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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
in den pudding malen
Eingestellt am 16. 05. 2014 19:57


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Bernd
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In der ferne rennen brennende rehe mit kerzen im haar,
aus kirchen fallen windhunde und treiben wolken vor sich her,
mauern lassen ihre steine fließen und moos aus den knochen,
glaube nicht der nummer f√ľnf, die die schatten festbindet und regenbogen schn√ľrt,
glaube nicht dem uhumond und nicht dem bienenmond, glaube nur mir,
wer bin ich, dem du das geschenk vergangener und zuk√ľnftiger weihnachten gew√§hrest?
wer bin ich schon unter dem Abtritt im schuhlöffel?
wer, wer, wer bin ich schon, dass ich solche antworten will?
ich bin doch nur der briefbeschwerer, der eingaben zerknittert,
ich bin doch nur der donner, der wasserpflanzen glättet,
ich bin doch nur die steckdose, die schwarzen rauch entlässt.
niemand wird bestreiten wollen, dass wolken aus milch schwerer sind als kämme aus granit.
obwohl granitene k√§mme etwas f√ľr sich haben, wenn sie durchs haar steuern und stau erleben.
granitene kämme sind wie das erdinnere auf dem saturn oder wie eine peitsche im freudenhaus.
wie locken aus draht, die sich in schwelsäure mit silber beschichten.
lauge, der bilder entweichen, br√ľhe ohne klo√ü, doch mit ganz vielen regenw√ľrmern, die fische verschlucken, arme fische.
wie soll ich die kerze löschen, die brennt, solange ich brenne, die leuchtet, solange ich leuchte?
wie soll mein lachen den urknall √ľbert√∂nen?
wie soll ich galaxien ins haar flechten, bis schlangen sprießen?
immer und immer greife ich zum lötzinn, um das all zu reparieren,
doch die löcher sind einfach zu groß.
wehe, wehe, arp habe ich gelesen und wedekind, werfel und van hoddis,
seitdem arbeitet es in mir und ich w√ľrfle auf der stirn, dass gott nur so staunt.
aber selbst gott kann die zahl nicht lesen.
er weiß aber, dass ich eine dreizehn in den pudding malte.

__________________
Copy-Left, samisdada, Träger des Wikiläums-Verdienstordens in Rubin

Version vom 16. 05. 2014 19:57

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Mondnein
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just a little bit

Ja, da ist er ja, wer da? der da!, der dada!
Wie ich das bei Arp gesehen habe, gibt es auch hier tragende Satz-Struktur-Parallelen, z.B.:

quote:
glaube nicht dem uhumond und nicht dem bienenmond, glaube nur mir,
wer bin ich, dem du das geschenk vergangener und zuk√ľnftiger weihnachten gew√§hrest?
wer bin ich schon unter dem Abtritt im shculöffel?
wer, wer, wer bin ich schon, dass ich solche antworten will?
Nach dem "glaube nur mir" klingen die folgenden parallel gleich-schwingenden Fragen wie eine Gegensetzung, als hätte das Lyri empfohlen, ihm "bloß nicht" zu glauben, "denn wer bin ich?"
Oder es bleibt eine positive Empfehlung (oder ein Imperativ), dann schl√ľge die Antithese logisch deutlicher mit einem "doch" gegen das "glaube mir" aus; "doch wer bin ich?" w√§re eine rhetorische Frage, eine von der Sorte, die eine negative Antwort austr√§gt: "Doch wer bin ich schon? (nur ein Nichts)"

Die Bilder zersplittern zu Fragmenten, - entweder "blo√ü" spielerisch (kubistisch, wie bei Picasso), oder mit surreal(istisch)en Traumtiefen f√ľr die Psychoanalyse (wie bei Max Ernst oder Dali), und jetzt verweile ich eine Weile beim Granitkamm. Gebirgskamm. Gneis und Glimmerschiefer.
Schöne Wort-Klang-Echos in der ersten Zeile.
Und auch die locker-weit auslaufenden Langverse, tief durchatmen und pfingstlich weit ausbrausen --
soweit nur zum Anfang, zum Ersten, was ich in dieser Hymne gesehen und gelesen habe.
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Bernd
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Danke Dir, Mondnein,
und es ist doch nur ein schwaches Echo des armen Kaspar, der gestorben ist.
Ein Echo des Sterbens,
Ein Echo des Gehens.
__________________
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Bernd
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Danke.

Es ist ja auch keine Wiederholung, eher ein ANtipode.
Das Gedicht enthält viele ANspielungen.
Perlen im Haar, Nummer 5, jede √Ėffnung einzeln zuzul√∂ten und anderes. Aber alles ist verborgen und verwebt.
__________________
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