Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
210 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Zuhause
Eingestellt am 11. 05. 2009 20:58


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

Werke: 66
Kommentare: 49
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Frederik hatte diese l√§stige Ausfragerei satt. Morgens auf dem Schulweg war es jedes Mal die Haush√§lterin Tiene: ‚ÄěNa Jungchen, wie geht's dir denn heute?‚Äú In der Schule waren es die Lehrer, die einen unentwegt mit Fragen l√∂cherten und zuhause bei seinen Eltern sollte er auch Rede und Antwort stehen.

So w√ľnschte er, in jenem Dorf zu sein, in dem keiner irgendwelche Fragen stellte und alle gerade deshalb so gl√ľcklich w√§ren. Sein Gro√üvater hatte davon geschw√§rmt, um ihn zum Stillsein zu animieren, als Frederik selbst noch unentwegt wegen jeder Kleinigkeit gefragt hatte. Hier in der Mark Brandenburg, wo Frederiks Elternhaus stand und der Neunj√§hrige aufwuchs, gleich hinter dem dunklen Wald, sollte es liegen, von au√üergew√∂hnlich sattgr√ľnen Wiesen ums√§umt mit munteren K√ľhen darauf.

Eines Nachmittags schn√ľrte Frederik heimlich ein B√ľndel mit Proviant, klemmte Vaters Spazierstock unter den Arm und zog los, dieses Wunderdorf kennen zu lernen, und er schlenderte frohgemut √ľber die langweiligen Wiesen seines Heimatortes hinein in den angrenzenden, tiefen Mischwald.

Die Sonne stand noch hoch und blinzelte durch die Baumkronen. Seine Armbanduhr benutzte Frederik als Kompass, was ihn sein Vater beigebracht hatte. Immer wieder verlie√ü er die kreuz und quer verlaufenden Forstwege, um seinen Kurs nach Norden einzuhalten. Stundenlang war er voller Zuversicht so weitergetrabt, als ein Gewitter aufzog. Er dachte an Umkehr. Doch seiner Annahme nach war er schon viele Kilometer gewandert, so dass es zum ersehnten Dorf k√ľrzer dauerte, als wenn zur√ľck kehrte.

Allen Mut zusammen nehmend, marschierte er deshalb trotzig weiter. Es wurde zunehmend schw√ľler. Dann krachte es ohrenbet√§ubend. Ein Blitz schlug in eine Birke, die in seiner N√§he stand. Frederik warf sich auf den Boden, als h√§tte ihn die Wucht des Einschlages niedergestreckt. Er zitterte und hielt seine H√§nde vor die Augen. Erst, als kein Donner mehr zu h√∂ren war, schaute er sich √§ngstlich um. Aus den Resten der Birke z√ľngelten letzte Flammen. Es begann zu regnen.

Kurz darauf trafen stellenweise Sonnenstrahlen auf den dunklen Waldboden, √ľber dem es wie in einer Sauna dampfte, und grasiger Ozongeruch erfrischte die Luft. W√§hrend der Wald zunehmend heller wurde, sammelte sich der Junge wieder, und Hoffnung keimte auf, dass sich das Dorf in der sich ihm auftuenden Lichtung bef√§nde, und m√§√üigte seinen Puls. Jedoch zeigte sich ihm nur ein schmutziger T√ľmpel; das idyllische Dorf r√ľckte in unerreichbare Ferne, denn ein nicht endender Wald stand bedrohlich vor ihm. Erdr√ľckende Zweifel begannen ihn zu qu√§len.

Frederiks Beine wurden zunehmend schwerer. Doch er peitschte sie mit seinem verzweifeltem Willen erbarmungslos an, durch einen d√ľsteren Fichtenbestand. Regenwasser ergoss sich in kleinen Schw√§llen von den √Ąsten. Frederik rutschte aus. Beim Fallen schlug seine Armbanduhr gegen
einen Baumstumpf und zerbrach. Inzwischen dämmerte es gespenstisch. Und Panik ergriff wieder von ihm Besitz.

Unter den hastenden Sohlen krachte das Reisig verr√§terisch, und Frederik f√ľhlte sich beklommen, denn er glaubte, es h√§tte b√∂se Waldgeister aufgeweckt, die ihn nun unsichtbar umzingelten. Pl√∂tzlich flog eine Eule auf und glitt √ľber ihn hinweg, bedrohlich und blutgierig wie ein Flugsaurier. Frederik stockte der Atem. Er war ersch√∂pft und einer Ohnmacht nahe, f√ľhlte sich hilflos und sehnte sich nach der h√§uslichen Geborgenheit und nach Tiene, die sich so r√ľhrend um ihn gek√ľmmert hatte. Er hatte aber l√§ngst die Orientierung und den Glauben an eine Heimkehr verloren.

Ein Sprung Rehe wurde aufgescheucht und verschwand im vor ihm auftauchenden Unterholz. Vom Fieber gepackt hielt er sie f√ľr die r√§uberischen, fliegenden Hunde des Zeus, von denen der Lehrer erz√§hlt hatte, und es graute ihm entsetzlich; seine Sinne schienen schon zu schwinden, als er das Licht registrierte, was in den B√ľschen flutete. Hier fand der Wald endlich sein j√§hes Ende.

Vor Frederik lagen in der untergehenden Abendsonne einige Auen. Es musste der gelobte Ort sein, und er wurde ruhiger. Aber den R√ľckweg nach Hause musste er allein finden, denn jemanden zu fragen, galt hier ja als tabu.

Rechts von ihm weideten friedlich ein paar K√ľhe. Eine davon hatte die gleiche Blesse wie seine Lieblingskuh Ella. Nicht all zu weit entfernt stand ein √§hnliches Haus wie das seiner Eltern. Auf der Holzbank davor sa√üen zwei Leute. Ihre K√∂pfe bewegten sie hin und her, als wenn sie nach irgend etwas Ausschau hielten. Und als Frederik dem Haus n√§her kam, zeigte der pfeiferauchende Mann auf ihn. Es war sein Vater, und Frederiks Mutter eilte ihm entgegen. Sie sagte: ‚ÄěJunge, wir haben uns gro√üe Sorgen gemacht. Wo bist du nur solange gewesen?!‚Äú Er stotterte: ‚ÄěMei-meine Uhr. . .‚Äú Doch seine Mutter h√∂rte gar nicht hin, sonder dr√ľckte ihn einfach an sich. Seinen Vater sah er milde l√§cheln.

Dass er im Kreis gelaufen war, wurde ihm dann auch bewusst. Irgendwie war es ihm nun aber egal, ob es ein Dorf gab, in dem es verp√∂nt war, Fragen zu stellen. Und als Tiene ihn am Morgen fragte: ‚ÄěNa Jungchen, wie geht's dir denn heute?‚Äú, st√∂rte es ihn nicht einmal mehr.

*

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


suzah
Guest
Registriert: Not Yet

zuhause

hallo epiklord,
die geschichte gefällt mir gut.

an einigen stellen k√∂nnten vielleicht die s√§tze noch etwas √ľberarbeitet werden, z.b.
"von (au√üergew√∂hnlich) sattgr√ľnen Wiesen ums√§umt mit munteren K√ľhen darauf. "(auf denen k√ľhe weideten)

liebe gr√ľ√üe suzah

Bearbeiten/Löschen    


Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

Werke: 66
Kommentare: 49
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Danke f√ľrs Lesen und Komm, und freut mich Suzah, dass dir die Geschichte gefallen hat. Ja, zu Schleifen g√§be es sicher noch einiges.

LG E.

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!