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michhu

Mitglied
Ich sitze nach vorne gebeugt auf einem Holzstuhl und starre vor mich hin. Monitore und Geräte piepen im Takt. Dein Atem ist flach, dein Gesicht eingefallen.

Warum ich hier bin, weiß ich selbst nicht.

Deine ausdruckslosen Augen, von Müdigkeit gezeichnet, versuchen vergebens zu fokussieren.

Als dich Mama verließ, verließen dich Stück für Stück alle.

Ich kann es niemandem verübeln. Schließlich hast du auch alles dafür getan.
Nur ich sitze hier und sehe zu, wie dich am Ende selbst dein Leben verlässt.

Vielleicht hasse ich mich selbst noch mehr als dich. Vielleicht ist es der von Angst zerfressene kleine Junge in mir, der dich nicht verlassen kann. Vielleicht hat er trotz all der Enttäuschung und Verachtung an die Liebe in dir geglaubt.

Du sagtest nur einmal, dass du nie Kinder wolltest. Gezeigt hast du es jeden Tag.

Wenn man einen Raum betritt, in dem eine Leiche liegt,

dann ist es so, als wäre man allein in diesem Raum. Nur eine seelenlose Hülle. Kein Gefühl von Anwesenheit.

Deine Seele aber starb schon lange vor deinem Körper.

Es ist alles wie immer. Doch diesmal bin ich allein, weil du mich verlässt.

Gefühle waren nie so deins. Dafür mochtest du Bier – und als ich alt genug war, mit dir zusammen zu trinken, gabst du mir das Gefühl, dass du auch mich magst.

Wenn du genug getrunken hattest, dann ließest du auch mal einen Blick hinter die Kulisse zu.

Dort war es traurig und leer, staubig und kalt.

Und irgendwo, zwischen all dem Selbstmitleid und der Verzweiflung,
stand der ängstliche kleine Junge, den du in mir immer enttäuscht verurteilt hast.

Der Vorhang fällt. Jetzt sind wir beide allein.
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Michael,

diese Geschichte gefällt mir ausnehmend gut!

Aber wieder könntest Du ein bisschen auf die Lesbarkeit achten. Zu viele Zeilenumbrüche, auch mitten im Satz, als wolltest Du Verse andeuten.

So ein bisschen kann ich die Absätze nachvollziehen, als müsste der Protagonist immer erst einmal schlucken, bis er das nächste Gefühl verarbeitet oder den nächsten Gedanken in Angriff nehmen kann, aber das ergibt sich auch aus dem Text selbst. Der Gesamteindruck bleibt 'schlampig'.

Liebe Grüße
Petra
 



 
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