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Leselupe.de > Humor und Satire
Zwischen den Gleisen
Eingestellt am 24. 11. 2017 10:35


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reborn
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Servus Sklave
Das ist keine politisch inkorrekte BegrĂŒĂŸungsformel im BĂŒro oder auf dem Schulhof. Dem lateinlernenden Kind sei Dank, weiß ich nun, dass die deutsche Bedeutung von Servus, Sklave lautet. Ich gebe es unumwunden zu, dieser Teil der Allgemeinbildung war neu fĂŒr mich. Servus ist aber auch eine der am weitesten verbreiteten Grußformel in Europa. Dummer-weise werde ich ab jetzt aber immer an den Wortursprung denken mĂŒssen. Wenn nun der Chef oder die Freundin mich mit Servus begrĂŒĂŸen, wird dies entweder ein Hinweis auf meinen Platz innerhalb der Firma sein oder die Aufforderung zu einem „Fifty Shades of Grey“ Abend.

Ich habe also wieder einmal zu viel Wissen in mich aufgenommen, was ich nur durch noch mehr Informationen wieder verdrĂ€ngen kann. Leider finden sich im tĂ€glichen TV Abfall nur selten Wissensperlen. Auch wenn manchmal recht unterhaltsam, ist es jedoch fĂŒr mich unwesentlich, wie man mittels einer BĂŒroklammer, einem Luftballon und einer ToilettenbĂŒrste, eine BĂŒgelhilfe basteln kann. Umso erstaunlicher, wo sich manchmal tiefgrĂŒndiges Wissen offenbart.

Vor kurzem musste ich wieder einige Zeit auf dem Bahnhof verbringen. Wie ĂŒblich habe ich wegen VerspĂ€tung meinen Anschlußzug verpasst. Mit einem Kaffee sitze ich also auf der Wartebank und beobachte, wie die LĂ€den und Restaurants um mich herum schließen. So erkenne ich auch im Irrglauben zu sein, die Donuts in der 70. Filiale von „Drunken Donuts“ seien jeden Tag frisch. Weit gefehlt. Am Ladenschluß werden einfach alle nicht verkauften Exemplare auf ein Blech zusammengeschoben und fĂŒr den nĂ€chsten Tag in den Schrank verfrachtet. Lecker. Ich versuche die halbherzigen Reinigungsversuche in all den Fresstempeln nicht zu verfolgen. Schließlich komme ich dank der Bahn ja doch öfters in die Verlegenheit hier oder dort Nahrung aufnehmen zu mĂŒssen.

Eine offensichtlich neu installierte Leuchttafel direkt neben mir, hat meine volle Aufmerksamkeit. Neben wirklich wunderschönen Naturaufnahmen von ausgezeichneten Fotografen, zeigt sie auch Quizfragen und „Dinge die man nicht wissen muss“. Das ist wenigstens schon etwas spaßig aufgezogen.

Ein Vision Clearance Engineer ist also kein Entwickler von BrillenreinigungstĂŒcher oder Scheibenwischern. FrĂŒher hieß er einfach nur Fensterputzer. Es folgen zwei nette Cartoons und Statistiken ĂŒber alte Menschen auf GolfplĂ€tzen, den Jahresverbrauch eines BundesbĂŒrgers an OhrenstĂ€bchen und die HĂ€ufigkeit von Pickeln am GesĂ€ĂŸ. Sehr interessant. Weiterhin weiß ich nun, dass es auch eine Angst vor leeren GlĂ€sern gibt. Ich vermute mal, dass Cenosillicaphobie-GeschĂ€digte nur in Kneipen anzutreffen sind. Aber das ist nur geraten.

Es folgt eine Leseprobe aus „WĂ€nde – Der Leidensweg eines Anstreichers“ und weitere WorterklĂ€rungen (Field Operator = Aussendienstmitarbeiter). Witze der Woche: Wie nennt man einen kleinen TĂŒrsteher? = Sicherheitshalber. Wie nennt man einen Norweger der ein A4 Blatt einscannt? = ScanDinA4. Wie nennt man die Zusammenrottung von vielen Wölfen? = Wolfgang. Ha, selten so gelacht. Gott sei Dank nicht den Kaffee verschĂŒttet.

Allerdings sehe ich einen Ketschupfleck in Form des Kölner Doms auf meinem T-Shirt. Komisch, ich hatte heute gar nichts mit Ketschup. Da sich nicht das Abbild der Jungfrau Maria daraus gebildet hat, wird wohl mein T-Shirt nicht in einem Wallfahrtsort aufgenommen werden. Zwecks Reinigung von T-Shirt und Blase suche ich demzufolge das öffentliche WC.
Durch jahrelanges Training ist es mir bisher meistens gelungen, den Besuch eines öffentlichen WCs zu vermeiden. Aber irgendwann sagt auch die durchtrainierteste Blase „Alter, ich bin so was von voll.“ Mehr durch Zufall wird mir klar, dass der gegenĂŒberliegende, hell erleuchtete Raum voller High-Tec das moderne WC von heute ist.

Dank Kredit- und EC-Karte fĂŒhre ich kaum noch Bargeld mit mir, was wird mir hier aber zum VerhĂ€ngnis wird. Der Zutrittsautomat muss mit Kleingeld gefĂŒttert werden, bevor ich zur Verrichtung schreiten kann. Da mittlerweile alle gastronomischen Einrichtungen geschlossen sind und sich auch sonst keine Möglichkeit anbietet Kleingeld zu erlangen, muss ich mir schnellstens etwas einfallen lassen, bevor mir die Blase platzt.

Draußen ist es dunkel und menschenleer. Soll ich wirklich hinter einer Reklamewand verschwinden? Meine Angst vor Angriffen der mutierten Stadt- und Raubtaube oder armen Menschen die erfolglos gegen ihre Cenosillicaphobie gekĂ€mpft haben, lĂ€sst mich im hellen GebĂ€ude verweilen. Ich könnte natĂŒrlich einen anderen Reisenden ĂŒberfallen und einen Euro erbeuten. Aber ersten fehlt mir die passende Vermummung und zweitens bin ich der einzige Wartende hier. Verzweifelt suche ich einen Ausweg.
Ein Euro erscheint mir fĂŒr einen derart kurzen Besuch auch recht ĂŒberzogen. Da summieren sich am Tag die Einnahmen zu einem kleinen Vermögen. Wie ich lesen kann, bekomme ich aber fĂŒr fĂŒnfzig Cent einen Einkaufwertgutschein, den ich genau in vier Einrichtungen einlösen kann. Keine davon hat jetzt aber noch offen. Soll ich solche Gutscheine sammeln? Gibt es vielleicht auch eine Tauschbörse und ein passendes Sammelalbum dafĂŒr? Mit einer lĂ€chelnden Klobrille vorn drauf.

Der Zugang zur SanitĂ€rkeramik ist durch stĂ€hlerne Drehkreuze und GlassperrwĂ€nden versperrt und nur zahlendem Publikum zugĂ€nglich. Es mutet wie ein Sicherheitsdurchgang am Flughafen an. Hat man Angst, dass ich hier eine SchĂŒssel sprenge?
Als einziger Ausweg bleibt mir die Kinderklappe. Dabei handelt es sich um eine Aussparung in der Glasabtrennung, die in etwa so groß ist, wie ein ca. zehnjĂ€hriges Normkind oder das, was sich unsere BĂŒrokraten darunter vorstellen. Menschen bis zu dieser GrĂ¶ĂŸe ist nĂ€mlich ein kostenloser Zutritt gewĂ€hrt. Ich zwĂ€nge mich unter Aufbringung aller noch vorhandenen KrĂ€fte durch die Öffnung und bin vom Vorgang selbst als auch von mir angewidert. Der Rest bleibt privat.

Fast bedaure ich nun weiterreisen zu mĂŒssen. So viel könnte ich dank der leuchtenden Infotafel noch dazu lernen. Aber wie gesagt: fast.



Version vom 24. 11. 2017 10:35
Version vom 27. 11. 2017 12:30

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