dieser Situation. Wieder schĂ€umten die Gedanken ĂŒber die Totale Auslöschung in meinem Verstand. Diesmal wahrscheinlicher als je zuvor. Die Maschinen spie ihre vertrauten AufladungsgerĂ€usche auf mich nieder. „Ah, du schon wieder!“ interpretierte ich ihre unförmigen Laute. Ich sah nichts, ich spĂŒrte nichts, ich hörte nur die Energien fließen, vermengt mit Statusdurchgaben aus dem Kontrollraum. Das finale Brummen setzte wieder wie ein vor Angst kreischendes Tier ein, als plötzlich ein unerwartetes Durcheinander an Stimmen meine Kopfhörer ĂŒberschwemmte. Ich hörte PiepgerĂ€usche, Motoren und aufgeregte Menschen, die eigentlich nicht sein durften. „Die EmpfĂ€ngerkammer destabilisiert sich!“, hörte ich Buchners Stimme. „Energiespitze am EmpfĂ€ngermodul, jedoch nicht beim Sender!“, rief ein anderer. „Werte bei Sender-Apparatur unverĂ€ndert normal!“. Dann der Satz, der mir in dieser kranken Sachlage doch noch einen Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagte. „Empfangskammer ist offen, sie hat sich geöffnet!“, „Das ist zu frĂŒh, die Zeitreise ist noch nicht erfolgt!“. Es passierte alles so schnell, noch immer hĂ€mmerte das aufladende Dröhnen der Maschinen ĂŒberall um mich herum. In diesen letzten Sekunden war zu viel in meinem Hirn los, als dass ich irgendwie noch körperlich hĂ€tte reagieren können. Schließlich vernahm ich sie, die letzten verwirrenden Worte, gesprochen durch die verzweifelte aber wohlklingende Stimme Steffis. „Oh mein Gott, nein! Sie ist leer! Wo bist du, Kleiner?“. Stille.
Alles vorbei! Ich sage es direkt: Nein, meine Existenz hat nicht aufgehört. Sonst könnte ich wohl schwer diese Aufnahmen sprechen! Die Sendung in die Vergangenheit hat tadellos funktioniert. Und genau das verwirrt mich! Was hatten die letzten Worte von Steffi zu bedeuten. Was war leer? Wo sollte ich sein? Laut der Uhr in der Empfangskammer war ich nur 17 Sekunden an der geplanten Stunde daneben. Ich bin da. Trotzdem deutet alles darauf hin, dass Steffi in knapp einer Stunde die Kammer leer vorfinden wird. Ich kann aber nicht raus und auch niemand kann zu mir herein. Ich kann nicht einmal eine Nachricht in irgendeiner Form nach draußen schicken oder anders herum. Ich bin total abgeschnitten, bis sich die Schleuse nach draußen wieder öffnet. Wieso ging das Ding ĂŒberhaupt schon vorzeitig auf? Der Plan sah eine Öffnung zwanzig Minuten nach dem Absenden vor. Hatte ich es richtig verstanden, eine Energiespitze trat im EmpfĂ€nger auf? Hat die das vorzeitige Öffnen der Kammer ausgelöst? Und wieder, wo bin ich hin? Wie kann ich nicht da sein, wenn ich da bin?
Seit 55 Minuten zermartere ich mir das Hirn mit diesen Fragen und habe nochmal alle Geschehnisse Revue passieren lassen. Es ergibt keinen Sinn. Steffi hat eine leere Kammer gesehen und gefragt, wo ich bin. Dieser Zustand trat in meinen Erinnerungen ein und muss exakt so auch wieder in der Zukunft eintreten, um ein Paradoxon zu verhindern. Das Schicksal – nennen wir es mal so – wollte es auf diese Weise und durch irgendeinen Eingriff ist es nicht so geschehen. Was soll das? Was kann ich tun?
Ich bin inzwischen zur Folgerung gelangt, dass mir nichts anderes ĂŒbrig bleibt, als den vorgegebenen Zustand selbst herbeizufĂŒhren. Ich kenne mich gut mit der Technik der Empfangsanlage aus und in der knappen Zeit, die mir bemessen war, habe ich es eben geschafft zumindest ihre Steuerungsleitungen anzuzapfen. Ich kann dem GerĂ€t dadurch einen genĂŒgenden Stoß geben. Leider habe ich kaum sonstige Einflussmöglichkeiten. Ich denke, dass ich wie in der Sender-Kammer fortgeschickt werde. Ich weiß allerdings nicht mit welchem Ausgang. Ich mache mir jedoch keine Hoffnungen und halte es am wahrscheinlichsten, dass mich kein Ziel erwarten wird. Ich weiß wie gesagt nicht, ob jemand diese Aufnahmen anhören wird. Nach dem Auffinden einer leeren Empfangskammer, wird man wohl davon ausgehen, dass ich einfach nicht angekommen bin. Eines von hunderten Objekten, die im Laufe vieler Versuchsreihen auf mysteriöseste Weise ins absolute Nichts verschwunden sind. Wieso sollte man da noch unnötige Audioaufzeichnungen auswerten. Aber ich darf eine VerĂ€nderung der Vergangenheit nicht zulassen. Die Gegenwart darf und kann sich nicht Ă€ndern! Sollte das Team diese Aufzeichnungen jedoch hören, so bitte ich euch, lasst die Maschine laufen. Ich weiß nicht, was gleich passieren wird, wenn ich die Kammer aktiviere. Vielleicht werde ich in die Zukunft geschleudert, vielleicht ganz wo anders hin. Sollte es nichts werden, so sagt bitte Dr. Stefanie Woltz, Doktorandin fĂŒr angewandte Physik, dass sie mir die letzten Monate und Jahre eine wertvolle Wegbegleiterin war. Ich weiß nicht, wo und ob ich wieder auftauchen werde, doch ich werde fĂŒr immer an sie denken. Ich sehe keine andere Möglichkeit zu meinem Vorhaben. Sollte sich der vorbestimmte Zustand dieser Kammer nicht reproduzieren lassen, so denke ich kann es die gesamte Menschheit gefĂ€hrden, die ganze Welt. Ich wĂŒrde es also so oder so abkriegen. Ich versuche hiermit die Menschen zu retten, die mir wichtig sind. Es sprach, Max Papert, Pilot des Quantensendungsprojekts des Gödel Forschungszentrums. Ich aktiviere nun die Kammer!...


Ich habe den Stromkreis geschlossen und höre wie sich die Spannung in dem GerĂ€t aufbaut.


Wenige Sekunden bis Null. Das Energiemaximum sollte ausreichen um


Oh nein
 ich war‘s!... ich bin schuld
 Jetzt passt es


Ich löse die Energiespitze aus.


Wie kann das
? Ich habe
ich werde



Steffi.
















Oh mein Gott, nein! Sie ist leer! Wo bist du, 
 Großer?

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jon
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Erster Eindruck

Willkommen auf/in/unter der Leselupe!

Als Einstiegstext recht nett, wenn er mir auch zu langatmig war. Ok, der Kleine hat offenbar eine Menge Zeit (nee: eigentlich nur eine Stunde), um das hier aufzusprechen (seltsam "schriftlich" klingt das allerdinsg fĂŒr einen mĂŒndlichen, eher spontanen Bericht), trotzdem kommt es mir etwas zu "fĂŒllig" vor. Ich habe einiges nur ĂŒberflogen, manches (aus dem Theoriebereich) sogar ganz ĂŒberlesen – und trotzdem fehlte mir am Ende nicht das Geringste zum Verstehen der Pointe.

Was beim Lesen helfen wĂŒrde, wĂ€ren mehr AbsĂ€tze. Nicht nur die Augen bekĂ€men dann einen besseren Halt in der "BleiwĂŒste", auch der "Klang" wĂŒrde ein belastbareres GrundgerĂŒst bekommen.

Die Logik bricht ĂŒbrigens:
Kleiner hat sich doch bewusst entschieden, die Kammer zu aktivieren (um das, was passiert ist, passieren zu lassen) - wieso ist er dann so entsetzt, dass er passieren lÀsst, was passiert ist??
Völlig offen bleibt auch die ganz große Drohung vom Anfang. OK: ER "verschwindet" wohl, aber die Drohung bestand in "Untergang des Universums" und das ist (bis auf das sehr theoretisch bleibende Beharren auf "man muss Paradoxien vermeiden") durch nichts "belegt". Oder hab ich da doch was ĂŒbersehen?
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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jon
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Stolperstellen und anderes, was mir auffiel:


quote:
Oh mein Gott, nein! Sie ist leer! Wo bist du, Kleiner?

Was meinte sie damit? Ich verstehe es nicht, es ergibt keinen Sinn.
Ich weiß nicht, ob jemand diese Aufzeichnung anhören wird. Ja, ich bin mir nicht mal sicher ob es in einer halben Stunde ĂŒberhaupt noch sowas wie ein Universum gibt.
Komma nach "sicher"
Das Ganze spricht er am StĂŒck auf? In einer halben Stunde; so "wohl sortiert"? Alle Achtung!

quote:
Dennoch, völlig ohne ErklĂ€rung möchte ich es nicht enden lassen. Besonders da diese Aufnahmen möglicherweise erst weit nach Abschluss des Projekts abgehört werden. Wenn ĂŒberhaupt, wie gesagt.
FĂŒr eine simple ErklĂ€rung holt er aber ganz schön weit aus, gelle

quote:
Mein Name ist Max Papert. Ich bin Pilot des Quantensendungsprojekts des Gödel Forschungszentrums. Ich kam eher durch Zufall an meine jetzige Arbeitsstelle. Eigentlich bin ich gelernter Ingenieur und arbeitete sechs Jahre in der FakultĂ€t fĂŒr Physik in MĂŒnchen. An alle Nerds möchte ich sagen, dass es langweiliger ist, als es sich anhört.
Das heißt auch seit dem Senden ganzer Objektes noch "Quantensendungsprojekt"?
Entweder „An alle Nerds: Es ist langweiliger, als es sich anhört" oder „Allen Nerds möchte ich sagen 
"

quote:
Im Grunde war ich der Automechaniker fĂŒr die Studenten und Profs. Nur anstatt StoßdĂ€mpfer am Astra auszutauschen, wechselte ich eben Spulen an Elektronenbeschleunigern. Irgendwann kamen die Herrschaften aber auf die Idee, dass sie von dem Geld, das ich koste, auch neue Isolierungen fĂŒr ihre Halbleiter anschaffen könnten. So war‘s das dort gewesen fĂŒr mich. Professor Dr. Frank, der einzige von den Wasserköpfen, der wenigstens einigermaßen normal war, verhalf mir jedoch etwas Neues zu finden.

Bei diesem Tonfall wundert mich, dass er ĂŒberhaupt an der Uni geblieben ist. Ein Ingenieur mit der (anscheinenden) Erfahrung wĂ€r doch mit Kusshand in der Industrie genommen worden, oder?
„er verhalf mir zu etwas Neuem" oder "er half mir, etwas Neues zu finden"

quote:
Er kannte einige Kollegen, die angeblich an etwas „völlig bahnbrechendem“ beteiligt waren.
Bahnbrechendem groß schreiben.
Ok, vielleicht sagte er das, aber "völlig bahnbrechend" ist wie "riesig gigantisch" ins Leere geteigert. Gigantisch und bahnbrechend sind schon Superlative, die Adjektive machen sie nicht „noch superer“.

quote:
Ich machte mir nicht viel Hoffnung auf etwas Spannendes und wollte es mir nur mal ansehen. Dass ich letztendlich das Versuchskaninchen spielen durfte, erzÀhlte mir dort erst Dr. Stefanie Woltz.
Wenn sie ohnehin die einzige (und damit erste) war, mit der er sprach, dann ist das "erst" sinnfrei. Sinnhaltig wĂ€re: „Die haben mir alle grandioses Zeug ĂŒber das Projekt erzĂ€hlt; dass ich das Versuchskaninchen sein sollte, verriet mir erst Dr. Stephanie Woltz, in deren Labor mich die BrillentrĂ€ger nach drei Stunden einfach stehen ließen."

quote:
Sie war meine Ansprechperson; die ganzen grĂ¶ĂŸeren BrillentrĂ€ger bekam ich nicht zu Gesicht. Sie hatte ihren Doktor in Physik vor vier Jahren gemacht und war dann von Anfang an beim Projekt dabei. Naja, und ihrer gottverdammten Sympathie, gepaart mit ihren verflucht glĂ€nzenden braunen Augen, war es dann geschuldet, dass ich relativ schnell zusagte.
Ihrer Sympathie war es geschuldet? Ihre Sympathie fĂŒr was oder wen? Und was daran hat Max zur Zusagen bewogen? Oder meinst du „weil sie so sympathisch war, sagte ich zu"?



Das zum Anfang. Soll ich so mal weitermachen?


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FrankK
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Hallo, Metzas
Auch von mir ein herzliches Willkommen im grĂŒnen Universum.

Ich will ehrlich sein – ich tu mich schwer mit Deiner Geschichte.
So wie Max es zur Einleitung auch sagt:

quote:
Ich verstehe es nicht, es ergibt keinen Sinn.


Deine Geschichte wird als “Bericht” dargestellt, unterbrochen von Steffis Ausrufen.

Nach einer Einleitung ĂŒber Max relativ ereignislose Vorgeschichte kommt der Bericht zu einer (langatmigen) Beschreibung der Geschehnisse vor dem entscheidenden letzten Experiment.

Nach mĂŒhsamer Durcharbeitung durch den gesamten Text drĂ€ngen sich mir einige Fragen auf:
„Wer auch immer diese Aufzeichnung anhören wird“ – muss ein ebensolches Equipment wie das Quantensendungsprojekt besitzen und ebenso ĂŒber das nötige Wissen verfĂŒgen. Anders ausgedrĂŒckt: Wieso erklĂ€rt Max langatmig und erschöpfend Dinge, die seine potentiellen Zuhörer wissen mĂŒssten?

Die Empfangskammer fĂŒr den Zeitsprung, in der Max jetzt sitzt, ist doch von der Umwelt völlig abgeschirmt. Wieso dringen Steffis Rufe zu ihm durch?

Wenn er eine Fehlfunktion auslöst und die Kammer anschließend leer ist, bedeutet es dann nicht auch, dass er nie in der Kammer drin war? Schließlich handelt es sich ja nur um eine „Empfangskammer“:
quote:
Nichts und niemand in dem Raum darf irgendeinen Einfluss auf die Außenwelt nehmen.


Die einzige Verbindung, die es gab, war ein vergleichsweise dĂŒnner Kabelstrang, der die EmpfĂ€ngerkammer im Inneren mit der großen Maschine außen verband. Die Kabel waren durch unzĂ€hlige Halbleiter, WiederstĂ€nde und Sicherungen gegen ungewollte Interaktion mit der Welt drumherum geschĂŒtzt.

Und diesen abgesicherten Raum baut er zu einer Sendekammer um, durch Nutzung der niederenergetischen Steuerungsleitungen und ohne Werkzeug?

Nachdem er (noch in der Sendekammer) mitkriegt, das irgendetwas schieflĂ€uft (wieso wird er dann ĂŒberhaupt noch gesendet?), schaufelt er trotzdem sein eigenes Grab, indem er die Empfangskammer manipuliert?

Zeitparadox: Er „berichtet“ das er den Fehler macht und begeht ihn dann anschließend?
Oder sind wir hier aus der ErzĂ€hlebene „Bericht“ heraus?

Ganz zum Schluß
quote:
Oh mein Gott, nein! Sie ist leer! Wo bist du, 
 Großer?

Gewinne ich den Eindruck, als solle hier eine andere Steffi mit einem anderen Kosenamen (einen anderen Max?) in einem anderen Quantenuniversum rufen.


Ich erahne nicht einmal, worauf es bei dieser Geschichte hinauslÀuft.
Max in der Sendekammer bekommt mit, das etwas schieflĂ€uft, versucht also schon vorher in der Empfangskammer durch Manipulation dieses Problem zu lösen, dabei verursacht er aber erst den Fehler. Diesen muss er aber bereits gemacht haben, da er das Problem in der nachfolgenden Zeitlinie beobachtet. Schließlich ist er ja schon in der Empfangskammer, bevor er die Sendekammer ...
Ich krieg Kopfschmerzen.

Ist in der Empfangskammer jetzt ein Max aus einem anderen Quantenuniversum und kommt der Max aus der Sendekammer in das andere Quantenuniversum?

Jetzt, im langen nachhinein betrachtet:
Spielt die ganze Geschichte um das Problem:
Ist die „Quantensendung“ nicht als ein bloser Transport von einem Ort zu einem anderen zu betrachten sondern als sich zufĂ€llig ĂŒberschneidende Experimente Ă€hnlichen Inhalts aus zwei verschiedenen Quantenuniversen, die sich gegenseitigt beeinflussen und nicht immer Zeitsynchron ablaufen? Das wĂ€re eine Wahnsinnsstory!


Hallo Ulrike
Im Gegensatz zu Dir hab ich die Pointe am Schluß nicht verstanden. Im Gegenteil ich oute mich als "der Mann mit den drei Fragezeichen ĂŒberm Kopf".


Nachdenkliche GrĂŒĂŸe aus Westfalen
Frank

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Leben und leben lassen.

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jon
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Ich rĂ€ume ein, dass es vielleicht auch nur die Pointe, wie ich sie verstanden habe, war. Das typische Paradoxon eben: Weil er hörte, dass was schief geht, macht er, dass es "schief" geht (Weil die Gegenwart bleiben muss, wie sie ist - also muss der Fehler auftreten, zur Not eben, indem er ihn auslöst. Ist ein wenig krude, aber der Typ scheint eben so zu ticken). Wobei ich - wie gesagt - nicht verstehe, wieso er annimmt, der simple "Weitertransport" wĂŒrde die Welt vernichten.

Der Umsprung auf "Großer" kann alles mögliche heißen, ich fand keine konkreten Hinweise (das mit der Fast-Paralleluniversum ist eine Idee, aber wenn „die" manchmal nicht das gleiche losschicken, hĂ€tten „die" auch manchmal etwas anderes losschicken mĂŒssen , oder?), am nĂ€chsten liegt, dass es doch einen Einfluss auf die "sehr frĂŒhe" Vergangenheit gab, er sich noch weiter zurĂŒck "beamt". Aber dann gĂ€be es dort zwei Maxe, der erfahrene wĂŒrde sicher die Entscheidungen der Crew beeinflussen (schon durch sein plötzliches Auftauchen), da sollte mehr passieren als nur eine NamensĂ€nderung, zum Beispiel sollte der unerfahrene Max gar keine Möglichkeit bekommen, an der Kammer rumzuschrauben (auch wenn nur drei, vier Leute von der Dopplung wissen - ihr Einfluss sollte reichen, zu verhindern, dass sich die Vergangenheiten nach und nach mit Maxen fĂŒllern).


Irgendwie scheint es mir noch nicht recht durchkonstruiert oder so vermittelt zu sein, dass die Konstruktion nicht sichtbar wird. (siehe die Frage nach: Wie baut der eine leere, abgeschottete Kammer um? Oder auch: Vor dem Menschenversuch sind nie Tiere „gesendet" worden? Und vor dem RĂŒckwĂ€rtssprung hat man zwar GegenstĂ€nde (auch keine Tiere, oder?) geschickt, aber als da die "Fehlerquote" noch höher war, hat man trotzdem – trotz des angeblichen Extrem-Risikos! – weitergemacht?!


Abgesehen von all diesen inhaltlichen Dingen, ist mir der Texte einfach zu langatmig (zu wenig "Action", zu viel Bericht aus dritter oder zweiter Hand).
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Metzas
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Hallo miteinander,

also eines, was ich mit dem Text erreichen wollte ist tatsĂ€chlich eingetreten (obwohl ich es nicht gedacht hĂ€tte vorher): Ihr diskutiert ĂŒber das Ende!

Ein paar Unklarheiten scheint es wohl doch zu geben. Wie schon angenommen ist es meine erste Kurzgeschichte. Ich bin ein großer SciFi-Fan und habe schon viel davon gelesen und gesehen. Ich habe mir öfters schon Gedanken ĂŒber Zeitreisen gemacht und wie man das Problem von Paradoxa entgeht. Schließlich wollte ich meine Gedanken in eine Kurzgeschichte fassen, die ihr hier gelesen habt.
Es ging mir mehr um Gedankenspiele, verschiedene Ideen usw. und so strotzt die Story nun nicht gerade vor Action. Das hatte ich auch nicht vor. In wie weit es fĂŒr Leser langatmig erscheint, muss ich erst noch lernen abzuschĂ€tzen. Obwohl ich zwar beim Schreiben drauf geachtet habe, keine FĂŒllsĂ€tze u.Ă€. zu verwenden und wirklich nur die nötigen interessanten Gedanken aufzuschreiben, wurds wohl etwas zĂ€h. Das werde ich das nĂ€chste mal noch mehr berĂŒcksichtigen.

Auch wenn dich die Pointe von Anfang an recht offen fĂŒr Interpretation halten wollte, hier mal meine Intuitionen dazu:
GrundsĂ€tzlich lĂ€uft die Story drauf hinaus, dass Max in diesem abgeschotteten Raum vor dem Problem eines Paradoxons steht. Er muss sich entscheiden, ob er die Situation (die leere Kammer) herbeifĂŒhren soll oder nicht. Im schlimmsten Fall könnte ein Paradoxon - wie Doc Brown es in "ZurĂŒck in die Zukunft" so schön formuliert - das Universum auslöschen. FĂŒhrt er die Situation herbei, wĂŒrde dies wahrscheinlich seinen Tod bedeuten (da ihn die Maschine in irgendeine andere Zeit schleudert, wo höchstwahrscheinlich die Maschine nicht lĂ€uft und ihn nicht empfangen kann). Er MUSS also den Fehler herbeifĂŒhren, den er gemacht hat, um die Zeitlinie nicht zu verĂ€ndern bzw. sie möglicherweise auszulöschen. Er ist sich aber nicht sicher, darum seine Zerrissenheit.


Ein paar Unlogische Details sind natĂŒrlich drin, das geb ich zu.
- Max kann eben auch ohne großes Werkzeug nur durch Umstecken von ein paar DrĂ€hten die Empfangs- in eine Sendekammer umswitchen.
- Er redet eben alles auf das Tonband, um die Geschichte zu erzĂ€hlen. Ob das jetzt Sinn ergibt, sei dahingestellt. Es geht ja grundsĂ€tzlich darum, dass ihr Leser ĂŒberhaupt die Geschichte erfahrt. Ich finds bei Geschichten immer schöner, wenn nicht einfach nur ein unbekannter ErzĂ€hler da ist, sondern das ganze auch - z.B. in so einer Berichtform - mit der Story in Verbindung steht. Aber das ist Geschmackssache, denke ich.
- Die "Zwischenrufe" sind nicht von Steffi. Ich habs mir eher so gedacht, dass Max diese SÀtze immer wieder leise zu sich spricht, um vielleicht doch noch eine andere Lösung zu verstehen, die nicht seinen Tod zur Folge hÀtte. Das einzige, was von Steffi kommt ist die allerletzte Zeile der Geschichte.
- Mit dem "Großer" am Schluss wollte ich Platz fĂŒr eigene Gedanken des Lesers machen. Es soll heißen, dass die Zeitlinie nun doch irgendwie verĂ€ndert wurde. In der Version, die Max miterlebte sagte Steffi ja "Kleiner", nun sagt sie "Großer". Irgendwas muss sich also doch verĂ€ndert haben. Vielleicht hĂ€tte Max sich doch nicht wegsenden mĂŒssen usw.


Auch wenns blöd klingt, aber ich will ehrlich sein: FĂŒr meine erste Kurzgeschichte bin ich persönlich ganz zufrieden damit. Ihr habt mir jedoch bis jetzt auch einige DenkanstĂ¶ĂŸe gegeben, die ich beim nĂ€chsten mal anders machen kann und werde. Danke dafĂŒr!
Zeitreisen sind allgemein ein schwieriges Thema, denke ich, da sich jeder darunter was anderes vorstellt und sie wohl einfach Ă€ußerst komplex sind.

Dennoch freuts mich, dass ihr ein bisschen ĂŒber das Ende nachgedacht habt. Danke

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