Abenteuer Gesprächstherapie, meine Wilde Maus der Gehirnwindungen

Ulla Ulm

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Da stehe ich nun als gestandene 40ig jährige Frau und denke über eine fachlich kompetente psychologische Gesprächstherapie nach. Wie konnte es so weit kommen? Subjektiv gesehen komme ich mit mir und meiner Umwelt gut zurecht. Aber, salopp formuliert, seit längerer Zeit würde ich am liebsten mein Verantwortungs-Verständnis-Gedulds-Gen ausschalten und dem Aggro-Gen freien Lauf lassen. Einfach mal verbal so richtig reinen Tisch machen. Aber, dass ist definitiv kein guter Plan und nicht die Lösung. Schließlich würde ich am Ende des Tages ziemlich alleine dastehen und wahrscheinlich zu Recht. Aber was ist dann mit mir los? Ist es das Alter? Die Wechseljahre? Burnout? Überforderung? Schwindende Eigenregulation? Schlechtere Selbstwahrnehmung? Egoismus? Corona-Zeit? … Viele offene Fragen, die ich mir einfach nicht mehr alleine, oder mit meinen engsten Vertrauten, zurecht puzzeln kann. Da muss ein Profi ran. Stichwort Gesprächstherapie. Wie der Zufall so will, habe ich durch Erzählungen von Freunden eine gute psychologische Praxis aufgeschnappt. Aber wie geht man am besten an so eine Nummer heran?

Da hilft das Internet. Zur Kontaktaufnahme ist die Website der besagten Psychologin leider nicht selbsterklärend. Also schreibe ich ihr einfach eine E-Mail. Schließlich ist das ein gängiger Kommunikationsweg. Einige Wochen später, immer noch keine Antwort. Anscheinend war das nicht eine meiner besten Ideen und doch nicht das gängigste Kommunikationsmittel. Okay, also versuche ich es zu der angegebenen morgendlichen Telefonsprechzeit und bekomme tatsächlich die Psychologin an die Strippe. Aufgeregt meinerseits und daraus resultierend mit einigen wirren Satzkonstruktion, vereinbaren wir eine erste Sitzung in ca. 8 Wochen. Genug Zeit, um das Ganze vielleicht doch noch einmal zu überdenken und ad acta zu legen!?

Kein Rückzieher mehr, der erste Sitzungstag ist da und ich erreiche die Praxisräumlichkeiten. Betrete das schlicht gehaltene Wartezimmer, an deren Tür ein Hinweisschild klebt „Bitte die Tür geschlossen halten“. Entweder soll niemand der Wartenden flüchten, oder inkognito für den Publikumsverkehr auf dem Flur bleiben. Wie auch immer, ich sitze da, höre das nervige ticken der Wanduhr und versuche mich mit News aus meinem Handy abzulenken. Pünktlich ruft mich Frau Dr. auf und geleitet mich in ihr Behandlungszimmer. Mein erster Eindruck von ihr empfinde ich als positiv und von einer freundlichen Distanz geprägt. Zumindest möchte ich nicht gleich kehrt machen. Der Eindruck der Räumlichkeit, echt Weiß und noch mehr weiß, außer zwei dunkle Cocktailsessel mit passendem Glastisch, auf dem eine unscheinbare Uhr drapiert ist. Das wird wohl der Gesprächsbereich sein. Bingo, gleich darf ich auf dem linken Sessel platz nehmen. Ein gewisses Unbehagen gemischt mit Aufregung macht sich in mir breit. Zum Glück wird dieser Zustand durch bürokratischen Fragen nach der Versichertenkarte und der Erläuterung, dass es sich erst mal um „Schnupperstunden“ handelt, unterbrochen. Diese können ohne großen Erklärungsaufwand gegenüber der Krankenkasse geführt werden. Außerdem bekomme ich noch einen Fragebogen in die Hand gedrückt, den ich in Ruhe zu Hause ausfüllen darf und per Mail zurückschicke soll. Na denn, mailen geht also doch.

Die Psychologin setzt sich mir gegenüber auf den anderen Cocktailsessel. Bewaffnet mit Klemmbrett, Stift und einem freundlich fragenden Blick in meine Richtung. Ein Szenario, wie sie im Buche steht. Ich atme tief durch und beginne zu erzählen, warum die Wahl auf sie gefallen ist und ich meine, dass ich ein psychologisches Gespräch benötige. Dabei kommen mir schon die ersten Tränen, die ich unter anderem damit begründe, dass alleine der Fakt, dass ich hier sitze schon eine Herausforderung für mich bedeutet. Gemeinsam loten wir einige Themen aus und Ruck Zuck ist die Gesprächszeit um. Zumindest scheint es die kleine Tischuhr anzuzeigen. Wir kommen zu dem Entschluss, Folgetermine zu vereinbaren um zu sehen, wie sich die Lage mit der Zeit entwickelt. Klingt nach einem guten Plan. Nach einer freundlichen Verabschiedung stehe ich vor der Praxis und sortiere mich erst einmal. Auf dem Heimweg versuche ich die letzte Stunde zu verarbeiten und komme zu dem Schluss, dass ich den richtigen Schritt gemacht habe. Auch wenn sich mein Gehirn wie Mus anfühlt und ich mich gerade emotional alles andere als stabil wahrnehme.

Die Wilde Maus nimmt im Gehirn Fahrt auf.

Der Fragebogen ist wirklich interessant und hat es in sich. Brav fülle ich das Teil aus und schicke es wie gewünscht per Mail zurück. Mal sehen, was Frau Dr. bis zum nächsten Termin daraus macht, oder auch nicht. Darf ich überhaupt irgendwelche Erwartungen haben?

Beim zweiten Termin steht der Fragebogen nicht auf der Tagesordnung. Sie habe ihn aus zeitlichen Gründen nicht lesen können. Das hat mich schon verwundert, weil ich dachte, dass Teil wäre echt wichtig, aber sie wird’s schon wissen. Also, Gesprächsrunde ohne Fragebogen, dafür mit sehr viel Erzählungen von mir, mit und ohne Tränen und einigen Notizen auf Frau Doktors Klemmbrett.

Die nächsten Termine laufen ähnlich ab, inklusive Fragebogen. Aus den Sitzungen heraus versuche ich, einige Alltagssituationen oder Verhaltensmuster bei mir zu ändern oder zumindest zu verbessern. Tatsächlich lassen sich Erfolge verbuchen, diese werden natürlich angesprochen, aber irgendwie nicht besprochen. Dieser Fakt fängt an mich zu irritieren. Müsste es nicht irgendwie zu einer Art von Einschätzung/Rückmeldung meiner Person kommen?

Außer ein „Ja, das hört sich doch gut an“ oder ähnliches, kommt da nicht viel zurück. Hilft ja nichts, also frage ich einfach mal nach, wie sie die Situation einschätzt und ob bei mir grundsätzlich etwas nicht stimmt. Tatsächlich lässt sie sich zu der Aussage hinreißen, dass ihrer Einschätzung keine pathologischen Erkrankungen dahintersteckt, es aber eigentlich noch zu früh ist, eine fundierte Aussage zu treffen. Damit kann ich arbeiten.

Die „Schnupperstunden“ sind vorbei und da weitere Stunden bei der Krankenkasse beantragt werden müssen, kommen wir überein, dass weitere Gesprächstherapiestunden sinnvoll sind. Diese werden von der Psychologin beantragt und wenige Tage später problemlos bewilligt. Motiviert gehen wir in die nächste Runde.

Die ersten Termine werden im Abstand von ca. 2 Wochen vereinbart. Nach einigen Sitzungen spüre ich eine seltsame Unzufriedenheit in mir aufsteigen. Irgendwie bringen die Sitzungen schon was und ich finde jedes Mal etwas zum Nachdenken für mich, aber so ein richtiges Feedback bekomme ich von meiner Therapeutin nicht. Irgendwas muss doch aus den Notizen auf dem Klemmbrett herauskommen. Ob positiv oder negativ oder ein Mix aus beiden, das wäre für mich schon wissenswert. Selbst meine dezenten Hinweise auf ein „Feedback“ ihrerseits kommen irgendwie nicht richtig an. On top kommt dann noch, dass sie während der Sitzungen immer mal wieder gähnen muss. Okay, das ist menschlich und kann passieren. Außerdem findet sie meine Erzählungen teilweise recht amüsant, was ich verstehen kann, aber leider nicht verbalisiert wird. Also, meldet sich bei mir eine leise Stimme, dass unsere Sitzungen vielleicht ein netter, leichter Zeitvertreib darstellen, in Richtung Wohlstandtherapie „Eine Therapie gehört zum guten Ton.“ Wahrscheinlich verrenne ich mich da in etwas und erwarte einfach zu viel. Ergo, bevor ich mich in etwas blödes hineinsteigere, durchstöbere ich das Internet und versuche herauszufinden, was ich von einer Gesprächstherapie und meiner Therapeutin erwarten darf. Überraschenderweise stelle ich fest, dass es nicht schlimm ist, seiner Therapeutin mitzuteilen, wenn man mit dem Verlauf der Sitzungen hadert. Also nehme ich Zettel und Stift in die Hand und schreibe meine offenen Fragen/Gedanken auf. Ob ich den Mumm habe, den zu benutzten, kann ich noch nicht sagen. Auf alle Fälle ist dieses Stück Papier bei den nächsten Terminen mit an Bord und kommt tatsächlich zum Einsatz. Ich haue einfach eine Frage/ Bitte/ Aufforderung, wie auch immer man es betiteln möchte, in Richtung von Frau Dr. raus und habe schon den Eindruck, dass sie überrascht ist. Jedenfalls verändert sich gleich ihre Körperhaltung und ich bekomme prompt einige Antworten/Anregungen zurück. Einmal in Fahrt lasse ich nicht locker und versuche, diesen Gesprächsverlauf bei zu behalten. Gerne hätte ich nachgefragt, ob die Sitzung so in Ordnung oder zu fordernd oder vielleicht sogar zu aufdringlich war. Da die Zeit um ist, kommt es nicht mehr dazu.

Mit einem besseren Gefühl, als die letzten Male, trete ich meinen Heimweg an und lasse die neu aufgekommenen Fragen einfach so stehen. Der nächste Termin wird kommen und wir werden sehen, ob diese Stunde nachhaltig was bewirkt hat.

Fakt ist, die Wilde Maus dreht weiter ihre Runden im Gehirn!

Nächste Stunde und nichts mit Nachhaltigkeit. Leider verlasse ich die Sitzung mit einem schlechten, fast resignierten Gefühl und versuche wieder mal zu ergründen, woran das liegen mag. An mir? An ihr? Am Therapiezeitpunkt? usw. Dieses Grübeln macht mich nicht schlauer, sondern drängt den Fokus, warum ich eigentlich eine Gesprächstherapie begonnen habe, völlig in den Hintergrund. Also beschließe ich, meiner Psychologin diesen Text bis „Fakt ist, die Wilde Maus …“ per Mail zu schicken. Vielleicht entknotet das die momentane Situation. Auf jeden Fall sollten Fragen auftauchen, die besprochen werden müssen. Nach meinen bisherigen Mail-Erfahrungen erwarte ich bis zum nächsten Termin keine Antwort auf mein Schreiben. Was auch genauso eintrifft.

Eine Woche später sitzen wir wie gewohnt in ihrem Praxisraum und ich bin gespannt, ob eine Reaktion auf meinen Text erfolgt. Tatsächlich beginnt sie die Sitzung mit den Worten „Sie haben mir eine Mail geschickt und ich habe diese gelesen. Was wollen sie mir damit sagen? Ich verstehe ihr Anliegen nicht ganz?“ Ich falle fast vom Sessel und bin Fassungslos über diese Aussagen. Was bitte soll daran nicht zu verstehen sein? Wendet sie gerade einen sensationellen psychologischen Kniff an!? Anders kann ich mir diese Rückmeldung nicht erklären. Wie auch immer, ich starte den Versuch ihr meinen Text verbal zu erläutern und was ich damit bewirken wollte. Aber keine Chance, wir reden komplett aneinander vorbei. Es endet damit, dass ich einfach resigniere. Meine Motivation sich auf dem Nullpunkt befindet und eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt erreicht den Raum zu verlassen. Da ich das aber für unangemessen halte, sammle ich mich kurz und schneide ein anderes Thema an. So plätschert die restliche Stunde dahin und ich bin froh, als ich mich vor der Praxis wiederfinde. Ab nach Hause. Dort angekommen, nehme ich mir die Zeit, den kompletten Gesprächstherapieverlauf der letzten Monate Revue passieren zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass ich die Therapie beim nächsten Termin beenden werde. Was hat es für einen Sinn und Zweck, an etwas festzuhalten, mit dem man sich zunehmend unwohl fühlt und sich kein Weg der Veränderung darstellt.

Die Wilde Maus ist in den Gehirnwindungen turbulent unterwegs.

Letzte Stunde. Auf die Frage meiner Psychologin „Gibt es etwas bei ihnen“ antworte ich „Ja, ich möchte die Gesprächstherapie mit dem heutigen Tag beenden.“ Als erste Reaktion, verschließt sie ihren schreib bereiten Füller und schaut mich überrascht an. Das war es wohl mit den geheimen Notizen auf dem noch geheimeren Klemmbrett. Ich fahre fort: „Die ersten Stunden haben mir schon etwas gegeben und ich habe einige Aspekte mitgenommen und versuche, für mich Dinge zu verbessern. Aber leider habe ich seit längerem das Gefühl, dass das nicht mehr der Fall ist und die Versuche, ihnen das zu vermitteln, sind gescheitert. Warum sich eine solche Dynamik entwickelt hat, kann ich nicht beantworten.“ Kurzer Einwand ihrerseits: „Ja, ich habe auch gemerkt, dass da etwas nicht so stimmt bzw. missverstanden wird“ Prompt schießt es mir durch den Kopf „Ja, warum tut sie dann nichts und spricht es nicht an? Nicht ihre Aufgabe? Egal, jedenfalls auch nicht meine Aufgabe, das herauszufinden“. Ich fahre einfach fort: „Ihre fachliche Kompetenz möchte ich auf keinen Fall in Frage stellen. Aber manchmal „matcht“ es, in diesem Fall, zwischen ihnen und mir, einfach nicht mehr und niemand kann wirklich was dafür. Deshalb möchte ich keine weiteren Gesprächstermine mit ihnen vereinbaren. Auch nicht mit einem anderen Therapeuten. Distanz und Ruhe ist das was ich jetzt brauche. Ich werde mit dem arbeiten, was ich aus den Anfangssitzungen für mich mitgenommen habe.“ Eigentlich wäre damit alles gesagt und wir könnten uns einfach freundlich voneinander verabschieden. Mitnichten! Denn plötzlich hakt Frau Dr. nach „Wollen sie die Therapie wirklich beenden und nicht wo anders weitermachen? Vielleicht wäre ja auch eine andere Therapieform was für sie z.B. Verhaltenstherapie?“ Jetzt wird es mir wirklich zu bunt und ich antworte unmissverständlich „Für mich ist die Therapie beendet.“ Sie entgegnet: „Gut, dann werde ich das der Krankenkasse mitteilen. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie jederzeit eine neue Therapie beginnen können. Sie dürfen sich natürlich auch gerne wieder bei mir melden.“ Ein einfaches neutrales „Danke für die Informationen“ kommt von mir zurück. Dann verabschieden wir uns freundlich voneinander. Ich verlasse die Praxisräume und fühle mich unfassbar erleichtert. Entspannt trete ich meinen Heimweg an.

Die Wilde Maus hat gestoppt und dreht keine neuen Kreise in meinen Gehirnwindungen. Es macht sich eine angenehme Art von Ruhe und Frieden in meinem Schädel breit. Puh, alles richtig gemacht!

Spontane Erkenntnis: Was für eine verrückte Nummer! Wieder ein Stück an Lebenserfahrung gewonnen!

Weitere Erkenntnis: Aus welchen Gründen auch immer, es ist nicht verwerflich eine Gesprächstherapie in Anspruch zu nehmen und eigenständig zu beenden. Eine Gesprächstherapie soll sich richtig anfühlen und das ist eine Frage des persönlichen Empfindens.
 

ThomasQu

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Hallo Ulla,

was mir an deinem Text gefällt, autobiographisch oder nicht, ist deine lockere Sprache und das Tempo, mit dem du mich durch das Erlebte führst.
Nicht so gut finde ich folgendes:
Du hättest viel akribischer an dem Text arbeiten müssen, alles fühlt sich unfertig an, wie ein Entwurf.
Bei Satzbau und Grammatik z.B. gibt es noch gehörig Verbesserungsbedarf und auf Zeilenumbrüche innerhalb der Absätze hast du leider ganz verzichtet. Das erschwert das Lesen.
Zusätzlich vermisse ich am Ende eine Art Pointe, die den Leser, bzw. mich, ein wenig schmunzeln lässt. Dann wäre der Plot rund gewesen.
Aber aller Anfang ist schwer.

Grüße, Thomas
 
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Ulla Ulm

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Hallo Thomas,

vielen Dank für dein Feedback. Nehme ich gerne an und werde daran arbeiten :eek:)

Beste Grüße und ein schönes Wochenende,

Ulla
 



 
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